Geschrieben am 2. April 2016 von für Litmag

CulturMag, Ausgabe vom 1. April 2016

Bosch_Linke Tafel_VordergrundLiebes CulturMag-Publikum,

– herzlich willkommen zur Doppelausgabe von LitMag und MusikMag im April 2016! Das nächste CrimeMag wird am 15. April erscheinen.

Und jetzt schnell los, denn wir haben ein volles Programm: 90.000 Neuerscheinungen gibt es jedes Jahr auf dem deutschen Buchmarkt. Viel zu viele! Ein guter Grund für Michael Höfler, zu versuchen, sein neues Buchprojekt „100 Gründe, keine Bücher mehr zu schreiben“, auf der Leipziger Buchmesse unter die Verleger zu bringen. Ein Bericht.

Mehr Transparenz wird häufig gefordert, wenn es um Juryentscheidungen geht. Die gibt es bei uns: Drei Juroren der Litprom-Bestenliste, Anita Djafari, Katharina Borchardt und Thomas Wörtche, haben sich zusammengesetzt und drei Titel, die in der näheren Auswahl für den aktuellen Weltempfänger standen, diskutiert. Dabei waren sie nur manchmal einer Meinung.

Rasha Khayat betreibt den Blog West-östliche Diva „Das deutsche Fenster zu Arabistan“. Nun hat die Autorin mit „Weil wir längst woanders sind“ ihren ersten Roman geschrieben, der um die Frage kreist, was Heimat bedeutet und wie man bzw. frau mit zwei Kulturen in sich leben kann. Karsten Herrmann hat mit Rasha Khayat gesprochen.

Elisabeth Raabe erzählt in „Eine Arche ist eine Arche ist eine Arche“ aus ihrem „Verlegerinnenleben“. Frank Göhre bleibt nach der Lektüre schlecht gelaunt zurück.

„Hass und Hoffnung“ heißt das Buch, in dem sich die Autoren Markus Metz und Georg Seeßlen Gedanken über „Deutschland, Europa und die Flüchtlinge“ gemacht haben. Es ist eine sehr schonungslose Bestandsaufnahme geworden: Europa habe sich angesichts der sogenannten Flüchtlingskrise „nicht als kultureller und politischer Fortschritt, sondern als barbarischer, korrupter und amoralischer Rückfall realisiert“. Alf Mayer stellt das Buch samt einer Leseprobe vor.

„Wir Menschen müssen erzählen. Das war so und bleibt so. Denn wir Menschen sind unsere Geschichten, und Geschichten muß man erzählen“, schreibt Wilhelm Schapp in seinem Buch „In Geschichten verstrickt“. Markus Pohlmeyer nähert sich dem Philosophen und seinem Werk essayistisch an.

Gelesen und betrachtet wurde auch; und zwar sehr viel und sehr viel unterschiedliches. Senta Wagner bespricht den verspielten Roman „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist dieses lausige T-Shirt“ des Slammer-Stars Elias Hirschl; Brigitte Helbling stellt uns neue Comics von Jul Gordon („Le Parc“) und Sascha Hommer („In China“) vor, Thomas Wörtche hat Christoph Ribbats perspektivreiche Gastro-Montage „Im Restaurant“ genossen, Peter Münder schreibt über den Fotografen Helmut Newton und den gerade erschienenen Bildband „Pages from the Glossies“ (Facsimiles 1956-1998); Tina Manske gefällt Karen Duves Roman „Macht“; Andreas Pittler begrüßt freudig die Neuübersetzung von T, C. Boyles Kultroman „Grün ist die Hoffnung“ und Stefan Slupetzkys großartigen Roman „Der letzte große Trost“; Zoë Beck bejubelt die Erzählungen von Lucia Berlin, die unter dem Titel „Was ich sonst noch verpasst habe“ in deutscher Sprache erschienen sind, Frank Schorneck mochte „Förster, mein Förster“, den neuen Roman des „Chronisten des Ruhrgebiets“ Frank Goosen;  Florian Kniffka macht sich anhand von Brian K. Vaughans und Fiona Staples‘ Reihe „Saga“ Gedanken über die Verknüpfung zweier Genres: der Science-Fantasy; Jörn Borges rezensiert Orhan Pamuks Buch über die Mega-City Istanbul „Diese Fremde in über“; Christiane Quandt verschlang atemlos Samanta Schweblins Roman „Das Gift“; Elfriede Müller war sehr einverstanden mit Ilja Trojanows Stalinismus-Aufarbeitung „Macht und Widerstand“; Alf Mayer ließ sich mit Michael Mullers Fotoband „Haie“ ins Reich der „gefährdeten Räuber der Meere“ entführen; in den LitBits besprechen Alf Mayer, Michael Höfler, Karsten Herrmann, Bruno Arich-Gerz, Jörn Borges, Zoë Beck und Ulrich Noller Bücher von Henning Ahrens, Boris Fishman, Rolf Rietzler, Karsten Lampe, Joachim Meyerhoff, Gary Shteyngart, Patrizia Nanz, Claus Leggewie, Hallgrímur Helgason, Michael O’Neill, Hellmut Lemmer, Hans Herbert Grimm, Shida Bazyar und Orna Donath – und in den KidBits empfiehlt uns Frank Schorneck neue Kinderbücher von Anne-Caroline Pandolfo, Britta Sabbag, Maite Kelly, Joëlle Tourlonias, Silke Schlichtmann und Annika Scheffel.

Im MusikMag startet Tina Manske eine kleine Reihe mit „Lyricskritik“, in der sie darüber nachdenkt, was die Texte von Lieder, die wir alle gut kennen, eigentlich genau bedeuten. Los geht es mit Asaf Avidan & The Mojos: One Day. Außerdem freut sich Thomas Wörtche über die neue Platte von Danny Dziuk; beschäftigt sich Tina Manske mit Zeitkratzer und hat Christina Mohr ihren Spaß mit den Violent Femmes.

1516, vor genau 500 Jahren, starb der Maler Hieronymus Bosch und noch immer stehen wir fasziniert und überwältigt vor seinen überbordenden Bildwelten. Deswegen schaut sich Ulrich Fritsche jeden Monat in diesem Bosch-Jahr ein Bild oder einem Bildausschnitt ein bisschen näher an. Diesmal ist es der Vordergrund der linken Tafel von dem „Garten der Lüste“.

Als Primärtext haben wir im April die Story „Seines Auges Apfel“ von Carl Nixon für sie, dessen Kurzgeschichtensammlung „Fish ’n’ Chip Shop Song und andere Geschichten“ gerade bei CulturBooks erschienen ist. Unser Literaturrätsel im Frühjahr 2016 beschäftigt sich, ganz der Jahreszeit entsprechend, mit dem Vogelzug – und die Weltlyrik des Monats kommt diesmal von dem italienischen Dichter Giorgio Caproni.

Viele Spaß beim Durchstöbern und viele Grüße aus Hamburg und Berlin

Ihre Tina Manske; Zoë Beck und Jan Karsten

Abbildung: Hieronymus Bosch: Der Garten der Lüste, Linke Tafel, Ausschnitt