Relevant und/ oder innovativ? Eine Glosse von TW Manchmal reibt man sich doch verwundert die Augen. Da ist zum Beispiel zu lesen, dass Rachel Kushner mit „See der Schöpfung“ (Rowohlt, Ü: Bettina Abarbananell) den „Spionageroman neu erfindet“, bzw. „den Polit-Thriller neu erfindet“ (SWR); Oder Uketsus „Hen Na E – Seltsame Bilder“ (Lübbe, Ü: Heike Patzschke) wird auf allen Kanälen als „innovativ“  gefeiert. Nun ist Kushners „See der Schöpfung“ ein sehr guter Roman, ohne Zweifel. Er ist ebenso zweifelsohne weder Spionageroman noch Politthriller, naja, letzteres vielleicht ein klein wenig, aber nichtRead More
Der tut nichts Nach seinem mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Roman „James“, der den Sklaven Jim aus „Huckleberry Finn“ zum Erzähler seiner eigenen Geschichte machte, liegen die Erwartungen an Percival Everetts neuesten Streich sehr hoch. Man erwartet etwas Besonderes. Und was bekommt man? Nichts! Auf über 300 Seiten stellt sich heraus, dass der hoch gefeierte Autor nichts kann. Nichts sorgt für einen Spannungsbogen, nichts hat Biss oder Witz, an der gesamten Geschichte kann nichts überzeugen. Es passiert nichts – und das auf unglaublich geniale Art und Weise! Moment – wie kannRead More
Reichlich Großwild Was würde wohl passieren, wenn plötzlich Elefanten durch Berlin spazierten? Nicht nur ein paar, sondern 20.000. Schließlich sind es Tiere, die Platz brauchen, sich Raum nehmen, und zwar ausgerechnet dort, wo es schon ziemlich voll ist. Und: So ein Elefant braucht pro Tag etwa 200 Kilo Grünfutter, dazu 100 Liter Wasser. Zu welchen gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen die Anwesenheit solcher Tiere führen könnte, dem geht die belgische Autorin Gaea Schoeters in ihrer bissigen Satire „Das Geschenk“ nach und greift dabei auch einige Themen ihres grandiosen Vorgängerromans „Trophäe“ unter Read More
Sara Paretsky ist dieser Tage auf Deutschland-Lesetour. Hier die Termine: ** ** Sara und die Detektive Dreiundvierzig Jahre ist es her, seit Sara Paretsky ihre Privatdetektivin Vic (beziehungsweise V. I. für Victoria Iphigenia) Warshawski zum ersten Mal durch die düsteren Straßen von Chicago schickte. Inzwischen liegt der zweiundzwanzigste Roman der Serie, „Pay Dirt“ aus dem Jahr 2024, unter dem Titel „Wunder Punkt“ auf Deutsch vor. Mit ihrem ersten Kriminalroman „Indemnity Only“ (Deutsch: „Schadenersatz“, 1986) gehörte Paretsky 1982 zu Pionierinnen der Krimis mit Privatdetektivinnen. Denn bis Anfang der 1980er war diese ikonischeRead More
Nachdenken über Delons Schatten. Die Fortsetzung. Alles hängt mit allem zusammen. Oder: Alain Delon stirbt am 18. August 2024. Delons Schatten und seine Folgen – mit Auszügen aus dem Gedichtband Hey Käpt´n und dem Manuskript zu Sang et Merde. – Von Friedemann Hahn. Siehe auch Teil 1, September 2024. „Eigentlich kennt das wohl jeder: dreaming along — Was geht im Traum schon zu Ende? Es kann doch immer weitergehen, da du die Zeit doch auf deiner Seite hast, Konzentration und Ruhe — `Fortsetzung folgt´ nicht unbedingt in der nächsten Nacht.“Read More
Friedemann Hahn – Den Bildschirm leer laufen lassen. Marilyn. Die Faszination für ein Gesicht. Eine mediale Oberfläche, hinter die man nicht weiter gelangen kann. Das wussten schon Andy Warhol und Philippe Parreno. Friedemann Hahn ist von Anfang an hingerissen von diesen medialen Oberflächen. Fasziniert von der Fiktion: Was wäre, wenn Lana Turner und Humphrey Bogart sie selbst wären und nicht ihre Rollen. Wären sie dann real? Oder ist das Reale nur eine besonders raffinierte Fiktion? Hahn ist einer der am meisten falsch verstandenen Künstler. Er ist ein Post-Strukturalist, der weiß,Read More
La Dolce Vita – Die Masken der Stars Federico Fellinis „La Dolce Vita“ (1960) markiert nicht nur einen Wendepunkt in der Filmografie des Regisseurs, sondern stellt auch eine der definierenden filmtheoretischen Auseinandersetzungen mit dem Starsystem der Nachkriegszeit dar. Der Film operiert auf einer Metaebene, die das kulturelle Phänomen des Stars als Text behandelt – ein Konzept, das Richard Dyer später als „star text“ theoretisch fundieren sollte. Diese Textualität des Stars, die über das rein Filmische hinausgeht und alle Aspekte der modernen Celebrity-Erfahrung umfasst, wird von Fellini bereits 1960 in ihrerRead More
Die eiserne Kuppel Berlin braucht einiges, um lebensfähig und attraktiv zu sein. Zuwanderung von Fachkräften, soziale Gerechtigkeit, Wohnraum für alle und Sicherheit. Von allem hat die Hauptstadt ein wenig, Sicherheit eher gefühlt und Wohnraum für alle eigentlich nicht. Seit der Senat den Görlitzer Park, das Kottbusser Tor und den Leopoldplatz zu Waffen – und Messerverbotszonen erklärt hat, hat die Kriminalität dort quasi aufgehört. Jetzt kann sich die Stadt mit einer weitaus größeren Bedrohung auseinandersetzen – der Russe, der alles, was Berlin ausmacht, zerstören will. Und dagegen helfen nur Waffen, alsoRead More