All posts by Frank Schorneck

Lohn des Sohns Eigentlich hätte das Mode-Studium in Edinburgh sein Ticket hinaus aus der beengten, von Entsagung und Bibeltreue geprägten Gemeinde auf der Insel Harris sein sollen. Doch eine Arbeit hat Cal MacLeod im Anschluss nicht gefunden. Er schlägt sich durch mit Gelegenheitsjobs und übernachtet bei wechselnden Freunden. Als ihm sein Vater vom schlechten Gesundheitszustand seiner Großmutter berichtet, weiß Cal, was von ihm erwartet wird. Er besteigt die Fähren und findet sich schließlich mit zerschlissenen Jeans, langen gefärbten Haaren und einer letzten Ecstasy-Pille in der Hosentasche im Hafen wieder. EineRead More
Portrait des Angstgestörten als junger Mann Muss man Sörensen noch vorstellen? Der Kommissar, der wegen einer Angststörung den Dienst in Hamburg quittiert hat und stattdessen ins beschauliche friesische Katenbüll  gewechselt ist, hat nicht zuletzt durch die Hörspiele und diebereits zwei Verfilmungen mit Bjarne Mädel mit jedem neuen Roman den Platz auf den Bestsellerlisten schon vor Erscheinen sicher. „Sörensen geht aufs Haus“ ist der mittlerweile sechste Roman der Reihe. Man kann ihn sicherlich auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände lesen und genießen, doch so manche Figurenkonstellation erschließt sich besser, wenn manRead More
Sprachliches Leuchtfeuer Muckle Flugga – eine auf den ersten Blick unwirtlich erscheinende Insel am allernördlichsten Zipfel Schottlands. Hier, wo die Shetland Inseln als „das Festland“ gelten, lebt ein bärbeißiger Leuchtturmwärter allein mit seinem jugendlichen Sohn. Früher gab es mehr Leben auf der Insel, mehrere Leuchtturmwärter und ihre Familien lebten hier. Nun hält allein noch das ungleiche Vater-Sohn-Gespann die Stellung. Aus Geldnot heraus vermietet der Leuchtturmwärter bisweilen widerwillig an zahlende Hausgäste, Vogelbeobachter und andere Einsamkeitssucher. Als der lebensmüde Dichter Firth sich hier einquartiert, hat dies unerwartete Auswirkungen auf das fragile emotionaleRead More
Drei Romane und ein Todesfall Frank Schorneck über Molly Keane „Das gute Benehmen“, Megan Nolan „Kleine Schwächen“, Colin Barrett „Wilde Häuser“ und die Comedy-Thriller-Serie „How to get to heaven from Belfast“ von Lisa McGee (Netflix) ** ** Hinter der Fassade Vor nicht ganz vier Jahren gründete sich in München ein Verlag, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, nachhaltig zu arbeiten. Kjona lässt den Booktok-Trend von Farbschnitten und sonstigen Veredelungen links liegen, verzichtet auf Schutzumschläge und legt auch in Punkto Papier und Farben hohe ökologische Maßstäbe. Nachhaltigkeit beschränken die VerlagsgründerRead More
Wilder Ritt „Wir Kinder waren uns sicher, dass die zahllosen Bücher nachts miteinander sprachen, ihre Geheimnisse teilten, von Buch zu Buch weitergaben, eine stille Flüsterpost, ja, wir Kinder waren uns sicher, dass die in den Büchern steckenden Sätze und Wörter unterirdisch miteinander verknüpft waren, riesige Pilzgeflechte, die sich gegenseitig mit Nahrung versorgten, Buchseitenmyzele oder Einbandfäden…“ Genauso ein Geflecht entwickelt Markus Orths in seinem neuesten Roman „Die Enthusiasten“, eines, das durch die Genres wuchert, unterschiedlichste Bücher zueinander in Relation setzt und untereinander ins Gespräch bringt. Schon 2014 legte Orths mit „AlphaRead More
Kunst-Stück Damien, ein junger Pfleger, wird vom Pflegedienst einer Seniorin zugeteilt, die nach einem Sturz kurzzeitig auf Hilfe im Haushalt Pflege angewiesen ist. Sie wohnt im Londoner Stadtteil Wapping, was für ihn gut erreichbar ist – und sie hat irische Wurzeln, genau wie er. Damien ist auf der einen Seite von dem Klischee genervt, dass alle Iren miteinander gut klarkommen sollten – auf der anderen Seite ist er aber auch wirklich neugierig auf die Frau. Das erste Treffen läuft noch etwas arg holprig: Die 84-jährige Frankie will keine Hilfe annehmen,Read More
Der Dickens-Mann und die abwesende Heldin Frank Schorneck über John Irvings neuen Roman “Königin Esther“ „Es gab zu viele offenen Fragen: Mit Dagmar schlafen oder nicht, Chantal schwängern oder nicht, sich von seiner Mom verstümmeln lassen oder nicht. Das Ringen wäre ihm wenigstens vertraut, so dachte Jimmy jedenfalls.“ – Ja, auch in seinem neuesten Roman zeichnet John Irving nicht unbedingt Standard-Lebensentwürfe nach. Doch obwohl Irving-Fans wieder jede Menge bekannter Motive wiedererkennen und sogar einem liebgewonnenen Charakter wieder begegnen können, hat der neueste Streich des 83jährigen Autors einige Längen und findetRead More
Abgrundtief „Die obsessive Liebe zweier Männer zu einer Frau, die sich zwischen ihnen nicht entscheiden mag“, sieht der Klappentext im neuen Roman von T.C. Boyle und liegt damit so weit vom Kern der Geschichte wie man nur sein kann: Liebe spielt in dem Geflecht der drei Protagonisten eine extrem untergeordnete Rolle. Dr. Terence Tully, Assistenzarzt am County Hospital Los Angeles, reist nach Boulder City, um dort nach dem Haus seiner gerade verstorbenen Mutter zu schauen. Er wird das Haus erben – und auch Daisy, den trauernden Hund. Beim Frühstück inRead More

