* 14. Februar 1932, Halberstadt – † 25. März 2026, München Nachrufe schwirren um meinen Kopf. Wie Echos klingen sie aus einem unbekannten Ort an mein inneres Ohr, verheißen Gutes, Warmes, Sanftes – unbekannte Stille, Weite, Licht. Meine Generation stirbt aus. Wir, die wir noch den 2. Weltkrieg erlebt haben, Bomben, Feuerstürme, Flucht – Mangel an allem. In grauschwarzen Ruinen haben wir gespielt, heiße Sommer und kalte Winter erlebt. Wie unser Land geteilt, in Himmelsrichtungen gedacht wurde. Ost, West – Kalter Krieg. Sozialismus, Kapitalismus – freie Marktwirtschaft. Bis zu meinem
Read More schon jetzt – noch nicht Ordnung ist das halbe Leben, ein Spruch, der meine Jugend in der Nachkriegszeit bestimmte bis zu dem Tag, als ich Urlaubsbilder des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer beim Bocciaspielen in Cadenabbia am Comer See sah. Ich spürte die Leichtigkeit, mit der an diesem Ort Weltpolitik gemacht wurde und verliebte mich in das Land von La dolce Vita. Den amerikanischen Pianisten und Komponisten Frederic Rzewski lernte ich 1965 kennen, als er als Stipendiat der Ford Foundation in Berlin lebte, über die ich ein Buch zusammenstellte. Er und
Read More ABER – die zeitlose Zeit der Filmgeschichte Das Werk „The Clock“ des Videokünstlers Christian Marclay in Berlin Mit dem Slogan „arm aber sexy“, geprägt vor 20 Jahren, versucht Berlin, sich ein attraktives, weltoffenes Image zu geben. Aktuell heißt es „hart aber herzlich“. In beiden Sätzen stört mich das Wörtchen „aber“. Fakt ist, fast 20% der Berlinerinnen und Berliner leben an der Armutsgrenze. Auf Berlin lastet ein riesiger Schuldenberg von 75 Milliarden €. Jährlich werden Zinsen auf dieses Schuldgeld gezahlt, ein gutes Geschäft für die Leihgeber. Das besondere Übel am Kapitalismus
Read More Gerd Conradt: Ein Bunker – aufgelöst in Heiterkeit. Gomorra auf dem Heiligengeistfeld. Ist es möglich, dass ein begrünter Berg, dessen Innenleben aus Stahl und Beton besteht, der wie ein Hut auf dem größten Hochbunker thront, mitsamt diesem Bauwerk der Gewalt – unkaputtbar, unversöhnlich bis zuletzt, Symbol des Ewigkeits- und Überlegenheitsdenkens der NS- Zeit – zu einem Weltwunder der Gegenwart wird? Ist dieses Arrangement, Pflanzen gegen Beton, die Versinnlichung einer Idee von Frieden ohne Krieg? Deutet es an, die Dialektik der Widersprüche müsse neu gedacht, gestaltet, visioniert werden? Indem man die
Read More Die Regenmacher Leidenschaftlich gerne recherchiere ich. Komme dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen, um nach längerer Recherchereise wieder am Anfang zu landen, diesmal beim Thema Wolken. Als Kind lag ich gerne auf den frischen Wiesen des Thüringer Waldes, hörte das Summen und Brummen der Insekten, schaute in den Himmel und fragte mich, ob die Wolken auch mich sähen. Ihre vielfältigen Formen, ihr ewiges Ziehen, sich Aufblasen, Überlagern in Grautönen feinster Abstufungen verzauberten mich. Ob Wolken denken? Ob es Mann- und Frauwolken gibt? Ob die Schäfchenwolken deren Kinder sind? Vor Gewitter, Donner und Blitz, Regengüssen
Read More Plansequenz – unfreiwillig zölibatär. Meine Vorstellungskraft reicht nicht aus um mir vorzustellen, was ich mit Vorstellungskraft meine. a rose is a rose is a rose.* Darum suche ich mir ein Thema als Gegenüber, auf das ich mein assoziatives Denke projiziere, um im Echo etwas zu finden, das meiner Vorstellung von Leben spricht. Von in einer Einstellung gedrehten Filmen bin ich fasziniert. Plansequenz genannt – haben auch diese Filme einen Anfang und ein Ende, alles dazwischen ist eine in sich abgeschlossene Handlung. Das Leben eine Plansequenz? Angeregt, über das Thema von
