All posts by Ulrike Schrimpf

Was eine Lyrikerin von einem Spannungsautoren lernen kann Zum aktuellen Roman von Andreas Pflüger, Kälter (Suhrkamp 2025) – von Ulrike Schrimpf ** ** ich bin kälter für Andreas wer einmal um uns trauern wird kannniemand wissen aber dass er sich alsabrissbirne eignet und sie tote in sichträgt auch dass dinge nie mehr gutwerden hören zwei an jenem einenmorgen so ungesagtes glühendesdie zwanghaft hoffende und doch beraubte sich durchbleikristalle kämpfende jene unwissendedie nie erfuhr wie fliegen geht trotzdemschwebt sie über ein seil aus schwarzemlicht nur von ihm ersonnen kennst du luzyerinnerstRead More
aufstehen seitdem sie an etwaigen toten arbeitet einen florierenden handel mit sterbenden treibt – keiner hätte je gedacht dass das funktioniert abgesehen von ihr selbst wie passend dass sie über harte schädel verfügt – wirkt ihr gesicht runder gleich einer schwimmpfütze so sanft von hinten ausgeleuchtet dass der tod ihr also schmeichelt lange schon war ihr appetit nicht mehr so hervorragend wie von dem tag an an dem sie definitiv beschloss sich wartend an betten zu setzen ein atmen aufzunehmen wenn niemand spricht was sie eines tags in eine regentonneRead More
Was uns bleibt für Margit Vielleicht wanderst du an einem Novembertag durch eine Stadt in Südfrankreich, so angetrunken von Erschöpfung und Licht, leichter als sonst, schwer wiegend aber auch, zu einer Mitte hingezogen, als hättest du einen Zugang gefunden, wärst angeschlossen an einen Tropf. Möglicherweise hörst du überall das Meer, obwohl das gar nicht sein kann, Gischt, ein Keckern, das Klatschen von Flügeln, Wellenbrechen, selbst dein Körper spürt das überall und noch später im Schlaf, wo er von Salzwasser überspült wird, so dass du manchmal aufwachst und hustest. Möglicherweise trudelnRead More
Elke Schmitter,Read More
Ein Restlicht: im Universum Ulrike Schrimpf über Daniela Kulots Kinderbuch Es geschah auch kein Unfug… Drei Familiengeschichten „Vielleicht hat jeder irgendwo im Herzen so ein bedrückendes Geheimnis. Dann ist es gut, wenn man die richtige Person findet, der man das erzählen kann. Bei mir war diese Person der Soldat. Irgendwie war mir danach leichter ums Herz.“ – Daniela Kulot, Es geschah auch kein Unfug… Die Künstlerin Daniela Kulot ist seit Abschluss ihres Studiums als Malerin, Illustratorin und Autorin erfolgreich, ihre Bücher sind in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und seitRead More
Wenn man Worte hat, kann man froh sein – Ulrike Schrimpf spricht mit Antje Bones … über Kinder- und Jugendliteratur und ihren aktuellen Roman „Nebenan ist doch weit weg“, der 2023 bei dtv in der Reihe Hanser erschienen ist. „Es stimmt. Ich bin weit weg. Und es stimmt: Mir geht es gut. Mein Brotkringel schmeckt hervorragend. Die Sonne scheint. Ich laufe durch Krakau, ganz alleine. Ich bin frei. Ich glaube, ich fühle gerade in diesem Moment eine Freiheit, die ich vorher noch nicht hatte.Mir fehlt nichts. Nicht mal Anne.“ MitRead More
Axel Holst für Ulrike Schrimpf Gedichte
sonnengesang für die, die gegangen sindund die, die gehen werden ein mir unermesslicher mensch istvor gleisen gestanden einanderer hat in einemauto gesessen und der dritte ist in einem bettgelegen aber der für michunschätzbarstemensch hat einen taucheranzug getragenam frühen morgen lagsonne auf ihrenhaaren alles war still und der mensch einsupermensch hat seinearme hoch in dieluft gestreckt und ist gesprungen – seit diesem einen morgen kannich mir nur noch wenigleisten wer verstehtdas nicht seitdem menschen gegangensind die ich in meinemherzen getragenhabe in meinen kammern habe ich sieverwahrt und in meinenvorhöfen konserviertdurch meineRead More
