All posts by Wolfgang Brylla

Uta-Maria-Heim: Region mit Tiefgang Beim Thema qualitativ anspruchsvoller Regionalkrimi führt seit längerem an Uta-Maria Heim kein Weg vorbei. Für die schwäbische Autorin schwärmte einst Jochen Vogt, der sich nie zu schade war, für Heim Partei zu ergreifen. Im letzten Jahr hat mich Vogt wenige Wochen vor seinem Tod erneut auf sie aufmerksam gemacht. Wieso? Zu Recht, denn Heim genießt in dem deutschen Regiokrimizirkus eine Sonderstellung, was sie mit ihrem neuesten Roman „Wer zuletzt stirbt, lügt am längsten“ (Gmeiner) einmalmehr unter Beweis stellt. Für Heim erfand Thomas Kniesche, einer der bekanntestenRead More
Griechische Tragöde, groß Für den vor kurzem ins Deutsche übersetzten Roman „Katharsis” wurde Maciej Siembieda 2023 mit dem wichtigsten polnischen Kriminalliteraturpreis – „Wielki Kaliber“, deutsch: „Großes Kaliber“ – ausgezeichnet. Bezeichnend ist, dass er nicht von der Jury geehrt wurde, sondern vom Lesepublikum, das nicht selten ein besseres Gefühl und Sensorium für wirklich relevante Themen hat als Fachexperti:innen und Schriftstellerkolleg:innen, aus denen das Preisgericht bestand. Siembieda schreibt für die Leserschaft und taucht in die Untiefen der Nachkriegsgeschichte Polens ein, die lange Zeit in der sozialistischen Volksrepublik tot geschwiegen wurde. Nach MagdalenaRead More
Deutschland in trouble Eine Besprechung von Wolfgang Brylla Beim österreichischen Polente Verlag ist vor kurzem Teil zwei der sogenannten „Berliner Trilogie” der polnischen Schriftstellerin Magdalena Parys erschienen, die seit vielen Jahren schon in der deutschen Hauptstadt lebt und von dort aus literarisch agiert. Mit dem Thriller „Der Prinz“, hervorragend übersetzt von Lothar Quinkenstein und Hans Gregor Njemz, wird von Parys ein wilder Ritt nicht nur durch die deutsche Vergangenheit und die an Absurdität grenzenden Verschwörungstheorien aufgetischt, sondern auch ein höchstaktueller Gegenwartsbezug aufgemacht. Denn es geht hier auch um nationalistische Bewegungen,Read More
Genial leicht An Leichtigkeit ist Daniel Faßbenders Krimidebüt „Heaven’s Gate“ (Diogenes) kaum zu überbieten. Alles macht Freude bei diesem Roman, dessen Haupthandlung überwiegend auf den Philippinen im Surfermilieu spielt: die Story, die Erzählweise, der Held und die Sprache. Dem Züricher Verlagshaus ist mit Faßbender ein guter Fang gelungen. Schon in „Die weltbeste Geschichte vom Fallen“ (2018), dem Erstling Faßbenders, in dem ein junger Roofer auf die Dächer Stockholms steigt, konnte man diese spezifische Erzählwerkstatt beobachten, die sich durch eine unglaubliche Frische und Unbekümmertheit beim Spinnen der Geschichten charakterisiert. „Heaven’s Gate“Read More
Robert Brack
Swinging, criming, bracking Auf dem Schwarz-Weiß-Cover von Robert Bracks „Die nackte Haut“ (Edition Nautilus) fliegt eine weibliche Hand über die Klaviertastatur, was die Leser:innen sofort in die Musikwelt verfrachtet. Gleichzeitig spielt der in hellgelbe Farbtöne gesetzte Romantitel auf zwei Klassiker der Kriminalliteratur an. Zum einen auf Raymond Chandler – durch seine Vorliebe für eine adjektivisch-substantive Zusammensetzung wie „Das hohe Fenster“, „Der tiefe Schlaf“ oder „Die kleine Schwester“. Zum anderen (gewollt oder ungewollt) auf Edgar Wallaces Schocker(filme) – durch die ausgewählte Typographie. Nicht zuletzt dank dieser Querverweise, die sich schon aufRead More
