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Posted On November 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche zu Ray Lorigas Roman

Der Terror der Transparenz Angesichts leicht dystopischer Zustände, die zurzeit realiter herrschen, sind dystopische Romane weniger warnende Schreckensvisionen als Gedankenexperimente über eine als kontingent gedachte Zukunft. So auch “Kapitulation“ des spanischen Schriftstellers und Drehbuchautors (für u. a. Carlos Saura und Pedro Almodóvar) Ray Loriga. Erschienen 2017 in Spanien, also vor Pandemie und Krieg, sieht sein Szenario so aus: Irgendwo auf der Welt herrscht seit zehn Jahren Krieg. Wer gegen wen warum kämpft, bleibt völlig unklar. Das gilt auch für die Bevölkerung auf dem Lande, die unter den üblichen Kriegsfolgen leidetRead More

Posted On September 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Nachruf auf Sempé

Eigentlich hatte ich mich auf Sempés Band „Endlich Ferien“ gefreut, kurz nachdem ich endlich Ferien gemacht hatte, und der zudem rechtzeitig vor seinem 90sten Geburtstag am 17. August erschienen ist. Aber Sempé ist am 11. August gestorben, und deswegen wurde aus dem Gratulationsartikel nolens volens ein Nachruf. Ich hasse es Nachrufe zu schreiben, vor allem wenn ich schon ein halbes Dutzend davon auf Sempé gelesen habe, unvermeidlicherweise. Schließlich war er ein Gigant der französischen Kultur. Wobei „Gigant“ nur seine Bedeutung meint, denn ansonsten war so gar nichts Gigantisches, Übergroßes, GewaltigesRead More

Posted On September 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche zur „Geheimsprache des Blues“

Musik des Widerstands, der Kritik, der Selbstermächtigung, des Spotts, der Selbstironie – und der Wollust Robert Cremer: Die Geheimsprache des Blues. Die wahre Bedeutung der Songtexte (Secret Language of the Blues: What the Lyrics Really Mean, 2021). Mit einem Vorwort von Bobby Rush. Edition Olms, Zürich 2022. 868 Seiten inkl. Diskographie u. über 250 teils farbige Fotos u. Illustrationen, 49,95 Euro. Doppelt oder mehrfach codierte Sprachverwendung gehört zum Kernbereich jeder sprachlich verfassten Kommunikation – das gilt für den „vierfachen Schriftsinn“ bei der Bibelauslegung (cf. Friedrich Ohly) genauso wie für den Blues. Der nunRead More

Posted On Juni 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Einige Bücher zur Polizei

 Very true crime … Man muss TRUE CRIME nicht nur als nicht ganz so Neues, neuerdings aber erstaunlich beliebtes Subgenre der Kriminalliteratur verstehen, in dem Kriminalfälle aus der Realität rekonstruiert werden, mit dem Grusel des Authentischen anstatt mit der Angstlust des Fiktiven. Es ist aber schon bemerkenswert, dass True Crime sich meistens auf die verbrecherische Tat konzentriert, auf die Ermittlungsarbeit, manchmal auch auf die juristische Nachbearbeitung. Bei True Crime ist das dualistische Weltbild womöglich noch ausgeprägter als in den jeweiligen fiktionalen Pendants: Hier das Skandalon, das Verbrechen, der Fall, dortRead More

Posted On Mai 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche zum „Horror im Comic“

Standardwerk par excellence Alexander Brauns Prachtband „Horror im Comic“ ist eine extrem lehrreiche und spannende Kulturgeschichte einer Kunstform, die an die Kerne unserer modernen Gesellschaften geht. – Thomas Wörtche ist ziemlich begeistert. In Zeiten des realen Horrors nebenan, scheint „Horror im Comic“ eine eher harmlose, gar frivole Veranstaltung. Aber der Horror nebenan, sprich der Krieg in der Ukraine, ist leider nur ein Horror unter vielen im letzten und diesem Jahrhundert. Das 20. Jahrhundert war geprägt von unvorstellbaren, einzigartigen Gräueln, von der Vernichtung von Menschenleben, von Körpern, von ethischen Standards, undRead More

Posted On März 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Der Néo-Polar lebt

