All posts by Hazel Rosenstrauch

Schuld und Sühne der Deutschen Nicht nur Nationalisten oder Freunde der Hamas befallen gelegentlich Zweifel, wenn die deutsche Schuld abgerufen wird. Berliner hatten dafür schon vor vielen Jahren den hübschen Ausdruck „Wiederjudmachung geprägt. Das Unbehagen bei Reden und Veranstaltungen zum Thema Holocaust, Staatsräson und „die deutsche Verantwortung“ hat sich – auch unter Progressiven, Geschichtsbewussten oder „Betroffenen“– in letzten Jahren verbreitet. Deshalb hatte ich das Buch von Luca di Blasi bestellt. Die steile These des Autors lautet (falls ich es richtig verstanden habe), dass in der Politik der Schuld Ideologie vonRead More
Literatur als Medizin Es beginnt mit Oma Auguste, die wie in einem unkorrekten Bilderbuch früherer Zeiten hässlich ist wie eine alte Hexe, mit eingefallenem Oberkiefer, kurzbeinig, dick, mit Barthaaren, die aus dem schwammigen Kinn sprossen und gelblich-weißem Dutt. Aber sie hat der Erzählerin mittels schwülstigen Liedern den Zugang zur Literatur eröffnet. Nora erzählt von ihrer Kindheit, Ausbildung, dem Leben als Lehrerin, von ihrer Ehe, Krankheit und Alter. Die Kollegen in der Schule sind unglücklich oder ratlos, René ist „vertrackt und saugend“, Uli ohne Selbstvertrauen, die Kollegin hat ein auskragendes ObergebissRead More
Ein kühnes Unterfangen Der mittlerweile von einem Kollektiv geführte Wiener Mandelbaum-Verlag verlegt eine politische Edition „kritik und utopie“, in der bereits mehrere Bände über die Linke in verschiedenen Staaten oder auch aus nicht-staatlichen Gebieten (etwa dem Baskenland) herausgekommen sind. 2024 ist ein Band „Die Linke in Palästina“ erschienen. Der Verfasser Thomas Schmidinger unterrichtet nicht nur in Wien und Oberösterreich, er ist auch Associate-Professor an der Kurdischen Universität im Irak, gibt u.a. ein Jahrbuch für Kurdische Studien heraus und beschäftigt sich mit religiösen Extremismus, mit Minderheiten  im Nahen Osten und anderen abgelegenenRead More
Nachspeise zum Exil in Paris Hazel Rosenstrauch zu Uwe Neumahr „Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940. Zuflucht und Widerstand“ Natürlich ist es ein Unterschied, ob Texte über Flucht und Exil kurz nach dem Krieg geschrieben wurden, von Menschen, die „dabei gewesen“ sind, ob Exilliteratur ab Mitte der 1980er Jahre neu herausgegeben wurde, meist von kleinen Verlagen, oder ob sich nun große Verlage und Bestseller-Autoren des Themas annehmen. Es gibt inzwischen einen Markt für Bücher über Verfolgung und Not – damals, vor knapp hundert Jahren. Vor vierzig Jahren gehörten noch MutRead More
Ein Modell für Flüchtlingsbetreuung? Gäbe es ein Studienfach „Flucht und Betreuung“, wäre dieses Buch für den Grundkurs geeignet. Es handelt vom Czech Refugée Trust Fund (CRTF), und erzählt darüber hinaus vom Wie und Wer und Was. Bereits einen Monat nach dem Münchner Abkommen, mit dem nicht nur, aber auch die Briten die Tschechoslowakei preisgegeben hatten, wurde in Großbritannien eine erste Unterstützungsorganisation (BCRC – British Committee for Refugees from Czechoslovakia) gegründet. Kritiker der Appeasement-Politik, verschiedene Organisationen, Kirchen, Gewerkschaften, Armee, Presse, Abgeordnete und Bürger gründeten Initiativen, um Geld für gefährdete Gruppen zuRead More
