Anne Kuhlmeyer: Nix aus Papier Kein Wort, keine Stimme, nur die Heidelibelle dieses Jahr.Kein Lied, kein Buch, nur das Pulverholz. Der Wiesensalbei bläut das Stückchen Erde hier.Thymian schmiegt sich um Lichtnelke und Natternkopf …Feldwespen trinken vom Fenchel,Wollbienen kuscheln am Ziest. Ich hab sie gepflanzt, die Blumen und die Schmetterlinge,die Eberesche und die Mehlbeere,die Schnecken und die Käfer.Hab einen Teich gegraben den Molchen, Kröten, Fröschen. Immortellensamen legte ich,damit sie nicht aussterben,damit die Fischerwitwen ihren Toten wieder Kränze binden können,damit ein bisschen Leben auf den Boden fällt. Boden – bis auf den
Read More Ulrich Mannes: Marisa Mell und ein Kurzfilm von Max Zihlmann … Das Filmjahr 2023 startete für mich wieder im Münchner Werkstattkino, wo ich wie 2022 ein einwöchiges Special mitverantworten sollte. Diesmal holten wir den Schweizer Universalkünstler Clemens Klopfenstein nach München, der für sieben Tage unter dem Label „Carte Blanche für Clemens Klopfenstein“ über das Werkstattkino-Programm verfügte. Klopfenstein zeigte Highlights aus seinem filmischen Gesamtwerk (darunter E NACHTLANG FÜÜRLAND und DER RUF DER SIBYLLA) und kombinierte diese mit einer Auswahl von Filmen anderer Regisseure, die sein Schaffen beeinflusst haben – oder die
Read More Marcus Müntefering: 2023 – Was vom Jahre übrig bleibt Literatur Bret Easton Ellis – The Shards. Sprich, Erinnerung. Heißkalter Thriller. (Siehe hier bei uns.) Megan Abbott – Aus der Balance. Wie brutal Ballett sein kann. Percival Everett – Die Bäume. Zombies! Run, Racists! Deepti Kapoor – Zeit der Schuld. Die indische Version von „Der Pate“? Nein, besser (zumindest als Puzos Roman). Kim Koplin – Die Guten und die Toten. Berlin brutal. Fast ohne Klischees dafür mit ungelöstem Autorenrätsel. John Brownlow – Seventeen. So. Geht. Action. Und nur so. Michael Connelly
Read More Regina Nössler: Mein Krimi- und Romanjahr 2023 Melissa Ginsburg, „Sunset City“ (Polar, aus dem Amerikanischen von Kathrin Bielfeldt, mit einem Nachwort von Sonja Hartl). Ein Detective steht vor Charlottes Tür und teilt ihr mit, dass ihre beste Freundin Danielle tot ist. Ermordet. Nachdem sie Drogen und Knast überstanden hat und, wie Charlotte bald erfährt, Pornodarstellerin für Internetfilmchen war. Charlotte und Danielle hatten sich voneinander entfernt, trotzdem betrachtet sie sie immer noch als ihre beste Freundin, eine Freundin allerdings, die immer die Schillernde war, die alles überstrahlte und in deren Schatten sie
Read More Andreas Pflüger: Meine Kulturhighlights 2023 Prosa: Ofer Waldman, Singularkollektiv (Wallstein) Lyrik: Johanna Hansen (Bilder) und Ulrike Schrimpf (Gedichte), Pariser Skizzen / Je te flingue (Edition Melos) Sachbuch: Aurélie Bros (Hrsg.), Briefe von Frauen aus der Ukraine an die freie Welt (Elisabeth Sandmann Verlag) Serie: The Offer Film: Nur Nieten gezogen, die schlimmste war Avatar II. Album: Wilco, Cousin Wiederentdeckt: Puccini, Turandot, Mailand 1957, Maria Callas Konzert: Dvořáks Mittagshexe, Heimspiel der Berliner Philharmoniker, dirigiert von Robin Ticciati Ausstellung: Daniel Boyd, Gropius Bau Berlin Fotografie: Michael Dressel, Lost Angeles Architektur: Mario Cucinella Architects, Kirche Santa Maria Goretti in Mormanno, Kalabrien Ballett: Bin seit 66
Read More Lisa Sandlin: A Feast Day at San Juan Pueblo Ohkay Owingeh, The Place of the Strong People June 24, 2023 is blazingly bright and 90 degrees (32C). Though the earth plaza here at San Juan pueblo has been watered to keep down the dust, dust rises anyway. One family has built a ramada of cottonwood branches leaves to form a cool green room to watch the dances from. Others have brought collapsible chairs they set in crescents of shade. There is much greeting of friends and family. Few outsiders are
