
Brigitte Helbling: Die Netze ausgeworfen
In 2024 habe ich mir endlich Olivia Laings The Lonely City (Canongate 2017) vorgenommen. The Lonely City erzählt von Einsamkeit in der Großstadt und ihre Manifestationen in den Künsten, befasst sich u.a. mit Hitchcock, Nomi, Solanas, Goldin, vor allem aber mit Hopper, Warhol, Darger, Woynarowicz; Alleinsein/Einsamsein als Kunst, oder als Bedingung für Kunst… der Untertitel lautet „Adventures in the Art of Being Alone” (was sich auf mehrere Arten lesen lässt). Die sehr feine Übersetzung von Thomas Mohr entschied sich in diesem Fall für Eindeutigkeit: Die Einsame Stadt. Vom Abenteuer des Alleinseins (btb, 2023). Auch den neusten Laing, Everybody (PanMacmillan, 2022), hat Mohr für btb übersetzt, darin geht es um Körper und Freiheit, in weiten, schönen Bögen, die immer wieder zu Wilhelm Reich zurückkehren. Das Organon! Hier wie da werden jede Menge Dinge angesprochen, die ich nicht wusste, und die ich mir mit Vergnügen von Laing erzählen lasse.
Einer der vielen Gründe, warum mir Schreiberinnen wie Laing gut gefallen, ist die Art, wie sie ihre Lektüre- (und Gedanken-)Netze offenlegen – mit Namen und Titeln, denen ich nachgehen kann. Etwa Eve Babitz, die in Everybody verführerisch beiläufig erwähnt wird, und die, wie ich dann feststellte, auch im deutschsprachigen Raum gerade (wieder?) entdeckt wird. Sex and Rage erschien in der Übersetzung von Hanna Hesse 2024 im Fischer Verlag; im Original (Knopf) bereits 1979.
Sex and Rage ist ebenfalls untertitelt: Es nennt sich Advice to Young Ladies Eager for a Good Time. Im Englischen steckt in dieser Behauptung so viel Witz und Ironie und beiläufige Anspielung auf einen exzentrisch-üppigen Lesehaushalt, dass der deutsche Verlag vermutlich die Hände verwarf und den Untertitel wegließ, oder aber er ist nicht da, weil „Ratschläge für junge Damen“ in diesem Roman gar nicht vorkommen. Jacaranda, die Erzählerin, treibt sich in der Sex & Drugs & Rock’n’Roll Ära der 1960er und 70er an der Westküste der USA mit diversen Rock- und Filmstars herum, bevor sie, ziemlich unvermittelt, anfängt zu schreiben und in New York Erfolg damit hat, aber auch ein paar Freunde verliert. Immerhin hört sie auf zu trinken. Dann wieder – das mit dem Koks… Jacaranda ist nicht Eve Babitz, aber (wie in anderem Zusammenhang von Lucia Berlins Kurzgeschichten gesagt wurde) – „close enough for horseshoes“. Die ganze Story wirkt lose und leicht und wie hingeworfen, genialisch unbekümmert, ein sicheres Zeichen dafür, dass an dem Text endlos gefeilt wurde.
Ich habe dann alles gelesen, was ich in Bibliotheken von Babitz fand, inklusive eine Biografie von Lili Anolik, (noch nicht übersetzt), Hollywood’s Eve (Scribner, 2019), in der die Autorin sich gleich zu Beginn zum Fan ihres Subjekts erklärt. Hier erfährt die neugierige Leserin die echten Namen der Figuren in den Büchern. Sehr befriedigend. Irgendwann wendet sich Anolik dann einer Frage zu, die Babitz (in ihren Romanen wird Spaß als ernstes Anliegen definiert) immer nur streift, nämlich: Welchen Preis zahlt ein abenteuerlustiges, risikofreudiges „It-Girl“? Antworten findet die Biografin im Austausch mit Babitz’ Schwester Mirandi, die ab dieser Stelle im Buch wie ein zweites biografisches Subjekt daherkommt. Das Dunkel wird benannt, und es gibt davon einiges; denunziatorisch wirkt das nie. Babitz – sie starb 2021 – wäre zweifellos die erste gewesen, die darauf hingewiesen hätte, dass ein Glamour wie der ihre nun mal nicht gratis zu haben ist.
