Liebes CrimeMag-Publikum, 60 Porträt-Folgen sind es in unserer kleinen Carsten-Klindt-Galerie mittlerweile geworden. Und es geht weiter. Heute kommet wieder eine Folge dazu. Kriminalliteratur wurde früher gerne als „Asphalt-Literatur“ abgetan. Wir finden, dass das ein Adelstitel ist. Wir mögen Asphalt, wir mögen Großstadt, wir mögen Realität. Deswegen präsentieren wir Ihnen hier eine Rubrik, die jeden Monat ein Bild des Fotografen Carsten Klindt zeigt, jetzt sogar manchmal jeweils zwei – und bis Folge 34 manchmal Texte der Polizistin Nadja Burkhardt kombiniert hat: Street Scenes und Street Crimes. Aus Realität wird Kunst, fragmentarisch und kaleidoskopisch. Freuen
Read More ** ** Georg Seeßlen: Das Geld. Wie es uns in Leib, Seele und Gemeinschaft überspringt. Bibliothek des Alltags 4, herausgegeben von Wolfgang Paterno. bahoe books, Wien 2023. 378 Seiten, 24 Euro. – Textauszug mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag. Piraten, Räuber und Gangster Die Schattengestalten der Geld-Erzählung Wenn ich Geld habe, erst einmal gleichgültig woher, durch das Erbe, als Arbeitslohn, als Geschenk oder Spielgewinn, zerfällt es in mehrere Optionen des Umgangs. Man kann Wünsche damit befriedigen, man kann sich Freiheit erkaufen (Freiheit von einer Familie, einem Ort, Arbeitsverhältnissen oder
Read More Tiefenbohrung In „Eingefroren“ buddelt Doug Johnstone tief, aber er hebt keine Gräber aus, sondern gräbt in den Seelen seiner Figuren. Eine Besprechung von Thomas Wörtche. „Eingefroren“, der neue Roman des schottischen Schriftstellers Doug Johnstone, ist die Fortsetzung seines Titels „Eingeäschert“. Johnstone erzählt hier die Geschichte der drei Skelf- Frauen fort. Großmutter Dorothy Skelf, ihre Tochter Jenny und deren Tochter Hannah. Das Trio betreibt ein Bestattungsunternehmen in Edinburgh und gleichzeitig eine Privatdetektei. Das ist eine schräge Kombination – und ziemlich schräg beginnt auch dieser Roman: Während einer Beerdigung kachelt ein Auto, von
Read More Malen auf blutiger Leinwand Die dunkelste Nacht des Titels ist ernst gemeint in diesem Roman. So finster und unwirtlich war es zuletzt in den Factory-Romanen von Derek Raymond oder im Film SEVEN (1995). Für die deutschsprachige Leserschaft ist dieser Roman eine Entdeckung, sein Autor ist uns (noch) unbekannt. – Von Alf Mayer. Verstehen mag das wer will, aber es wirft ein Schlaglicht auf einen nicht funktionierenden Grenzverkehr, wenn einer der am meisten dekorierten französischen Kriminalautoren erst mit seinem dreizehnten Noir bei uns einen Verlag findet – immerhin Suhrkamp, und immerhin bei
Read More Streifzug durch ein wüstes Land – von Alf Mayer Auch der Meister wird nicht verschont. »Sanctuary«, der neue Roman von Garry Disher, der Anfang April 2024 in Australien herauskommt, hat ein eindeutiges Outback-Cover – obwohl Grace, die Titelheldin, als Diebin sicher nicht Farmhäuser im roten Sand von Zentralaustralien ausraubt, sondern nahe Melbourne Beute und Zuflucht sucht. Dass Epigonen wie Jane Harper oder Chris Harper als Experten dem Meister per Blurb bescheinigen, ”der Goldstandard für rural noir“ zu sein, daran musste auch ein Garry Disher sich gewöhnen. Jetzt wird die australische