Read More Ulrike Schrimpf: Kettenkarussel Wenn ich an die Winter- und Weihnachtszeit denke, kriege ich das kalte Kotzen, und das darf ich nicht laut sagen. Dabei will ich es in die Welt schreien, jedem Passanten auf der Straße will ich es vor den Latz knallen, und meiner Schwiegermutter, die so vollendete Plätzchen backt, dass man sie nicht von denen aus einer Konditorei unterscheiden kann, will ich das ins gepflegte Gesicht drücken. Mitten rein in die Visage. Wenn die Weihnachtszeit ein Lebewesen wäre, würde ich ihr einen Dolch in die Brust rammen, mitten
Read More Wallace Stroby For me, 2023 turned out to be the year of the Big Re-Read. I was struggling with a work-in-progress, and decided to revisit some of the crime novels that had most influenced me over the years, hoping to get a little of that mojo back. It worked (mostly). These are the books I chose to re-read, alphabetical by author: LAWRENCE BLOCK: WHEN THE SACRED GINMILL CLOSES (1986) / A TICKET TO THE BONEYARD (1990) / EVERYBODY DIES (1998). Block wrote five books about unofficial private detective Matt Scudder,
Read More Robert Wilson: Nobody knows what’s truly going on ANATOMY OF A FALL is one of those rare beasts, an art house movie that has been given a general release, well at least here in the UK, certainly helped by winning the Cannes Palme d’Or. A more accurate but less appealing title for the movie might have been ‘Dissection of a Marriage’ because that is what happens in this tense but strange approximation of a courtroom drama. The film opens in a large Alpine chalet undergoing renovations with Sandra, a writer,
Read More 12 Sachen, gehört Milton Henry: Rastafari Cannot Die / Branches And Leaves Dub Milton Henry verstarb bereits am 3. Dezember 2022. Krebs. Mitgekriegt habe ich das erst Anfang Januar, als die Roots-Reggae-Sendung Shocks of Sheba auf KBOO Portland dem 72-jährigen Arrangeur, Komponisten und Sänger mit einer Stimme wie frisch gebutterter Toast Tribut zollte. Ich suchte diese Maxi raus. Sie war schon ziemlich durch. Robert Forster: Tender Years Das coolste Mitglied der eh recht coolen Go-Betweens schreibt ein Liebeslied an seine Frau nach ihrer überstandenden Chemotherapie und fasst sie so zusammen: »She’s a
Read More Alf Mayer über „Das Tarot von A. E. Waite und P. Colman Smith. Die Geschichte des populärsten Tarot der Welt„. In einer leinengebundenen Schlagkassette – wie ein Artefakt aus den Archiven des Vatikans oder eines Fürsten – kommt ein aufregend ultimatives Tarot-Buch, wie es noch keines gegeben hat. Der Verlag Taschen übertrifft sich damit wieder einmal selbst, die Zeichen dafür müssen günstig dafür gestanden haben. Die prächtige Box enthält einen kompletten Satz der vom Mystiker Arthur E. Waite zusammen mit der Künstlerin Pamela Colman Smith geschaffenen 78 Karten von 1909
Read More Gewonnen hat Vanessa Bönninghoff aus Finnentrop. Herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Lesen!
Read More Telescopes are Time Machines 1 bild / 100 worte Für den ELT-Hauptspiegel (M1) produziert die Firma Schott in Mainz insgesamt 949 sechseckige, leicht gebogene Einzelteile im Durchmesser 150cm und schickt sie nach und nach nach Chile. (Quelle: Firmenwebsite.) Moment. Warum berichtet der britische Economist (dem Stella bisher geneigt war zu trauen) von nur 798 Einzelteilen??? (Rüde erwacht der Sinatra-Geist zur allfällig fragwürdigen Wahrheit zuverlässig geglaubter Quellen.) OK. Das Nachlesen ergibt: Beide haben recht! (Puh, bonne pioche.) Sa sa sa merke, was Jacques Derrida als Devise aufstellt: „Der Vorgriff auf die
Read More Herzlich willkommen! Diesen Monat können wir unserem Kolumnisten und Freund Frank Göhre zum 80. Geburtstag gratulieren, Sonja Hartl hält die Laudatio. Der Jubilar selbst steht gerade mit seinem Roman »Harter Fall« auf der Krimibestenliste (unsere Besprechung hier) und er hat für uns eine imaginäre Reise zum Krimiautor Eugene Izzi in Chicago unternommen, um den ihm wichtigen Kollegen zu porträtieren. Unser USA-Korrespondent Thomas Adock schreibt dieses Mal aus New Orleans und hält bei den immer zahlreicher werdenden Verschwörungsfanatikern gegen: »Jackboot Dreams: Plotting a Dark Future«. Alf Mayer fragt sich aus Anlass