Leserinnen und Leser der ersten Culturmag-Stunden werden Schwarwels Cartoon Herr Mauli gibt Gegenwind aus der Leipziger Werkstatt Glücklicher Montag erinnern (er lief in unserm digitalen Blatt ein Jahr lang). Aktuell befasst sich der Cartoonist und Filmemacher (nebst vielem andern) mit Fragen des Alltags mit psychischer Belastung, unter anderem in dem von ihm und Sandra Strauß produzierten Monumentalmagazin, Nichtgesellschaftsfähig. Wann die beiden dafür Zeit finden, I do not know. Gerade ist der dritte Band erschienen.
Auf gut 700 Seiten geht es in über 60 Berichten und Interviews diesmal um „Musik und Psyche“. Ein Blätter-Rausch. Im selben Design wird für nächstes Jahr auch ein #nichtgesellschaftsfähig Wandkalender im Shop der Montagsleute angeboten, der in seinem Planer u.a. eine klug und lustig kuratierte Auswahl von kuriosen (und anderen) Jahresfeiertagen bietet. Mir war nicht klar gewesen, wie viele es davon gibt. Nimm den Januar: Am 18. (als Beispiel) feiern wir den „Tag des Schneemanns“, dicht gefolgt, am 21., vom „Weltknuddeltag“ … da fängt 2025 doch schon mal heiter an.
Brigitte Helbling ist CulturMag-Redakteurin und Autorin seit Gründung des Projekts und schreibt seit zwei Jahrzehnten eine ganze Menge für Theater. Ihre Lecture Performance Die Mondmaschine von 2019 (inszeniert von Niklaus Helbling, mit Antonia Labs) tourte 2022 und 2023 über die Bühnen, ebenso der „Revue-Hit“von 2021, Der neue Prinzenspiegel (mit Niklaus Helbling, Fabienne Hadorn, Barbara Terpoorten). 2022 erschien ihr Roman Meine Schwiegermutter, der Mondmann und ich beim Verlag Rüffer und Rub. Ihr Text „Why I Write“ ist in unserem Verlust-Special DUE zu finden.
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Niklaus Helbling: Scheinbar mühelos den Bogen spannen …
Call My Agent! von Fanny Herrero
Es ist wahrscheinlich ein alter Hut, Call My Agent! (oder auf französisch: dix percents) als Highlight des Jahres 2024 zu nennen. Ich mache es trotzdem, weil diese Serie, erfunden von Fanny Herrero, mir erst im November aufgefallen ist. Mittlerweile gibt es vier Staffeln davon, und irgendwo stand, es gebe bald noch eine fünfte und auch einen Kinofilm.
Die Serie beginnt damit, dass der Chef und Besitzer der Agentur ASK in Paris in den Ruhestand geht, und wir die vier Agenten kennenlernen, die jetzt ohne ihn klarkommen müssen. Die impulsive Andréa verliebt sich in die gefürchtete Steuerprüferin. Mathias Barneville, der gepflegte Profi, merkt lange nicht, dass die neue Assistentin Camille seine Tochter aus erster Ehe ist. Der schusselige Gabriel möchte aus der bildschönen Telefonistin Sofia einen Star machen. Und Collette, die früher einmal die Geliebte von Chet Baker war, ruft ihren Hund Jean Gabin und weiß immer einen Rat. Dazu kommen der lustig affektierte Assistent Hervé und die Assistentin Noémie, die für ihren Chef Mathias schwärmt, der in Trennung von seiner yogaverrückten Frau Catherine ist. So weit so konventionell.
Zwei Dinge machen Call My Agent! aber zum Ereignis. Zuerst die Stars. In jeder der mittlerweile 24 Episoden tritt jeweils eine Schauspielerin oder ein Schauspieler auf, die sich selber spielen. Sie suchen ihren Agenten oder ihre Agentin im Büro auf, oder man sieht sie auf einem Filmset oder sie liegen zu Hause und haben sich den Knöchel verstaucht. Jedem der Stars wird eine halb treffende, halb absurd überhöhte Geschichte angedichtet. Marie de France lernt reiten für einen Western. Isabelle Huppert hat zu viele Projekte zugesagt und muss an zwei Drehorten gleichzeitig sein. Béatrice Galle will als Leiche nicht nackt gefilmt werden, dann aber gefällt ihr der Vorschlag, dass ihr Partner ihr ein Stück Ohr abbeißt. Jean Dujardin kommt nicht mehr aus der Rolle eines verwilderten Deserteurs heraus und muss überredet werden, aus der Hütte in seinem Garten herauszukommen und keine rohen toten Hasen mehr zu essen. Der Grad der Selbstentblößungen variiert, aber alle Stars sind bereit, Schwäche zu zeigen, das Publikum quasi in ihre Garderobe oder in ihre unaufgeräumte Wohnung zu lassen. Gleichzeitig sind die Einblicke nicht übertrieben peinigend, es geht mehr darum, eine Nähe zu den Prominenten bei ihrer Arbeit herzustellen und dabei eine elegante, komische Geschichte zu erzählen, in der die Mühsal und Ängste des darstellenden Berufes reflektiert werden.
