Geschrieben am 31. Dezember 2024 von für Allgemein, Highlights, Highlights 2024

Highlights 2024 – Claudia Gehrke, Monika Geier, Sulari Gentill

Monika Geier: Das Geschenk

Mein Jahr 2024 war super. Ich Hippie hab ganz spontan meinen wunderbaren Zwei-Meter-Historiker-radfahrenden-badischen Kommunalbeamten geheiratet. Und weil hier ja was zum Weitergeben dabei sein soll, unsere hübsch kurze Tanz-Playlist:

1. Shostakovich Waltz Nr. 2 aus Jazz Suite Nr. 2

2. Sway (Dean Martin)

3. You never can tell (Chuck Berry)

4. Das Geschenk (Sportfreunde Stiller)

Übrigens isses besonders lustig, zu „Das Geschenk“ zu tanzen 🙂

Schönes neues Jahr!!!

»Antoniusfeuer« von Monika Geier wurde 2023 mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.
Ihre Website hier.

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Margarete (links) und Eva © konkursbuch Verlag Claudia Gehrke

Claudia Gehrke: Eine große Freiheit …

gewidmet Margarete Leube

2024 war ich lange auf La Palma, aber flog leider unökologisch öfter als in anderen Jahren. Ich hatte in Deutschland Veranstaltungen, sodass ich nicht am Stück bleiben konnte. Auf der Insel sein musste bzw. wollte ich, da ich nacheinander zwei aufwendige Bücher zusammen mit den Autorinnen gestaltete. Statt dass ich in diesen Aufenthalten selbst durch die opulente Natur der Insel wanderte (die Autorinnen hatten es jahre- bzw. jahrzehntelang getan), bauten wir, nebeneinander am Laptop sitzend, Bilder von Pflanzen, Tieren, Landschaften, Pilzen und Wäldern und Texte zusammen. Ein Buch über Pflanzen und Tiere (von Ines Dietrich) und eines über Pilze und Spaziergänge in verwunschene Wälder (von der fast 100jährigen Rose Marie Dähncke, die sich Lebensfreude damit verschafft, dass sie am Computer arbeitet, auch wenn sie täglich schlechter sieht und es bald nicht mehr kann). Ich habe viel gelernt über die Natur und das Zusammenspiel der verschiedenen Lebewesen. (Beides sind mehr als Bestimmungsbücher – Verlagsinformationen hier, d. Red..)

Ich flog mit günstigen Basic-Tarifen ohne Gepäck (in anderen Jahren schleppte ich oft schwere Bücherkoffer mit Verlagsbüchern für die Insel mit, und da hinein passten auch meine privaten Krimis, aber in diesem Jahr schickten wir mit Container.) In diesem Jahr also war ich mit nur winzigem Handgepäckstück unterwegs, in das keine privaten Bücher passten. Daher kaufte ich meinen Lesestoff erst nach dem Check-in. In Flughafenläden gibt es eine kleine Auswahl an Romanen, die Mainstreamneuerscheinungen. An viele dieser dort gekauften Krimis kann ich mich nicht mehr erinnern. So kommen mir aus meinen privaten Lektüren dieses Jahrs weniger Highlights in den Sinn als sonst. Auf la Palma gibt es gute Buchhandlungen, darin aber vor allem Spanischsprachiges, auch Bücherschränke auf Märkten mit gebrauchten Büchern zum Mitnehmen finden sich, darin viele zerfledderte Uraltkrimis aus den 60ern. Doch, da fällt mir ein, es gibt noch Simone. Eine begeisterte Buchverkäuferin. Sie hatte eine Buchhandlung in Frankfurt/M, bevor sie in den frühen 80ern auf die Insel umzog und dort weiter Bücher verkaufte. Sie betreibt an Sonntagen einen Buchstand auf einem großen, beliebten Rastro und kann immer was empfehlen. Auf ihrem Tisch liegen viele Remittenden von Diogenes. Bei ihr hätte ich sicher noch mehr entdecken können, aber ich schaffte es in diesem Jahr nur einmal auf diesen Rastro auf der anderen Inselseite. Zu E-Books kann ich mich noch immer nicht durchringen. Ich möchte klassisch umblättern und will beim privaten Lesen nicht auch noch in einen Bildschirm gucken, und sei er noch so lesefreundlich.

Der Blick nach draußen: eine kleine Steinmauer, grün, Meer, Himmel. Wind. Eine große Freiheit, hier arbeiten zu können. Auch die unguten Ereignisse, die zerbrechende Ampel, die furchtbaren Kriege, und zuletzt der grauenhafte Anschlag, rücken in den Hintergrund. Nachts, ohne Mond, bewölkt, ohne Sterne: nach unten eine undurchdringliche Schwärze, die ich so noch nie erlebt hatte. Ging ich aus dem Kämmerlein nach draußen, war es, als träte ich in eine dicke, weiche Mauer. Die umfassende Dunkelheit glaubte ich körperlich zu spüren. Es gab Momente, da nahm ich nichts anderes wahr als Eingebundensein in die „Natur“ dieses Orts. Jetzt, kurz vor den Feiertagen, ist die Dunkelheit durch einzelne glitzernde Häuser unterbrochen.

