Uta-Maria-Heim: Region mit Tiefgang Beim Thema qualitativ anspruchsvoller Regionalkrimi führt seit längerem an Uta-Maria Heim kein Weg vorbei. Für die schwäbische Autorin schwärmte einst Jochen Vogt, der sich nie zu schade war, für Heim Partei zu ergreifen. Im letzten Jahr hat mich Vogt wenige Wochen vor seinem Tod erneut auf sie aufmerksam gemacht. Wieso? Zu Recht, denn Heim genießt in dem deutschen Regiokrimizirkus eine Sonderstellung, was sie mit ihrem neuesten Roman „Wer zuletzt stirbt, lügt am längsten“ (Gmeiner) einmalmehr unter Beweis stellt. Für Heim erfand Thomas Kniesche, einer der bekanntestenRead More
Heimatkunde – als Kriminalliteratur „Heilige der Narrows Street“ ist der sechste Band von William Boyles literarischen Erkundungen des Südens von Brooklyn, eine Gegend, in der der Autor aufgewachsen ist. Die erzählte Zeit erstreckt sich von 1986 bis 2004. Alles beginnt in der Nacht vom 16ten auf den 17ten August 1986. Da erschlägt Risa Franzone ihren Gatten Saverio mit einer Bratpfanne, weil er ihre Schwester Giulia zu erwürgen droht. Eigentlich ein klarer Fall von Notwehr, aber in Panik und Unbeholfenheit rufen die Schwestern nicht die Polizei, sondern ihren getreuen Freund Chooch,Read More
Als das Schimpfen noch geholfen hat Eine Lobpreisung von Alf Mayer, dazu als Textauszug „Sternstunden der schlechten Kritik für Richard Wagner“ Das nenne ich Kulturgeschichte. „Ihr Gauner, Ihr Schrumpfgermanen! Ihr Nullen, Ihr Geschmeiß, Ihr Schießbudenfiguren!“ Vier namenlose Personen sprechen von der Bühne aus direkt ins Publikum und beschimpfen es. Und so heißt auch das Stück. Viele der Schimpfwörter beziehen sich auf die NS-Zeit, es ist eine Abrechnung der Nachkriegsgeneration mit den alten Nazis. Autor Peter Handke, 24, versichert, nur Worte zu verwenden, die auch das Publikum im Munde führt: „IhrRead More
Literarisches Kunststück Joachim Feldmann zum neuen Kriminalroman von Monika Geier Am Ende klärt sich alles auf. Seltsame Geschehnisse fügen sich wie Puzzlestücke zu einem überzeugenden Gesamtbild. Und man kann seine Lektüre mit dem angenehmen Gefühl beiseite legen, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Allerdings nur kurzfristig. Denn der gute alte Detektivroman kann gegen das tatsächliche Böse in der Welt nichts ausrichten. Aber er wirkt im besten Falle als Halluzinogen. Und macht ebenso abhängig. Deshalb hat er das Misstrauen, das ihm von Seiten aufgeklärter Mitmenschen entgegengebracht wird, unbedingt verdient. KönnteRead More
Die Ermittlung des Selbst. Ein Schicksalskrimi. Gut, ganz stimmt das nicht. Man kann darüber streiten, ob Gianrico Carofiglios „Der Horizont der Nacht“ überhaupt ein Krimi ist. Eher ein Justizroman besonderer Art, in dem die Sinnkrise des Anwalts Guido Guerrieri und seine Therapiesitzungen ebenso wichtig sind wie ein Prozess um Mord und Totschlag. Nicht zufällig ist Carofiglios Protagonist am 6. Juni 1961 geboren – ausgerechnet am Todestag Carl Gustav Jungs, des Begründers der Analytischen Psychologie. Ein netter Schlenker des Autors, der die Fragen von Schuld, Gerechtigkeit und Sühne in seinem siebtenRead More