Josh winning negativ
Trashig, pulpig, gut Jeden, der mit B- und C-Horrorfilmen auf VHS-Kassette aufgewachsen ist, erwartet vermutlich mit Josh Winnings „Verbrenn das Negativ“ (Suhrkamp, 18,00 €) ein großer Lesespaß. Aber auch diejenigen, die mit Pulp-Klassikern aus Hollywood wenig am Hut haben, sollten zu Winnings Erstling, der für den Bram Stoker Award nominiert wurde, greifen, um zu erfahren, wieviel sie in den trashigen 80ern und 90ern verpasst haben. „Verbrenn das Negativ“ ist eigentlich eine Filmgeschichte. Die Handlung um die Hauptfigur Laura Warren, die sich als Britin ausgibt, aber in Wirklichkeit US-Amerikanerin ist undRead More
Thriller S. wie seitenfüllend Vom Scherz/Fischer-Verlag wird Matthew Blakes neuer Thriller „Sophie L.“ als „raffinierte Psychospannung“ gepriesen. Die Werbetrommel für den „Spiegel“-Beststellerautor Blake, der mit seinem Debütroman „Anna O.“ bei einigen für helle Begeisterung sorgte, wird außerdem auf dem Buchumschlag mit einem Rezensionsverweis der „Daily Mail“ gerührt („unvergesslich“). Na ja, ob die englische Boulevardzeitung tatsächlich als Trendsetter und Orakel in Sachen literarischen Geschmacks gelten sollte, steht auf einem anderen Blatt. Es ist eher so, dass beide, sowohl der Verlag als auch die Regenbogen-Literaturkritik, sich einfach irren, denn Blakes „Sophie L.“Read More
Ein seltsamer Roman Fleischstreifen an einer Wäscheleine oder Spargel, die zu Fingern mutieren. Mit solchen und ähnlichen surrealistischen und skurill anmutenden YouTube-Filmchen mauserte sich Uketsu zum medialen holy shit des japanischen Mainstreams. Nur wenige wissen, wer sich in Wirklichkeit hinter der weißen Gesichtsmaske aus Pappmaché versteckt. Dank dieses gezinkten und PR-mäßig genial vermarkteten Identitätsspiels liefert Uketsu dem nach Sensationen und Klatsch lechzenden Publikum immer wieder den nötigen Gesprächsstoff, was natürlicherweise die Verkaufszahlen seiner Romane alles andere als herunterdimmt. Bei Lübbe ist in der zweiten Hälfte 2025 – vier Jahre nachRead More
Pageturner positiv Ein Porträt des Hollywood-Detektivs Harry Engel und der Romane von Christof Weigold – von Wolfgang Brylla In Elia Kazans Filmblockbuster von 1976, dem prominent besetzten Hollywood-Streifen „The Last Tycoon“, gibt es eine sehr schöne Szene, in der die beiden Herzensbrecher der Nation –  Robert Mitchum und der unverschämt junge Robert de Niro – in einer Art Kinosaal einen anderen Schwarz-Weiß-Film mit Tony Curtis genauer betrachten. Dieser wird von dem Gutachter-Gremium verrissen: die Kneipen-Szene müsse umgeschrieben werden, weil niemand im Ernst so sprechen würde wie die Hauptprotagonisten. Mit einemRead More
Hassaine: erzählerische Transparenz Lilia Hassaine: Tödliche Transparenz (Panorama, 2023). Aus dem Französischen von Anne Thomas. Lenos Verlag, Basel 2025. 250 Seiten, 26 Euro. Zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung bei Gallimard ist Lilia Hassaines Zukunftsthriller „Tödliche Transparenz“ vor kurzem in deutscher Sprache erschienen. Endlich. Denn Hassaines insgesamt dritter Roman ist nicht nur in erzählerischer Hinsicht eine Wucht, sondern kann auch mit Blick auf die dargestellte Geschichte überzeugen, indem er eine dystopische Welt Frankreichs Anno 2049 skizziert, die ins Abnormale und Absurde abdriftet, obwohl anfangs das Gegenteil angepeilt wurde. Also eine gesellschaftlicheRead More

