aufstehen seitdem sie an etwaigen toten arbeitet einen florierenden handel mit sterbenden treibt – keiner hätte je gedacht dass das funktioniert abgesehen von ihr selbst wie passend dass sie über harte schädel verfügt – wirkt ihr gesicht runder gleich einer schwimmpfütze so sanft von hinten ausgeleuchtet dass der tod ihr also schmeichelt lange schon war ihr appetit nicht mehr so hervorragend wie von dem tag an an dem sie definitiv beschloss sich wartend an betten zu setzen ein atmen aufzunehmen wenn niemand spricht was sie eines tags in eine regentonne
Read More Sich hinter der Haut anschauen Alf Mayer über den Gedichtband von Ulrike Schrimpf Vor den Spiegel stellte er sich, entkleidet, und schrie und schrie: Ich bin ein Mensch, ein Mensch wie ihr! (Hans Henny Jahnn, Perrudja, 1929) Dieses Buch zuckt und pulsiert in der Hand. Springt einem ins Gesicht, und faucht und schnurrt, schmiegt sich an, zerkratzt im nächsten Moment. Dieses Buch lebt. Ist radikal. Ist voller Kraft und Schmerz und Zuneigung. Und Selbstbehauptung. Es tut, was Sprache nur als Lyrik kann: Pochen und schlagen wie ein Herz. Und genau
Read More Kindheit und Mandelbäume Ingrid Mylo über drei neue Bücher Wer von seiner Kindheit erzählt, läßt sich auf Täuschungen ein, auf Taschenspielertricks und faulen Zauber und jongliert, wie jeder, der so tut, als würde er sich erinnern, mit Fakten und Vorlieben und Wünschen, von denen man wollte, sie wären wahr. Judith Kuckart hat das sehr geschickt drauf, dieses Hantieren mit Gold und Talmi: abgesplitterte Partikel vergangener Tage, Mutmaßungen, Gerüchte, Einbildungen, Eigenes und von anderen Geborgtes. (Man kann sich ein Vergnügen daraus machen, in dem, was ihre Figuren sagen, die Buchtitel
Read More Ulrike Schrimpf: Kettenkarussel Wenn ich an die Winter- und Weihnachtszeit denke, kriege ich das kalte Kotzen, und das darf ich nicht laut sagen. Dabei will ich es in die Welt schreien, jedem Passanten auf der Straße will ich es vor den Latz knallen, und meiner Schwiegermutter, die so vollendete Plätzchen backt, dass man sie nicht von denen aus einer Konditorei unterscheiden kann, will ich das ins gepflegte Gesicht drücken. Mitten rein in die Visage. Wenn die Weihnachtszeit ein Lebewesen wäre, würde ich ihr einen Dolch in die Brust rammen, mitten
Read More „Ich will runter in den Schacht“ Tanja Schwarz‘ aktueller Roman „Vaters Stimme“. Ein Gespräch mit Ulrike Schrimpf Im September 2023 ist Tanja Schwarz‘ zweites Buch bei Hanser blau erschienen, Vaters Stimme, eine – auch für heutige Zeiten – auf den ersten Blick erstaunlich ruhig, unspektakulär, ja bescheiden erzählte Geschichte über eine Protagonistin Ende 40, Nina, die sich gemeinsam mit ihrem Sohn Lenny auf die Spuren der Vergangenheit begibt und ihrem abwesenden Vater nachforscht, der bislang nur als Phantom durch ihr Leben gegeistert ist. In dem Roman passiert das Wesentliche, auch Schwerwiegende,
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