Posted On September 1, 2025By Frank SchorneckIn Crimemag, CrimeMag September 2025

Frank Schorneck: Percival Everett »Dr. No«

Der tut nichts Nach seinem mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Roman „James“, der den Sklaven Jim aus „Huckleberry Finn“ zum Erzähler seiner eigenen Geschichte machte, liegen die Erwartungen an Percival Everetts neuesten Streich sehr hoch. Man erwartet etwas Besonderes. Und was bekommt man? Nichts! Auf über 300 Seiten stellt sich heraus, dass der hoch gefeierte Autor nichts kann. Nichts sorgt für einen Spannungsbogen, nichts hat Biss oder Witz, an der gesamten Geschichte kann nichts überzeugen. Es passiert nichts – und das auf unglaublich geniale Art und Weise! Moment – wie kannRead More
Ausgefuchst Eine Besprechung von Frank Schorneck Kennen Sie „Speed Librarying“? – Weil die englische Regierung zwar ihr Wahlversprechen gehalten hat, ländliche Büchereien nicht zu schließen, aber das dafür zuständige Personal in beschaulichen Herefordshire auf eine einzige Stelle mit reduzierter Arbeitszeit zusammengekürzt hat, ist jede einzelne der zwölf Bibliotheken im County nur alle zwei Wochen geöffnet – für exakt sechs Minuten. Mit seinem handverlesenen Team und ausgetüfteltem System schafft es Peter Knox, Rückgaben, Ausleihen, Reservierungen und Verlängerungen in diese 360 Sekunden zu quetschen. Ein Unternehmen, das als Buchblitz bekannt wurde… SchonRead More
Familiensache Als die Bochumer Lehrerin Annika Büsing 2022 mit ihrem Roman „Nordstadt“ debütierte, war kaum abzusehen, wie rasant sie sich einen festen Platz in der Literaturszene erobern sollte. Ein nur rund 130 Seiten umfassender Roman mit zwei Protagonisten voller Ecken und Kanten, geprägt vom Umfeld im rauen Norden einer Ruhrgebietsstadt. Eine Art Liebesgeschichte zweier Menschen, die ihre Traumata zu überwinden versuchen. In Teilen fragmentarisch in der Charakterzeichnung, aber gerade dadurch nahbar. Mit ihrem nur ein Jahr später erschienenen zweiten Roman „Koller“ begab sich Büsing auf die Spuren von Herrndorfs „Tschick“,Read More

