3 x 11 Spielworte (53) – Platz, Wetter, Augen II Wer liest, sammelt Sätze. Manchmal bewußt. Manchmal ist ein einziges Wort ausschlaggebend: hartnäckig taucht es immer wieder auf. Fliege, zum Beispiel. Oder Mitternacht. Oder Asphalt. In ganz unterschiedlichen Büchern und Zusammenhängen, bei ganz unterschiedlichen Schriftstellern. Solche Fliegensätze oder Mitternachtssätze oder Asphaltsätze finden, immer elf an der Zahl, in der Serie 3 x 11 Spielworte ihren Platz. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Und eine andere Art, auf Bücher zu deuten. – Von Ingrid Mylo. Dieses Mal schon zum dreiundfünfzigsten Mal. Eine Idee, die so langeRead More
Die Buchhandlung der „mutigen Männer“ oder Omnia vincit amor – Liebe besiegt alles Vergangene Kriege sind nie weg, hören nie auf. Das erfährt der junge, namenlose spanische Journalist, der 1981 nach seinem Besuch des Schifffahrtsmuseums von Venedig einschlägige Literatur in der Buchhandlung Olterra sucht. Neben einem Foto, das die alte Buchhändlerin als junge Frau mit einem Mann zeigt, erkennt er auf einem anderen Bild denselben Mann auf einem maiale, das er gerade im Museum gesehen hat. Einen kurzen, von Kampfschwimmern gesteuerten Torpedo, der im Zweiten Weltkrieg wegen seiner Schwerfälligkeit SchweinRead More
Lohn des Sohns Eigentlich hätte das Mode-Studium in Edinburgh sein Ticket hinaus aus der beengten, von Entsagung und Bibeltreue geprägten Gemeinde auf der Insel Harris sein sollen. Doch eine Arbeit hat Cal MacLeod im Anschluss nicht gefunden. Er schlägt sich durch mit Gelegenheitsjobs und übernachtet bei wechselnden Freunden. Als ihm sein Vater vom schlechten Gesundheitszustand seiner Großmutter berichtet, weiß Cal, was von ihm erwartet wird. Er besteigt die Fähren und findet sich schließlich mit zerschlissenen Jeans, langen gefärbten Haaren und einer letzten Ecstasy-Pille in der Hosentasche im Hafen wieder. EineRead More
Schuld und Sühne der Deutschen Nicht nur Nationalisten oder Freunde der Hamas befallen gelegentlich Zweifel, wenn die deutsche Schuld abgerufen wird. Berliner hatten dafür schon vor vielen Jahren den hübschen Ausdruck „Wiederjudmachung geprägt. Das Unbehagen bei Reden und Veranstaltungen zum Thema Holocaust, Staatsräson und „die deutsche Verantwortung“ hat sich – auch unter Progressiven, Geschichtsbewussten oder „Betroffenen“– in letzten Jahren verbreitet. Deshalb hatte ich das Buch von Luca di Blasi bestellt. Die steile These des Autors lautet (falls ich es richtig verstanden habe), dass in der Politik der Schuld Ideologie vonRead More
Graham Greene: Der stille Amerikaner (The Quiet American, 1955). Neu übersetzt aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Zsolnay Verlag, Wien 2013. 256 Seiten, Hardcover, 22 Euro. – Deutsche Erstauflage 1956, ebenfalls bei Zsolnay. Deutsch von Walter Puchwein und Käthe Springer. 1955 neu von Dietlind Kaiser. Es gibt zwei Verfilmungen: Vier Pfeifen Opium (Originaltitel: The Quiet American), USA 1958. Regie Joseph L. Mankiewicz mit Audie Murphy, Michael Redgrave und der 19-jährigen Italienerin Giorgia Moll in den Hauptrollen. Drehbuch: Joseph L. Mankiewicz,Edward Lansdale. In Cinecitta, Rom, und teilweise in Vietnam gedreht. DerRead More
ArtistVita (4). MALERLEBEN. Vincent van Gogh und die Folgen. Eines Tages wird alles anders sein – wenn ich mein Meisterwerk male. UND: Das Loch im Kopf. Oder verbunden bis in alle Endlichkeit. Auszug aus: Mama lächelt. Oder: Schiffe sterben in Algier Ich stehe am Fenster und schaue auf die Alemannenstraßeund warte, bis meine Manouches vorbeiziehen. Meine Karawane.Meine Sinti Brüder und Schwestern.Meine Brüder und Schwestern sagen, wir kommen vom Fluss Sindhu.Aber das stimmt nicht. Wir kommen von überall her. Wir sind seit jeher.Wir sind die Menschheit. Meinem Vater haben sie durchRead More
Ornament und Versprechen Es mag zutreffen, dass dekorative Ornamente mit Versprechen verbunden sind, die in die Irre führen. Sie bleiben jedoch mit Zeichen verwandt, welche das Verirren vermeiden sollen. Wer in grauer Vorzeit unbekannte Gebiete durchstreifte, der malte zuweilen eine Chiffre an eine Felswand oder ritzte eine Markierung in einen Baum, einfach um den Rückweg zu finden. Das waren zunächst noch keine Symbole, die Besitzansprüche oder Reviergrenzen anzeigten. Noch immer folgen Wanderer wegweisenden Markierungen. Nicht nur beim Schwimmen, sondern auch beim Wandern kann man den Gedanken freien Lauf lassen. DannRead More
* 14. Februar 1932, Halberstadt – † 25. März 2026, München Nachrufe schwirren um meinen Kopf. Wie Echos klingen sie aus einem unbekannten Ort an mein inneres Ohr, verheißen Gutes, Warmes, Sanftes – unbekannte Stille, Weite, Licht. Meine Generation stirbt aus. Wir, die wir noch den 2. Weltkrieg erlebt haben, Bomben, Feuerstürme, Flucht – Mangel an allem. In grauschwarzen Ruinen  haben wir gespielt, heiße Sommer und kalte Winter erlebt. Wie unser Land geteilt, in Himmelsrichtungen gedacht wurde. Ost, West – Kalter Krieg. Sozialismus, Kapitalismus – freie Marktwirtschaft. Bis zu meinemRead More