Das Blumenparadies mit dem idealen Häuschen, in dem ich nach der Lava wohnte, musste ich Anfang des Jahres verlassen. Ich zog in ein Kämmerlein, Gastzimmer von zwei Autorinnen in einem Haus, das Literatur ist. Mein 8-qm-Kämmerlein (Regina Nössler nannte es „Die Zelle“) war früher die Webstube. Die beiden Frauen sind seit über 50 Jahren ein Paar und haben in ihrem Leben drei alte Häuser renoviert, mit wenig Geld und vielen helfenden Freundinnen und Freunden – eine alte Wassermühle im Zonenrandgebiet, am Arbeitsort einer der beiden, eine Doppelhaushälfte, das Elternhaus der anderen, und dieses Haus auf der Insel, das aus nebeneinanderliegenden Zimmern mit fünf Dächern besteht. Es war, als sie hierherkamen, eine Ruine mit einem schönen Holzboden.

Auf dem opulent mit Obstbäumen und Blumenbüschen bepflanzten Gelände kleine Ruinen von ehemaligen Ställen, zerfallende Zisternen und Reste einer alten Weinpresse. Meine Webstube liegt unterhalb der Haupthäuser, sie war, bevor sie Webstube wurde, auch ein Stall. Miteinander verwoben werden in dem Buch „Drei alte Häuser und vielerlei Leben“ von Eva Maria Bauer die Geschichten der Menschen erzählt, die vor den Frauen in den Häusern lebten, von Deutschland und den kanarischen Inseln zwischen den Weltkriegen, und zugleich die Lebensgeschichte dieses Liebespaars, eingebettet in 50 Jahre Frauengeschichte. „Das Verstreichen der Zeit wird auf besondere Weise rück- und vorwärts gleichzeitig erzählt … Jeder Ziegel, jeder wuchernde Ginsterbusch erzählt von einer Vergangenheit … aus dem Leben gegriffen, so ist der Band leichte Lektüre – und zugleich eröffnen sich die vielfältigen Dimensionen von Zeitreisen“, formulierte Katharina Pewny in der Rezensionszeitschrift „Virginia“ Nr. 73). – So empfinde ich diesen neuen Ort auch.

Wo ich auf der Insel bis Anfang des Jahres wohnte, war ich wie umarmt, eingekuschelt in einen Blumendschungel, der Blick zur Seite und nach hinten in schön geformte Hügel und nach vorn auf das Meer, im Vordergrund ein bezaubernder, oft grün leuchtender kleiner Kraterberg. Auf dem Meer manchmal Schiffe, ein Segelboot, Frachter, die leuchtenden Fähren am frühen Morgen vor Sonnenaufgang. Auch Flugzeuge, die unhörbar übers Meer auf den Flughafen zuschweben. Hier, in Las Caletas im Süden, gibt es selten Schiffe zu sehen. Es ist einsamer, rauer, fordernder, gar nicht kuschelig, aber unglaublich schön, das habe ich inzwischen gemerkt. Es ist anstrengender. Wie lange ich dort bleibe, weiß ich noch nicht.

Einige der im Flughafen gekauften Bücher waren spannend, vielleicht keine „Highligts“, gute Unterhaltung. U.a. die Isländerinnen Yrsa Sigurdardóttir (Rauch) und Lilja Sigurðardóttir (Schneeweiß). Und als Letztes las ich „Anna O“, von Matthew Blake, was ich zuerst nicht hatte kaufen wollen – aufgrund der peinlich sensationslüsternen Verlagswerbung im Klappentext. Nur weil der Autor eine Idee hatte (andere Bücher von ihm waren nicht erwähnt, gibt es wohl auch nicht), seien sofort Rechte in x Länder verkauft worden. Morden im Schlaf, beim Schlafwandeln: Ist die mordende Person dann schuldig oder nicht? Aber es gab nichts, was ich nicht schon kannte, also hatte ich das doch gekauft. Es ist schon spannend, etwas übertrieben erzählt, manchmal langatmig, und am Schluss, ich ahnte es schon, ist dann alles anders und nochmal anders, und das „Thema“ spielt keine Hauptrolle mehr, sondern die üblichen Überraschungen als „Pageturner“ in der Aufklärung des Verbrechens.