Sprache, Form und Dichtung. engramme. dinge ohne augen zeugen. gedichte zu den arolsen archives – von Ulrike Schrimpf Dieser Text ist ein Vortrag, den die Schriftstellerin Ulrike Schrimpf für ein Symposium an der Folkwang Universität Essen und für Studierende im Bereich „Design / Buch- und Textgestaltung“ geschrieben hat. Wir veröffentlichen ihn mit ihrer freundlichen Erlaubnis. Hier geht es bei uns zu ihrer Besprechung von Andreas Pflügers „Wie Sterben geht“ und großen Gespräche mit Ulrike Damm, Tanja Schwarz und Steve Rasnic Tem bei uns hier. – D. Red. ** ** Das,Read More
Ein vertikaler Riss in der Wirklichkeit Der erste deutschsprachige Erzählungsband von Steve Rasnic Tem ist im Literatur Quickie Verlag erschienen: „Das langsame Fallen von Staub an einem ruhigen Ort“ ist eine Sensation. Die Autorin Ulrike Schrimpf – siehe auch den Lesungshinweis ganz unten – hat sich mit dem Schriftsteller unterhalten. „Manche würden sagen, ich sei ein Mann mit mickriger Vorstellungskraft. Manche würden sagen, ich hätte mein Leben mehr heimgesucht als es gelebt. Aber ich mag einfach einen ruhigen Ort, wo ich sitzen und lesen kann, wo ich das langsame FallenRead More
„Auf den sich ausbreitenden Irrsinn sei zu achten.“ Ein Gespräch mit der Künstlerin und Schriftstellerin Ulrike Damm – von Ulrike Schrimpf Ulrike Damm ist eine bemerkenswerte Künstlerin und Schriftstellerin, der ich zum ersten Mal vor einem Jahr auf der Leipziger Buchmesse begegnet bin. Sie ist auch ein Mensch, den man, hat man ihn einmal erlebt, nicht mehr vergisst. Temperamentvoll, funkelnd, ironisch, klug und radikal. Von ersuchtem Geschmack. Seitdem sind wir Freundinnen geworden. Das ist so eine Sache: wenn zwei Freunde werden, die beide Kunst machen. Wird einem die Kunst genausoRead More
Was Tote träumen Ulrike Schrimpf zu Andreas Pflügers Roman  »Ich bin schon lang in diesem HausGebaut aus dem, was Tote träumen.« An einer Stelle seines aktuellen Romans Wie Sterben geht zitiert Andreas Pflüger, einer der führenden deutschsprachigen Erzähler, den Mythos Koras: Hades liebt sie so abgöttisch, dass er sie in Persephone umbenennt, in sein Schattenreich entführt und dort zur Totengöttin macht. Zeus aber, der das Leiden von Koras Mutter Demeter abmildern will, zwingt Hades dazu, Persephone immer im Sommer zurück an das Licht und in das Leben zu lassen. So wechselt KoraRead More
„Er spricht ohne Luft zu holen. Spricht und spricht, als ginge es um sein Leben, das zu retten ihm enorm wichtig scheint. Als wäre es, einmal der Vergangenheit entrissen, für immer da, wo andere das Leben, ein Leben erwarten. Der Vollstrecker hört ohne irgend eine Regung zu.“ Das Erzählen gegen den Tod hat eine lange literarische Tradition: Sheherazades Märchen von 1000 und 1 Nacht , Boccaccios Decamerone, Kleists Novellen Der Findling und Die Verlobung in St. Domingo und Camus’ La Peste sind einige bekannte Beispiele dafür. Jan Kuhlbrodts aktueller Roman „Krüppelpassion“ reiht sich in diese Tradition ein und fällt dochRead More
„Ich will runter in den Schacht“ Tanja Schwarz‘ aktueller Roman „Vaters Stimme“. Ein Gespräch mit Ulrike Schrimpf Im September 2023 ist Tanja Schwarz‘ zweites Buch bei Hanser blau erschienen, Vaters Stimme, eine – auch für heutige Zeiten – auf den ersten Blick erstaunlich ruhig, unspektakulär, ja bescheiden erzählte Geschichte über eine Protagonistin Ende 40, Nina, die sich gemeinsam mit ihrem Sohn Lenny auf die Spuren der Vergangenheit begibt und ihrem abwesenden Vater nachforscht, der bislang nur als Phantom durch ihr Leben gegeistert ist. In dem Roman passiert das Wesentliche, auch Schwerwiegende,Read More