Read More Grußwort von Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, zur Verleihung der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille an den Kriminalschriftsteller Frank Göhre. (AM) Natürlich kann man einen großflächig beworbenen Jubiläumsabend im Hamburger Nochtspeicher (am südlichen Rand der Reeperbahn) vor jemand wie Frank Göhre im Vorfeld nicht verbergen. Die CulturBuch-Verleger Zoë Beck und Jan Carsten hatten zur Feier des 80. Geburtstags – unsere CrimeMag-Laudatio von Sonja Hartl hier – Weggefährten, Kritiker, Autorinnen und Autoren wie Friedrich Ani, Simone Buchholz, Michael Friederici, Tobias Gohlis, Alf Mayer und Kirsten Reimers als Redner eingeladen. Marcus Müntefering glänzte als
Read More Das Schöne an der Nacht ist ja nicht die Dunkelheit – das Schöne an der Nacht sind die Lichter. Ich lebe jetzt seit 28 Jahren in Hamburg und seit 21 Jahren auf St. Pauli, in dieser Zeit hat sich der Stadtteil sehr verändert – und doch gar nicht –, ich hab mich verändert – und doch gar nicht –, das, was wir unter „ein Mensch sein“ verstehen, hat sich verändert – und doch gar nicht. Manchmal sehne ich mich in dem ganzen Durcheinander nach Ruhe, nach Zurückgezogenheit, dann hab ich
Read More Wo Welt ist und wo nicht Kurze Anmerkungen zum Kriminalroman – Von Friedrich Ani Vom britischen Schriftsteller Eric Ambler stammt angeblich der Ausspruch: „Da ich kein Intellektueller bin, hat’s nur zu Kriminalromanen gelangt.“ Selbstironie ist nie ganz verkehrt, vor allem, wenn man, wie Ambler, einem Genre zu einer vollkommen neuen Bedeutung verholfen hat – fernab des bis dato weit verbreiteten Groschenheft-Images hin zu einer gesellschaftspolitischen Gegenwartsrelevanz auf Augen- bzw. Buchstabenhöhe der besten Werke der allgemeinen Belletristik. Und schon sind wir bei Meister Göhre und der Frage: Ist das noch Krimi, was
Read More Die Redezeit des Festabends ließ nur einen schnellen Abriss zu, aber auch Alf Mayer – der mit Frank Göhre schon viel über Filme geredet hat – war erstaunt, wie umfangreich dessen Arbeit für Kino und Fernsehen sich bei näherer Betrachtung darstellt. Diese Geschichte ist noch nicht geschrieben. Hier aber wird der Anfang gemacht. Weitere Details siehe auch in der Göhre-Filmografie hier in dieser Ausgabe nebenan. Ich hatte einen Freund in München, der ist mit drei Filmen in die Filmgeschichte eingegangen. So betrachtet ist es wirklich Zeit, dass wir Frank Göhre
Read More Eine Kompilation von Alf Mayer. Siehe auch seine Rede zur Film- und Fernseharbeit von Frank Göhre hier in dieser Ausgabe nebenan. 1969EINER SPINNT IMMER. Kurzfilm. Buch und Darsteller. Regie Rainer Horbelt. ARD/WDR, Köln. Szenen daraus auch in: KUNST AUF DER KOHLE. Dokumentarfilm, 45 Minuten, 1970. Regie: Walter A. Franke, Ulrich Stark, Rainer Horbelt. Der Film lässt verschiedene Künstler des Ruhrgebiets zu Wort kommen, zeigt Theaterstätten und andere Aktivitäten. Er wirft die Frage auf nach der Funktion dieser Kunst und kommt zu dem Schluss, dass die Interessen der arbeitenden Bevölkerung so gut
Read More „Das Böse ist selten kompliziert“ Schießereien an Schulen sind in den Vereinigten Staaten von Amerika ja keine Seltenheit. Doch nicht hier, nicht bei uns, denken die Menschen im Charon County an der Ostküste in Virginia. Es ist offenbar auch nicht ein klassischer Amokläufer, der mit Schüssen an der lokalen Schule die Gemeinde in Angst und Schrecken versetzt. Einen Lehrer hat der junge Schwarze erschossen, bevor er durch die Kugeln der herbeigeeilten Deputys niedergestreckt wird. Dass es sich beim Opfer um den beliebtesten Lehrer der Schule handelt, irritiert auch jene afroamerikanischen
