Monika Geier: Was ist 2025 passiert? Doris Gercke ist gestorben. Das hat mich sehr traurig gemacht. Doris Gercke war eine der wenigen Personen, vor denen ich echten und großen Respekt hatte und habe. Ich bin regelrecht vor Ehrfurcht erstarrt, wenn sie mit mir geredet hat. Zu meinem Glück und meiner Begeisterung hat sie aber mehrfach und gern mit mir geredet. Sie war eine Künstlerin, Kollegin, Vereinsschwester, die ich gleichzeitig als großes Vorbild und sehr lebendigen, präsenten Menschen in meinem Leben erfahren habe. Und ich denke, „Präsenz“ ist ein gutes Wort,
Read More Johannes Groschupf: Lutsch ihn einfach rein. Ein Jahr am Billardtisch In diesem Jahr habe ich eine fremde Welt betreten, eine Welt seltsamer Rituale und Gebräuche, eine Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint, solange nur die Bälle auf dem Tuch laufen. Ich bin einem Billardklub beigetreten. Vorbei sind die sporadischen Abende im verrauchten Hinterzimmer einer Kneipe, in der noch ein müder Pooltisch steht, um den sich alle Trinker versammeln. Vorbei die Abende in öffentlichen Billardhallen mit sechs oder acht Tischen, die von Jugendlichen belagert werden. Vorbei die ruhigen Abende mit
Read More MALERLEBEN. Vincent van Gogh und die Folgen. Vielleicht verloren haben. Oder: Über die Seele des Bildes. OLYMPIA. Im nächtlichen Zug ebenmäßig schön, / der Dichter trinkend. // Er schrieb nicht mehr über diese eine Nacht. / Zu weit schon hatten sich die Bilder entfernt von dem, / was er schreiben konnte. / Lediglich ein, zwei Bilder blieben ihm zurück, / die er sich so zusammenfasste: // Im nächtlichen Zug ebenmäßig schön, / der Dichter betrunken. (Bernd-Otto Niederstrasser, KAVAFISIENNES vielleicht verloren haben, 1990 – 91) HEY KÄPT´N. Die wahren Bilder. Das
Read More Welch ein Reichtum. Welch ein Land. Italien. Deine Paläste. Immer wieder. Wie eine große, schwere, edle Schatzkiste liegt der neue Prachtband aus dem Verlag Taschen auf dem Tisch: Massimo Listri: Italienische Paläste. XXL-Format, 29 x 39,5 cm, 640 Seiten, 6,81 kg schwer. Unmöglich, dieses Buch bei einem einzigen Durchgang zu erfassen. Zu viel Schönheit, zu viel meisterliche Proportion, zu viel göttlich-schönes Detail, zu viel an ästhetischer Erfahrung in einem Band. Er bietet eine überwältigende visuelle Kulturgeschichte, wie sie so noch kein Buch unternommen hat. Dieses Buch ist selbst so groß
Read More Monsters Old and New : Edward Wilson’s »Farewell Dinner For a Spy«, etc. Edward Wilson is known – though perhaps not as known as he should be – for a handful of fast moving and historically-based espionage novels. What differentiates his fiction from his fellow genre travellers – e.g., John LeCarré, Charles McCarry, Ben Pastor, Robert Littell, Alan Furst – is his humane, but unapologetic, leftist perspective. Nothing all that radical, yet insistent, particularly when it comes to the relationship between an increasingly subservient Britain and an ever more powerful U.S.. In
Read More Brigitte Helbling: Lesen, Schauen, Wiederlesen LESEN: MRX MASCHINE MRX-MASCHINE: Ich habe das Buch jetzt schon zum dritten Mal gekauft, und das will etwas heißen für jemanden, die Bücher lieber erstmal aus der Bibliothek holt (und nicht nur wegen Platzmangel in den Regalen). Natürlich war grad Weihnachten, und ich wollte das Buch verschenken. Es ist ein hübsches, knapp 200 Seiten umfassendes Bändchen von Matthes & Seitz, erschienen bereits 2018 in der Reihe „Fröhliche Wissenschaft“. Weshalb wollte ich es verschenken, wo ich es selbst noch gar nicht fertig gelesen hatte. Vermutlich, damit
Read More Adrian Hyland: Gob-smacked by the Master The past year has been, for me, the usual whirlwind of reading, from Homer to Herron, from Paul Celan to Ilhan Pappe, a cornucopia of Marlowes, from Christopher to Philip. Doing some renovations on my home, I resurrected a few battered old friends from a tea-chest in the garden shed: Georg Trakl, Marina Tsvetaeva, the Australian poet, Greg Day. What the termites and silverfish had left was a joy to read. I’m not sure whether it’s my age or my reaction to the enervating