Jérôme Leroy und Max Annas haben gemeinsam einen Roman geschrieben: „Leipzig Terminus“ Manche Ideen sind irgendwie logisch. Das Lyoner Festival „Quais du Polar“, eine der feinsten Adressen im europäischen Krimi-Festival-Zirkus hatte die Idee, einen „vierhändigen“ Roman schreiben zu lassen, eine Art literarischer Cadavre-exquis, wie diese Methode bei André Breton und den Surrealisten genannt wurde. Einer fängt an, der andere macht weiter. Die beiden Spieler, Jérôme Leroy und Max Annas, sind hinreichend unterschiedliche Autoren, um kreative Spannung und Reibung aufkommen zu lassen, aber sie stammen eben auch, wie Leroy in einemRead More

Posted On März 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Das Grauen und das Flittchen

Thomas Wörtche zu Josephine Teys „Nur der Mond war Zeuge“ „Das Grauen“, schreibt Louise Penny in ihrem Vorwort zu Josephine Teys „Nur der Mond war Zeuge“, ist „weit mächtiger, wenn es nicht ausbuchstabiert wird, sondern nur angedeutet“.  Ja, so etwas kann in der Tat bei Kriminalromanen oder anderen einschlägigen Narrativen (zum Beispiel bei Henry James „The Turn of the Screw“) vorkommen. Aber auf welcher Ebene siedeln wir das Grauen jeweils an? „Nur der Mond war Zeuge“ – ab jetzt verwende ich den Original-Titel „The Franchise Affair“, weil der Mond in demRead More

Posted On Februar 1, 2022By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Chester, Wer?

Zentral  – Chester Himes Eine Glosse von Thomas Wörtche Es fällt schon auf: Die Rezeption zweier gewichtiger Romane schwarzer Autoren, James McBrides „Der heilige King Kong“ (dt. von Werner Löcher-Lawrence, btb), und Colson Whiteheads „Harlem Shuffle” (dt. von Nikolaus Stingl, Hanser), die unlängst bei uns erschienen sind, kommt im Großen und Ganzen ohne die Erwähnung von Chester Himes aus. Na und, warum auch?, mögen Sie sagen. Oder: Chester Wer? Chester Himes (1909 – 1984) war ein zentraler Autor für den Weg der Kriminalliteratur in die Moderne. Ein radikaler schwarzer Autor, derRead More

Posted On Dezember 31, 2021By Die Redaktion

Thomas Wörtche, Helmut Ziegler, Robert Zion

Motto: Funny how time slips away TWs Jahreshighlights Zeitschleife. Was war letztes Jahr, was dieses? Bei vermutlich nicht mehr allzu langer Lebenszeit ist so verknautschte Zeit ziemlich nervig. Man lebt auf etwas hin, was man eh nicht mehr erreichen wird. Positiv gewendet: Man kommt in der leeren Zeit dazu, das zu tun, was man noch zu tun hat und tun kann. Wobei wie eh und je gilt: Man kommt ja zu nix. Aber immerhin zu der Erkenntnis, dass man das Rumräsonieren über den Status Quo der Welt ruhig den sichRead More
Zu ahnen, aber nicht zu fassen Der aktuelle Roman von Jonatham Lethem heißt „Anatomie eines Spielers“. Was bedeuten kann, es geht um Gestalt und Struktur eines Menschen, eben eines Glücksspielers. Oder es geht um die Zergliederung seines Körpers. Oder, der Originaltitel, „A Gambler’s Anatomy“, gibt auch das her: Ein Spieler nimmt eine Anatomie vor – so im Sinn von „Die Anatomie des Dr. Tulp“. Tatsächlich stecken alle drei Optionen im Text: Alexander Bruno, ein professioneller, telepathisch begabter Backgammon-Spieler, der gerade in Singapur eine Menge Geld verloren hat, versucht in BerlinRead More
Nach gerade mal zehn Seiten setzt Viet Thanh Nguyen in seinem zweiten Roman „Die Idealisten“ das erste kräftige Ausrufezeichen. Sein Ich-Erzähler ist tot, er hat zwei Löcher im Kopf und bezeichnet sich als „Ghostwriter“. Wer also nach Nguyens vielgepriesenem Polit-Thriller „Der Sympathisant“ einen weiteren, eher realistischen Roman erwartet, sieht sich düpiert. Auch wenn das Personal der „Idealisten“ partiell dasselbe ist wie das des „Sympathisanten“.   Der bis dahin namenlose Erzähler, der, so zeigt sich später, möglicherweise Vo Danh heißt, ist im Paris des Jahres 1981 gelandet: Als „Boat People“ ausRead More

