Unendlicher Spaß Den wird man nicht haben, wenn man sich entschließt, das gleichnamige Buch von David Foster Wallace zu lesen. Foster Wallace war eine dieser tragischen Figuren der Literaturgeschichte. Zeitlebens von Depressionen und Alkoholabhängigkeit gequält, nahm sich der hochbegabte Mathematiker, leidenschaftliche Tennisspieler und starke Schwitzer 2008 im Alter von 46 Jahren das Leben und hinterließ ein beträchtliches und im wahrsten Sinne des Wortes „gewichtiges“ Werk. „Unendlicher Spaß“, 1996 veröffentlicht, aber erst 2009 auf Deutsch erschienen, zeichnet sich nicht nur durch die brillante Sprache aus, sondern auch durch die verwendeten StilmittelRead More
Kurzkritiken zu aktueller Kriminalliteratur von: Joachim Feldmann (JF), Sonja Hartl (sh) und Thomas Wörtche (TW). Sowas von fies (TW) Und weiter geht´s mit der wunderbaren Pascal-Garnier-Edition bei Septime. „Die Insel“ ist ein auf knappe 160 Seiten komprimiertes Delirium. Vier verlorene Seelen saufen sich zur Weihnachtszeit in Versailles hackedicht zu, gegen Ende sind zunächst nur noch zwei davon übrig, die sich schon fast wollüstig verwahrlosen und verkommen lassen. Irgendwie konsequent, denn die beiden hatten schon als Jugendliche Blut an den Händen. Man ist doch immer wieder erstaunt, mit welch erfreulicher RadikalitätRead More
Der Elefant im Raum Es mag sich an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal angedeutet haben, dass ich nicht unbedingt ein großer Fan der Kriminalromane des Golden Ages bin. Das ist kein Bauchgefühl, sondern hat schon seine Gründe, warum ich mit diesen Residuen der gesellschaftspolitischen und literarischen Anti-Moderne nicht allzu viel anfangen kann. Und dass diese Texte nach fast einhundert Jahren immer noch gerne als Goldstandard der Kriminalliteratur betrachtet werden, finde ich bizarr bis ärgerlich. Aber darum geht es hier nicht. Oder vielleicht doch. Gerade lese ich MargeryRead More
Vorige Woche habe ich einen Film aus der Bibliothek geholt. Auf diesen Film habe ich mehrere Wochen gewartet, er war immer ausgeliehen. Nun aber liegt die Disc da. Es ist ein bisschen wie früher, als ich freitags aufgeregt in die Videothek ging – in der Hoffnung, dass die Filme, die ich sehen wollte, noch da sind. Es ist noch nicht einmal ein besonders neuer Film – oder ein Film, den ich nicht woanders bekommen hätte. Er lief sogar schon einmal auf Arte. Aber ich wollte ihn nicht einfach streamen. IchRead More
Sebastian Knauer über Norbert F. Pötzls „Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski“ Der gelernte Feinmechaniker war als stellvertretender Minister und Mitglied des SED-Zentralkomitees ganz oben in der real-sozialistischen DDR angekommen. Sein Auftrag: Devisen zu beschaffen, um Westwaren importieren zu können, die die DDR nicht selbst produzieren und mit ihrer nicht konvertiblen Währung nicht bezahlen konnte. Zugleich brauchte die DDR immer mehr Geld vom Westen, um den stets drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Dafür baute der „Devisenbeschaffer“ Alexander Schalck-Golodkowski den geheimnisvollen Bereich „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo) auf, ein Imperium von mehr als 200 Firmen, dieRead More
Liebes CrimeMag-Publikum, hiermit präsentieren wir – neben unserem Haus- und Hof- und Hinterhof-Fotografen Carsten Klindt, weiter vorne in – ein zweites visuelles Fenster in unserem Online-Magazin. Die Fotografin Susan Madsen erzählt unter anderem visuelle Geschichten auf Social Media unter dem Titel „Eine wahre Geschichte“. Ihre Themen sind Voyeurismus, Erotik, Moral, Vergänglichkeit und Wahrheit. Biografisches: Geboren 1964 in Aarhus, Dänemark. Seit 2018 Studentin an der Kunsthochschule Weißensee Berlin/Freie Kunst/Bildhauerei bei Else Gabriel, Knut Ebeling und Andreas Rost, wo sie während des Studiums die Fotografie als ihr bevorzugtes Medium entdeckte, um sich künstlerisch auszudrücken. Read More
Sonja Hartls Nachwort zu „Ein höheres Ziel“ von Malin Thunberg Schunke „Hast Du mal darüber nachgedacht, warum gerade Du hier sitzt?“ Diese Frage spricht Amirs Zellengenosse Rabah aus. Eine Frage, über die Amir auch nachgedacht hat, der er aber nicht nachgeben wollte. Und eine Frage, die man beim Lesen unweigerlich im Kopf hat. Denn die Antwort ist erschütternd: Amir sitzt in dem französischen Gefängnis nicht einfach, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Das waren seine Freunde auch. Aber Manfred Halvarsson, Fredrik Cederbeck und Carl Ludwig Bergenrud habenRead More
Ein unruhiges Land  Entlang einer unsichtbaren Linie hat der Journalist und Schriftsteller Paolo Rumiz Italien bereist, eine Linie, an der im Untergrund die eurasische und die afrikanische Kontinentalplatte aneinander stoßen. Diese Bruchlinie zieht sich längs durch den Stiefel (Rumiz nennt das an einer Stelle „die große seismische Autobahn Mittelitaliens“) und die sorgt immer wieder für heftige Erdbeben – zuletzt am 6. April 2009, als ein Erdstoß mit einer Stärke von 5,9 (auf der Richterskala) die Abruzzen erschütterte. 308 Menschen kamen damals ums Leben, 1600 wurden verletzt, große Teile von L‘AquilaRead More