Posted On Oktober 1, 2025By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2025

Wolfgang Brylla untersucht den Retro-Krimi

Die Symbiose von Geschichtserzählung und Kriminalgeschichte Wolfgang Brylla: Der polnische und deutschsprachige Retro-Krimi. ‹Detektivische› Fallstudien. Band 23 der Reihe Andersheit – Fremdheit – Ungleichheit  – Band 023, Erfahrungen von Disparatheit in der deutschsprachigen Literatur, hg. von Paweł Zimniak  und Renata Dampc-Jarosz. Brill/ V & R unipress, Göttingen 2025. Hardcover, 352 Seiten, 60 Euro. Nicht jeder Geschichtskriminalroman lässt sich als Retro-Kriminalroman labeln, aber jeder Retro-Krimi ist als Variante und Subgenre des historischen bzw. historisierenden Kriminalromans zu betrachten, der spezifische Erzählmittel zurate zieht, um ein Vergangenheitsbild zu zeichnen, das sowohl auf einem bestimmtenRead More
Immer wieder sonntags – ohne Konzept Geheimrezepte des seriellen Erzählens – von Wolfgang Brylla Jochen Vogt in memoriam Echt, Deutschland hat ein Luxusproblem. Steigende Mietpreise und Lebenskosten? Höchste Arbeitslosenquote seit 2015? Wehrpflicht? Geschenkt, geschenkt, geschenkt. Hauptsache, man ändert die deutsche Nationalhymne – am besten noch, man tauscht die derzeitige gegen Brechts „Kinderhymne“. Nichts gegen Brecht – ein emotional aufgeladener, schöner lyrischer Text über Weltgemeinschaft, Weltfrieden und Völkergleichheit, der hervorragend in eine Zeit passt, die sich durch das Gegenteil davon kennzeichnet. Wieso aber komme ich überhaupt auf Ramelows Vorschlag in einemRead More
An der schönen blutigen Donau: Hungarian Edition Nicht nur in literarischer Hinsicht bleibt Ungarn immer noch ein nicht ganz erschlossenes Land. Denn was weiß man schon über die Heimat des Hertha-Kult-Torwarts (im Schlabberlook) Gábor Király? Außer Gulasch, Salami, Fidesz, Orban und Lothar Matthäus (der war mal an der Donau sogar Nationaltrainer) fällt einem nicht viel mehr ein. Auch das Allgemeinwissen über die ungarische Literaturindustrie hält sich bei den weniger ungarnaffinen Leser:innen eher in Grenzen, was nicht mit der ästhetischen Qualität der magyarischen Literatur zusammenhängt, sondern vielmehr mit der hochnäsigen EinstellungRead More

Posted On Oktober 1, 2024By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2024

Wolfgang Brylla: TV-Serie »Wäldern«

Einmal Waldromantik bitte Diejenigen, die nach dem TV-Achtteiler „Oderbruch“ glaubten, man habe bei der ARD den Schalter umgelegt und man habe es verstanden, sozusagen auf der Welle des „Dark“-Effektes, wie man ordentliche Mystery-/Thrillergeschichten auf den Bildschirm bringt, wurden in letzter Zeit wieder eines Besseren belehrt. Denn mit der abstrusen Miniserie „Wäldern“ – zwei Folgen im September – bewiesen die Macher (und Schuster) vom Öffentlich-Rechtlichen einmalmehr, dass sie bei ihrem Sonntagsprimetime-Leisten bleiben sollten. Was stört an „Wäldern“? Die Frage sollte eher heißen: was stört denn nicht… Auf allen Ebenen der kompositorischenRead More

Posted On April 1, 2024By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag April 2024

