Geschrieben am 1. Oktober 2025 von für Crimemag, CrimeMag Oktober 2025

Robert Rescue: Brumm, brumm

Filme auf vier Rädern und sonst nicht viel

Endlich mal gute Nachrichten für Apple. Der Film „F1“, von Apple-TV produziert, spielt 2025 eine Menge Geld an der Kinokasse ein. Bislang hatte der Gigant aus Kalifornien ja nur Nieten im Programm. „Greyhound“, ein Weltkrieg II-Marine-Drama mit Tom Hanks rief ebenso „gemische Reaktionen“ hervor wie „Napoleon“, ein abendfüllender Spielfilm über eben diesen. „Gemischte Reaktionen“ suggeriert zwar, dass es pro und contra gibt, aber man muss „Gemischte Reaktionen“ laut aussprechen, um zu verstehen, was wirklich gemeint ist. Tom Hanks behauptet ja, Corona hätte die erfolgreiche Kinovermarktung verhindert und es sei ein toller Film, aber ich habe „Greyhound“ auf Apple-TV gesehen und muss sagen, danke Corona.

Apple-TV selbst als Streaming Dienst und Müllhalde für vermurkste Kinoprojekte kennt ja auch kaum jemand. Alle meine Leute sind ja bei Netflix, Amazon Prime oder ARTE, ich glaube manchmal, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der Apple-TV schaut. Da fällt mir gerade noch dieser komische Agenten-Film mit Henry Cavill ein, „Argyll“, der im Weddinger Alhambra Kino eine Woche lief. Ich habe es zufällig mitbekommen, wie die Kinochefin schreiend mit der Festplatte aus dem Kino gelaufen kam und mit einem Baseballschläger drauf eingeschlagen hat. Ich habe mir den zuhause angeschaut und habe 20 Minuten durchgehalten. Ich mag ja Henry Cavill als Schauspieler (z.B. in „The Witcher“), aber zu dem Film ist er offenbar gezwungen worden. Auf jeden Fall hat „Argyll“ 200 Millionen Dollar gekostet und nur 100 Millionen eingespielt.

Aber bei „F1“, dem Formel 1 Film mit Brat Pitt, ist alles anders. Pitt spielt einen ehemals talentierten Piloten, der wegen eines Unfalls, gescheiterter Ehen und einer Glücksspielsucht keinen Fuß mehr aufs Gaspedal bekommt. Dann aber zeigt er es allen und wird der Held. Von den 156 Minuten sind wahrscheinlich 140 Minuten Autorennen und 12 Minuten Unfall, gescheiterte Ehe und Glücksspielsucht. Besucht wird der Film vorrangig von Männern, die ihre Gaming-Lenkräder mitbringen und ordentlich die Sau rauslassen.

Gekostet hat „F1“ zwischen 250 und 300 Millionen Dollar, eingespielt hat er bereits 500 Millionen Dollar.

Aber ein solcher Erfolg ruft Nachahmer auf den Plan. Der Spielzeughersteller Mattel will mit einem Autorennfilm (die Rechtschreibprüfung kennt das Wort nicht und schlägt „Autorenfilm“ vor, haha) ebenfalls fett Geld verdienen und hat sich dazu mit Warner Bros. zusammengetan, um einen „Hot Wheels“ Film auf die Leinwand zu bringen.

Mattel ist Inhaber der Rechte von „Hot Wheels“ und „Matchbox“ und da fragt man sich schon, warum nicht die tollen „Matchbox“ Autos verfilmt werden, sondern diese „Hot Wheels“ Scheiße. In meiner Heimat wurden alle Kinder, die mit „Hot Wheels“ Autos spielten, gehänselt und die Häuser der Eltern angezündet. Also nicht von unseren Eltern, sondern von uns Fünfjährigen. Wir wollten kein „Hot Wheels“ in unserer kleinen, schönen „Matchbox“-Stadt.

