
Der Weltraum ist schick geworden
Meine Partnerin sagt, sie schaut sich keine Filme an, die im Weltraum spielen. Das ist schade, denn ich hatte mir im Überschwang vorgenommen, mit ihr zusammen ein zweites Mal „Der Astronaut – Project Hail Mary“ mit Ryan Gosling und Sandra Hüller zu schauen. Ein wunderbarer Film, der aber, wie der Titel schon andeutet, im Weltraum spielt und deshalb hat sie gleich abgewunken. Dabei weckt die Freundschaft zwischen dem irdischen Astronauten Grace und dem außerirdischen Hüpfstein Rocky (keine KI-Scheiße, sondern von einem Puppenspieler geführt) so Gefühle wie weiland E.T. und Sandra Hüller spielt die Projektleiterin, wie noch nie irgendeine schauspielernde Person eine projektleitende Person gespielt hat, mit einer kühlen, spröden Eleganz, die jeden erdenklichen Oscar verdient.
Ich kann die Abneigung nicht verstehen. Wie kann man Filme, die im Weltall spielen, nicht gut finden? 2001, Star Wars, Raumschiff Enterprise usw. usf. Der Weltraum ist ja gerade auch voll in Mode durch die Raummission Artemis 2, die einmal um den Mond und wieder zurückgeflogen ist. Das Raumschiff ist nicht explodiert und die Bilder aus dem Weltraum waren grandios. Viele mit dem IPhone 17 Pro Max geschossen, wer weiß, wie viel sich das Apple hat kosten lassen? Die Botschaft ist klar: wer ein IPhone benutzt, kann ins All fliegen und geile Bilder für Insta machen. Wer dagegen verdammt ist, aus Armutsgründen ein Android Rotz-Taschentelefon zu nutzen, wird nie Astronaut und kann grobpixelige Bilder von der Kotze eines Besoffenen machen und die auf Kacke-Facebook hochladen, wo sie dann kein Like bekommen und nach einer halben Stunde gesperrt werden.

Dieser Raumflug war ganz anders als die aus den siebziger Jahren. Damals waren das nur weiße Männer, die in so Michelin-Männchen Anzügen auf dem Mond herumsprangen. Man hat auf den Schwarz-Weiß-Bildern nichts gesehen und der Ton war scheiße. Bei Artemis 2 war eine Frau dabei und ein Schwarzer. Die Crew hat doch allein durch ihre Zusammensetzung bewiesen, wie modern und vielfältig die Gesellschaft im 21. Jahrhundert geworden ist.
Und Christina Koch hat als erstes das Weltraumklo wieder repariert, das irgendwie kaputtgegangen ist.
Das allein war doch eine Heldentat, muss man sich mal vorstellen, die sind neun Tage im All und das Klo ist kaputt, da wäre statt des Glases Nutella was anderes schwerelos durch das Raumschiff geflogen. Und die orangefarbenen, stylischen Raumanzüge sahen ähnlich aus wie der rote von Ryan Gosling in „Der Astronaut“. Vielleicht war der Film eine Art Werbung für die Raummission oder die Raummission eine Werbung für den Film? Das mit dem Nutella-Glas und die ganzen Fotos mit den privaten IPhones waren doch keine Zufälle. Wenn ich das jetzt als Behauptung ins Internet stelle, finden sich bestimmt ein paar, die meiner Meinung sind.