Wolfgang Brylla gibt ein TESTOmonial

Der Banküberfall als Subgenre, an der ARD-Serie „Testo“ vergeigt Immer derselbe Hundeblick. Immer dieselbe Pose eines auf alles gefassten Draufgängers, in dessen Augen sich jedoch eine seltsame Leere versteckt. Die einen würden sagen, ein Zeichen des gangsterischen Abgestumpftseins, die anderen Traurigkeit um sein eigenes Lebensschicksal. Seit der hochgefeuerten Serie „4 Blocks“ spielt Kida Khodr Ramadan häufig Verbrechertypen, deutsche Mafiosi mit Migrationshintergrund, die eben zwischen äußerlicher Brutalität und innerlicher Zerrissenheit changieren, wodurch die Ramadan-Filmfiguren durchaus an Sympathie gewinnen (k­önnen), obwohl sie im Grunde doch das Böse schlechthin repräsentieren. Nicht anders istRead More
Heute ist mehr Lametta – „Versunkene Gräber“ meidet die Orte, an denen es angesiedelt ist Das Zweite hat meine festliche Vorweihnachtsstimmung – im Zeichen von Erdnussflips und schönem Pils – so gründlich vermiest. Nicht dass ich mich im Vorfeld auf die neueste Romanverfilmung von Elisabeth Herrmann mit Jay Jay Liefers als Rechtsanwalt Vernau übermäßig gefreut hätte, gespannt wie ein Flitzbogen war ich allerdings, wie das ZDF-Produktionsteam einen geheimnisvollen Flecken Erde zu inszenieren vermag, den ich aus dem Effeff kenne. Leider erwies sich die TV-Novemberfolge „Versunkene Gräber“ als rabiater Stimmungskiller mitRead More
Flucht in den Klamauk ist auch noch keine Lösung Ach du grüne Neune, der letzte Vor-der-Sommerpause-Tatort war einfach nur unterirdisch schlecht. An das Prädikat „schlecht” bezüglich des ARD-Sonntagsschlagschiffs haben wir uns zwar schon längst gewöhnt, aber das Schlechtschein-Level wurde von dem Stuttgart-Ableger noch getoppt. Wie? Nicht wegen Klamauk, sondern wegen der Klamauk-Inszenierung. Ein schwurbeliger auf Drogen gesetzter Kommissar (Richy Müller), der auf dem Dach einer Bushaltestelle hockend Liebesbekundungen in alle Himmelsrichtungen hinausposaunt und gelegentlich  einen flotten Spruch zum Besten gibt – diese Ingredienzen reichen nicht aus, um aus einem durchschnittlichen DrehbuchRead More
Auf der Vor-Hut Neue „Trends“ im Krimi können uns kreuzweise. Denn was sind eigentlich Trends als nur bloße kurzlebendige Momentaufnahmen. Das Hauptproblem verschiedenster literarischer Wellen liegt in ihrer Zeitlichkeit. Und das ist sehr tricky, weil sie bestimmten gesellschaftlichen Anforderungen entspringen und gewissermaßen an Aktualität gebunden sind. Nach der Lektüre von Thomas Wörtches letztem Februar-Beitrag, in dem er mit unterschiedlichen crime fiction hypes hart ins Gericht geht und nach dem Zweck solch einer „tendenziellen“ Zuschreibung fragt, schien bei mir ein kleines Licht aufzugehen.  Trend ist nicht gleich Trend. Es gibt (Achtung,Read More

Posted On November 1, 2022By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag November 2022

Wolfgang Brylla schaut zwei deutsche Serien

Echt (kein) Hammer  Mit dem Sechsteiler „Lauchhammer“ nahm die ARD das treue Mittwochs-Fernsehpublikum auf eine geheimnisvolle Reise ins Königreich der Schaufelradbagger und atemberaubenden Mondlandschaften. Außerdem durfte es natürlich kaum an einem Endlosschleife-Ost-Motiv fehlen. Ein bisschen DDR-Feeling kann ja nie schaden… Diesmal lud das Öffentlich-Rechtliche in die unergründete Lausitz ein, wo zu Hochzeiten des brandenburgischen Bergbaus ganze Dörfer von der Erdoberfläche wegradiert (oder einfach verlegt) wurden. Die Montanindustrie, einstmals größter Stolz der Region, an der Tausende Menschenschicksale hingen, trägt Mitverantwortung für den irreversiblen gesellschaftlichen sowie politischen Anti-Wandel im Osten. Welcome inRead More
Epigone seiner selbst Früher oder später stößt jedes Serienformat, egal ob in Literatur oder Fernsehen, an seine Grenzen. Der Stoff ist auserzählt und die Figuren, die uns jahrzehntelang durch Ups and Downs begleitet haben, zerbröseln förmlich vor unseren Augen. Darin, im vorprogrammierten zähen Ende des seriellen Erzählens, liegt dessen Hauptproblem und Tücke. Kriminalnarrative bleiben von diesem Verfall keinesfalls verschont. Es gibt Kritiker und Wissenschaftler, die behaupten, Kriminalliteratur als Gattung sei ein Inbegriff der Serialität. Man verweist natürlicherweise auf die Klassiker, auf die Doyles, Christies oder Chandlers dieser Welt, auf Holmes,Read More

Posted On März 1, 2022By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag März 2022

Wolfgang Brylla: Free Ukraine

Blofeld zum Trotz Der sowjetische und ukrainische Kriminalroman. Ein unverhofft hyperaktueller Überblick von Wolfgang Brylla Ein rachsüchtiger Ex-KGB-Offizier älteren Semesters mit Hang zum Despotismus hat nichts Besseres zu tun, als ein unabhängiges Nachbarland militärisch anzugreifen und sich als Big Player auf der politischen Europakarte in Szene zu setzen. Cyberattacken und Desinformationsmaskeraden, Geheimdienste im Dauereinsatz, ein Lügengebäude zumindest so groß wie die Moskauer Universität und ein befreundeter Schnurbart-Diktator von der Sorte „am Wochenende jagen wir zusammen Bären in der Taiga“. Was wie ein neuer kitschiger Bond-Roman mit dem Superschurken Blofeld klingt,Read More

