
Unter Feinden
von Friedrich Nietzsche
Dort der Galgen, hier die Stricke
und des Henkers roter Bart,
Volk herum und giftge Blicke –
Nichts ist neu dran meiner Art!
Kenne dies aus hundert Gängen,
schreis euch lachend ins Gesicht:
„Unnütz, unnütz, mich zu hängen!
Sterben? Sterben kann ich nicht!“
Bettler ihr! Denn euch zum Neide
ward mir, was ihr – nie erwerbt:
zwar ich leide, zwar ich leide –
aber ihr – ihr sterbt, ihr sterbt!
Auch nach hundert Todesgängen
bin ich Atem, Dunst und Licht –
„Unnütz, unnütz, mich zu hängen!
Sterben? Sterben kann ich nicht!“
(1884)
Das Gedicht „Unter Feinden“ ist zu Nietzsches Lebzeiten nicht erschienen. Es wurde erstmals postum in den historisch-kritischen Werkausgaben veröffentlicht. Der Text basiert auf den ersten beiden Strophen des früheren Entwurfs „Yorick als Zigeuner“.












