Geschrieben am 31. Dezember 2025 von für Allgemein, Highlights, Highlights 2025

Highlights 2025: Regina Nössler, Frank Nowatzki, Ivy Pochoda

Regina Nössler: Ich musste einfach wissen, wie es weitergeht

Nössler

Ich habe mir dieses Jahr überhaupt keine Notizen gemacht, deshalb nenne ich nur kurz ein paar Bücher, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Tawni O’Dell: Wenn Engel brennen (Ariadne, Argument-Verlag), Original: Angels Burning. Übersetzt von Daisy Dunkel. Eine Ermittlerin, die über 50 ist, wie angenehm (in Krimis sind die Protagonist:innen oft entweder ganz jung, Jugendliche oder Kinder, oder ca. 35 bis maximal 40). Sie ermittelt in Missouri. White trash.

Paula Hawkins: Die blaue Stunde (dtv), Original: The Blue Hour. Übersetzt von Birgit Schmitz. Fängt gemächlich an, viel über bildende Kunst, steigert sich dann aber unmerklich. Sehr böse. Und gleichzeitig sehr traurig.

Liz Moore: Der Gott des Waldes (C.H. Beck), Original: The God of the Woods. Übersetzt von Cornelius Hartz.

Freida McFadden, Die Kollegin (Heyne), Original: The Coworker. Übersetzt von Astrid Gravert. Mir gehen zwar die Louboutins der Frauen, die attraktiven Männer und all dieses Zeug auf den Wecker, und Heyne zählt auch nicht gerade zu meinen Lieblingsverlagen, aber ich muss zugeben, dass McFadden ihr Geschäft versteht. „Die Kollegin“ ist auch nur ein Beispiel von vielen angesichts dieses unvorstellbaren und fast unmöglichen Outputs. Falls McFadden überhaupt eine echte Person ist und nicht ein Autorenkollektiv dahintersteckt. Oder KI. Ein sehr erhellendes Gespräch bei Deutschlandfunk Kultur mit Sonja Hartl über das (Bestseller- und Vielschreiber-) Phänomen McFadden. Fühlte mich ertappt, denn augenscheinlich mag ich, zumindest hin und wieder, auch „fast reading“.

Helene Flood, Die Witwe (BtB), Original: Enken. Übersetzt von Sylvia Kall.

Emily Freud, Her last summer (Piper). Übersetzt von Sonja Rebernik-Heidegger. Habe es an einem sehr heißen Junitag in meiner sehr heißen Wohnung im vierten OG fast in einem Rutsch gelesen, musste einfach wissen, wie es weitergeht, mit dem Dschungelwildschwein, den Moskitos und den bösen Männern im Wald.

Mary Kubica, She’s not sorry (Aufbau). Übersetzt von Gabriele Weber-Jari. Zuerst dachte ich, es geht hauptsächlich um Gewalt gegen Frauen, aber dann … viele Twists. Gut geschrieben (übersetzt).

Ivy Pochoda, Sing mir vom Tod (Suhrkamp), Original: Sing Her Down. Übersetzt von Stefan Lux. Sehr gewalttätig. Sehr gut geschrieben. Los Angeles bei Hitze und während des Corona-Lockdowns. Apokalyptisch. Endzeitstimmung. Wie in einem dystopischen Film, wenngleich das Wort „dystopisch“ inzwischen überstrapaziert ist und zu oft benutzt wird.

Popkonzert: Die Wallners aus Wien. Ich glaube, ich war seit meiner Schulzeit in keinem Popkonzert mehr (damals waren es die Fehlfarben), obwohl eine gute Freundin behauptet, in unserer Studienzeit hätten wir zusammen ein Konzert der Kastrierten Philosophen besucht, woran ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Eigentlich dachte ich immer, ich würde coole, ungewöhnliche Independent-Musik mögen, aber gut, offenbar mag ich dann auch Dream Pop, denn so wird die Musik der Wallners oft bezeichnet. „In My Mind“ ist ein bezaubernder Song.

Sharon Bolton, Das Böse nebenan (Goldmann), Original: The Neighbours‘ Secret. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. Das habe ich, während ich das hier schreibe, noch gar nicht zu Ende gelesen, scheint mir aber ein guter Krimiabschluss des Jahres.

„Ein widerliches kleines Gefühl“ von Regina Nössler findet sich auf unserer CrimeMag Top Ten 2025. Hier von Alf Mayer besprochen: Wenn die Realität Risse bekommt, Dezember 2025.

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Ivy Pochoda: You can’t go wrong

This year is easy to choose my favorites. My favorite crime novel of the year, which is one of the best crime novels I’ve ever read, is The Savage, Noble Death of Babs Dionne by Ron Currie. This novel blew me away for so many reasons. First of all, it introduced me to a culture Francophone speakers in Maine, state I visit routinely, that I’d never heard of before. I had no idea about the oppression of the French and culture in northern New England. This is a crime novel for the ages. And what’s more, it’s about the most badass women you could imagine. A female lead crime syndicate? Sign me up. The closest thing I can compare it to is The Sopranos. And the best news is, Currie has just finished another in the series and his undertaking one more. 