Die zweite Qualität dieser Serie ist ihr Dramaturgie. Die Episoden sind wirklich gut geschrieben, lose aber schlüssig miteinander verbunden, und die Staffeln spannen mühelos ihren Bogen, ohne dass einem die Zeit gestohlen wird. Im Gegenteil, in jeder Folge geht es schnell zur Sache, alle Figuren in der Agentur erfahren unerwartete Entwicklungen, wobei es dabei nicht nur um Allzumenschliches im Büro geht, sondern um vollen Einsatz für die Kunst, es wird mit allen Mitteln für die Filme gestritten, für die Schauspielerinnen und Schauspieler, für die Drehbücher. Auf sehr amüsante Art erfährt man, wie ernst diese Franzosen es mit ihrem Kino meinen und dabei astreine Unterhaltungsarbeit abliefern. Zum Beispiel, wenn Juliette Binoche sich in ein avantgardistisches Kleid für die Eröffnung des Filmfestivals von Cannes quetscht. Oder wenn der sichtlich bewegte Fabrice Luchini seiner Agentin gesteht, dass er mit ihr neue Territorien erobern möchte. – Ich glaube, ich fange nochmal von vorne an.

Poor Things von Giorgos Lanthimos
Ich erinnere mich noch, mit welcher Fassungslosigkeit ich im letzten Januar diesen Film schaute. Er war monströs, kunstvoll bis zum Anschlag, eigentlich überausgestattet, exzellent exzentrisch gespielt, ja fanatisch verkörpert von herrlichen Schauspieler:innen, von Emma Stone über Willem Dafoe und Mark Ruffalo bis zu Hanna Schygulla, Jerrod Carmichael und Suzy Bemba, und dann auch so planvoll und willkürlich zugleich komponiert wie ein großer Roman. Ja, Poor Things ist ein Roman. Ein Entwicklungsroman, Schauerroman, surrealistisch natürlich auch und so schlimmlustig philosophisch wie Candide von Voltaire.
Aber das maßlose Spiel aller künstlerischen Gewerke – auch die Musik ist far out – macht eben, dass man nicht in eine Bildungsmaschine gerät, sondern in ein Kabinett der Wunder. Gut, das Vergnügen ist nicht ganz kurz, aber weil man immer wieder echt überrascht wird – von einem dieser Wolperdinger (der Gänsehund zuerst) oder von der treu-brutalen Amme („The whore is back!“) oder einer der Planeten-Luftblasen, die Godwin Baxter beim Essen hervorrülpst – muss man einfach weiterschauen.

Godwin Baxter ist der experimentierende Anatom, der einer schwangeren Selbstmörderin das Hirn ihrer ungeborenen Tochter eingesetzt und sie zum Leben erweckt hat. Bella ist buchstäblich eine Kindfrau, und wir schauen zu, wie sie laufen, essen, sprechen lernt. Ein Fest für Emma Stone, angerichtet von einem monströsen Gottvater mit zusammengeflicktem Gesicht wie Boris Karloff. Dass Opfer zu Tätern werden, wird hier zum Leitmotiv einer brachial-patriarchalen Welt in ihrer Dekadenzphase. Das wird vollends klar, wenn Mark Ruffalo als Duncan Wedderburn auftritt, ein äußerst selbstbewusster Verführer und Spieler und Wiedergänger von Casanova, der Bella nach Lissabon mitnimmt, sie in die Kunst der körperlichen Liebe einführt und dabei an seine Grenzen kommt: Casanova meets Lulu.