Old Adult 1 + 2 – Teil 1: Gemütlich altern Jugendwahn war gestern, der Buchmarkt hat längst das Alter entdeckt, schließlich sind Leserinnen vorwiegend Ü 60. Es gibt zahlreiche Bücher mit Rückblicken und Räsonnement zum Thema. Man könnte die Nische – analog zu Young Adult – auch noch unterteilen: Der Psychologe, an den sich der „Held“ des Buches gewandt hat, unterscheidet zwischen „Jungem Alter und altem Alter“. Letzteres beginnt mit achtzig, das Alter, mit dem die Novelle beginnt. Man könnte das Genre „Old Adult and Very Old Adult“ nennen. DerRead More
Schlögel Wegzeichen1
Sonntagsspaziergang mit Intellektuellen Ich lese gerne ältere Bücher und fand in einem Band von 1990 Sätze, die sich für ein Gespräch unter Freunden eignen könnten – nicht als Trost, aber als Medizin gegen das Jammern. Karl Schlögel hatte damals einen Aufsatzband von 1909, Vechi, neu herausgegeben. Vertreter der russischen Intelligencija dachten darin über „Irrtümer ihrer Weltanschauung“ nach, „nicht aus hochmütiger Verachtung für ihre Vergangenheit, sondern aus Schmerz um diese Vergangenheit und in brennender Sorge um die Zukunft der Heimat“, wie es im Vorwort von Michail Geršenzon heißt. In seiner EinleitungRead More
Das Politische wurde persönlich Wenn Sie nur ein Buch über Verfolgung, Unsicherheit, Flucht, Ängste und Hoffnungen lesen oder verschenken wollen, nehmen Sie dies. Es geht über viele Darstellungen hinaus, die eine mittlerweile reiche Spezialliteratur zum Exil im vorigen Jahrhundert bietet. Der Balkan war lange ein blinder Fleck in den Geschichten über Zufluchtsorte für Menschen, die 1933 aus Deutschland, 1938 aus Österreich, 1939 aus der Tschechoslowakei und nach und nach aus den weiteren von Deutschen eroberten Ländern fliehen mussten. „Motive und Umstände des Exils waren unterschiedlich“ heißt es schon im Vorwort,Read More
Würde in schwierigen Zeiten Mit der Öffnung des eisernen Vorhangs (der ja zuerst an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn durchschnitten wurde), ist der Südosten auch literarisch ins „westliche“ Blickfeld geraten. Lea Ypi hatte in ihrem viel gelobten Roman „Frei“ beschrieben, wie sie als Kind in Albanien den Wechsel in die Freiheit, vielleicht auch nur ins Chaos erlebt hat. Ihr neuer Roman heißt „Aufrecht“, im englischen Original „Indignity“, also das Gegenteil von Würde, dem zentralen Thema dieser Rekonstruktion einer Biographie, die den großen Bogen vom Königreich über (erst italienischen, dannRead More
Böse & klug & poetisch Hazel Rosenstrauch über Antonio Fian „In aller Offenheit“ Es gibt eine Art von hinterfotzigem Humor, der Österreichern und speziell Wienern besonders gut gelingt (auch wenn sie aus Kärnten kommen). Seit vielen Jahren schreibt Antonio Fian Dramolette, das sind kurze pointierte Szenen, in denen er Alltagsprobleme, Politisches oder echte Sensationen wie den Würstelstand als Weltkulturerbe aufspießt. Da viele Texte im Dialekt geschrieben stehen und der Autor in Germanien wenig bekannt ist, sage ich dazu, dass er in der Tradition der großen österreichischen Wahr-Sager Helmut Qualtinger, GeorgRead More