Posted On April 1, 2021By Thomas Woertche

Thomas Wörtche über das neue Buch von Patrícia Melo

Ein Glücksfall von Buch „Gestapelte Frauen“, der neue Roman der Brasilianerin Patrícia Melo, ist ein wütendes Buch über ein abscheuliches Skandalon. Es geht um Feminizide, also Tötungsdelikte an Frauen, weil sie Frauen sind, deren Häufigkeit global gesehen erschreckend ist. 2017 gab es weltweit ca. eine halbe Million Opfer, Tendenz rasant steigend, die Dunkelziffer ist entschieden höher. Brasilien und dort die Provinz Acre im Amazonasgebiet sind besondere Hotspots. Dahin verschlägt es die namenlose Hauptfigur des Romans, eine Anwältin aus São Paulo, die einen einschlägigen Prozess beobachten soll, und die sich vorRead More

Posted On März 1, 2021By Thomas Woertche

Thomas Wörtche über Dorothy L. Sayers und Julian Barnes

Als Schwergewicht wird auch gerne Dorothy L. Sayers gehandelt, völlig zurecht, was die Qualität ihrer Prosa betrifft, die weit über der ihrer zeitgenössischen Kolleg*innen rangiert. Im Zuge der back-to-the-roots-Welle, die, aus welchen Gründen auch immer versucht, längst Überkommenes quasi als normativ neu zu positionieren, konnte man die Uhr danach stellen, dass auch sie wieder zum x-ten Male neu aufgelegt wird. Okay, diesmal also Diskrete Zeugen (dt. von Otto Bayer, Wunderlich) aus dem Jahr 1926. Es gibt aber gute Gründe – basierend u.a. auf ihrer berühmten Rede „Aristotle on Crime Fiction“ – ihr Gesamtwerk (wie soRead More

Posted On November 1, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Thriller-Thema Corona

Neulich hatte mich das „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ gefragt, wie’s denn so sei, mit Corona und Thrillern und überhaupt … Als es im Februar losging mit CORONA, hatte ich Angst. Vor den Lawinen von CORONA-Thriller-Manuskripten und -Exposés, die sicher gleich über mich hereinbrechen würden. Was dann auch prompt passierte – Thriller, die „die Wahrheit“ über die Pandemie enthüllten, die sich in dystopischer Schwarzmalerei suhlten und von arger literarischer Belanglosigkeit waren. Stufe zwei: Plötzlich las alle Welt das „Decamerone“ und Camus´ „Pest“, sozusagen als Trostbüchlein.  Uraltschmöker wie Dean R. Koontz „Die AugenRead More

Posted On November 1, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Das neue Album von Krazy

„Seifenblasenmaschine“ Liebeslieder, die so anfangen: „Ich bin Rotz an deinem Ärmel, der Fleck auf deinem Hemd/der Kaugummi unter deinem Schuh …“, packen einen gleich mal bei den Ohren.   Politische Songs, die so anfangen: „Bonjour, die Party ist aus – schau mal raus: da steht Krieg vor der Tür/der war doch eben noch weit weg, und hier war auch nie wer dafür/doch jetzt gibts Krieg gegen den Krieg, gegen Gewalt und Gier/und wenn du nicht hingehst, kommt der Krieg zu dir“ (Krieg) ziehen einen sofort rein, magnetisch gar. Souverän und autoritativ.Read More

Posted On Juni 1, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Wie geht es eigentlich dem Politthriller?

Mundus vult decipi Der „klassische“ Polit-Thriller scheint ein bisschen an Boden zu verlieren. Aber ist das verwunderlich? Ein paar ungeordnete, unsystematische und sehr vorläufige Überlegungen von Thomas Wörtche. I Schlechte Zeiten für Paranoia, sie hat keine gute Presse, im Moment. Dem ollen Kalauer: Being paranoid doesn’t mean they are not out to get you droht die Gefahr, albern zu werden.  Die gute, alte Paranoia ist in die falschen Hände gefallen. Vermutlich muss man jetzt sogar erwähnen, dass man mit „Paranoia“ keinen klinischen Befund meint, sondern eine soziopolitische Denkfigur, die hinter dem Konsensualen,Read More

Posted On Juni 1, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Eric Ambler