My other favorite book of the year is from my ride or die Tod Goldberg – Only Way Out. It’s no secret that Tod is a genius of crime fiction. Just take a look at his amazing Gangsterland series. But this book is a commercial departure. And like Currie’s, take us into the world and culture not often explored infection… The badlands and bad folks around the Salton Sea, a truly remarkable and unique bit of the California landscape.

You can’t go wrong with either of these books or anything else by these authors.

Sing mir vom Tod“ von Ivy Pochoda findet sich auf unserer CrimeMag Top Ten 2025. Hier von Sonja Hartl bei uns besprochen, April 2025.

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Frank Nowatzki: Die Fragilität menschlicher Bindungen

„The Penguin“ ist ein düsteres, packendes Spin-off, das die Welt von The Batman konsequent erweitert und dabei eine eigene, unverwechselbare Identität entwickelt. Colin Farrell (auch wenn er nicht wirklich zu erkennen ist) liefert eine herausragende Performance als Oswald Cobblepot – komplex, charismatisch und zugleich bedrohlich. Die Serie zeigt eindrucksvoll seinen Aufstieg in der kriminellen Unterwelt von Gotham und verbindet Charakterstudie mit spannender Gangster-Story.

Die Atmosphäre ist kompromisslos: visuell beeindruckend, mit einer Noir-Ästhetik, die perfekt zur düsteren Tonalität passt. Die Handlung ist intelligent geschrieben, voller Intrigen und Machtspiele, die Fans von Mafia-Serien wie ›Boardwalk Empire« oder ›Sopranos« begeistern werden. Besonders gelungen ist, wie die Serie Cobblepot nicht als bloßen Bösewicht darstellt, sondern als vielschichtigen Antihelden mit nachvollziehbaren Motiven. Und das Gute: es geht hier weniger um Batman, als um Cobblepot selbst, der sich früh für ein  ›Crime«-Leben entscheidet, damit es die geliebte Mutter mal besser hat.

Die HBO Serie »Penguin« ist ein Must-See für alle DC-Fans und Liebhaber von hochwertigen Crime-Dramen. Sie beweist, dass das Batman-Universum auch ohne den Dunklen Helden faszinierende Geschichten erzählen kann.

Mit »Fire on the Ridge« beweisen »Jenny Don’t and the Spurs« erneut, warum sie zu den spannendsten Bands im Bereich Country-Punk und Americana  gehören. Das Album ist eine leidenschaftliche Hommage an klassischen Western-Sound, kombiniert mit einer energiegeladenen Punk-Attitüde.

Die Songs sind sehr abwechslungsreich: von treibenden Outlaw-Country-Nummern bis zu melancholischen Balladen, die an die großen Legenden des Genres erinnern. »Jenny Don’ts« klare, ausdrucksstarke Stimme trägt die Geschichten von Freiheit, Verlust und Abenteuer mit einer Authentizität, die sofort fesselt. Die Instrumentierung ist makellos – twangige Gitarren, satte Basslinien und ein Schlagzeug, das den Spagat zwischen Country-Groove und Rock-Drive perfekt meistert.

Ein Album, das sowohl Fans von traditionellem Country als auch Liebhaber von Punk und Alternative begeistert. Authentisch, kraftvoll und voller Herzblut – ein Pflichtalbum für alle, die Genre-Grenzen überschreiten wollen.

Mit  »Nullsumme« präsentiert Joyce Carol Oates eine Sammlung von Kurzgeschichten (Hut ab vor dem Verlag, der sich traut Kurzgeschichten zu veröffentlichen), die sich kompromisslos den dunklen Seiten menschlicher Beziehungen widmet. Jede Geschichte ist ein psychologisches Kammerspiel, in dem Macht, Manipulation und moralische Grauzonen im Mittelpunkt stehen. Oates gelingt es, mit präziser Sprache und subtiler Spannung Figuren zu zeichnen, die gleichzeitig faszinieren und verstören. Die Geschichten sind oft beklemmend, manchmal brutal ehrlich, und sie fordern den Leser heraus, über Schuld, Verantwortung und die Fragilität menschlicher Bindungen nachzudenken.

»Nullsumme« ist kein leichtes Buch, sondern ein intensives Leseerlebnis für alle, die psychologische Tiefenschärfe und literarische Präzision schätzen. Oates beweist einmal mehr, warum sie zu den bedeutendsten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur gehört.

Frank Nowatzki ist der Verleger von PulpMaster. Texte von ihm bei CrimeMag.

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