Auf jeden Fall erinnert mich die geplante Verfilmung an das größte Trauma, das ich mit einem Kinobesuch verbinde. Es geht um den Film „Battleship“ von 2012, eine Verfilmung von „Schiffe versenken“. Ich bin seinerzeit mit einem Freund im Kino gewesen und er hat sich danach nie wieder bei mir gemeldet. Ich kann es ja verstehen. Ich hatte ihm einen „spannenden“ Film versprochen, mit einer „aufsehenerregenden“ Story, grandiosen Schauspielern und anderen Dingen, die der Film nicht im entferntesten bieten konnte. Ich selbst musste mir nach dem Kinobesuch drei Jahre lang das Kindermusical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ und die Weltkrieg II. Komödie „Unternehmen Petticoat“ mit Gary Grant anschauen, um wieder einen Glauben an das Filmgeschäft zu entwickeln. Dieser „Glauben“, so viel sei verraten, wurde in den vergangenen zehn Jahren dutzendfach auf die Probe gestellt.

Auf jeden Fall hat Mattel vor kurzem verkündet, man habe einen Regisseur gefunden. Jon M. Chu heißt er und hat bisher u.a. die Filme „Step Up to the Streets“ und „Wicked“ verantwortet. Offenbar war er kürzlich zur falschen Zeit am falschen Ort, vermutlich eine Bar, wo ihn die Verantwortlichen von Mattel mit Drogen vollgepumpt haben und ihm dann einen Vertrag samt Stift unter die Nase hielten. Immerhin hat er noch Zeit, bis er ein „Werk“ abliefern muss, denn noch gibt es kein Drehbuch und keine Schauspieler. Zumindest lässt Mattel wissen, dass ein Realfilm mit einem Fokus auf Action geplant ist, in dem die „die leistungsfähigsten und elegantesten Autos der Welt“ gezeigt werden. Haha, Hot Wheels, leistungsfähig und elegant? Mann, sind die Autos scheiße! Ich glaube, ich muss was anzünden.

Sie könnten das Drehbuch von einer KI schreiben lassen. Da kommt vermutlich nur Mist heraus, aber wenn die Zielgruppe Kinder sind und die auf die Werbung anspringen, dann zahlen die Eltern die Zeche, sprich den Eintritt und das Machwerk wird vielleicht kommerziell ein Erfolg. Vielleicht haben die Verantwortlichen bei Mattel auch die Verfilmung von Minecraft vor Augen. Aber Minecraft ist ein erfolgreiches Computerspiel, das von Millionen Kindern gespielt wird und ein ebenso geldträchtiges Franchise in Form von Klamotten oder Klemmbausteinen nach sich zieht.

Ich habe vor einer Weile einen siebenjährigen Minecraft-Fan kennengelernt, dessen Begeisterung ich nur als „Wahn“ bezeichnen kann. Also wir waren als Kinder nicht so. Interessieren sich Kinder heutzutage überhaupt noch für Spielzeugautos?

Es gibt zwar bereits eine animierte „Hot Wheels“-Serie, die auf Netflix läuft, aber die schaut bestimmt keiner und Netflix nimmt die nicht aus dem Programm, weil Mattel für die Ausstrahlung zahlt.

Sollte das Drehbuch doch nicht von einer KI stammen, dann wird es schwierig werden, einen Autor zu finden. Wenn sich doch einer findet, dann sitzt dieser am Schreibtisch, rollte so ein verdammtes „Hot Wheels“ auf der Tischplatte hin und her, Inspiration ist weit und breit Fehlanzeige und der arme Mensch überlegt, ob ein Kündigungsschreiben akzeptiert wird oder ein Fenstersprung die Lösung sein könnte.

Die Leute von Mattel könnten ja Erich und Jon Loeber fragen, die Drehbuchautoren von „Battleship“. Denen ist ja schon mal das Unmögliche gelungen, aus einem sogenannten „Symbolspiel“ einen Spielfilm zu machen, der Hunderttausende Kinobesucher verbittert hat. Beide sitzen inzwischen entweder im Knast wegen schlechter künstlerischer Leistung oder in der Klapse wegen schlechter künstlerischer Leistung. Aber es würde mich nicht wundern, wenn die noch ein Manuskript in der Schublade haben, dass sich leicht geändert für die teuflischen Pläne von Mattel eignen würde.

Ich hoffe nur, dass der Film niemals auf Apple-TV laufen wird. Sonst schaue ich den womöglich noch.

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Robert Rescue bei uns hier. Zu seiner Webseite mit Terminen, Veröffentlichungen etc. geht es hier, einen einschlägigen Beitrag von ihm finden Sie in der Anthologie „Berlin Noir“. Und bei „Abweichendes Verhalten – Der Talk“ in Berlin ist er regelmäßiger Stargast.

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