Kein Wort überflüssig, kein Satz falsch Éliette ist Witwe, vierundsechzig Jahre alt und gegen den Rat ihrer Kinder vom Pariser Umland in die Ardèche gezogen. Sie liest viel, kümmert sich um ihren Garten, ist nolens volens nett zu den Nachbarn und tuckert mit ihrem putzigen Aixam (ein Leichtkraftfahrzeug, Spitzengeschwindigkeit 64 km/h) durch die Landschaft und hat zumindest keine materiellen Sorgen. Sie hat sich in der Unzufriedenheit, der Langeweile, dem Mangel an Sex und der Isolation eher fatalistisch eingerichtet. Und so ist es nur folgerichtig, dass sie eines Tages, während einesRead More
Die Sache mit den Ablese-Dienstleistern Zu den wenigen Dingen, die in dieser sich täglich verändernden Welt noch für Beständigkeit sorgen, gehören die „Wir kommen vorbei, seien sie gefälligst zuhause“-Zettel, die über das Jahr verteilt im Hausflur zu finden sind. Die Heiligen Drei Könige, Schornsteinfeger, Paketdienste (da mit der Änderung: „Wir waren da, sie waren nicht da“), Gerichtsvollzieher und Heizungsableser melden sich an, man hat was mit denen zu tun und dann ist wieder eine Weile Ruhe. Im Vorderhaus kündigen sich die Heizungsableser an, die neuerdings auch was mit Rauchmeldern machen.Read More
Herausragendes Debüt – eine Besprechung von Constanze Matthes Er sitzt seine Strafe ab. Neun Monate Arrest. Bald wird er 18. Ettore blickt zurück, auf das was geschehen ist, wie es geschehen konnte. Dass er einem Jugendlichen ein Springmesser in den Leib gestoßen, ihn schwer, gar lebensbedrohlich verletzt hat. Der italienische Journalist und Autor Davide Coppo erzählt in seinem Debüt „Der Morgen gehört uns“, wie ein Jugendlicher nach rechts driftet, Teil einer neofaschistischen Gruppierung wird und zunehmend Gewalt und Hass verfällt.  Ettore lebt unweit von Mailand in einem kleinen Ort. NachRead More
Virtuose Zwiebelstruktur Grausame und bittere Geschichten poetisch und manchmal fast zart zu erzählen, ist die Spezialität des irischen Schriftstellers Sebastian Barry. So auch in seinem neuen Roman „Jenseits aller Zeit“ (Ü: Hans-Christian Oser, Steidl). Alles fängt eher harmlos, gar gemütlich an. Der pensionierte Detective Sergeant Tom Kettle lässt sich in Dalkey, einem netten, kleinen Hafenstädtchen südlich von Dublin nieder. Einfach in seinem Sessel dazusitzen, mit Blick übers Wasser und auf einen Martello-Tower, „glücklich und nutzlos“ – das erscheint ihm der „Sinn des Daseins“. Behauptet er zumindest. Allerdings bemerken wir bald,Read More
Im Namen des Vaters In ihrem Debütroman „Licht zwischen den Bäumen“ lässt die amerikanisch-irische Autorin Una Mannion eine genervte Mutter ihre 14-jährige Tochter mitten in der Wildnis aus dem Auto werfen. Ein unbeherrschter Moment, eine Kurzschlussreaktion, die schreckliche Folgen haben wird. Während die Ausgangssituation für den spannenden Mix aus Psychothriller und Familientragödie eher surreal erscheinen mag, geht ihr zweiter Roman mit sehr realen Schilderungen eines Sorgerechtsprozesses ans Eingemachte. Doch der Reihe nach: Deena Garvey verschwindet eines Tage spurlos. Ihre Schwester Nessa ist völlig verzweifelt, denn sie ist sich sicher, dassRead More