Sprengfallen Eric Ambler und die Poetik des Pragmatischen – von Thomas Wörtche Willkommen in der vieldeutigen Welt von Eric Ambler! Den ersten seiner 18 Romane, die allesamt Schubladendenken über Polit-Thriller, Spionageromane und andere Kategorien ins definitorische Delirium treiben, hat er 1936 veröffentlicht. Den bisher letzten 1981 – und diese 18 Romane reichen aus, um ihn zu einer zentralen Gestalt des 20. Jahrhunderts zu machen.  Das ist er nicht nur, weil er den sogenannten Polit-Thriller nach den eher rustikalen Anfängen von Erskine Childers, William LeQueux oder John Buchan (der übrigens raffinierter ist,Read More

Posted On Mai 1, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche über „Turmschatten“ von Peter Grandl

Hammer-Buch. Kommt bei Erstlingen nicht allzu oft vor.   Peter Grandl ist mit „Turmschatten“ so ein Coup gelungen. Eine freudig überraschte Besprechung von Thomas Wörtche Ein ganz und gar bemerkenswertes Buch ist „Turmschatten“ von Peter Grandl. Der titelgebende Turm ist ein alter Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg, irgendwo am Rand einer süddeutschen Kleinstadt. Schon im Januar 1945 war er Schauplatz einer Tragödie mit Hunderten von Toten – Menschen, die bei einem Luftangriff nicht in den Bunkern reinkonnten, und vor dessen Toren von Bomben zerfetzt wurden. Jetzt, der Roman spielt 2010 undRead More

Posted On Mai 1, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche zu Jérôme Leroy „Der Schutzengel“

Der fallende Engel Jérôme Leroys „Der Schutzengel“ zerlegt sarkastisch und virtuos die Mechanismen des französischen Politik-Betriebs, gerade da, wo sie sehr unappetitlich sind. Politische Kriminalliteratur der Spitzenklasse, findet Thomas Wörtche. Wie ein Wohltäter wirkt Berthet wahrlich nicht. Er ist die Hauptfigur von Jérôme Leroys Roman „Der Schutzengel“. Er ist Killer für die „Unité“, eine dem französischen Innenministerium unterstehende Geheimorganisation, die alle „schmutzigen“ Angelegenheiten der Republik final erledigt. Sie ist der sprichwörtliche „Tiefe Staat“, so gut wie nicht zur Verantwortung zu ziehen, gottgleich in ihren unerforschlichen Entscheidungen. Die Unité sieht alles,Read More
Von der Verbrechensdichtung zur Kriminalliteratur Eine Bestandsaufnahme von Thomas Wörtche Das „literarische Feld“, wenn man Pierre Bourdieus „Konzeptmetapher“ (according to Henrietta Moore) als explikative Folie akzeptiert, ist weder ein statischer noch ein friedlicher Ort[1]. Die Positionierung eines Autors, einer Textsorte, einer Gattung oder eines Genres ist historisch variabel, wechselt von den Rändern ins Zentrum und umgekehrt. Manchmal drohen sie vom „Feld“ verdrängt zu werden oder müssen sich den Eintritt erkämpfen. Das literarische Feld ist Austragungsort ästhetischer Kämpfe. Die wiederum sind ohne Verzahnung mit politischen und sozialen Konflikten nicht zu denken. DerRead More

Posted On Februar 2, 2020By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Bestandsaufnahme, bis heute (Teil 2)

Die Kriminalliteratur hat gesiegt – vielleicht zum Tode Crime Fiction und das literarische Feld in Deutschland Auch nach dem 2. Weltkrieg konnte sich die deutschsprachige Kriminalliteratur nicht aus eigener Kraft in nennenswerten Maß im literarischen Feld etablieren. Sie bedurfte dazu der tatkräftigen Hilfe von außen. Auch wenn es während der Nazi-Zeit, wie oben angedeutet, eine quantitativ erkleckliche Produktion von deutscher Kriminalliteratur gab (von einem „Krimi-Verbot“ im Nationalsozialismus kann man pauschal nicht sprechen, nur waren die Produktion und Rezeption sozusagen „gleichgeschaltet“ und streng gefiltert) war sie an den internationalen state of art nichtRead More