Read More Der Fernsehkrimi im deutschen Fernsehen boomt. Ungezählt all die Verbrechen, die jeden Tag auf dem und für den Bildschirm begangen und die fast ausnahmslos in maximal 89 Minuten aufgeklärt werden. Dietrich Leder, der viele Jahre für die „Medienkorrespondenz“ über das Fernsehen schrieb, ehe dieses zweiwöchentliche Periodikum im Dezember 2021 eingestellt wurde, nimmt sich jeden Monat eine Erscheinung des laufenden Krimi-Programms vor und seziert, wie es die Darsteller der Pathologinnen und Pathologen in den Serien versprechen. „Landkrimi“ von und mit Karl Markowitz – alles andere als Postkarte Auf den ersten Blick fing
Read More ‘True Detective: Night Country’ Tries to Make the Familiar into Something New As a series, “True Detective” has always been strongest when focused on characters instead of plot. For example, the chemistry between Matthew McConaughey (as haunted detective Rust Cohle) and Woody Harrelson (as ostensibly upstanding but deeply cracked detective Marty Hart) is what made the show’s first season so iconic; but ask a viewer to break down the actual story, and they’d probably mutter something about serial killers and corrupt families before trailing off into silence. It was a
Read More »Alles, was man anschaut, kann zu einem Abenteuer werden« Liebes CrimeMag-Publikum, hiermit präsentieren wir – neben unserem Haus- und Hof- und Hinterhof-Fotografen Carsten Klindt, weiter vorne in dieser Ausgabe mit seinem inzwischen 58. fotografischen Beitrag – ein zweites visuelles Fenster in unserem Online-Magazin. Susan Madsen erzählt unter anderem visuelle Geschichten auf Social Media unter dem Titel „Eine wahre Geschichte“. Ihre Themen sind Voyeurismus, Erotik, Moral, Vergänglichkeit und Wahrheit. Biografisches: Geboren 1964 in Aarhus, Dänemark. Seit 2018 Studentin an der Kunsthochschule Weißensee Berlin/Freie Kunst/Bildhauerei bei Else Gabriel, Knut Ebeling und Andreas Rost, wo
Read More Einmal die Woche werde ich an der Tramhaltestelle Schönfließer Straße im Prenzlauer Berg Zeuge, wie viele dumme Menschen die Welt bevölkern. Nachts fährt die Linie 50 nicht bis zur Endhaltestelle Virchow Klinikum im Wedding, sondern hält an der Haltestelle Björnsonstraße, eine Station nach der Schönfließer Straße, und biegt dann nach rechts ab, um in einem Dimensionsportal zu verschwinden, aus dem sie irgendwo in Weißensee oder auf dem Planeten Oranke-13 wieder heraustritt. Die, meist verwirrten, Fahrgäste lässt der Fahrer zuvor aussteigen und überlässt sie ihrem Schicksal oder einer später eintreffenden Tram
Read More Kurzbesprechungen von Hanspeter Eggenberger (hpe), Joachim Feldmann (JF), Tobias Gohlis (TG), Sonja Hartl (sh) und Frank Rumpel (rum) von: Zoë Beck: MemoriaArne Dahl: Stummer SchreiLes Edgerton: Primat des ÜberlebensSamuel W. Gailey: Die Schuld Robert Galbraith: Das strömende GrabStephen Hunter: TodesschussKevin Major: Two for the TablelandsSuzie Miller: Prima FacieLawrence Osborne: Java Road HongkongDierk Wolters: Dienstag Sie flüchtet vor Gangstern – und vor sich selbst (hpe) Alice trinkt. Regelmäßig. Jeden Tag. Und immer zu viel. Sie trinkt um zu vergessen. Sie versucht die Schuld zu verdrängen, die auf ihr lastet. Vor sechs