Read More Hella Kothmann: Ungeplant und unvorhergesehen 2025 hatte viele Glücksmomente, trotz deprimierender Zeiten und oftmals schwieriger Umstände. Ein intensives, wildes Jahr am Ende des ersten Viertels eines Jahrhunderts. Und ja, da mach ich mir nichts vor, das letzte Viertel meines Lebens liegt vor mir. Sometimes I don’t know whereThis dirty road is taking meSometimes I can’t even know the reason why … Reisen muss sein.Ein Flussboot an der chinesischen Grenze zu Laos, der Mekong, Savannakhet, die bis heute unüberwindbaren Mekong-Fälle.Wüste in Tunesien, Küste in Norddeutschland.Lung Cu, Vietnams nördlichster Punkt, ein langgehegtes Wunschziel,
Read More Mein Jahr in Bildern Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Read More Susan Madsen – 12 x Anschau-Abenteuer Susan Madsen erzählt unter anderem visuelle Geschichten auf Social Media unter dem Titel „Eine wahre Geschichte“. Ihre Themen sind Voyeurismus, Erotik, Moral, Vergänglichkeit und Wahrheit. Biografisches: Geboren 1964 in Aarhus, Dänemark. Seit 2018 Studentin an der Kunsthochschule Weißensee Berlin/Freie Kunst/Bildhauerei bei Else Gabriel, Knut Ebeling und Andreas Rost, wo sie während des Studiums die Fotografie als ihr bevorzugtes Medium entdeckte, um sich künstlerisch auszudrücken. Ihr Motto stammt von H.C. Andersen: »Alles, was man anschaut, kann zu einem Abenteuer werden, und aus allem, was man berührt, kann man
Read More Ulrich Mannes: Weitgehend unter dem Radar In Ermangelung mitteilenswerter Seh- und Lesererlebnisse beschränke ich meinen Rückblick auf die Toten des Jahres, genauer auf solche, die vor allem in den aufregenden späten 60er Jahren der deutschsprachigen Filmszene Spuren hinterlassen haben und deren Abschied weitgehend unter dem publizistischen Radar geblieben ist. Hochbetagt starb am 18. April Erich Tomek (*1930), das Mastermind der Lisa Film, das unter vielen Pseudonymen, darunter Florian Burg oder Patrizia Piccardi, die Drehbücher zu fast allen Siggi-Götz-Filmen geschrieben hat (vgl. Rückblick 2024). Sein Metier waren Verwechslungsklamotten á la DIE
Read More Christina Mohr: Meine Top Ten Alben 2025 Little Simz – Lotus Suede – Antidepressants Chris Imler – The Internet Will Break My Heart Die Heiterkeit – Schwarze Magie Sudan Archives – The BPM Deep Sea Diver – Billboard Heart Miley Cyrus – Something Beautiful Sophie Ellis-Bextor – Perimenopop Blood Orange – Essex Honey King Princess – Girl Violence ** ** Marcus Müntefering: 2025 – Was vom Jahre übrig bleibt Literatur: Karl Ove Knausgård – Die Schule der Nacht. Lange Jahre habe ich einen großen Bogen um Knausgård gemacht, weil: Autofiktion,
Read More 3 x 11 Spielworte (47): Feuer, Gesetz, Worte III – von Ingrid Mylo Wer liest, sammelt Sätze. Manchmal bewußt. Manchmal ist ein einziges Wort ausschlaggebend: hartnäckig taucht es immer wieder auf. Fliege, zum Beispiel. Oder Mitternacht. Oder Asphalt. In ganz unterschiedlichen Büchern und Zusammenhängen, bei ganz unterschiedlichen Schriftstellern. Solche Fliegensätze oder Mitternachtssätze oder Asphaltsätze finden, immer elf an der Zahl, in der Serie 3 x 11 Spielworte ihren Platz. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Und eine andere Art, auf Bücher zu deuten. – Von Ingrid Mylo. Dieses Mal schon zum siebenundvierzigsten Mal. **
Read More Andrew Nette: Last Drinks at the Hotel Adlon: Finishing the Bernie Gunther series and beyond 2025 was the year that I finally finished Philip Kerr’s 14 book long Bernie Gunther series. If the Dead Not Rise (2009), the sixth entry, was the final one that I tackled. I finished it in Berlin, where I am currently living, which felt fitting. The same day, I visited the very powerful Memorial to the Murdered Jews of Europe in the city’s Mitte district and went for a walk to visit the nearby famous Hotel
Read More Regina Nössler: Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht Ich habe mir dieses Jahr überhaupt keine Notizen gemacht, deshalb nenne ich nur kurz ein paar Bücher, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Tawni O’Dell: Wenn Engel brennen (Ariadne, Argument-Verlag), Original: Angels Burning. Übersetzt von Daisy Dunkel. Eine Ermittlerin, die über 50 ist, wie angenehm (in Krimis sind die Protagonist:innen oft entweder ganz jung, Jugendliche oder Kinder, oder ca. 35 bis maximal 40). Sie ermittelt in Missouri. White trash. Paula Hawkins: Die blaue Stunde (dtv), Original: The Blue Hour. Übersetzt von
