All posts by Sonja Hartl

Sonja Hartl arbeitet als freie Journalistin im Radio, Print und Online. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind (Kriminal)-Literatur, Film und soziale sowie gesellschaftspolitische Implikationen von Gender und Herkunft. Sie war Chefredakteurin von Polar Noir, betreibt das Blog Zeilenkino und ist Mitgründerin des Sígne-Journalistinnenkollektivs, Mitglied in der Jury für die Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und für den Deutschen Krimipreis. Sie ist in Berlin eine der drei Stimmen beim "Talk Noir" und seit Anfang 2020 verstärkt sie unsere Redaktion - worüber Alf Mayer und Thomas Wörtche sich sehr freuen. Ihr Blog Zeilenkino ist sowohl ein Film-, ein Literatur- als auch ein Krimi-Blog: www.zeilenkino.de Mehr zu ihrer beruflichen Tätigkeit unter www.textstube.de Ihre Texte bei CulturMag.de: http://culturmag.de/author/sonja-hartl

Auf den Straßen von Los Angeles Diese Frauen, die ihre toten Töchter nicht vergessen können. Diese Frauen, die ihr Geld auf der Straße verdienen. Diese Frauen, die sich einfach nicht mit Lügen abfinden wollen. Diese Frauen, die wegschauen. Diese Frauen, die die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgeben wollen. Diese Frauen, die in Gefahr geraten, nur weil sie Frauen sind. Von diesen Frauen erzählt Ivy Pochoda in ihrem bisher besten Kriminalroman. Sechs Frauen in Los Angeles im Jahr 2014 stehen im Mittelpunkt des Romans. Verbunden sind ihre Leben durchRead More
Paula Hawkins‘ „Wer das Feuer entfacht“ ist ein seltsames Buch. Das beginnt schon beim Titel. Tatsächlich ist die deutschsprachige Version „Wer das Feuer entfacht“ ganz stimmig: Es geht um die Frage, wer Donald Sutherland auf seinem Hausboot erstochen hat – und die Ursprünge dieser Tat reichen weit zurück. Dieser Mord entfacht also nicht das Feuer, sondern ist Endpunkt einer längeren Entwicklung, die nun nach und nach aufgedröselt wird. Aber genau deshalb passt der englischsprachige Titel „A Slow Burning“ fast noch besser: denn dieses Buch ist tatsächlich ein Slow Burner, beiRead More

Posted On September 1, 2021By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag September 2021

Rache um jeden Preis

Sonja Hartl über „Promising Young Woman“ Schon die ersten Bilder von Promising Young Woman machen klar, dass dieser Film anders ist: Die Kamera zeigt tanzende Körper, Hintern, Schenkel, zeigt Hüftschwingen, angedeutete Kopulationsbewegungen – aber die Körper gehören zu Männern. Mit diesem simplen Trick ist er schon entlarvt, der male gaze der Kamera, der gerne als „objektiv“ wahrgenommen wird, tatsächlich jedoch gerade Frauen oft zum Objekt werden lässt. Hier aber sind es Männer, die zum Objekt werden – und diesen Trick, den Schauenden die eigenen Sehgewohnheiten vorzuführen, wird Emerald Fenells FilmRead More

Posted On September 1, 2021By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag September 2021