Read More Jackboot Dreams Plotting a Dark American FutureFinding a way out of no wayby Thomas Adcock Copyright © 2023 – Thomas Adcock NEW ORLEANS, Louisiana—U.S.A. Somewhere beyond this jazzy gumbo of a multi-cultural southern city—most likely in the northern mountain state of Idaho—lives a strange and über-wealthy man who advertises himself as “fated to become a warlord” in the cause of Donald J. Trump and his criminal cult of tattooed street brawlers, mouth-breathing yahoos and perfidious plutocrats who together have subsumed half the governing duopoly of America, i.e. the reprehensible Republican
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, 59 Fotos sind es in unserer kleinen Carsten-Klindt-Galerie mittlerweile geworden. Und es geht weiter. Heute kommen wieder zwei dazu. Kriminalliteratur wurde früher gerne als „Asphalt-Literatur“ abgetan. Wir finden, dass das ein Adelstitel ist. Wir mögen Asphalt, wir mögen Großstadt, wir mögen Realität. Deswegen präsentieren wir Ihnen hier eine Rubrik, die jeden Monat ein Bild des Fotografen Carsten Klindt zeigt, jetzt sogar manchmal jeweils zwei – und bis Folge 34 manchmal Texte der Polizistin Nadja Burkhardt kombiniert hat: Street Scenes. Aus Realität wird Kunst, fragmentarisch und kaleidoskopisch. Freuen Sie sich mit uns! Hier
Read More Eine kleine Laudatio von Sonja Hartl Göhre steht in meinem Bücherregal direkt neben Goethe. Und dieser alphabetische Zufall beschreibt ganz gut meinen beruflichen Weg: Goethe war ein wesentlicher Bestandteil meiner abgebrochenen Dissertation. Göhre ist wesentlicher Bestandteil meines Krimikritikerinnendaseins. „Das Zimmer im 2. Stock der Pension Messmer lag zur Straße hin. Die Vorhänge waren zugezogen, Deckenbeleuchtung und Nachttischlampen eingeschaltet, und die korpulente Frau, die rauchend am Waschbecken stand, wiederholte unablässig, dass nichts angerührt worden sei, wirklich nichts, von niemandem. Sie schnippte dabei die Asche auf den Boden und nickte bekräftigend. Broszinski
Read More Eigentlich ist es umgekehrt. Und Sonja Hartl gratuliert Frank Göhre in dieser Ausgabe ja auch in unser aller Namen zum 80. Geburtstag, den er am 16. Dezember feiern kann. Der hingegen, anstatt sich auszuruhen – sein jüngster Roman „Harter Fall“ findet sich gerade im dritten Monat auf der Krimibestenliste (Alf Mayers Besprechung hier) –, schenkt uns und Ihnen das Porträt eines Autors, der für ihn wichtig gewesen ist: Eugene Izzi aus Chicago. In lockerer Folge will Frank Göhre in nächster Zeit kreuz und quer durch die Welt reisen und Autoren
Read More Paula Rodríguez‘ Roman „Dringliche Angelegenheiten“ – von der Realität eingeholt Ein zweiter Blick und einige Nachfragen bei der Autorin, von Alf Mayer Paula Rodríguez: Dringliche Angelegenheiten (Causas urgentes, 2020). Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Unionsverlag, Zürich 2023. 224 Seiten, 24 Euro. – Siehe auch die Besprechung von Sonja Hartl in unserer Novemberausgabe. Manchmal wird noch die wahnwitzigste Literatur von der Realität eingeholt. Ganz aktuell geschieht das gerade mit der Argentinierin Paula Rodríguez und ihrem Roman „Dringliche Angelegenheiten“, das ein ziemlich durchgeknalltes, dabei sympathisch menschliches Land zeigt. Das Buch ist
Read More Was Tote träumen Ulrike Schrimpf zu Andreas Pflügers Roman »Ich bin schon lang in diesem HausGebaut aus dem, was Tote träumen.« An einer Stelle seines aktuellen Romans Wie Sterben geht zitiert Andreas Pflüger, einer der führenden deutschsprachigen Erzähler, den Mythos Koras: Hades liebt sie so abgöttisch, dass er sie in Persephone umbenennt, in sein Schattenreich entführt und dort zur Totengöttin macht. Zeus aber, der das Leiden von Koras Mutter Demeter abmildern will, zwingt Hades dazu, Persephone immer im Sommer zurück an das Licht und in das Leben zu lassen. So wechselt Kora