Posted On Juni 1, 2025By Frank SchorneckIn Crimemag, CrimeMag Juni 2025

Alan Murrin »Coast Road«, Irland 1994

Männer und Frauen, in der Ehe gefangen Eine Besprechung von Frank Schorneck „Woher weiß eine Frau, die drei Kilometer entfernt, auf der anderen Seite der Bucht lebt, aus dem Fenster schaut und ein bisschen Rauch sieht, dass das Feuer absichtlich gelegt worden ist?“ – Niemand ahnt im Oktober 1994, dass Izzy Keaveney nur ein halbes Jahr später mit dieser Frage eines Detectives konfrontiert werden wird – am wenigsten sie selbst. Izzy ist die Gattin eines Lokalpolitikers, der aus Idealismus die Interessen der eigenen Familie – und vor allem die seinerRead More
Hommage an Franz Kafka, und noch mehr Eine Besprechung von Frank Schorneck Joris jobbt in einem Baumarkt, doch er sieht sich als Schriftsteller. Das ist gar nicht so vermessen, wie es klingt, schließlich hat er vor ein paar Jahren tatsächlich einen unterhaltsamen Bestseller auf den Markt gebracht. An dessen Erfolg hat er aber nie mehr anknüpfen können: Nun haust Joris in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz am Rhein, wo er sich vor seinen Gläubigern versteckt. Sein ganzer Stolz sind mehrere Regale voller Kafka-Bände – Romane, Erzählungen, dazu Biographien und Sekundärliteratur.Read More

Posted On Mai 1, 2025By Frank SchorneckIn Crimemag, CrimeMag Mai 2025

Der raue Charme des Ruhrgebiets

Hör auf den Fisch! Frank Schorneck über Charlotte Brandi »Fischtage« Ein zu Tobsuchtsanfällen neigender Außenseiter-Teenager begibt sich auf die Suche nach dem verschwundenen jüngeren Bruder: Dass diese Exposition nicht zwangsläufig zur tausendsten Roadtrip-Story auf den Spuren von „Tschick“ führen muss, stellt die Musikerin Charlotte Brandi in ihrem literarischen Debüt eindrucksvoll unter Beweis. Die 16-jährige Ich-Erzählerin Ella verfügt über einen sehr eigenen, rotzig-frechen Tonfall voller Sarkasmus und unterdrückter Aggressivität, hinter der sie ihre Verletzlichkeit versteckt. Für ihre Eltern – den Schauspieler, der vom Bochumer Schauspielhaus-Ensemble über den „Tatort“ bis zum Stadtteil-KindertheaterRead More
In der Schwebe, mit mehr als einer Bedeutung Jugendliche auf Patrouillengang im Wald, eingeteilt zur Bewachung einer Grenze: Sie stoßen auf einen Schwerverletzten, doch statt Hilfe zu holen, bringen sie ihn um. Kein Erwachsener darf erfahren, dass hier im Wald ein Prügel-Ritual stattgefunden hat – ein Zeitvertreib der jungen Generation in einer Gesellschaft, in der Gewalt offiziell verboten ist. Der Prolog von Amira Ben Saouds Debütroman „Schweben“ beschwört die Stimmung von Young-Adult-Dystopien à la „Hunger Games“ oder „Maze Runner“ herauf, doch nach diesem wenige Seiten umfassenden „Vorspiel“ führt der RomanRead More