Mary Tudor im Comic

Sonja Hartl über Kristine Gehrmanns „Bloody Mary“ Mary I. von England hat den historischen Beinamen „Bloody Mary“ erhalten, weil während ihrer kurzen Regentschaft von 1553 bis 1558 ungefähr 300 Protestanten in England verbrannt wurden. Vergleicht man das mit den annäherend 57 000 Hinrichtungen ihres Vaters Henry VIII. in seiner 38 Jahre währenden Zeit auf dem englischen Thron, ist es schon erstaunlich, dass man ihr diesen Beinamen gab – allerdings nur bis man sich erinnert, dass Geschichtsschreibung von Männern betrieben wurde. „Bloody Mary“ heißt nun auch die Graphic Novel von KristinaRead More
Es ist das Los Angeles der späten 1940er Jahre, das Los Angeles von Raymond Chandler, von Dorothy B. Hughes‘ „In a lonely place“, das Los Angeles, das man aus zahlreichen Film noir zu kennen glaube, in dem Charlotte Armstrongs „The Chocolate Cobweb“ spielt. Doch ist es ganz anders, nicht düster und und heruntergekommen, sondern strahlend hell. Und nicht nur der Ort, auch die Figuren sind andere. Durch eine Bemerkung ihrer Tante hat die 23-jährige Amanda Garth erfahren, dass es bei ihrer Geburt einen kurzen Moment der Verwirrung gab: Im selbenRead More
Ein Brand in Oxford Das wahre Leben, merkt DI Adam Fawley an, ist „sehr viel chaotischer als Inspector Morse“. Dieser Verweis kommt in Cara Hunters „No way out – Es gibt kein Entkommen“ nicht ohne Grund: Ihre Reihe spielt in Oxford, außerdem spricht DI Fawley gerade mit einer Akademikerin, die ihm wichtige Informationen vorenthalten hat. Und das kennen wir doch alle von Morse, Lewis und Hathaway. Aber trotz dieser Referenz an die berühmten Oxford-Rätselkrimis ist Cara Hunters Kriminalroman anders – moderner, differenzierter und viel stärker in der gegenwärtigen Welt verankert.Read More
Geschichte, Kanon und Crime Fiction Seit einiger Zeit denke ich über die Geschichte der Kriminalliteratur nach. Aber schon hier muss ich einhaken: Gibt es überhaupt „die“ Geschichte der Kriminalliteratur? Und falls ja, warum hat sie bisher niemand geschrieben? Daher ist der Eingangssatz zu unscharf. Also: Seit einiger Zeit denke ich darüber nach, welche Kriminalromane aus vergangenen Zeiten – ja, was? Heute noch bekannt sind? Als relevant betrachtet werden (was ist Relevanz in diesem Zusammenhang?)? Als stilbildend betrachtet werden? Damit komme ich einen Schritt weiter. Niemand wird wohl bestreiten, dass DashiellRead More

Posted On Juni 1, 2021By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag Juni 2021

The Woman in the Window

Das Fenster zur Straßenseite Joe Wright hat A.J. Finns Bestseller verfilmt. Eine Kritik von Sonja Hartl Was ihre Nachbarn denn derzeit so treiben, fragt der Psychologie (Tracy Letts) seine Patientin Anna Fox (Amy Adams), als er sie zur wöchentlichen Therapiesitzung in ihrem Haus aufsucht. Sichtlich irritiert versucht sie, seine Frage einzuordnen. Aber er steht stoisch weiterhin am Fenster und beobachtet seinerseits die Nachbarn. Anna wittert einen Test, ein Ablenkungsmanöver, will nicht antworten. Tatsächlich beobachtet Anna ihre Nachbarn durch ihr Fenster, es sind ihre wenigen „Kontakte“ zur Außenwelt, seit sie ihrRead More
Über Highsmiths vorletzten Roman „Elsies Lebenslust“ Bei Patricia Highsmith sind es überwiegend die Männer, die handeln und wahrnehmen, während die Frauen wahrgenommen und oftmals zu Objekten des Hasses werden. Die (Ex-)Ehefrauen in „Der Stümper“, „Tiefe Wasser“ und „Der Schrei der Eule“ sind kalte, grausame Karikaturen ohne Innenleben; die gutherzigen Freundinnen in „Der süße Wahn“ und „Der Schrei der Eule“ eher passive, naive Figuren. Und in „Elsies Lebenslust“ wird die Titelfigur gleich für zwei Männer zu einer Obsession. Schon im ersten Kapitel wird Elsies Anziehungskraft deutlich. Der Roman beginnt mit einerRead More
Eine Frage der Perspektive(n) Sonja Hartl über den neuen Roman von Merle Kröger Wer genau erzählt hier eigentlich? Diese Frage ließ mich nicht los bei Merle Krögers „Die Experten“, sie war es, die sich von Seite zu Seite immer drängender stellte. Noch auf der ersten Seite habe ich notiert, die Perspektive erinnere mich an eine Kamera, präziser ausgedrückt eine Überwachungskamera, eine jener runden Dinger, die an Decken oder in Ecken angebracht sind. Dieser Vergleich drängt sich auf, Merle Kröger ist auch Filmemacherin – und doch greift er zu kurz: dennRead More
Über „Das Zittern des Fälschers“ „Das Zittern des Fälschers“ von Patricia Highsmith wird oft in eine Reihe mit „Venedig kann sehr kalt sein“ und „Der Geschichtenerzähler“ gestellt. Sie sind nacheinander von 1965 bis 1969 erschienen, spielen alle nicht in den USA und auch inhaltlich gibt es Parallelen: Howard Ingham ist wie die Hauptfigur des „Geschichtenerzählers“ ein Schriftsteller und könnte einen Mord begangen haben. Zu Beginn des „Zittern des Fälschers“ hat Ingham die Arbeit an seinem Roman unterbrochen, um für ein Drehbuch in Tunesien zu recherchieren. Nach einigen Tagen in TunisRead More