Read More Andreas Pflüger: Ganz bei mir und meinen Figuren Den renommiertesten deutschen Preis für Kriminalliteratur mit zwei Romanen in Folge zu gewinnen, setzt die Amarenakirsche auf die Sahnetorte. Es ist mein dritter. Beim ersten Mal, 2017, erhielt ich den Anruf im Auto und kam für Sekunden der Welt abhanden, sodass ich eine rote Ampel überfuhr. Dieser Preis war mit drei Punkten in Flensburg dotiert. Zum zweiten Mal durfte ich mich vor zwei Jahren für »Wie Sterben geht« über die Auszeichnung freuen. Ich erinnere mich dunkel, an dem Abend mit meiner Frau
Read More Sybille Ruge: More knit, less shit 2025. Job verloren. Mit Stricken angefangen. Wie ein Junkie im Wollladen rumgetrieben. Cashmere- und Yakwolle noch wertvoller eingeschätzt, wenn ich gekauft hatte. Tendenz entwickelt, das eigene Können zu überschätzen bei simultan auftretendem Minderwertigkeitsgefühl. Anfängersyndrom. Unmengen an Werkzeug gekauft und nachträglich als Weg der Vervollkommnung rechtfertigt. Festgestellt, dass deutsche Hunde gestrickte Klamotten tragen. Im Traum einem Husky ein Mäntelchen angezogen. Zerfleischt worden. KI konsultiert. Bekannnter Hund steht für positive Erinnerung. Scheiße, ich kenn den Hund nicht. Weitergestrickt. Denken in zwei Kategorien entwickelt: Fertig oder nicht
Read More Dirk Schmidt – And the winner is: South Park „Darf man das?“ ist eine relativ blöde Frage, wenn man einem Kunstwerk begegnet. Und doch ist sie mit Sicherheit im Verlauf der Geschichte oft gestellt worden und Mozart, Goya, Picasso und Pasolini et al. haben sie sich anhören müssen. Die Antwort generell und immer: Klar, darf man das, und die Tatsache, dass niemand sonst auf die Idee gekommen ist oder einen bereits im Diskurs befindlichen Gedanken mit absoluter Konsequenz weitergedacht und bis an die Grenzen des Sagbaren geführt hat, spricht eher gegen
Read More aufstehen seitdem sie an etwaigen toten arbeitet einen florierenden handel mit sterbenden treibt – keiner hätte je gedacht dass das funktioniert abgesehen von ihr selbst wie passend dass sie über harte schädel verfügt – wirkt ihr gesicht runder gleich einer schwimmpfütze so sanft von hinten ausgeleuchtet dass der tod ihr also schmeichelt lange schon war ihr appetit nicht mehr so hervorragend wie von dem tag an an dem sie definitiv beschloss sich wartend an betten zu setzen ein atmen aufzunehmen wenn niemand spricht was sie eines tags in eine regentonne
Read More Andrea Stumpf: „Projekt Visitenkarte“ Dank der BASF war Ludwigshafen einmal eine der architektonisch ambitioniertesten Städte der BRD, so meine Einschätzung, und von München aus betrachtet ist es das immer noch, wie ich während einiger Besuche in diesem Jahr feststellen durfte. Die haben es mit dem „Projekt Visitenkarte“ (Oberbaurat Ziegler) in den 50er, 60er und 70er Jahren so richtig krachen lassen. Wer schon vor 20, 30 Jahren auf die feingliedrigen Fassaden der jungen BRD und den späteren Brutalismus stand, von Industrieschlotromantikern ganz zu schweigen, dem gingen dort die Augen über. Neuerdings
Read More David Whish-Wilson: What works late at night … In a year of insomnia amid the doomscrolling associated with following the genocide and the return of chest-thumping fascism (big shoutout to Don Winslow for his online activism on the latter matter), I’ve tended toward books and streaming that work late at night and into the early morning. The joys of reading friend’s books, like Alan Carter’s Franz Josef and Jay Martin’s Boomtown Snap, and some terrific debut crime novels like Alex Dook’s Gunpowder Creek and Shaeden Berry’s Down the Rabbit Hole,
Read More ** ** Helmut Ziegler: 25 x möglichst Heilendes Woran merkt man, dass man alt wird? Koloskopie? Check.Früher müde? Auch.Gleitsichtbrille? True.Zunehmende Vergesslichkeit? Äh … Moment … ja, genau. Ist das schlimm? Eigentlich nicht. Man kann die eigene Jugend nicht in alle Ewigkeit dehnen. Schlimmer scheint mir, dass sich Eigenschaften anschleichen, die ich nicht mag. Wohlige Nostalgie. Gelangweiltes Kenn-ich-schon. In Kombination: kein schöner Zustand. Persönlich schlimmer die vielen Todesfälle um mich herum. Auch ein Ergebnis des eigenen Alters, klar. Doch nicht nur: Der tragische Tod von Rob Reiner und seiner Frau Michele
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