Schuld und Sühne der Deutschen Nicht nur Nationalisten oder Freunde der Hamas befallen gelegentlich Zweifel, wenn die deutsche Schuld abgerufen wird. Berliner hatten dafür schon vor vielen Jahren den hübschen Ausdruck „Wiederjudmachung geprägt. Das Unbehagen bei Reden und Veranstaltungen zum Thema Holocaust, Staatsräson und „die deutsche Verantwortung“ hat sich – auch unter Progressiven, Geschichtsbewussten oder „Betroffenen“– in letzten Jahren verbreitet. Deshalb hatte ich das Buch von Luca di Blasi bestellt. Die steile These des Autors lautet (falls ich es richtig verstanden habe), dass in der Politik der Schuld Ideologie von
Read More Graham Greene: Der stille Amerikaner (The Quiet American, 1955). Neu übersetzt aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Zsolnay Verlag, Wien 2013. 256 Seiten, Hardcover, 22 Euro. – Deutsche Erstauflage 1956, ebenfalls bei Zsolnay. Deutsch von Walter Puchwein und Käthe Springer. 1955 neu von Dietlind Kaiser. Es gibt zwei Verfilmungen: Vier Pfeifen Opium (Originaltitel: The Quiet American), USA 1958. Regie Joseph L. Mankiewicz mit Audie Murphy, Michael Redgrave und der 19-jährigen Italienerin Giorgia Moll in den Hauptrollen. Drehbuch: Joseph L. Mankiewicz,Edward Lansdale. In Cinecitta, Rom, und teilweise in Vietnam gedreht. Der
Read More ArtistVita (4). MALERLEBEN. Vincent van Gogh und die Folgen. Eines Tages wird alles anders sein – wenn ich mein Meisterwerk male. UND: Das Loch im Kopf. Oder verbunden bis in alle Endlichkeit. Auszug aus: Mama lächelt. Oder: Schiffe sterben in Algier Ich stehe am Fenster und schaue auf die Alemannenstraßeund warte, bis meine Manouches vorbeiziehen. Meine Karawane.Meine Sinti Brüder und Schwestern.Meine Brüder und Schwestern sagen, wir kommen vom Fluss Sindhu.Aber das stimmt nicht. Wir kommen von überall her. Wir sind seit jeher.Wir sind die Menschheit. Meinem Vater haben sie durch
Read More Ornament und Versprechen Es mag zutreffen, dass dekorative Ornamente mit Versprechen verbunden sind, die in die Irre führen. Sie bleiben jedoch mit Zeichen verwandt, welche das Verirren vermeiden sollen. Wer in grauer Vorzeit unbekannte Gebiete durchstreifte, der malte zuweilen eine Chiffre an eine Felswand oder ritzte eine Markierung in einen Baum, einfach um den Rückweg zu finden. Das waren zunächst noch keine Symbole, die Besitzansprüche oder Reviergrenzen anzeigten. Noch immer folgen Wanderer wegweisenden Markierungen. Nicht nur beim Schwimmen, sondern auch beim Wandern kann man den Gedanken freien Lauf lassen. Dann
Read More * 14. Februar 1932, Halberstadt – † 25. März 2026, München Nachrufe schwirren um meinen Kopf. Wie Echos klingen sie aus einem unbekannten Ort an mein inneres Ohr, verheißen Gutes, Warmes, Sanftes – unbekannte Stille, Weite, Licht. Meine Generation stirbt aus. Wir, die wir noch den 2. Weltkrieg erlebt haben, Bomben, Feuerstürme, Flucht – Mangel an allem. In grauschwarzen Ruinen haben wir gespielt, heiße Sommer und kalte Winter erlebt. Wie unser Land geteilt, in Himmelsrichtungen gedacht wurde. Ost, West – Kalter Krieg. Sozialismus, Kapitalismus – freie Marktwirtschaft. Bis zu meinem
Read More Literatur als Medizin Es beginnt mit Oma Auguste, die wie in einem unkorrekten Bilderbuch früherer Zeiten hässlich ist wie eine alte Hexe, mit eingefallenem Oberkiefer, kurzbeinig, dick, mit Barthaaren, die aus dem schwammigen Kinn sprossen und gelblich-weißem Dutt. Aber sie hat der Erzählerin mittels schwülstigen Liedern den Zugang zur Literatur eröffnet. Nora erzählt von ihrer Kindheit, Ausbildung, dem Leben als Lehrerin, von ihrer Ehe, Krankheit und Alter. Die Kollegen in der Schule sind unglücklich oder ratlos, René ist „vertrackt und saugend“, Uli ohne Selbstvertrauen, die Kollegin hat ein auskragendes Obergebiss
Read More Unter Feinden von Friedrich Nietzsche Dort der Galgen, hier die Strickeund des Henkers roter Bart,Volk herum und giftge Blicke –Nichts ist neu dran meiner Art! Kenne dies aus hundert Gängen,schreis euch lachend ins Gesicht:„Unnütz, unnütz, mich zu hängen!Sterben? Sterben kann ich nicht!“ Bettler ihr! Denn euch zum Neideward mir, was ihr – nie erwerbt:zwar ich leide, zwar ich leide –aber ihr – ihr sterbt, ihr sterbt! Auch nach hundert Todesgängenbin ich Atem, Dunst und Licht –„Unnütz, unnütz, mich zu hängen!Sterben? Sterben kann ich nicht!“ (1884) Das Gedicht „Unter Feinden“ ist
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