Picaro-Roman, Politsatire und Noir-Klassiker Joachim Feldmann über die deutschsprachige Neuausgabe von Richard Hallas’ Roman „Wer verliert gewinnt“ „Die Sache ist die. Man muss nur jedem Menschen in der ersten Woche fünf Dollar geben – unter der Bedingung, dass er sie innerhalb einer Woche wieder ausgibt. In der zweiten Woche gibt man jedem sechs Dollar. Und jede Woche gibt man einen Dollar mehr als in der vorigen.“ Und in einem Jahr, so erklärt Patsy, eine dralle Dame von Mitte dreißig, habe „jedermann ein wöchentliches Einkommen von fünfzig Dollar“. Zahlen würde dasRead More
Ein kühnes Unterfangen Der mittlerweile von einem Kollektiv geführte Wiener Mandelbaum-Verlag verlegt eine politische Edition „kritik und utopie“, in der bereits mehrere Bände über die Linke in verschiedenen Staaten oder auch aus nicht-staatlichen Gebieten (etwa dem Baskenland) herausgekommen sind. 2024 ist ein Band „Die Linke in Palästina“ erschienen. Der Verfasser Thomas Schmidinger unterrichtet nicht nur in Wien und Oberösterreich, er ist auch Associate-Professor an der Kurdischen Universität im Irak, gibt u.a. ein Jahrbuch für Kurdische Studien heraus und beschäftigt sich mit religiösen Extremismus, mit Minderheiten  im Nahen Osten und anderen abgelegenenRead More
Die ganz private Held:innenreise Sind wir nicht alle auf einer Heldenreise durch unser Leben? Und gespannt, wohin sie uns führt – und vor allem, wie und ob wir sie beeinflussen können? Dazu die große Frage: Wie können wir in unser Schicksal eingreifen, statt es einfach über uns kommen zu lassen, hinzunehmen? Wenn Autoren seit Odysseus’ Zeiten ihre Protagonisten auf Heldenreisen schicken – jetzt im Sommer von Christopher Nolan als großes Kinoepos wiederbelebt –, muss es doch auch uns einfachen Sterblichen gestattet sein, unser Leben als Heldenreise zu uns selbst zuRead More
Als die Lyrik noch geholfen hat Joachim Feldmann über eine neue Sammlung alter Gedichte des Underground-Poeten Rudolf Proske Schlimm sei, erklärte Gottfried Benn in einem seiner berühmtesten Gedichte, „bei Hitze ein Bier sehn, / das man nicht bezahlen kann“. Ob Benn selbst jemals in dieser Situation gewesen ist, lässt sich nicht klären. Authentisch klingen die Verse aber allemal. Nicht zuletzt, weil sie, wie der Literaturkritiker Werner Ross in einer Interpretation feststellte, „umgangssprachlich geschlampt“ daherkommen. Absichtlich natürlich. Auf Alltagspoesie verstand sich der dichtende Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten seit seinen expressionistischenRead More
3 x 11 Spielworte (51) – Brot, Zeichen, Gesicht Wer liest, sammelt Sätze. Manchmal bewußt. Manchmal ist ein einziges Wort ausschlaggebend: hartnäckig taucht es immer wieder auf. Fliege, zum Beispiel. Oder Mitternacht. Oder Asphalt. In ganz unterschiedlichen Büchern und Zusammenhängen, bei ganz unterschiedlichen Schriftstellern. Solche Fliegensätze oder Mitternachtssätze oder Asphaltsätze finden, immer elf an der Zahl, in der Serie 3 x 11 Spielworte ihren Platz. Ein Spaß, ein Zeitvertreib. Und eine andere Art, auf Bücher zu deuten. – Von Ingrid Mylo. Dieses Mal schon zum zweiundfünfzigsten Mal. Eine Idee, die so lange trägtRead More
Mit Kafka und Kästner im Meer … und mehr Still ruht das Mittelmeer. Morgensonne, Aurora atmet. Nachtkaltes Wasser. Ein einsamer Schwimmer zieht diagonal durchs Bild. Was geht ihm durch den Kopf? Die Zeit, die er im Wasser verbringt, lässt sich stoppen; seine Bewegungen können genau beobachtet werden. Smarte Sportuhren messen sogar die Herzfrequenz und zeichnen noch viele andere Daten auf. Doch das Hirngespinst, dass sich beim Gleiten durchs Wasser bildet, bleibt verborgen. Mit Empathie und Phantasie kann man versuchen, zu ergründen, was mental in dem Schwimmer vorgeht. Vielleicht befasst erRead More
Die Kostbarkeit des menschlichen Blicks Burkhardt Gorissen über Stefan Meetschens neuen Roman „Das Mädchen in Blau“ – das Ende der 80er Jahre als mysteriöse Coming-of-Age-Geschichte  Mit seinem neuen Roman gelingt Stefan Meetschen eine sensible Zeitreise in die Welt der deutschen Wiedervereinigung. Die Handlung ist exakt durchkomponiert, die Charaktere glaubwürdig und lebendig. In Mattes, der Hauptfigur des Romans, offenbaren sich autobiografische Bezüge, doch „Das Mädchen in Blau“ entbehrt provokativer Selbstdarstellung. Erfreulicherweise appelliert der Roman auch nicht an postmoderne Reflexe, noch spritzt Gefühlsmatsch auf, wie es bei einem „melancholischen Roman über Liebe“ (Klappentext) zu befürchtenRead More
Strange Things „Wer wärst du, wenn niemand deine Geschichte kennen würde?“, steht als Motto vor dem Kapitel „Mörder“ im Gedichtband „Zwischen Kuss und Klinge: Ein etwas anderer Gedichtband“. Die 25jährige Autorin Larissa-Kyra Birkhan lässt darin Ted Bundy, John Wane Gacy, Jeffrey Dahmer und Ed Ghein mit je einem Gedicht und in Ich-Form zu Wort kommen. Das Dahmer-Gedicht schließt so: Du denkst, du kennst jetzt meine Geschichte?Oh, ich habe noch nicht mal richtig begonnenWenn du den Rest gerne hören möchtestkannst du jederzeit zu mir zum Essen kommen Zum Mörder-Kapitel gehören auchRead More