
Der Papst ist ein Spieler
Der neue Papst ist ein Gamer, heißt es in einem Artikel. Und er ist ein Sportler. Regelmäßig steht er auf dem Platz und schwingt den Tennisschläger. Da verwundert es nicht, dass Jannick Sinner, der Weltranglistenerste im Tennis die erste Person war, die eine Audienz beim Papst erhielt. Das muss man sich mal vorstellen. Früher waren das Kaiser und Könige, heute eigentlich die Größenordnung JD Vance oder Friedrich Merz, aber Leo XIV. bricht mit den Regeln. Der Sinner war wegen Dopings drei Monate gesperrt, aber der neue Papst hat ihn für diese Sünde nicht verbrennen lassen, sondern im Namen des Tennis Absolution gewährt. Sinner hat ihm einen Schläger geschenkt. Papst Leo hat den aufmerksam begutachtet, die Bespannung geprüft, die Schlägerform liebevoll gestreichelt. Sinner ist dann beinahe in ein Fettnäpfchen getreten, denn als Leo XIV. ihn fragte, ob er mit dem geschenkten Schläger in Wimbledon antreten könne, hat Sinner geantwortet, eher nicht. Für so eine Antwort verlässt man sonst aufgespießt auf der Lanze eines Schweizer Gardisten den Vatikan, aber Papst Leo XIV hat ihn unbehelligt ziehen lassen, was dafür spricht, dass dieser Papst ein gütiger sein wird. Und er ist also ein Gamer. Das war noch kein Papst. Gut, bei Petrus gab es noch keine Computerspiele, der war ja auch mehr mit der Errichtung des Christentums beschäftigt. Was ist mit den Medici-Päpsten? Nee, die haben den ganzen Tagen auf Sofas gelegen, Weintrauben samt Rappen dutzendfach verspeist und Unzucht betrieben. Die letzten beiden Päpste hatten auch nichts mit Spielen am Hut. Ratzinger bzw. Benedikt war sein Leben lang Erz-Geistlicher in leitender Position, da ist man fern von weltlichen Gelüsten. Und Franziskus hat Briefmarken gesammelt und Tango getanzt. Ratzinger hat bei Audienzen Pranger und Scheiterhaufen geschenkt bekommen und Franziskus die Briefmarkenserie „Bundespräsident Heinemann“ von 1970.
Leo XIV. soll ein sogenannter Casual Gamer sein, ein „Gelegenheitsspieler“. Casual Gamer sind entspannte Zocker, die das Spielen als Ablenkung von den Mühen des Alltags verstehen, die sich entspannen wollen und insgesamt nette, dufte Menschen sind.

Ich stelle mir das so vor, dass er nach Feierabend, also wenn er mit Gott gesprochen, Pilger gesegnet und es erfolgreich verhindert hat, JD Vance zu treffen, das er dann rüber joggt in den apostolischen Palast und wenn er nichts anderes zu tun hat wie Bullen schreiben oder jemanden exkommunizieren, dann spricht er mit Kalle, seinem persönlichen Schweizer Gardisten, der so eine Art Boss-Gegner ist, also der ist der stärkste von der Schweizer Garde und auch so ein bisschen komisch, also eigentlich komplett wahnsinnig und dabei bärenstark und an dem kommt keiner vorbei und dann sagt Leo zu Kalle, dass er jetzt zocken will und dabei nicht gestört werden will, weder von Vance oder Trump, noch von irgendwelchen Kardinälen und auch nicht von Gott persönlich. Der Leibwächter grunzt und man ahnt, ja, er könnte in der Lage sein, Gott vor dem Betreten der Gemächer des Papstes zu hindern, indem er sich vor die geisterhafte Erscheinung des Allmächtigen stellt und flüstert: „Komm morgen wieder, der Papst zockt“.
In seinen vier Wänden zieht sich Leo XIV. dann eine bequeme Jogginghose an und setzt sich an seinen Gamer-Schreibtisch. Der hat eine stimmungsvolle Beleuchtung, die der Papst mit einer App regeln kann, so mit Smarthome-Beleuchtung, Farbverläufen und so ein Zeug. Dann schaltet er den PC an, eine Sonderanfertigung des besten Hardware-Händlers der Welt, mit der besten und teuersten Hardware, die es tagesaktuell gibt, die High-End-Lautsprecher spielen einen Startsound, der die altehrwürdigen Mauern des Vatikans zum Vibrieren bringt und dann geht es ans Zocken.
