Geschrieben am 1. April 2016 von für Musikmag

Zeitkratzer – „Stockhausen: Aus den sieben Tagen“ und „Kore“

ZKR0019_KR011_frontBeachtlicher Output

– Den Hörern des Zeitkratzer-Ensembles aus Berlin wird es niemals einfach gemacht. Das war schon immer so – ob bei der Interpretation von Lou Reeds „Metal Machine Music“ oder Adaption von Schönbergs „Pierrot Lunaire“. Sperrig sind diese Aufnahmen, manchmal eine Zumutung gar, der man sich aussetzen wollen muss, um nicht daran zu verzweifeln. Dann aber, wenn man die Zumutung zulässt, wird es interessant. Auch ihre Bearbeitungen der „Neuen Volksmusik“ sind sehr zu empfehlen.

Dabei ist der Output der Gruppe mehr als beachtlich, sodass man mit dem Hören kaum hinterherkommt. Man kann daher bei Zeitkratzer meist auch nicht von einem neuen Projekt sprechen, sondern muss die Mehrzahl bemühen. Aktuell sind zwei neue Platten erschienen, die eine Beschäftigung mit Zeitkratzer lohnen. „Kore“ ist die Neuinterpretation von Stücken des französisch-griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Schon 2007 hatte das Ensemble sich dessen Arbeiten vorgenommen, „Kore“ ist sozusagen das Follow-Up. Aufgenommen wurde die Platte bei einem Liveauftritt 2013 während des Klub-Katarakt-Festivals in Hamburg. Es ist nachgerade erstaunlich, mit welcher Intensität und Verve sich das Ensemble dabei in die Improvisation stürzt.

Die zweite aktuelle Veröffentlichung widmet sich der Musik Stockhausens und ist eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Vokalisten Keiji Haino. Auch dieser Aufnahme von fünf Stücken aus Stockhausens Zyklus „Aus den sieben Tagen“ liegt ein Liveauftritt bei der Ruhrtriennale zugrunde. Es ist bereits die dritte Kollaboration mit Haino, der seine expressiv-exzeptionelle Stimmakrobatik wieder einmal kongenial einsetzt. „Aus den sieben Tagen“ wurde von Stockhausen als 15-teiliges Stück angelegt, das vom Interpreten mehr eine intuitive als eine intellektuelle Herangehensweise erfordert. Beste Voraussetzungen für Zeitkratzer, die sich fünf Stücke des Zyklus herausgreifen und dabei große, fast magische Momente erzielen. Wer Ohren hat, der höre.

Tina Manske