Der Roman macht dann ein Schiffsreise, auf der Bella das Philiosophieren lernt und in die Abgründe des menschlichen Elends blickt. Sie gibt die ungeheure Summe, die Duncan am Spieltisch gewonnen hat, vermeintlich den Hungernden in Alexandria, und mittellos landen sie in Paris, wo Bella in einem Bordell die Sozialistin Toinette kennen und lieben lernt, während sich die Dekonstruktion des Machos Duncan vollendet. Zurück in London muss Bella einen letzten Ehe-Angriff eines gewalttätigen Generals (Chloroform und Gin!) abwehren und tritt nun als Chirurgin in die Fußstapfen ihres Gottvaters. Sie begründet ihren eigenen Haushalt mit Max, Toinette, der Amme und den ganzen Fabeltieren. Das letzte Bild ist wohl nicht zufällig ein Garten, den es (wie am Schluss von Candide) nach den ganzen Schrecken der Welt zu kultivieren gilt.

Niklaus Helbling lebt in Hamburg, schreibt und inszeniert Theater mit inzwischen gegen 80 Inszenierungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, zuletzt am Theater Kanton Zürich. Seit 25 Jahren ist er mit der freien Theatertruppe MASS & FIEBER / MASS & FIEBER OST unterwegs, mit Gastspielen bis Lissabon und Teheran. Aktuelle Produktion: »Kater der Zukunft / Theater, Parkinson und die Kunst des Betrugs«. Nächste Vorstellungen in Hamburg, Aarau, Baden.
Website: niklaushelbling.com
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Anna Hoffmann
„Ich kann zu meiner Reisen
Nicht wählen mit der Zeit,
Muß selbst den Weg mir weisen. In dieser Dunkelheit.“ Wilhelm Müller
Licht in dieses Jahr brachten Menschen und Bücher, Bücher wie „Der Absprung“ von Maria Stepanova, das mich ratlos, unzufrieden, in der Luft hängend zurück ließ, bis ich begriff, dass der Eindruck, den das Werk in mir hinterließ, von der Quintessenz des Exils – dem Abwarten, dem sich Einrichten in der Warteschleife, in Vergangenem, im Funktionieren, im Nichtankommenkönnen – hier als meaning of structure grandios in Literatur umgesetzt wurde. Ein 144 Seiten schmales, poetisches Bekenntnis zum Leben im Exil, herausgegeben im Suhrkamp Verlag, übertragen von Olga Radetzkaja.
Ein anderes anders wunderbares Buch, dass ich 2024 gelesen habe und empfehlen möchte, ist „Der Ire“ von Peter Mann, einem amerikanischen Autor, übersetzt von Stefan Lux. Erzählt werden vordergründig Varianten der Lebensgeschichte eines Spions oder möglicherweise eines Doppelagenten in Berlin während des zweiten Weltkriegs. „Der Ire” ist “The Best Books (The New Yorker) 2022” und “The Best Historical Fiction of The Year (Crime Reads) 2022” geworden, bei uns unbeachtet untergegangen. Den Background des Romans bilden die monströsen Abgründe der Protagonisten analog zu den perversen nationalsozialistischen Gesellschaftsideen. Gleichzeitig ist der Thriller frisch, queer, geistreich und bestens recherchiert. DAS Buch des Jahres – für mich.

Apropos Nazis, schön war 2024, als am 14. Dezember tausende Antifaschisten, Familien, Vereine, die berüchtigten Omas gegen Rechts und ich auch den angekündigten Aufmarsch der Rechtsextremen blockieren konnten, so dass die 80 Neonazis von der Polizei zur U-Bahn geleitet werden mussten. Abmarsch nach Hause!
Die Aggressivität in Berlin nimmt allerdings proportional zur Dysfunktionalität der Stadt zu. O-Ton U-Bahn: „Ihr Arschlöcher, was denkt ihr euch? Glaubt ihr, dass ich eure Gedanken nicht lesen kann?“, fast schon urbane Poesie.
Den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, ist 2024 noch anstrengender geworden, jeglicher Service fast überall schlechter, fast alles ist teurer geworden, oft liegen die Nerven blank und viele Menschen sind erschöpft. Ich denke, dass wird der neue Normalzustand 2025.
Ich war viel unterwegs zwischen Berlin, Florenz, Rabat, Saint Malo, Struga, Berlin, mit den Kindern und ohne, mit Büchern im Gepäck, nie ohne, auch das war 2024.