Posted On Oktober 1, 2025By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2025

Hazel Rosenstrauch zur »Stunde der Raubtiere«

Von Tech-Lords – Konquistadoren – Anarchos Hazel Rosenstrauch über Giuliano da Empoli „Die Stunde der Raubtiere. Macht und Gewalt der neuen Fürsten“ Schon lange kein so an- und aufregendes Buch gelesen. Vielleicht lassen sich diese beängstigenden Umdrehungen in Technik und Politik doch verstehen? Giuliano da Empoli war als Politikberater und Journalist an vielen der Orte, wo sich furchtbar wichtige Menschen begegnen. An den „Schaltzentren der autokratischen Macht“, ob in New York oder Riad, Chicago, Washington oder Paris (so einige der Überschriften) beobachtet er Milliardäre und Politiker, Zuhörer der Konferenzen oderRead More
Blutrot republikanisch Viele Frauen sind schon entdeckt, aus der Versenkung und aus dem Schatten von Ehemännern, Onkeln oder Bischöfen geholt worden. Wer aber kennt Ludmilla Assing? Sie war die Nichte Karl August Varnhagens, der seinerseits lange im Schatten seiner berühmten Frau Rahel stand. Vermutlich ist auch der 2022 gegründete Parrhesia-Verlag nur wenigen bekannt, aber im Abseits geschehen bekanntlich oft spannende Dinge. Ludmilla Assing wurde wegen der Herausgabe der Tagebücher ihres Onkels angeklagt, „wegen Verletzung der Ehrfurcht gegen Se. Majestät den König von Preußen … Verhöhnungen von Einrichtungen und Anordnungen derRead More

Posted On Juli 1, 2025By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag Juli 2025

Hazel Rosenstrauch besucht das »Wespennest«

Schon ein Dreieck ist kompliziert Diesmal kein Buch: wespennest. Ein senkrechter lange Strich, ein schräger, ein Kreis, ein paar Punkte – die Zeichnung auf dem Titelblatt, und in Varianten im Heft, ist kompliziert. Sie bestehen, wie ich auf Nachfrage erfuhr, aus übereinandergeschichteten Buchstaben des deutschen Alphabets. Das Thema des neuen Heftes der überlebenden Literaturzeitschrift mit erfreulich langer Tradition lautet „Komplexität“, im Editorial ist von der sich immer weiter öffnenden Schere zwischen Trivialisierung und Hyperkomplexität zu lesen, auch von Verschlampung der Lesekompetenz, aber im Zentrum steht hier nicht das Heulen. Komplex,Read More
Gesicht geben. Zum Buch von Ernst Volland „Warum kennt ihr mich nicht? Frauen im Widerstand gestern und heute“. Wenig Text und verschwommene Bilder – das entspricht der Erinnerung an und dem Wissen über Frauen des Widerstands. Seit einigen Jahren haben widerständige Frauen zwar mehr Beachtung gefunden, einige Namen sind bekannt, es gibt sogar ein paar Plaketten und Stolpersteine. Ernst Volland ist Künstler, kein Wissenschaftler und sein Band ist auch keine feministische Arbeit, die auf Vollständigkeit oder eine repräsentative Darstellung aus ist. Seine Auswahl ist subjektiv. Die ersten Bilder mit KurzbiographienRead More
Ein Nazi-Bilderbuch. „Ginsterburg“ wurde mir empfohlen, als wir (aus aktuellem Anlass) über ein Hinüberrutschen nach rechts sprachen. Die Kleinstadt, in der die Frage exemplarisch durchgespielt wird, ist fiktiv, die Figuren auch. Von jedem Typus gibt es einen Vertreter, auch Vertreterinnen. Der Blumenhändler wird zum NS-Kreisleiter, der (natürlich jüdische) Zeitungsbesitzer begeht Selbstmord, der Redakteur des Provinzblattes ist nicht für die Nazis, lässt sich aber dann doch bestechen. Die Söhne des Kreisleiters sind bösartig und selbstverständlich in der Hitler-Jugend. Die (recht zurückhaltende) Opposition wird, wie könnte es anders sein, von der BuchhändlerinRead More
Vergnügte Lektüre in unsicheren Zeiten Schreckliche Zeiten erfordern außer-ordentliche Bücher. Zufällig oder doch vom Zeitgeist inspiriert sind mir zwei Bücher in die Hände gefallen, die sich mit Unsicherheit und Unordnung beschäftigen – und sie ausdrücken. Luciano De Crescenzos „Die Kunst der Unordnung“ lag schon lange auf einem meiner Bücherstapel, jetzt bin ich in der richtigen Verfassung, um seine Spielereien über das Zusammenwirkungen von Ordnung und Unordnung in sechzehn Kapiteln zu genießen. Das Eine geht nicht ohne das Andere – ob in der Mathematik, im Sport, in der Kunst oder derRead More
Rabauke, Abenteurer, Held War Willy Perl ein Haudegen, ein wagemutiger Abenteurer oder ein Verzweiflungstäter? Er hat kurz nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich als junger Anwalt erst von Wien aus und später in Rumänien, Griechenland, Budapest oder Zürich nach Wegen gesucht, um die jüdische Bevölkerung bzw. als Juden deklarierte Bewohner der von Deutschen besetzten Gebiete zu retten. Willy Perl begann seine Arbeit im Auftrag einer jüdischen Organisation (NZO) zuerst in Absprache mit Adolf Eichmann, der als Leiter der “Zentralstelle für jüdische Auswanderung” anfangs noch mit jüdischen Organisationen kooperierte, umRead More
“Geh zu dem Blinden” Gut, dass Verlage (aus welchen Gründen auch immer) Bücher neu auflegen, die vergessen oder Jüngeren nicht zugänglich waren. Ich habe gezögert, die letzten zehn Seiten zu lesen, weil ich nicht wollte, dass diese Lektüre zu Ende geht. Der Rückblick auf das wahrlich ‘unglaubliche’ Leben des blinden jungen Mannes war 1963, auf deutsch 1966 erstmals erschienen. Man liest mit funktionierenden Augen von dem wilden, übermütigen Jugendlichen, den mit acht Jahren der “Schlag des Schicksals” (dank an die Übersetzer, nicht Schicksalsschlag) trifft, als er bei einem Unfall seinRead More
Theodoros, ein Irrer auf dem Thron Äthiopiens Er hat ihn nicht gekriegt trotz der euphorischen Rezensionen, die Mircea Cărtărescu für nobelpreiswürdig halten. Überbordend, barock, geistreich, schwindelerregend, verspielt, verwandt mit dem phantastischen Realismus Lateinamerikas, lauten die Adjektive, mit denen der Roman gepriesen wird . Schon der Verlag spricht bzw. schreibt von Vollendung, Magie, Meisterwerk, der Autor sei “einer der größten literarischen Abenteurer der Gegenwartsliteratur”. Alles ist groß in dieser kontrafaktisch surrealen Biographie eines Machtmenschen, der als Sohn walachischer Dienstboten nach Abenteuern zur See, auf dem Lande und im Kloster zum KaiserRead More