Read More Ein junger Pionier und das Unternehmen Barbarossa Zeit und Geschichte, Zeitgeschichte und ihre Verknüpfungen mit dem privaten Leben der Menschen werden vom Herzschlag jedes Einzelnen bestimmt. Zufälliges, Wiederholungen, Parallelen – Macht und Öffentlicheit – Geschichte als Konstruktion – Biografien: Alles ist nur möglich, wenn die Herzen der Menschen schlagen, pulsieren, für Lebendigkeit sorgen. Im Monat Mai wird an zwei für die deutsche Geschichte bedeutende Ereignisse erinnert: an das Ende des 2. Weltkriegs vor 80 und an das Ende der Bauernkriege vor 500 Jahren. Mit diesen Daten verbinden mich ein Name,
Read More „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ Eine kleine Straße in Berlin mit großer Geschichte – von Gerd Conradt. Auf den Straßen der Großstädte geschehen oft Dinge von mafiosem Charakter. Sie ereignen sich im Verborgenen, oft unter heiterem Himmel, verlieren sich, um wieder zu erscheinen. Bewusst – unbewusst, schlafwandelnd sind Dichter, so wie ich einer bin. Ich liebe Zahlen, Statistiken, mit meinem geistigen GPS durchs All zu fliegen. Ein mutiger Adler, ein schlauer Fuchs, eine flinke Forelle. Zu erleben, wie die Sonne Schatten zum Leuchten bringt. Achtzig Meter ist sie
Read More Zwischen den Bildern – Zeit Das erste Bild ist ein Standbild aus einem Filmdokument. Ein Mann mit nacktem Oberkörper wird im Polizeigriff abgeführt. Er schreit – vor Schmerzen? Die Polizisten blicken teilnahmslos. Im Hintergund sind Garagentore zu sehen. Das zweite Bild zeigt einen Mann, aufgebahrt in einem weißen Totenhemd. Er ruht. Er trägt einen langen Bart, die Hände sind gefaltet, die Augen liegen tief inihren Höhlen. Im Hintergrund Kerzenständer. Zwei Bilder auf gleicher Höhe und in gleicher Größe nebeneinander – gleichzeitig zu sehen – deuten eine Richtung an. Durch die
Read More Der wilde Ballon Wenige wissen, dass es in Berlin fünfunddreißig Orte gibt, die als Berge ausgewiesen sind. Mehrere Ortsteile tragen in ihrem Namen die Bezeichnung Berg: Prenzlauer Berg, Schöneberg, Kreuzberg, Lichtenberg. In dieser Geschichte erzähle ich von einem Jungen, der in der Waldsiedlung Eichkamp am Fuße des Teufelsbergs aufgewachsen ist. Als Lutz-Graf Ulbrich 1952 geboren wurde, gab es diesen Berg noch nicht. In den folgenden Jahren wuchs er in die Höhe. Ein Berg aus Trümmern und Abfall. So wie Lutz stattlich heranwuchs, wuchs auch der Berg, dieser bis zu einer
Read More Purpur und Blutrot Krieg und Frieden, Mann und Frau, Alt und Jung. Das UND als Brücke, als Mauer. Als Bund und Bindung. Zweiheit als Einheit. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Sein und Zeit – Heidegger, Liebhaber von Hannah Arendt, nationalsozialistischer Denker, Wanderer, Heimkehrer – ins UND? Warum dieses Vorspiel? Dokumentarfilmregisseur, mein Beruf als Berufung. Ich weiß nicht, ich suche, ich finde, montiere Bilder zu Worten. Bin kein Buchstabendenker, sondern einer, der auf Eingebung wartet. Sinnstrahlen, die aus dem Kosmos von Tag und Nacht kommen? Coniunctio, ich bin einer, der
Read More Auf meinem Schulweg in Erfurt, DDR, 1953, kam ich täglich an einer Bäckerei vorbei. Der Geruch frischer Backwaren hatte für mich etwas Magisches. Jedesmal blieb ich stehen, schaute mir die Auslagen an. Im Schaufenster hingen Transparente: Ewige Freundschaft mit der ruhmreichen Sowjetunion, Unser Arbeitsplatz – unser Kampfplatz für den Frieden. Daneben hing das Foto einer Verkäuferin aus dem Laden. Sie war als Aktivistin ausgezeichnet worden für vorbildliche sozialistische Arbeit im HO-Kollektiv. Unter dem Foto stand: Arbeite mit, plane mit, regiere mit! Ich ging hinein und kaufte mir für 5 Pfennig einen Kameruner
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