Tja, was spielt der Pontifex denn jetzt genau? Laut seinem Bruder soll er früher „Monopoly“ und „Risiko“ gespielt haben, was für einen Geistlichen schon gewagte Sachen sind. Das eine beschäftigt sich mit Kapitalismus und das andere mit Krieg. Vielleicht spielt er Ego-Shooter? Vielleicht mit einer Modifikation, so dass alle Spielergesichter aussehen wie Donald Trump, diesen selbsternannten Gegenpapst? Tagsüber auf Frieden und Aussöhnung machen und nachts hunderten Monstern mit Trump-Fresse den virtuellen Garaus machen. Spielt er Half Life, Doom oder sowas wie Call of Duty? Also wenn das an die Öffentlichkeit kommt, ich glaube, dann ist der Ruf des Papstes hin. Auch nicht problemlos wäre ein Strategie-Spiel wie Civilization, in dem man eine Nation aufbaut von den Anfängen in der Steinzeit bis heute. Als Spielziel baut man eine Rakete und fliegt ins All oder man vernichtet alle anderen Völker im Spiel. Oder zockt er Sportspiele? Vielleicht so einen Tennis-Simulator? Spielt er womöglich online? Was hat er für einen Nickname? Sowas wie Priester1955 oder Satansbruder666? Habe ich schon mal gegen ihn gespielt, verloren und ihn im Chat beleidigt und er hat mir so eine versöhnliche Scheiße zurückgeschrieben und mir eine Freundschaftsanfrage geschickt, die ich sofort abgelehnt habe? Also im Falle des Tennis-Simulators kann das nicht passiert sein. So eine Scheiße würde ich nie zocken.
Mal den Artikel weiterlesen, da steht bestimmt, was er zockt. Oh, es ist weder Call of Duty, noch der Tennis-Simulator und auch keine Weltherrschaftsstrategie. Leo XIV. spielt Wordle und Words with Friends. Words with Friends ist so etwas wie Scrabble, während es bei Wordle um das Erraten von 5 Buchstaben geht. Also insgesamt eher so intellektuelle Buchstaben-Scheiße, da würde ich nicht ernsthaft von „zocken“ sprechen, das ist nur so ein Zeitvertreib-Gedöns ohne geilen Sound und Grafik. Ich glaube, das passt auch dieser Begriff „daddeln“ ganz gut. Ja, ich glaube, das passt ganz gut. Papst Leo XIV. daddelt gerne Wordle und Words with Friends, beides auf seinem altersschwachen Handy bei schlechtem Empfang, auf einem Sofa sitzend ohne Beleuchtung, ohne PC, ohne geile Hardware, sondern alles „Casual“, aber sowas von „Casual“. Gott, bin ich enttäuscht von diesem Papst.
Ich rufe mein momentanes Lieblingsspiel auf. In diesem kämpfe ich in einer apokalyptischen Welt gegen Zombies, baue eine Basis und sorge dafür, dass ich nicht verhungere oder verdurste. Also nicht so eine „dreifacher Wortwert“-Scheiße oder so ein „Ich nehme ein A und ein O“-Mist, wie es der Leo daddelt. Sondern ein Spiel, dass mich täglich auf die Herausforderungen vorbereitet, die mich erwarten, wenn ich das Haus verlasse.
Ich sollte mal googeln, ob Friedrich Merz zockt. Nein, das kann ich mir sparen. Das wird er niemals tun. Und wenn doch, dann was Ähnliches wie der Papst, ach was, das gleiche und sie spielen immer zusammen oder gegeneinander oder wie auch immer. Oh Gott, das enttäuscht mich alles so maßlos.

** **
Robert Rescue bei uns hier. Zu seiner Webseite mit Terminen, Veröffentlichungen etc. geht es hier, einen einschlägigen Beitrag von ihm finden Sie in der Anthologie „Berlin Noir“. Und bei „Abweichendes Verhalten – Der Talk“ in Berlin ist er regelmäßiger Stargast.
Zuletzt:
Juni 2025: Bewerbungsgespräche: Dinkelkleie und Gerstengrütze
Mai 2025: Neue Besen kehren nicht immer gut
April 2025: Robert Rescue über David Foster Wallace: Unendlicher Spaß
März 2025: Karma is a Bitch – jetzt aber wirklich
Februar 2025: Die unglaubliche Geschichte von Justus und der Buslinie