Posted On Oktober 1, 2024By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2024

Hazel Rosenstrauch zum Mord an Mireille Knoll

Es gab Ungeheuer, aber nicht alle waren solche Monster Das Buch ist sechs Monate nach dem Mord an Mireille Knoll in Frankreich erschienen, es hat sechs Jahre gedauert, bis es am deutschsprachigen Markt ankam. Geschrieben wurde es innerhalb von vier Monaten von den Söhnen der Ermordeten. Beides Männer um die sechzig, die Mutter war 85 Jahre alt, als der Mann, den sie seit seinem siebten Lebensjahr kannte, sie zusammen mit einem Kumpel durch mehrere Messerstiche tötete und anzündete. Die Söhne haben geschrieben, um zu verstehen, was warum passiert ist. BeideRead More
Postbiologische Enteignung? Roboter allüberall, und mit ihrer rasanten Entwicklung steigern sich auch die Ängste und Klagen. Speziell in “der Kunst- und Kreativbranche”, von Autoren und Übersetzern wird automatisierte Sprache mit Sorge beobachtet. Ein Heft der Zeitschrift Akzente fängt verschiedene Stimmen ein, aktuelle und vergangene. Pessimismus überwiegt. Wie es sich für eine Literaturzeitschrift gehört, stehen geklaute Texte, verletzte Urheberrechte, Sprachverhunzung und Fakes im Mittelpunkt. Die Herausgeberin und Reisebegleiterin Claudia Hamm fragt bereits auf Seite 1, was “uns dazu führt, die Automatisierung des Menschen nicht mehr als Dystopie, sondern als verheißungsvolle ZukunftRead More