Read More Sachbücher, besprochen von Sonja Hartl (sh) und Alf Mayer (AM): Walt Bogdanich, Michael Forsythe: Schwarzbuch McKinsey Melissa Febos: GirlhoodPekka Hämäläinen: Der indigene Kontinent. Eine andere Geschichte Amerikas Mariana Mazzucato, Rosie Collington: Die große Consulting-Show. Wie die Beratungsbranche unsere Unternehmen schwächt, den Staat unterwandert und die Wirtschaft vereinnahmtMittelweg 36: In teuren ZeitenGeorg Seeßlen: Das Geld. Wie es uns in Leib, Seele und Gemeinschaft überspringt ** ** Die Jahre der weiblichen Adoleszenz (sh) Zuerst sind es die Brüste, die alles verändern. Melissa Febos ist eine der ersten in ihrer Klasse, die Brüste bekommt
Read More Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten … … erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays. Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren. CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin. ** ** Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun. **** Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg: Ich
Read More Veröffentlichungstermin für die von Deutschlandfunk Kultur beherbergte aktuelle Krimibestenliste Feburar 2024: Freitag 2. 2. 2024. Online finden den Link zur Krimibestenliste Februar bei Deutschlandfunk Kultur hier. Die Bestenliste wird je kommentiert im Blog von Tobias Gohlis. Und hier gibt es sie als praktisches PDF zum Ausdrucken. Ein Archiv der letzten Jahre bis 2005 hier. – Die Jahres-Krimibestenliste 2023 hier – bei uns ausführlich von Tobias Gohlis kommentiert – und auch die von 2022 je als PDF. 1 (-) Arne Dahl: Stummer Schrei (Piper) 2 (-) Hervé Le Corre: Durch die dunkelste Nacht (Suhrkamp) 3 (1) Robert Galbraith: Das strömende Grab (Blanvalet) 4 (-) Shehan Karunatilaka: Die sieben Monde des Maali
Read More Mit 30 bis manchmal sogar 40 Beiträgen jeden Monat, unsere Kurzbesprechungen dabei gar nicht mitgezählt, ist es immer ziemlich viel Lesestoff, den wir Ihnen Monat für Monat servieren. Hier ein Überblick übers Jahr 2023. Und beachten Sie auch unseren großen Jahresrückblick 2023 mit 77 Autorinnen und Autoren. Unsere regelmäßigen Kolumnen: die Schatzsuche empfehlenswerter Neuerscheinungen,ein Essay von unserem USA-Korrespondenten Thomas Adcock ,jedes Mal eine Kurzgeschichte von Robert Rescue, Smoking Gun von Krimiautor Nick Kolakowski, über mediale Verknüpfungen,Dietrich Leder seziert Crime im TV,Ingrid Mylo liest Bücher anders, findet je 3 x 11 Spielworte,street scenes vom Berliner Fotografen Carsten Klindt ,Anschau-Abenteuer von der Fotografin Susan Madsen,der Podcast Abweichendes
Read More Wie überträgt man Wortspiele, Anspielungen und Neologismen vom Englischen ins Deutsche? Wie findet ein Übersetzer den Rhythmus und Tonfall für seine Übersetzung? Und welche Herausforderungen gibt es, als weißer Mann eine Schwarze Autorin zu übersetzen? Darüber sprechen Sonja Hartl und Weltempfänger-Jurorin Ines Lauffer mit Jan Schönherr anlässlich seiner Übersetzung von NoViolet Bulawayos Roman „Glory“, erschienen bei Suhrkamp 2023. Anhören lässt sich die neue Folge des Podcast „Auf Weltempfang“ bei Spotify, allen gängigen Podcatchern und unter diesem Link. Bereits Mitte Dezember online gegangen ist die Folge zu dem noirigen Kriminalroman „Last
