Die Gier der weißen Kragen Ein Buch, zwei Stimmen: Joachim Feldmann und Alf Mayer zu Oliver Bottinis exemplarischem Politthriller „Die Summe aller Dinge„ Oliver Bottini: Die Summe aller Dinge. Roman. DuMont Buchverlag, Köln 2026. 478 Seiten, 26 Euro. Selbst bei längerem Nachdenken erschließt sich Außenstehenden nicht, wie jemand auf die Idee kommen konnte, es sei vollkommen legitim, eine so genannte Gesetzeslücke zu nützen, um sich nicht gezahlte Steuern „zurückerstatten“ zu lassen. Und doch war diese Form der Privatisierung öffentlicher Gelder langjährige Praxis in der Finanzwirtschaft. Der durch „Cum-Ex“ und „Cum-Cum“Read More
Griechische Tragöde, groß Für den vor kurzem ins Deutsche übersetzten Roman „Katharsis” wurde Maciej Siembieda 2023 mit dem wichtigsten polnischen Kriminalliteraturpreis – „Wielki Kaliber“, deutsch: „Großes Kaliber“ – ausgezeichnet. Bezeichnend ist, dass er nicht von der Jury geehrt wurde, sondern vom Lesepublikum, das nicht selten ein besseres Gefühl und Sensorium für wirklich relevante Themen hat als Fachexperti:innen und Schriftstellerkolleg:innen, aus denen das Preisgericht bestand. Siembieda schreibt für die Leserschaft und taucht in die Untiefen der Nachkriegsgeschichte Polens ein, die lange Zeit in der sozialistischen Volksrepublik tot geschwiegen wurde. Nach MagdalenaRead More
Mina kann auch Marlowe „Wieso soll man dies lesen und nicht lieber zu den Originalen greifen?“, frage ich mich meistens bei neuen Geschichten mit klassischen Krimihelden. Zu oft bleibt es bei einem handwerklich mehr oder weniger gelungenen Nachahmen des Vorbildes oder, schlimmer, es ist nicht mehr als ein müder Abklatsch. Denn was auf den ersten Blick als einfache Aufgabe erscheinen mag, stellt Autorinnen und Autoren, die es richtig gut machen wollen, vor vielfältige Herausforderungen. Einerseits müssen sie so nahe am Vorbild bleiben, dass die Figur „stimmt“ und nicht einfach nurRead More
Grausamkeiten Man liest es immer wieder in Rezensionen, Buchtipps und Besprechungen: Ein Kriminalroman sei unter anderem deswegen so gelungen, weil er zeigt, „was Menschen Menschen antun können“. (Nebenbei bemerkt, ein anderer Gassenhauer dieser Textsorten ist, dass ein Kriminalroman „zum Nachdenken anregt.“ Dazu kommen noch die Bemerkungen, ein Roman sei „mit Humor gewürzt“, und habe, gegebenenfalls, bei der „Personenzeichnung noch Luft nach oben“. Diese und andere abscheuliche Sprachspiele sind ein eigenes Thema, hier aber nur zum leichten Amüsement). Interessanter ist das aufgeplusterte Verwundern darüber, dass Menschen schlimme Dinge tun, andere MenschenRead More
Die Waffen einer Femme Fatale Alf Mayer über den Fortgang der großen Modesty-Blaise-Komplettausgabe im Bocola Verlag Manche Projekte sind einfach zu schön, um jemals wirklich wahr zu werden. Deshalb ist es an der Zeit, soliden Fortschritt anzuzeigen: Die Monumentalausgabe Modesty Blaise als Comicstrip hat Fahrt aufgenommen und erscheint Stück für Stück. Jetzt im Frühjahr sind die Bände 7 und 8 im Bocola Verlag, Klotten, erschienen. Dies in der nun schon gewohnten Qualität und im bewährten Hardcover-Querformat 30,5 x 28,0 cm. Modesty Blaise, monumental. Sie war Peter O’Donnells Antwort auf James Bond: Eine FrauRead More