Posted On September 1, 2024By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag September 2024

Hazel Rosenstrauch: Plutarch über das Alter

Sommerkost in kleinem Format Bei Reclam gibt es diese schmalen kleinen Büchlein mit Bildungsgut, die Reihe heißt [was bedeutet das alles] – die eckigen Klammern sind Programm. Geeignet sind die Texte im A 5-Format einerseits für Zug- und U-Bahnfahrten und andererseits für ältere Semester, die noch lesen. Was mir in die Hände gefallen ist, eignet sich insbesondere für die wachsende Zahl von fitten Rentnern, die überlegen, was sie noch machen könnten, falls sie keine Yacht oder Aufsichtsratsposten haben. Der griechische Schriftsteller und Philosoph, der hier als Gewährsmann dient, meinte, dassRead More

Posted On Juni 1, 2024By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag Juni 2024

Joachim Maass – Schatz aus der Exilliteratur

Das Unheimliche, nicht nur in der Literatur Die titelgebende Geschichte trägt den Leser schnell weg von der Hektik der Gegenwart, wir sitzen im Zug nach Nebraska, der Doktor packt eine Whiskyflasche aus und beginnt zu erzählen. Schon mit den ersten Absätzen erzeugt der Autor eine Stimmung, in der Ruhe und Spannung wie in einem Stück klassischer Musik zusammenfinden. Man sieht aus dem Zugfenster das Steppengras und ein “Geblitz des Schnees”, und wie es sich für eine lange Bahnfahrt gehört hat, als Menschen noch miteinander gesprochen haben, folgt man dem ErzählerRead More

Posted On Juni 1, 2024By Hazel RosenstrauchIn Crimemag, CrimeMag Juni 2024

Hazel Rosenstrauch: Karl August Varnhagen

Romantischer Zeitgeist Dieses Jahr wird das innige Verhältnis vieler (nicht aller) Deutschen zur Romantik wieder gut sichtbar, dazu passt die Edition des emeritierten Germanistik-Professors Peter Sprengel. Er hat aus der umfangreichen, in Krakau aufbewahrten Hinterlassenschaft Karl August Varnhagens einen Ausschnitt aus den Reiseblättern gewählt und kommentiert sie in einem Nachwort. Es geht um die Reise von Berlin nach Tübingen mit Stationen in Meißen, Leipzig, Dresden, Bayreuth, Nürnberg und anderen Städten. Der damals 24-Jährige Varnhagen hat Stadtbilder und Landschaften, interessante Begegnungen und komische Männer, bestaunte Kunstwerke und seine Gedanken festgehalten. VielesRead More
Literatur und Eingeweidewürmer Adelbert von Chamisso war zur Zeit der Französischen Revolution acht Jahre alt, nach vierjähriger Flucht landete er in Berlin und wurde in Preußen heimisch. Feingeister kennen ihn als Erzähler der Geschichte von Schlemihls wunderbarer Reise mit Siebenmeilenstiefeln, dass er auch Botaniker war, hat sich schon ein bisserl herumgesprochen. Dass er als Naturforscher an einer der “letzten großen Forschungsexpeditionen auf der Suche nach der legendären Nordostpassage” teilgenommen hat, erstaunt die Freunde, denen ich davon erzähle. Drei Jahre ist der poetische Botaniker auf dem unbequemen Schiff zwischen Südsee undRead More
Wortwahrscheinlichkeitsvorhersagemaschinen Der Begriff “KI” ist Ursache vieler Missverständnisse, man sollte die “Künstliche Intelligenz” anders nennen. Aber das steht erst auf Seite 317. Die Materie, um die es in diesem Buch geht, ist oft “von eingeübten Denkgewohnheiten weit entfernt”. Miriam Meckel und Léa Steinacker erklären nicht nur, sie drehen auch Fragen und Aussagen hin und her, wägen ab, differenzieren, und man merkt dem Buch an, dass ihnen diese schwierige Materie Freude macht. Die vielen Aspekte lassen sich hier nicht zusammenfassen, aber allen, die dieses Teufelszeug gerne meiden, sei gesagt – esRead More