Wenn die Normalität Risse bekommt Zum neuen Psychothriller »Ein widerliches kleines Gefühl« von Regina Nössler – Besprechung von Alf Mayer Evelyn Beckmann ist passiv. Sie sagt nicht, was sie will, und nicht, was sie nicht will. Sie nimmt alles klaglos hin, beschwert sich erst später. Sie ist Mitte vierzig, seit einem Jahr von ihrer Freundin Mona getrennt, lebt in Berlin, in der Kulmstraße in Schöneberg, hat eine schöne Wohnung, einen guten Job und in ihren Augen auch ein gutes Leben. Sie könnte Erika Mustermann heißen. Ist wie gemacht für den
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Noir as noir can be be – und schwärzer Thomas Wörtche über Garnier Nr. 4 bei Septime Die titelgebende „Eskimo-Lösung“ in Pascal Garniers Roman, bezieht sich auf den angeblichen Brauch der „Eskimos“, ihre moribunden Alten auf eine Eisscholle zu setzen und sie ins Nirvana treiben zu lassen. Ohne hier über die ethnologische Triftigkeit der Realität von „Altenmorden“ zu sinnieren: Bei Pascal Garnier ermordet Louis erst seine Mutter, dann die Altvorderen seiner Freunde und Exfrauen, um sich und denen ein auskömmliches Leben via Erbschaft zu verschaffen. Er tut es gern –
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Ein seltsamer Roman Fleischstreifen an einer Wäscheleine oder Spargel, die zu Fingern mutieren. Mit solchen und ähnlichen surrealistischen und skurill anmutenden YouTube-Filmchen mauserte sich Uketsu zum medialen holy shit des japanischen Mainstreams. Nur wenige wissen, wer sich in Wirklichkeit hinter der weißen Gesichtsmaske aus Pappmaché versteckt. Dank dieses gezinkten und PR-mäßig genial vermarkteten Identitätsspiels liefert Uketsu dem nach Sensationen und Klatsch lechzenden Publikum immer wieder den nötigen Gesprächsstoff, was natürlicherweise die Verkaufszahlen seiner Romane alles andere als herunterdimmt. Bei Lübbe ist in der zweiten Hälfte 2025 – vier Jahre nach
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Belichtungszeit 51 Minuten Alf Mayer zum Fotoband »Terra Deposita. Belastetes Land im Zwielicht« von Peter Maurer Spektakulär geht anders – oder eben genau so. Peter Maurers Fotografien zeigen Un-Orte. Zeigen unseren blinden Fleck. Seine Bilder schauen dort hin, wohin niemand schaut. Sie sehen genau hin. Und das buchstäblich. Die spektakulär-unspektakulären Bilder des Schweizer Fotografen entziehen die Uo-Orte dem gewohnten Fluss der Zeit, konstatiert der Fotokurator Peter Pfrunder in seinem Vorwort. Diese Fotografien sehen länger hin – und genauer – als wir das normalerweise mit diesen Orten tun. Über sie
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Geradliniges Gedankenspiel Mit seiner Romanserie um die „Slow Horses“, eine unwahrscheinlich schräge Truppe des britischen Geheimdienstes, und vielleicht noch mehr durch die daraus entstandene Streaming-Serie, ist Mick Herron zum Publikums- und Kritikerschwarm geworden. Also schiebt der Diogenes Verlag jetzt ein Frühwerk von Herron aus dem Jahr 2003 nach: „Down Cemetery Road“, mit dem deutschen Untertitel „Zoë Boehm ermittelt in Oxford“. Und weil man Emma Thompson für die Rolle der Zoë Boehm gewinnen konnte, war die nächste Verfilmung nur eine Frage der Zeit. Das ist ökonomisch betrachtet natürlich alles gut und
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