
aufstehen
seitdem sie an etwaigen toten arbeitet einen
florierenden handel mit sterbenden treibt –
keiner hätte je gedacht dass das funktioniert
abgesehen von ihr selbst wie passend dass
sie über harte schädel verfügt – wirkt ihr
gesicht runder gleich einer schwimmpfütze so
sanft von hinten ausgeleuchtet dass der tod
ihr also schmeichelt lange schon war ihr
appetit nicht mehr so hervorragend wie von
dem tag an an dem sie definitiv beschloss
sich wartend an betten zu setzen ein atmen
aufzunehmen wenn niemand spricht was
sie eines tags in eine regentonne verwandeln
wird von rostigen flecken bewachsen und
derart vernäht in einen schrebergarten gesetzt
aber da gibt es schlimmeres als fest gebunden
an eine hütte zu leben oft ohne gesellschaft
denn kaum jemand nächtigt dort wo es nach
faulem riecht eingestelltem herbst feuchten
blättern und einem klappbett das die die sich
auf ihm niederlegen erschlägt während die
frühbestatterin sich folglich toten widmet und
enden seziert durch ein mikroskop hindurch
das sie anders als früher jetzt zu bedienen
weiß läuft sie gemächlich durch ein universum
als hätte sie schlagartig ausreichend zeit dabei
ist das gegenteil der fall no wonder auf ihrem
vorgeblichen heimweg setzt dann die zentrale
aufgabe ein die radikaler wiegt als ein
goldenes kalb und nach der die gefälschte
totengräberin einen gehenden mann beschenkt
dem seine gefährtin jahr für jahr mit zu
hohem druck lichte haare kämmte ich bröckele
ab weil sie den satzeinfach nicht vergessen
kann kommt sie gemeinsam mit geistern
die ihre brüder sind zu einem schluss schleift
füße über pflastersteine bietet dem vater
tiefblaue nachthaut an von himmelskörpern
bestickt lauter hell gleißende sprossen auf
dass er endgültig klar genug sieht für sein
schreiben das er von nun an zum ersten mal
anhaltend zeigt damit es durchdringen kann
total losgelöst von einem preis und von beginn
an eines uranos würdig nur muss man das
auch begreifen so in fahrt gekommen macht
die aufgeweckte weiter verteilt rund herum
andenken mitbringsel verausgabt dabei ihr
eigenes zieht fetzenbeine durch eine verdammt
dickflüssige schwarzsuppe die eher gesöff ist
ein nahrhafter eintopf aus speck kartoffeln und
karotten den menschen sich einhelfen um einen
haltbaren gefrierpunkt zu tragen vor allem im
morgengrauen genau so etwas will sie gratis
kochen denn wo gibt es das noch nur weil es
sie befriedet in einer art und weise in der sie
einmal exakt sieben tage lang auf einer matratze
am boden lag und in einem schlauchartigen
raum den besagten archipel gulag verschlang
allein dahin will sie am ende zurück und
auf dem grund des ozeans hausen einer dieser
monstertiefseefische sein aber leider war sie
noch nie besonders begabt weder im tauchen
noch im brauen von wohlschmeckenden speisen
was in der regel männer auf den plan rief einen
saustall anzurichten dort wo aktuell ihre küche
schipperte bis sie sich endlich und genau
genommen zu spät auf eigenartig in lappen
gerissene beine stellt aber zeit spielt zu dem
punkt schon lange keine rolle mehr (dass ihre
beine zerschossen sind und das auch bleiben werden
ist zu vernachlässigen denn es funktioniert wider
die wirklichkeit nur weil sie es will) der sonnen
köpfigen reicht die so klargelegte extremitäten
die stillhalten können ein widerständiges hohlorgan
hinter den brustkorb wie bei einem vogelkäfig
wobei die frage ist obs nützen wird was allerdings
nicht in der macht der beinfetzigen liegt der
wie in zeitlupe unaufhaltsam aufstehenden seit
neustem autark brutzelnden die sterbenden
ihre ohren leiht mit einer hingabe ohne gleichen
schon als fötus an die nabelschnur gebunden
weshalb selbst der für sie uralt gewordene bär
ein augenloser unstillbar gefangener dem sie
auf gedeih und verderb nicht verzeihen wird