Read More „Da ist noch so viel mehr“ Darf man Filme, deren zentrales Motiv Alkoholabhängigkeit ist, als eigenes Genre bezeichnen, ähnlich Kriminalfilmen oder Romantischen Komödien? Und wie soll diese Gattung heißen? Alkoholikerfilm, Unterkategorie Suchtdrama oder Trinkerkomödie? Wie auch immer, das Genre hat Konjunktur. Und es hat sich mit den Jahren verändert. Seit dem eindringlichen Klassiker „Das verlorene Wochenende“ (1945) von Billy Wilder hat Hollywood jede Menge solcher Filme hervorgebracht, die schon selbst wieder zu Klassikern geworden sind. Die Stuhlkreise der Anonymen Alkoholiker, ob in der Luxusklinik oder im Gefängnis sind mittlerweile ikonisch,
Read More Mein Freund Lucky, oder: Ich kannte mal einen Kerl, der … Georg Seeßlen: Lucky Luke. Fast alles über den (nicht gar so) einsamen Cowboy und seinen Wilden Westen. Kultur & Kritik 8, Verlag Bertz + Fischer, Berlin 2023. Paperback, Format 12,5 x 19,5 cm. 272 Seiten, 92 Fotos, 18 Euro. Textauszug: Vorwort von Georg Seeßlen Ich weiß nicht, was poetisch ist. Ist es ehrlich in Tat und Wort? Ist es ein richtiges Ding? (Die Magd Audrey in Wie es euch gefällt von William Shakespeare) I’m a poor lonesome Cowboy, far away from home. (Lucky
Read More Fieses Konzentrat Zu den im deutschsprachigen Raum sträflich übersehenen Autoren des Noir gehört Pascal Garnier (1949 – 2010), der in Frankreich und dem UK eine etablierte Größe war. „Der Beifahrer“ aus dem Jahr 1997, mit dem Wiener Septime Verlag eine Garnier-Edition startet, ist ein schönes Beispiel für seine prägnante und virtuose Erzählkunst. Fabien und Sylvie führen eine schal gewordene Ehe. Sylvie stirbt bei einem Autounfall. Ebenfalls tot im Wrack ihr Beifahrer, der auch ihr Lover war. Fabien ist mäßig erschüttert. Mehr interessiert ihn, dass dieser Beifahrer eine Witwe hinterlässt, Martine.
Read More Das Leben feiern, hundertprozentig Ein Interview von Ulrich Noller, nicht nur zum Roman „Eingeäschert“ Ulrich Noller: Voll ins Schwarze: Eine Verfolgungsjagd endet in einem offenen Grab. Muss man auch erstmal drauf kommen, oder? Doug Johnstone: Ehrlich gesagt hatte ich dieses Bild einer Verfolgungsjagd durch einen Friedhof schon lange im Kopf. Ich mochte einfach das Nebeneinander dieser scheinbar unvereinbaren Dinge: die Ruhe eines Friedhofs, die Feierlichkeit eines Trauerzugs und dann die verrückte Action eines Autos, das von der Polizei durch die ganze Szene gejagt wird. Als ich mit dem Schreiben angefangen
Read More Beckmann trägt – Eine neue Figur etabliert sich Alf Mayer über den zweiten Roman von Jochen Brunow „Einmal in ihrem Flussbett eingeschlossen, läuft die Geschichte Gefahr, darin zu versickern, wenn man nicht zulässt, dass sich ihre Zeit nach außen hin verlängert, dorthin, wo wir, die Protagonisten aller Geschichten, leben. Wo nichts abgeschlossen ist.“ (Michelangelo Antonioni; als Motto in „Die Chinesin“) Das hatte ich in meinen 45 Kritikerjahren so auch noch nicht: schon gleich wieder so viel Magnetismus, dass ich das neue, noch gar nicht erschienene Buch eines Autors unbedingt schnellstmöglich
Read More Heute ist mehr Lametta – „Versunkene Gräber“ meidet die Orte, an denen es angesiedelt ist Das Zweite hat meine festliche Vorweihnachtsstimmung – im Zeichen von Erdnussflips und schönem Pils – so gründlich vermiest. Nicht dass ich mich im Vorfeld auf die neueste Romanverfilmung von Elisabeth Herrmann mit Jay Jay Liefers als Rechtsanwalt Vernau übermäßig gefreut hätte, gespannt wie ein Flitzbogen war ich allerdings, wie das ZDF-Produktionsteam einen geheimnisvollen Flecken Erde zu inszenieren vermag, den ich aus dem Effeff kenne. Leider erwies sich die TV-Novemberfolge „Versunkene Gräber“ als rabiater Stimmungskiller mit
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