Sicher war ich mal im Kino, wenn ich mich nur erinnern könnte … mehrmals hab ich‘s mit Theater versucht (Gorki) und wurde regelmäßig enttäuscht, ich war oft in der Oper und im Ballett, Bovary war für mich ein Glanzstück, traumhaft, modern, kein alberner Schnickschnack, ein ausgewogener Einsatz aller künstlerischen Mittel, die Gravitation einfach ausgetanzt. Als wäre man federleicht allein vom Zuschauen und hätte nicht Rücken und Knie und Kilos+.

Wenn ich in Gedanken weiter zurückgehe im Jahr bin ich wieder in Struga in Nordmazedonien am 800 m tiefen und uralten Ohridsee, darf auf dem weltweit renommierten und einem der ältesten Literaturfestivals überhaupt den Struga Poetry Evenings mit wunderbaren DichterInnen lesen, live im TV, auf großen Bühnen, die Eröffnungsworte von einer blinden Frau mit den Fingern gelesen und mit schöner ausgebildeter Stimme vorgetragen, Hallo Deutschland, so geht Inklusion!
Todorce Tasevski, der Festivaldirektor, der seinen Erstgeborenen erst kennenlernte, als wir abgeflogen waren, Volunteers, deren Engagement und Freundlichkeit unübertroffen ist, und neue Freundinnen und Freunde, deren poetisches Werk sich mir im Nachklapp allmählich erschließt, wie die eigenwilligen Gedichte von Miloš Djurdjevic, die tiefgründigen und dabei klaren Naturbeschreibungen von Bengt Berg, die intellektuellen Schönheiten von Lidija Dimkovska, die Gedichte von Nikola Madzirov, alles, was ich bisher von Peter Závada lesen durfte, die Poesie verbunden mit der unbeugsamen Haltung von Gökçenur Ç … ich kann einfach nicht alle hier nennen, deren Gedichte mir zeigten, wie reich unsere Welt ist, wie wenig ich davon kenne und wie viel mir noch zu entdecken bleibt.

Gehe ich in Gedanken noch ein wenig weiter zurück, sehe ich den Liebsten und mich auf der Festungsmauer in Saint Malo, den Sonnenuntergang betrachten und höre, wie er mir vom Grünen Blitz erzählt und dass er denkt, dass das Phänomen doch eher eine Legende ist und wie ich ihm zustimme als Inselkind … und dann ganz deutlich den Grünen Blitz sehe, für den Bruchteil einer Sekunde und doch ganz und gar eindeutig, während der Liebste leider nur mich sah. Am darauffolgenden Abend haben wir ihn beide gesehen. Und am dritten Abend, als ich meinen Sohn davon überzeugt hatte, nach dem Essen nicht sofort zu verschwinden, sondern mit uns auf der Festungsmauer den Grünen Blitz zu erwarten, blieb dieser aus und er blieb es für den Rest des Urlaubs. Wir trösteten uns mit allerlei Meeresfrüchten und herrlichen Getränken.
Nun, meine letzte kostbare Erinnerung des Jahres ist das Literaturfestival in Marokko: fröhliche Stunden und ernsthafte Diskussionen mit dem Dichterfreund Fouad El-Auwad, mit Nathalie Schmid aus der Schweiz, Christoph Leisten, Jürgen Nendza, mit dem Musiker Razgar A. Karim, mit Dr. Ali Al-Shalah, Hassan Naijmi undundund, Flussfahrten, auf denen musiziert und Gedichte vorgetragen wurden, die Veranstaltung mit den Studierenden in der Universität, die köstlichen Tajinen, der Blick von der Roofbar über die Stadt, die Musik und die tolle Spelunke, all das werde ich in Erinnerung behalten.
2024 vielen Menschen hast Du endlosen Kummer gebracht, Du warst wahrlich nicht einfach, aber Du hast es gut mit mir gemeint. Danke.
Anna Hoffmann lebt in Berlin und schreibt Lyrik, Prosa, Songtexte und Libretti. 2024 erschien „Babylon Transit„ (engl./dt.) Hybriden Verlag, Berlin. Siehe dazu auch bei uns im CulturMag Juni 2023 Fünf Sterne Bagdad.
