Sowohl der Astronauten-Film als auch die Artemis-Mission haben viel Aufmerksamkeit erhalten. Ist ja kein Wunder in den heutigen Zeiten. Wer träumt nicht davon, in ein Raumschiff zu steigen und irgendwohin zu fliegen, wo es kein Donald Trump oder Friedrich Merz gibt? Gibt ja genug Reiseziele im All. Exoplaneten, Monde, Neutronensterne oder Schwarze Löcher. Meist keine gastlichen Orte, (zu heiß, zu kalt, keine Atmosphäre, zu magnetisch, zu gravitativ) aber wenigstens frei von dem ganzen Mist, mit dem man sich hier auf der Erde herumschlagen muss. Also ich kann bei einem Weltraum-Film wunderbar entspannen. Meine Partnerin ja nicht, auf Nachfrage erklärt sie, die Dunkelheit bereite ihr Angst, es sei kalt und lebensfeindlich. Sprechen wir vom Weltraum oder von Deutschland? Aber es gibt doch viele Weltraum-Filme, in denen sieht man keinen Weltraum. Da sitzen Leute in einem Raumschiff und düsen durch die Gegend. Zum Beispiel in „Interstellar“ von Christopher Nolan. Da fliegen die durch ein Wurmloch in ein Sonnensystem mit einem schwarzen Loch und machen da was.

„Interstellar“ ist einer der erfolgreichsten Science-Fiction-Filme, nur verstanden hat ihn niemand. Ist halt blöd, wenn du als Regisseur einen Physiknobelpreisträger als Berater engagierst und der sagt, wir drehen den Film so, wie ich das haben will.
Es gibt bei der Google Suche extra die Frage: Was will der Film Interstellar sagen? Und die Antwort lautet: Interstellar (2014) thematisiert, dass Liebe eine messbare Kraft ist, die Raum und Zeit überwindet, und stellt menschliche Verbundenheit sowie Opferbereitschaft als Schlüssel zum Überleben dar.
Der Film verbindet harte Wissenschaft (Physik/Wurmlöcher) mit Emotionen, um zu zeigen, dass Neugier und Hoffnung die Menschheit retten.
Also, das ist doch mal ein innovativer Ansatz für einen Film. Jetzt habe ich auch endlich eine Erklärung für das, was ich gesehen habe.
Wir haben uns dann für einen anderen Film entschieden. Eigentlich wollten wir den über Hermann Göring und die Nürnberger Prozesse schauen, aber dann gab es neu so einen Krimi über Schafe, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären. Es war eine kurze, harte Entscheidung gegen Göring. Ich müsste es an dieser Stelle nicht erwähnen, tue es aber trotzdem – beide Filme spielen nicht im Weltraum. Im Sommer kommt übrigens der neue Film von Christopher Nolan in die Kinos. Es geht um Odysseus und seine Abenteuer. Meine Partnerin will den aber auch nicht sehen, weil sie keine Lust auf halbnackte Männer hat, die mit Schwertern herumfuchteln und sich betrinken. Okay, dann werde ich wohl mit Hannes reingehen müssen. Dem ist egal, was läuft, Hauptsache, es wird nicht so viel gequatscht.
** **
Robert Rescue bei uns hier. Zu seiner Webseite mit Terminen, Veröffentlichungen etc. geht es hier, einen einschlägigen Beitrag von ihm finden Sie in der Anthologie „Berlin Noir“. Und bei „Abweichendes Verhalten – Der Talk“ in Berlin ist er regelmäßiger Stargast.
Zuletzt:
Mai 2026: … im Museum für Stadtgeschichte
April 2026: Kaputte Ampel Seestraße
März 2026: Copy Shop Stories (2) Bob Ross ist nicht wiedergeboren worden
Feburar 2026: Lost and Found: Gewidmet all den Dokumenten, die hier keine Erwähnung finden
Dezember 2025: Wieder eine Gelegenheit verpasst … Wer kommt woher?
November 2025: England – Kein Herz und keine Seele
Oktober 2025: Brumm, brumm – Filme auf vier Rädern und sonst nicht viel
September 2025: Die eiserne Kuppel
Juli/ August 2025: Der Papst ist ein Spieler
Juni 2025: Bewerbungsgespräche: Dinkelkleie und Gerstengrütze
Mai 2025: Neue Besen kehren nicht immer gut
April 2025: Robert Rescue über David Foster Wallace: Unendlicher Spaß
März 2025: Karma is a Bitch – jetzt aber wirklich
Februar 2025: Die unglaubliche Geschichte von Justus und der Buslinie












