Ornament und Versprechen Es mag zutreffen, dass dekorative Ornamente mit Versprechen verbunden sind, die in die Irre führen. Sie bleiben jedoch mit Zeichen verwandt, welche das Verirren vermeiden sollen. Wer in grauer Vorzeit unbekannte Gebiete durchstreifte, der malte zuweilen eine Chiffre an eine Felswand oder ritzte eine Markierung in einen Baum, einfach um den Rückweg zu finden. Das waren zunächst noch keine Symbole, die Besitzansprüche oder Reviergrenzen anzeigten. Noch immer folgen Wanderer wegweisenden Markierungen. Nicht nur beim Schwimmen, sondern auch beim Wandern kann man den Gedanken freien Lauf lassen. Dann
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* 14. Februar 1932, Halberstadt – † 25. März 2026, München Nachrufe schwirren um meinen Kopf. Wie Echos klingen sie aus einem unbekannten Ort an mein inneres Ohr, verheißen Gutes, Warmes, Sanftes – unbekannte Stille, Weite, Licht. Meine Generation stirbt aus. Wir, die wir noch den 2. Weltkrieg erlebt haben, Bomben, Feuerstürme, Flucht – Mangel an allem. In grauschwarzen Ruinen haben wir gespielt, heiße Sommer und kalte Winter erlebt. Wie unser Land geteilt, in Himmelsrichtungen gedacht wurde. Ost, West – Kalter Krieg. Sozialismus, Kapitalismus – freie Marktwirtschaft. Bis zu meinem
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Literatur als Medizin Es beginnt mit Oma Auguste, die wie in einem unkorrekten Bilderbuch früherer Zeiten hässlich ist wie eine alte Hexe, mit eingefallenem Oberkiefer, kurzbeinig, dick, mit Barthaaren, die aus dem schwammigen Kinn sprossen und gelblich-weißem Dutt. Aber sie hat der Erzählerin mittels schwülstigen Liedern den Zugang zur Literatur eröffnet. Nora erzählt von ihrer Kindheit, Ausbildung, dem Leben als Lehrerin, von ihrer Ehe, Krankheit und Alter. Die Kollegen in der Schule sind unglücklich oder ratlos, René ist „vertrackt und saugend“, Uli ohne Selbstvertrauen, die Kollegin hat ein auskragendes Obergebiss
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Unter Feinden von Friedrich Nietzsche Dort der Galgen, hier die Strickeund des Henkers roter Bart,Volk herum und giftge Blicke –Nichts ist neu dran meiner Art! Kenne dies aus hundert Gängen,schreis euch lachend ins Gesicht:„Unnütz, unnütz, mich zu hängen!Sterben? Sterben kann ich nicht!“ Bettler ihr! Denn euch zum Neideward mir, was ihr – nie erwerbt:zwar ich leide, zwar ich leide –aber ihr – ihr sterbt, ihr sterbt! Auch nach hundert Todesgängenbin ich Atem, Dunst und Licht –„Unnütz, unnütz, mich zu hängen!Sterben? Sterben kann ich nicht!“ (1884) Das Gedicht „Unter Feinden“ ist
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