Posted On März 1, 2021By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag März 2021

„Der Tausch“ von Julie Clark

Von Frauen erzählen Sonja Hartl über die Erzählperspektive eines #MeToo-Thrillers „Sie ist eine Frau, die weiß, wie leicht ein Fünfzigtausend-Dollar-Teppich die Haut ihrer Wangen zerfetzen kann.“ Mit diesem Satz weiß man schon eine ganze Menge über Claire: Sie lebt in einem reichen Umfeld und wird offenbar misshandelt. Tatsächlich ist Claire mit einem kommenden US-Senator Rory Cook verheiratet, der Sprösslings einer „Politikerdynastie, die gleich nach den Kennedys kommt“. Aber hinter der glamourösen Fassade steckt ein kontrollsüchtiger Mann, der seine Ehefrau schlägt. Also will Claire dieses Leben hinter sich lassen, aber sieRead More

Posted On Februar 1, 2021By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag Februar 2021

Hartl on Highsmith (5)

Männer, die (keine) Morde begehen Über „Der Geschichtenerzähler“ und „Venedig kann sehr kalt sein“ Bei Patricia Highsmith ist jede Figur grundsätzlich zu jeder Tat fähig – mit dieser Prämisse spielen ihre Romane „Der Geschichtenerzähler“ und „Venedig kann sehr kalt sein“, die nacheinander in den Jahren 1965 und 1967 erschienen sind. In beiden werden die Hauptfiguren des Mordes an ihren Ehefrauen verdächtigt – in beiden, so viel kann verraten werden, haben sie diese Tat nicht begangen. Der Schriftsteller Sydney Bartleby gefällt sich in „Der Geschichtenerzähler“ in der Rolle des potentiellen Mörders,Read More
Für „Schweige still“, den ersten Teil seiner Reihe um den Psychologen Cyrus Haven und Evie Cormack, hat Michael Robotham 2020 den Gold Dagger Award erhalten, im Dezember 2020 ist der zweite Teil in deutscher Übersetzung erschienen. Sonja Hartl hat sich die Reihe angesehen. Ein Psychologe und ein „gutes“ Mädchen Der forensische Psychologe Cyrus Haven wird von einem Sozialarbeiter gebeten, sich einen seiner Schützlinge anzusehen: die Teenagerin Evie Cormac, die in der geschlossenen Jugendeinrichtung Langford Hall in Nottingham lebt. Der Sozialarbeiter glaubt, Evie sei ein „Truth Wizard“, eine Person, die erkennenRead More

Posted On Dezember 1, 2020By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag Februar 2020

Hartl on Highsmith (4)

Stalking oder Liebe?  Über Patricia Highsmiths „Süßer Wahn“ und „Der Schrei der Eule“ David Kelsey führt nach außen hin ein unauffälliges Leben in Froudsburg. Unter der Woche wohnt er in der Pension von Mrs. McCartney, am Wochenende – so lässt er alle glauben – fährt er zu seiner Mutter, die in einem Pflegeheim wohnt. Stattdessen aber verbringt er diese Zeit alleine in einem Haus, das er auf anderen Namen angemietet hat. „In diesem seinem Haus stellte er sich gern vor, er wäre William Neumeister – ein Mann, der alles besaß, was erRead More
Mit gefälschter Identität in Wien Erstmals ist 2020 der 1932 geschriebene Roman „Leben verboten“ der jüdischen Schriftstellerin Maria Lazar in vollständiger deutschsprachiger Originalfassung erschienen. – Einen Auszug daraus haben wir in unserem August-Magazin veröffentlicht. „Mein ganzes Leben habe ich mich immer nur benützen lassen, von meiner Frau, der Firma, der Versicherungsgesellschaft, bis sie mir alle miteinander das Leben verboten haben.“ Mit diesem Satz, so überlegt Ernst von Ufermann, könnte er seine Entscheidung verteidigen, seinen Tod vorgetäuscht zu haben. Denn eigentlich wäre er ja in dem Flugzeug gewesen, das 1931 auf demRead More
Im November erscheint bei Diogenes eine Neuausgabe von Patricia Highsmiths „Tiefe Wasser“, zu der Gillian Flynn das Nachwort* geschrieben hat. Ich kenne das Nachwort noch nicht, bin aber schon sehr gespannt darauf. Denn als ich „Tiefe Wasser“ gelesen habe, musste ich mehr als einmal an „Gone Girl“ denken. Highsmiths Roman über eine zutiefst unglückliche Ehe ist ein wichtiger Vorläufer zu „Gone Girl“ und dem domestic thriller. Mörderische Ehe Erzählt wird die Geschichte von Victor und Melinda Van Allen. Sie haben eine Tochter und leben in Little Wesley – ein Ort,Read More