Einmal schaffte es doch ein Buch in mein kleines Handgepäck: „Wir sind dieser Staub“ von Elizabeth Wetmore, übersetzt von Eva Bonné (als Taschenbuch 2023 erschienen, gebunden schon 2021,  Eichborn). Es spielt in den 70ern in Texas, es riecht nach Staub und Öl, und am Anfang der Geschichte wird die 14-jährige Gloria vergewaltigt. Sie rettet sich in ein Haus. Als der Vergewaltiger aufwacht, folgt er ihr. Er will sie holen, er bildet sich ein, sie gehört zu ihm, ist sie doch freiwillig mitgefahren. Die Frau, zu der sich Gloria geflüchtet hat, hat ein Gewehr wie alle dort und hält ihn in Schach, bis die Polizei kommt, er wird festgenommen. Doch wird das Folgen für den Mann haben? Frauen sind wertlos in dieser Männergesellschaft. Intensiv erzählt. Ein Buch, das mir sehr nahekam, das unter die Haut geht.

Und vor mir in Deutschland, wo ich momentan wieder bin, liegt ein Stapel ungelesener Bücher, Krimibestenlistentitel und viele mehr.

Claudia Gehrke führt den kleinen, feinen Konkursbuchverlag. Themenschwerpunkte sind Frauen, Erotik und Kunst sowie allgemeine Literatur, inklusive Thriller, sowie die Reihe „Konkurbuch“ mit unterschiedlichen Themen. 2024 erschien Band 59 „Freiheit“. – 2021 erlebte sie hautnah den Vulkanausbruch auf La Palma, der ihr Haus begrub. Sie schrieb darüber in unserem Jahresrückblick 2021 und im Nachhall auch 2022. Zum im Text erwähnten Häuser-Buch geht es hier.

Aus dem Band „Freiheit“ veröffentlichten wir 2024 folgende Beiträge:
Claudia Gehrke – Den Vögeln zuhören
Regina Nössler – Berlin-Tempelhof
Thomas Wörtche – Freiheit? Welche mein‘ ich denn?
Alf Mayer – Bundesfilmpreis ’83: Achternbusch und die Gespenster

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Sulari Gentill: Back at last…

As we approach the fifth anniversary of the Black Summer bushfires, I look at the country about me, which has regenerated around the blackened skeletons of ravaged trees.  Entire hills, once smouldering and lifeless are green and vibrant again, and I am in awe of the resilience of the Australian landscape.  One night shortly after the megablaze had burned through my hometown, I hiked through the remains of my own property with government ecologists, hoping to catch a glimpse of a Greater Glider by torchlight.  A large gliding possum, the Great Glider, had been left endangered by the fires which destroyed much of its habitat. 

Eyes upward, we walked without success for some time before, finally, the long fluffy tail of a Greater Glider was caught in a beam of light.  And so our little farm joined a program to save the Greater Glider. Nesting boxes designed to substitute for the hollows in older trees which had been lost, were installed high in the eucalypts. And so, we waited, and hoped that we had done enough. 

Last week, nearly five years after fire cut a path through our forests, the tree climbers came to ‘Grand Oak’ to check the nesting boxes, as we watched from below. The first box was empty, and the second home to a ringtail possum. I began to worry that the Greater Gliders had not survived. I held my breath as the climber made his way up to the next box.  And then a shout, “Whoa, glider…. Two!” A pair of gliders leaped from the box and soared twenty metres to the next tree.  And I felt like I was flying with them. It was a beautiful extraordinary moment, a jubilant confirmation that everything we were doing to save the Greater Glider was working.

Gliders weren’t the only thing I watched in 2024. I also consumed a lot of television, gorging myself on British crime shows. Of these, I think I most enjoyed the Shetland series based on the writings of Anne Cleeves. There is something about the treeless landscape of the Shetland Isles that adds a haunting desolation to the narrative.

In books, I loved The Deed by Hannah Begbie, The Seven by Chris Hammer and Stormchild by Michael Robotham.  Yes, I know, they are all crime novels. I do read widely but I remain partial to the genre!

Sulari Gentill lives on her farm in the foothills of the Snowy Mountains of New South Wales. She is the award-winning author of The Rowland Sinclair Mystery series, historical crime fiction novels set in the 1930s. She won the 2012 Davitt Award for Best Adult Crime Fiction and has been shortlisted for the Commonwealth Writers‘ Prize. Her „The Woman in the Library“ (Poisoned Pen Press, Scottsdale, Az.) landed on 11 top 2022 lists.

2021 she decribed for us how she nearly lost her form to the raging wildfires. In 2022 she co-edited “Undefendabale: The Story of a Town Under Fire” (Clan Destine Press). 2024 saw her novel „The Mystery Writer“, in 2022 had the very successful „The Woman in the Library“. August 2025 will see a new novel, a train ride murder story, „Five Found Dead“. – Greater Gliders sind Kurzkopfgleitbeutler, eine Opossumart, die es nur in Australien gibt.

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