All posts by Wolfgang Brylla

Grass im Szturm-Pelz In Zeiten, in denen jedes zweite Durchschnitts-TV-Sternchenso, über den Daumen gepeilt, damit liebäugelt, einen Knaller-Roman auf den Markt zu bringen, und somit in den verschiedenen talk shows des Landes coronabedingt durch eine saubergewienerte Plexiglasscheibe von anderen Gesprächsgästen getrennt nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Autor reüssiert, ist es schwer, gut von schlecht gemachter Literatur zu unterscheiden. Ein Königreich f­ür denjenigen, der in diesem schon längst ausgeuferten Thrash-, Kuriositäten- und Gütesiegel-Pool den Überblick behält und in der Lage ist, die wirklich lesenswerten Bücher herauszufischen. It‘s ein bisschenRead More
Slowakisch, praktisch, unbekannt Ach ja, die Slowakei. Škoda, ein kaltes Budweiser Pils, das Sudetenland. Echt, wirklich ein sehr schöner Landfleck hinter der deutschen Ostgrenze. Aber… Nö, da passt was nicht zusammen. Warte, warte, wie war das nochmal. Ja, stimmt, der Octavia ist tschechisch, das Bierchen auch und im Erdkundeunterricht muss ich wieder eingepennt sein. Es ist erdrückend, wie wenig man über die Slowakei weiß. Und noch peinlicher ist, dass man sie immer wieder mit Tschechien verwechselt. Dasselbe gilt für den slowakischen Kriminalroman. Die tschechische und slowakische Literatur werden in einenRead More

Posted On November 1, 2020By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Wolfang Brylla: Krimis aus Tschechien

Böhmische Dörfer? Großwerden hinter dem Eisernen Vorhang hatte nicht unbedingt nur seine Nachteile. Als Rotzlöffel kam man damals nicht umhin, sich mit der Unterhaltungsindustrie aus den sozialistischen Nachbarländern ein bisschen genauer zu befassen. Ungewollt selbstverständlich. Die Eltern glotzten die tschechoslowakische TV-Serie „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“, ein östliches Pendant zur „Schwarzwaldklinik“, und die Blagen amüsierten sich bei dem kleinen Maulwurf – oh, wie süß! –, bei Pat und Mat – oh, wie komisch! – und beim braven Räuber Fürchtenix – oh, wie robinhoodig! Und es gab noch einen Fernsehkrimi,Read More

Posted On August 1, 2020By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag August 2020

Wolfgang Brylla zum „Polizeiruf“

Besser als sein (Polizei)Ruf Die Hausfassaden sind dreckig, die Autos aus Pappe und am Straßenstand bekommt man nur eine Ketwurst serviert. Probleme, den Osten vom Westen zu unterscheiden, gibt es wenig. Dasselbe gilt für den Kriminalroman made in G.D.R. Von der bundesrepublikanischen Warte aus wird er meistens als künstlich und irrelevant abgestempelt, als politisches Erziehungswerkzeug in den Händen der Partei, die immer Recht hatte, betrachtet. Dass solche Herangehensweise schlichtweg zu kurz greife und dem Krimi aus der DDR nur Imageschaden zuführe, ist klar. In Wirklichkeit allerdings ist er um einigesRead More

Posted On Mai 1, 2020By Wolfgang BryllaIn Crimemag, CrimeMag Mai 2020

Wolfgang Brylla: Ambler lesen #covid-19

#StayAtHome #ReadAmbler Was tun, wenn sich der Lagerkoller breitmacht, die ins Arbeitszimmer hineinstürmenden Kinder die eine oder andere Live-Videoschalte aus dem Home Office mit ihrem ernüchternden „Mir ist langweeeilig“-Gestöhn stören und man selbst – nimm das Trump! – kurz vor der Erfindung eines Corona-Impfstoffes steht? Völlig abschalten geht ja nicht, geschweige denn abschotten. Das elfte Gebot heißt doch nicht von ungefähr: die Racker finden Dich überall. Immer. Also, wie lässt sich diese neue Krisenzeit am besten überwinden? Harry, hol schon mal ein Buch. Den Ambler. Übersehen lässt sich die WerksammlungRead More
Schändlicherweise ist die polnische Kriminalliteratur bei uns eher unbekannt. Wolfgang Brylla von der Universität Zielona Góra schafft Abhilfe. Mitte März ist es wieder soweit, der neue Mróz kommt raus (Bis zum Ende). Deutschland-Premiere, der Moment, auf den alle Krimileser mit zitternden Händen und Hautausschlag gewartet haben… „Mróz? Welcher Mróz?“, werden Sie sich fragen. Obwohl Sie Hunderte Kriminalromane verschlungen haben und sich in der Szene prächtig auskennen, können Sie sich auf den polnisch klingenden Nachname keinen Reim machen. Mróz heißt übersetzt „Frost“, mit frostigen Verhältnissen bekamen wir es bis zu diesemRead More