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Dieses Gedicht  Abends, wenn die Zeilen
leer im offenen Fenster klappern und Lücken im Gefühl auftauchen, wie Gespenster grinsen: wen glaubst du zu erkennen zwischen den unvollständigen
Sammlungen von Absichten
und Insektenflügeln, wohin
sind Bemühung und Schrift.  Feg alles vom Tisch: die Blätterhaufen, unter denen die Worte verrotten. Die zurechtgelegten Würfel. Die Schuldbekenntnisse. Die Girlanden.  Schritte hallen heran, warte, solange du willst: sie werden dein Gedächtnis nicht erreichen.  London vorbei, die Welt:eine Schublade voller Kopien, und du weißt: kein Satz überlebt den Januar.Du weißt: auch dieses Gedicht bleibt ungeschrieben.  © ingrid mylo  Die sonnige Fratze des Wasserspeiers  Messerwurf. Münze.
Die sonnige Fratze des Wasserspeiers
auf dem Weg zumRead More

Posted On Dezember 16, 2018By Ingrid MyloIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2018

Zwei Gedichte von Ingrid Mylo

La Véronique Hier sind die Schmetterlinge groß, und die Zikaden ziehen die stehengebliebene Zeit auf, ununterbrochen: vergeblich. Und der Wind: aus den Steineichen streicht er die unzutreffenden Bilder, hier, wo die Städte nichts gelten. Stühle schon eher: im Schatten. Oliven, die tausendmal in den Zweigen einen Punkt setzen hinter jedem Versuch, die Lesart zu ändern. Ja, hier, wo die Toten ihr Herz darbieten im aufgeplatzten Grün einer Mandel. Prosperos Buch Die Chinesen, heißt es, lesen die Zeit in den Augen der Katze. Wer hätte je versucht, in der Stille desRead More
Elf Dörfer entfernt Leg die weißen Gladiolen nieder in jener Mulde der Zeit, in der sich im kühlen Zimmer die Nachbarn drängten wie dunkle Boote am Abend des Sturms. Sein Körper lag noch im Bett: doch er war schon seit Stunden nicht mehr der Mann, der Bretter zu Fässern bog, der seinen Sohn verlor im Krieg und seine Tochter an einen Heimatlosen. Nicht mehr der Mann, zu dem die Katze zurückfand, die er ausgesetzt hatte, elf Dörfer entfernt. Einst hielt er dich auf dem Arm: dachtest du. Aber er stand,Read More