etwas von ihr zugedacht bekommt in dem sinne
in dem sie ihm heimlich füllmaterial sendet
zum aufwärmen kaum durch den briefschlitz
passt das aber zur post wird sie wahrhaftig
nicht mehr für ihn gehen kiloweise stopf
substanz bringt die ausschließlich schenkende
für den klauenmann auf den weg um sein
riesenhaft gewachsenes ohne unterlass saugendes
zyklopenbauchloch zu besänftigen obwohl
das niemals hinhauen wird eine kiesgrube
in die er scheinbar völlig wahllos jahrzehntelang
alles mögliche fraß frauen auch kinder um
zum schluss allein die zwangsarbeiterin nicht
zu kriegen was sie sich immerhin vorstellen
kann und eine ihrer wesentlichen kräfte ist
auch die ewig ziehende drückende pressende
spiegelschwester die dem bären mehr gleicht
als beide wahrhaben wollen schickt sie ungesehen
ein becken zum dahintreiben auf dem rücken
fast wie einen infinitypool dazu jemanden
der ihr unmerklich den kopf hält so dass die
nackenstränge sich lockern können zudem
passgenau geschmiedete minimal magnetische
gewichte mit denen lider zu belegen sind denn
was sie nicht begreifen kann versucht die eine
der anderen einzuflößen in sanften dosen um
finally ruhe zu finden auf stramm gepeitschten
blutbahnen auf denen sie wider die vernunft
selbst dem gewaltvollen finsterkörper eine
gabe zubereitet der sie einst in einer lichterlohen
stadt von ganz oben nach ganz nach durchstieß
so dass das nicht mehr heilen wird auch nicht
wenn es sich schließt was zweifellos ein
paradoxon ist mit der zunehmenden
auflösung ihrer beine sendet die allmählich
vollständig erwachte ihm eine dieser wehmütigen
oblaten kennst du die noch mit glitzerkrümeln
versehen auf der sich ein jungfräulicher engel
zeigt von zwei schornsteinfegern in einer sänfte
getragen aus birkenholz sogar allen möglichen
mütterfrauen funkt die neuerdings so leicht
großherzige andacht tanten und altvorderen
vermacht sie ihr webwerk von arachne ab
stammend und in minutiöser arbeit gefertigt
denn rein gar nichts können sie für wunden –
wer aber kann etwas für das was schmerzt wo
wann und warum tut es zuerst weh und wer
maßt sich an das zu wissen – hauchdünne
teppiche lässt sie für diejenigen fliegen die
lieber durch hallen wandelten derart fassungslos
angezogen von kunst und ihren werken sich
libellengleich aufzulösen anstatt kniend den
ihnen gewidmeten boden zu schrubben was
wiederum nicht die schuld ist derjenigen die
mit totaler blindheit geschlagen auszog ihr
fürchten zu verlernen ein unterfangen das ihr
naturgemäß nicht gelingen sollte aber auch
dafür ist keine menschenseele verantwortlich
ruft weit vom himmelsoben bei den gebatikten
wolken eine akrobatin die arme einer siegerin
hat aufgehängt an der spitze eines turms aus
menschen gebaut schwebt der haltlose stern
wer will noch und wer hat noch nicht ruft die
beinzerfetzte jüngst ab und an ausgeschlafene
in ihrem allein verwunschenen 2-d-land die
ab heute und komplett auf eigenen wunsch
spendierhosen anhat selbst wenn wachhunde
aus dem boden schießen und sie beim vergeben
schrittweise auseinanderfällt denn auf die beine
folgen unweigerlich die arme und der bauch
aber auf teufelkommraus wird die so eigenartig
sich dreingebende frieden schließen nur
weil sie das will und es beschlossen hat
ein für allemal aufstehen
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Bei diesem Gedicht handelt es sich um ein unveröffentlichtes, das Teil des dritten, noch nicht publizierten Lyrikbands von Ulrike Schrimpf sein wird. Ihr nächster Roman erscheint im Herbst 2025 bei Insel, Suhrkamp. Ihre Texte bei uns hier.
Ihr Gedichtband »Mein anfällig gewordenes Herz« hier bei uns von Alf Mayer besprochen: »Sich hinter der Haut anschauen«, CulturMag Dezember 2024. Ein Textauszug aus dem Band hier.