Posted On Dezember 1, 2021By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag Dezember 2021

Wolfgang Brylla über Nordic Noir

Alter Schwede Ob die waghalsige  (oder auch nicht) These, dass der skandinavische Fernsehkrimi im Grunde einem bröckelnden bedeutungslosen Gerippe mit immer noch voranschreitender Rheumaerkrankung ähnelt, das mehr Gemeinsamkeiten mit einem leblosen Billy-Regal als mit spannungsgeladenen Krimiplots aufweist, muss noch der Überprüfung standhalten. Diejenigen von Ihnen, die auf den scandi noir immer noch große St­ücke halten, werden wahrscheinlich nach dem einleitenden Satz jetzt mit Kopfschütteln reagieren und den Verfasser, der lange Zeit dachte, dass Kriminalfilme aus dem Norden das i-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen des ganzen TV-Genres sind, zum Teufel wünschen. Dies sind dieRead More

Posted On August 1, 2021By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag August 2021

Wolfgang Brylla über „Lupin“

Der gestreamte Lupin Ein Schatten seiner selbst Mannomann, die Arsène-Lupin-Fangemeinde jubelt vor Freude und steht kurz davor, mit Zylinderhut und schwarzem Mantelumhang Autokorsos durch Étretat zu organisieren. Maurice Leblanc scheint sich aber im Grab schon mehrmals umgedreht zu haben. Der Grunddafür liegt auf der Hand: die beiden Staffeln der neuen Netflix-Serie, die mit der literarischenVorlage in Wirklichkeit wenig bis gar nichts gemeinsam hat. Dieser (un)bewusste filmtechnische Kunstgriff kann als ein starkes Pro-Argument des Streaming-Lupin gewertet werden, andernteils auch als dessen größter Schwachpunkt. Die Abenteuer von Arsène Lupin, dem Gentleman-Verbrecher, erreichtenRead More
Grass im Szturm-Pelz In Zeiten, in denen jedes zweite Durchschnitts-TV-Sternchenso, über den Daumen gepeilt, damit liebäugelt, einen Knaller-Roman auf den Markt zu bringen, und somit in den verschiedenen talk shows des Landes coronabedingt durch eine saubergewienerte Plexiglasscheibe von anderen Gesprächsgästen getrennt nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Autor reüssiert, ist es schwer, gut von schlecht gemachter Literatur zu unterscheiden. Ein Königreich f­ür denjenigen, der in diesem schon längst ausgeuferten Thrash-, Kuriositäten- und Gütesiegel-Pool den Überblick behält und in der Lage ist, die wirklich lesenswerten Bücher herauszufischen. It‘s ein bisschenRead More
Slowakisch, praktisch, unbekannt Ach ja, die Slowakei. Škoda, ein kaltes Budweiser Pils, das Sudetenland. Echt, wirklich ein sehr schöner Landfleck hinter der deutschen Ostgrenze. Aber… Nö, da passt was nicht zusammen. Warte, warte, wie war das nochmal. Ja, stimmt, der Octavia ist tschechisch, das Bierchen auch und im Erdkundeunterricht muss ich wieder eingepennt sein. Es ist erdrückend, wie wenig man über die Slowakei weiß. Und noch peinlicher ist, dass man sie immer wieder mit Tschechien verwechselt. Dasselbe gilt für den slowakischen Kriminalroman. Die tschechische und slowakische Literatur werden in einenRead More

Posted On November 1, 2020By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Wolfang Brylla: Krimis aus Tschechien

Böhmische Dörfer? Großwerden hinter dem Eisernen Vorhang hatte nicht unbedingt nur seine Nachteile. Als Rotzlöffel kam man damals nicht umhin, sich mit der Unterhaltungsindustrie aus den sozialistischen Nachbarländern ein bisschen genauer zu befassen. Ungewollt selbstverständlich. Die Eltern glotzten die tschechoslowakische TV-Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“, ein östliches Pendant zur „Schwarzwaldklinik“, und die Blagen amüsierten sich bei dem kleinen Maulwurf – oh, wie süß! –, bei Pat und Mat – oh, wie komisch! – und beim braven Räuber Fürchtenix – oh, wie robinhoodig! Und es gab noch einen Fernsehkrimi,Read More