Read More Wer liest, sammelt Sätze. Manchmal bewußt. Manchmal ist ein einziges Wort ausschlaggebend: hartnäckig taucht es immer wieder auf. Fliege, zum Beispiel. Oder Mitternacht. Oder Asphalt. In ganz unterschiedlichen Büchern und Zusammenhängen, bei ganz unterschiedlichen Schriftstellern. Solche Fliegensätze oder Mitternachtssätze oder Asphaltsätze finden, immer elf an der Zahl, in der Serie 3 x 11 Spielworte ihren Platz. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Und eine andere Art, auf Bücher zu deuten. Spielwort: Ameisen Elf Zitate zusammengelesen von Ingrid Mylo Eine Ameise kroch über seine Brille. Na, daß sie das wagte.– Judith Kuckart: Der Bibliothekar
Read More Pekka Hämäläinen: Der indigene Kontinent. Eine andere Geschichte Amerikas (Indigenous Continent: The Epic Contest for North America , 2022). Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Werner Roller. Verlag Antje Kunstmann, München 2023. 652 Seiten, 48 Euro. – Textauszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Der Mythos vom kolonialen Amerika Eine alte, tief verwurzelte Geschichte über Amerika geht ungefähr so: Kolumbus stolpert über einen fremden Kontinent und kehrt mit Erzählungen über unermessliche Reichtümer zurück. Die europäischen Imperien machen sich sofort auf den Weg, sie wollen sich so viel wie möglich von dieser erstaunlichen
Read More Generationenporträt mit Fehlfarben Zum ersten Mal hörte ich das Stück im „Kakaobunker“. Die spärlich eingerichtete Kantine im Keller des Fürstenberghauses der Uni Münster wurde regelmäßig von studentischen Gruppen für Diskoabende genutzt. Diesmal war der Marxistische Studentenbund Spartakus, kurz MSB, der Veranstalter. Die Tanzfläche war voll und viele sangen mit: „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran.“ Der Rest des Textes war schlecht zu verstehen. Hätten sie genau zuhören können, wäre den historisch-materialistisch inspirierten jungen Menschen der apokalyptische Sarkasmus des Refrains sicher aufgefallen. Von Geschichtsoptimismus keine Spur. „Ein Jahr (Es
Read More Bananenrepublik in Schwarz-Rot-Gold: Der Cum-Ex-Skandal als Roman Derby der trojanischen Pferde ist eine ironische Umschreibung für Politik, die nicht jedem unbedingt geläufig ist. Es handelt sich dabei um das negativ besetzte politische Geschäft. Das Buch, das sich auch als Finanz-Groteske bezeichnet, kommt dabei selbst als klassisches trojanisches Pferd daher. Auf den ersten Blick wirkt der Roman unschuldig, leicht und amüsant geschrieben. Doch in Wahrheit verbirgt sich dahinter eine politische Parabel, die beim Lesen einen bitteren Beigeschmack hinterlässt. Der Stoff des Romans ist aktuell, hochbrisant und toxisch, denn es geht um
Read More Es geht eigentlich immer auch um die Gegenwart Nichts ist, wie es scheint. Im neuen Roman „Betrug“ von Zadie Smith geht es genau darum – um das bekannte „mehr Schein als Sein“. Dabei ist in dem ersten historischen Roman der mehrfach preisgekrönten britischen Schriftstellerin die Gegenwart stets allgegenwärtig. Smith führt uns ins 19. Jahrhundert, zu einem realen Ereignis. Ein Skandal erschüttert das viktorianische England und sorgt für Schlagzeilen. Die Presse freut’s: Der sogenannte Tichborne-Prozess verdoppelt die Verkaufszahlen der Zeitungen. Das Land ist förmlich zerrissen, die Stimmung aufgeheizt: Die einen glauben, dass der
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