Posted On Dezember 1, 2019By Thomas Woertche

Thomas Wörtche zum kommenden Highsmith-Hype

Rätsel Ripley oder Ripley, revisited  Von Thomas Wörtche Im Herbst 2021 werden die Tagebücher von Patricia Highsmith auf Deutsch anlässlich ihres 100. Geburtstags erscheinen. Was jetzt schon durchgesickert ist, hat bereits zu einem lustigen Rauschen im Blätterwald geführt und zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass sie wohl kein netter Mensch war, aber eine großartige Autorin. So what? Nichts Neues unter der Sonne also. Einen längeren Text über die problematische Komplexität von Highsmith’s Werk hat Thomas Wörtche in seinem Archiv gefunden.  Tom Ripley ist ein Rätsel. Und bleibt es.  Die Rätselhaftigkeit derRead More

Posted On November 3, 2019By Thomas Woertche

Thomas Wörtche: Laudatio auf Mercedes Rosende

LiBeraturpreis 2019 für Mercedes Rosende: „Krokodilstränen“ – Die Laudatio Estimada Mercedes Rosende, sehr geehrte Damen und Herren, für Fans der einfachen Weltbilder, könnte man versucht sein zu sagen: Für „Krokodilstränen“ hat Mercedes Rosende ausgerechnet den feministisch inspirierten LiBeratur-Preis gewonnen, weil in diesem Kriminalroman alle männlichen Hauptfiguren unfassliche Trottel sind. Und die weiblichen Hauptfiguren schlau und ausgekocht.  Das stimmt sogar. Aber ganz bestimmt hat Meredes Rosende den LiBeratur-Preis deswegen nicht bekommen. Sie hat ihn bekommen, weil „Krokodilstränen“ ein raffiniert gemachter Roman ist. Ein beinahe klassisch anmutender Kriminalroman sogar, aber eben nurRead More

Posted On November 3, 2019By Thomas Woertche

Thomas Wörtche zu Franz Dobler „Ein Schuss ins Blaue“

München Blues Geht doch – Thomas Wörtche freut sich über Bewegung im Kriminalroman Ein bisschen Kafkas „Prozess“ weht einen schon bei Franz Doblers „Ein Schuss ins Blaue“ an, dem dritten Roman um den zum Privatdetektiv gewordenen Ex-Polizisten Fallner.  Kafkas Josef K. wird ohne ersichtlichen Grund verhaftet, die Agentur von Fallners Bruder, für die der Ex-Cop arbeitet, bekommt einen Auftrag ohne sichtbaren Auftraggeber und ohne genaueres Operationsziel, bis auf den vagen Hinweis auf einen islamistischen Terroristen, der sich in München etabliert haben soll und aus dem Verkehr gezogen werden muss. Dafür allerdingsRead More

Posted On November 3, 2019By Thomas Woertche

Thomas Wörtche über Antony Beevor „Arnheim“

Pfusch Sir Antony Beevor hat ein neues, großes Buch vorgelegt: „Arnheim“ – über eine verheerende Niederlage der West-Allierten im 2. Weltkrieg. Das kann auch für Nicht-Militärhistoriker spannend sein. – Eine Besprechung von Thomas Wörtche. Vermutlich gehört die Operation „Market Garden“ zu den bekanntesten Einzeloperationen des 2. Weltkriegs. Im September 1944 erlitten die West-Alliierten eine verheerende Niederlage, als sie versuchten, mit dieser gewaltigen Boden-Luftlande-Operation den Übergang über den Niederrhein bei Arnheim zu erzwingen, und damit den sogenannten „Westwall“ im Süden zu umgehen.  Die Dramaturgie der Schlacht passte, auf einem gewissen Abstraktionslevel, aufRead More

Posted On Oktober 3, 2019By Thomas Woertche

Thomas Wörtche über Langeweile

Wenn der Schmutz fehlt, wird’s prekär  Bei KrimisMachen 4 sollte TW etwas über „Langeweile“ erzählen – der Vortrag wurde in Echtzeit ein wenig eingedampft. Deswegen hier die zu Grunde liegenden Notizen, sogar manchmal in ganzen Sätzen.  Leseerfahrung: Ich langweile mich öfters als früher, man kann das nach ein paar Jahrzehnten als verständliche professionelle Sättigung bezeichnen oder vermuten, ich läse die falschen Bücher, aber so einfach ist es nicht (schließlich bin ich noch begeisterungsfähig):  Langeweile & ein der Spannung verschriebenes Genre wie Kriminalliteratur – Paradox. „Langeweile“, wer kennt sie nicht, manifestiertRead More