Posted On März 3, 2025By Frank SchorneckIn Crimemag, CrimeMag März 2025

Frank Schorneck liest Wolf Haas

Mit Escher im Spiegellabyrinth Franz Escher ist ein menschenscheuer Eigenbrötler. Lediglich das Zusammensetzen von Puzzles entfacht so etwas wie Leidenschaft bei ihm, seitdem ihm zum 19. Geburtstag die hübsche Martine ein Tausend-Teile-Puzzle mit einem Motiv seines Namensvetters H.C. Escher schenkte. Das Zusammensetzen des bekannten Bildes der beiden sich gegenseitig zeichnenden Hände beschäftigte ihn damals so sehr, dass er die Avancen der Halbfranzösin übersah, die letztlich frustriert mit seinem besten Freund anbandelte. Seitdem hat Escher eine wahre Bibliothek an Puzzles eingerichtet. In seinen Regalen finden sich viele berühmte Werke der Kunstgeschichte,Read More

Posted On März 3, 2025By Frank SchorneckIn Crimemag, CrimeMag März 2025

Frank Schorneck über Michael Köhlmeier

Einmal einen Menschen töten Selten hat mich ein Buch so ratlos zurückgelassen wie Michael Köhlmeiers neues Werk „Die Verdorbenen. Dabei ist der Ausgangspunkt so vielversprechend: „Was ist ein Wunsch für dein ganzes Leben? (…) Etwas, was du auf alle Fälle wenigstens einmal in deinem Leben tun willst?“ – Der Sechsjährige, dem der Vater kurz vor dem ersten Schultag von seinem Vater diese Frage stellt, erschrickt ob der Antwort, die ihm in den Sinn kommt. Er weiß, er darf es nicht laut aussprechen, eigentlich darf er es nicht einmal denken: „EinmalRead More
Leichen an Deichen Wie oft kommt es vor, dass man einen deutschen TV-Krimi sieht und sich denkt: „Davon möchte ich gerne mal die Romanvorlage lesen“? Hölzerne Dialoge sind an der Tagesordnung. Die Ankündigung einer Kombination aus Spannung und Humor vor wahlweise Berg-, Meer- oder sonstiger Kulisse lässt in der Regel zurückzucken. Doch wenn der Name Bjarne Mädel auftaucht, zudem noch in einer Doppelfunktion als Schauspieler und erstmalig auch Regisseur, sollte man hellhörig werden. Nun ist über die beiden Filme „Sörensen hat Angst“ und die Fortsetzung „Sörensen fängt Feuer“ schon vonRead More

Posted On November 1, 2024By Frank SchorneckIn Crimemag, CrimeMag November 2024

Frank Schorneck liest Una Mannion

Im Namen des Vaters In ihrem Debütroman „Licht zwischen den Bäumen“ lässt die amerikanisch-irische Autorin Una Mannion eine genervte Mutter ihre 14-jährige Tochter mitten in der Wildnis aus dem Auto werfen. Ein unbeherrschter Moment, eine Kurzschlussreaktion, die schreckliche Folgen haben wird. Während die Ausgangssituation für den spannenden Mix aus Psychothriller und Familientragödie eher surreal erscheinen mag, geht ihr zweiter Roman mit sehr realen Schilderungen eines Sorgerechtsprozesses ans Eingemachte. Doch der Reihe nach: Deena Garvey verschwindet eines Tage spurlos. Ihre Schwester Nessa ist völlig verzweifelt, denn sie ist sich sicher, dassRead More
Promisker Prometheus Marcus Jensens neuer Roman mäandert zwischen Ethik und Fetisch – eine Besprechung von Frank Schorneck „Kat schrie diesmal in ein Kissen, ins Kopfkissen seiner Ehefrau, weil Dehm sie darum bat“ – sofort auf den ersten Seiten von „Vestalin“ geht es recht explizit zur Sache: Katarina ist ganze 30 Jahre jünger als der Mann, dessen kahl werdender Schädel tief zwischen ihren Schenkeln vergraben ist. Dehms 16 Monate alter Sohn platzt ausgerechnet in diese Szene hinein – dem Gitterbettchen ist er offenbar entfleucht. Dieses Vorspiel datiert auf 2006 – siebzehnRead More
Cupid und Covid Der neue große Roman von Frank Schulz lässt seine Protagonisten zwischen Midlife- und Klimakrise taumeln – von Frank Schorneck Ganze acht Jahre betrug die Wartezeit auf einen neuen Roman des Dialog- und Dialekt-Akrobaten Frank Schulz. Nach drei fulminanten (Nicht-)Krimis um den noppenbesockten unbedarften Ermittler Onno Viets zeigte Schulz zuletzt 2018 in seinem Erzählungsband „Anmut und Feigheit“, dass er auch in der kurzen Form den Balanceakt zwischen Komik und Tragik vortrefflich beherrscht. Nun holt er wieder weiter aus, nimmt sich über 700 Seiten Zeit, um eine Handvoll FreundeRead More
Fern von Effekthascherei – ans Eingemachte „Entsorg mich mit dem Müll“ war wohl das Unüberlegteste, was Tom Diamond seiner Adoptivtochter für den Fall seines Ablebens hat auftragen können – schließlich hätte er als Psychiater ahnen müssen, dass Sally die Ironie dahinter nicht verstehen würde. Sally Diamonds soziale Defizite führen zu einem wundervoll schwarzhumorigen Einstieg in einen Roman, der seine düsteren Untiefen erst nach und nach offenbart. Sachlich schildert die Ich-Erzählerin Sally von diesem denkwürdigen Tag: „Er war zweiundachtzig Jahre alt, klein und gebrechlich, und ich bekam ihn problemlos in einenRead More
Der Teufel trinkt Lager Der Pub – natürlich ist es der Pub, in dem Roddy Doyles neuer Roman beginnt und in dem im weiteren Verlauf die wichtigen Begegnungen stattfinden und die wichtigen Gespräche geführt werden. Victor Forde läutet einen neuen Lebensabschnitt ein: Auszug aus der ehelichen Wohnung, Suche nach einem Pub, nach „seinem“ Pub. Das Donnelly’s scheint ihm das Potential zur Stammkneipe zu haben. Ein Pint, ein Buch, vielleicht auch mal das iPad – was braucht es mehr? Doch dann ist da plötzlich dieser Typ, plump, ungehobelt, der Victor ansprichtRead More
Blood-Sex-Death-Berlin Geboren wurde Calla Henkel 1988 in Minneapolis und schon seit vielen Jahren ist sie in Berlin verwurzelt – ihr Romandebüt hat sie allerdings in ihrer Muttersprache verfasst. Die Welt, in der sie die Story angesiedelt hat, die vibrierende Kunst- und Partyszene Berlins um die 2010er Jahre, ist ihr gut bekannt: Als Autorin, Regisseurin, bildende Künstlerin und Dramatikerin war und ist sie in Berlin aktiv, hat unter anderem an der Volksbühne inszeniert und stand als bildende Künstlerin gemeinsam mit Max Pitegoff im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den PreisRead More
Absurd und treffsicher Eine Rezension von Frank Schorneck Martin Kreutzer, mit Ende 20 Volontär einer überregionalen Berliner Tageszeitung, nimmt den Mund ziemlich voll, als er sich in einer Redaktionssitzung, in der Volontäre traditionell die Klappe zu halten haben, zu Wort meldet und ein exklusives Interview mit dem allseits gefeierten Performancekünstler und Festivalkurator Lukas Moretti verspricht. Denn Moretti lehnt Interviews mit dem in seinen Augen reaktionären Blatt seit jeher ab, Kreutzer aber verweist darauf, dass er mit Moretti gemeinsam studiert habe und auf diesem persönlichen Kontakt aufbauen könne. Dass sich währendRead More
Dunkle irische Geschichte und taffe Frauen Die grüne Insel, Sehnsuchtsort voller Klischees zwischen Kerrygoldkühen und Guinnesschaum, zwischen Folk-Sessions im Pub und Stadionrock von U2, zwischen Torffeuer und Riverdance, hat in seiner bewegten Geschichte auch einige dunkle Kapitel aufzuweisen. Eines der schockierendsten sind die Verbrechen, die unter dem Deckmantel der katholischen Kirche in den Magdalenenheimen für gefallene Mädchen geschahen. Besonders schockierend, weil die Machenschaften der unbarmherzigen Schwestern bis in die 1990er Jahre hinein unentdeckt und ungesühnt blieben, weil viele Augen weggeschaut haben. Anna McPartlins neuer Roman erweckt die Grausamkeit dieser InstitutionenRead More