Posted On November 1, 2020By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag November 2020

Sonja Hartl über „Rebecca“

Zurück nach Manderley „Vergangene Nacht träumte ich, ich wäre wieder in Manderley“. Mit diesem Satz beginnt Daphne Du Mauriers 1938 veröffentlichter Roman Rebecca, mit diesem Satz beginnt Alfred Hitchcocks Verfilmung aus dem Jahr 1940 und mit diesem Satz beginnt nun auch Ben Wheatleys Adaption im Jahr 2020.  Erzählt wird die Geschichte von einer jungen Frau, die als Gesellschafterin einer neureichen Amerikanerin arbeitet und in Monte Carlo dem wohlhabenden, gutaussehenden Witwer Maxim de Winter begegnet. Sie heiraten überstürzt, er nimmt sie mit zu seinem Familiengut Manderley. Doch die Gemäuer dieses alten Hauses steckenRead More
Warum werden Kriminalromane von Frauen seltener besprochen? Einige Antwortversuche – von Sonja Hartl Die Zahlen sind bekannt: Die Studie #frauenzaehlen hat 2018 ergeben, dass bei allen rezensierten Kriminalromanen im März 2018 die Bücher von Autorinnen 24 Prozent ausmachen. Dabei besprechen Kritiker zu 82% Männer, Kritikerinnen zu 66%. In der Kriminalliteratur gab es von allen untersuchten literarischen Bereichen die größten Unterschiede. Natürlich habe ich in den zwei Jahren seit Veröffentlichung immer wieder darüber nachgedacht, wie sich diese Zahlen erklären lassen. Die Antwort habe ich nicht, aber einige Antwortversuche: Warum also werdenRead More
Ein Toter in Jena Es gibt keinen Kartoffelsalat in Max Annas‘ zweiten Band der „Morduntersuchungs-kommission“ mit dem Untertitel „Der Fall Melchior Nikoleit“. Das ist einerseits ganz gut, denn diese Szene, in der Oberstleutnant Otto Castorf von der Morduntersuchungskommission Jena „total betrunken“ nach Hause kommt und seine Frau Birgit ihm sagt, da sei noch Kartoffelsalat im Kühlschrank, hat bei mir einen tagelangen Heißhunger auf Kartoffelsalat ausgelöst. Andererseits ist das auch schade, denn Otto trinkt immer noch mehr als vorher, redet aber nicht mehr wirklich mit seiner Ehefrau. Vielmehr glaubt er, sieRead More

Posted On Oktober 1, 2020By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2020

Sonja Hartl: Sie haben einen Namen

Das Leben der Frauen, die von Jack the Ripper ermordet wurden Sonja Hartl über das Buch von Hallie Rubenhold Das bekannteste Opfer ist Mary Jane Kelly. Sie erregte Anteilnahme und Mitleid, sie ist das ideale Opfer: blond, Mitte 20, hübsch. Nicht nur 1888, sondern bis heute erhöhen diese Eigenschaften die Anteilnahme in medialer Berichterstattung, das haben Studien nachgewiesen. Bei Mary Jane Kelly kommt noch etwas hinzu: Vermutlich stammt sie aus einer guten Familie, ist sie ein „gefallenes Mädchen“, dem letztlich nichts übrigblieb als als Prostituierte zu arbeiten. Und sie istRead More
In dem zweiten Teil ihrer Annäherung an Patricia Highsmiths schriftstellerisches Werk beschäftigt sich Sonja Hartl mit dem Roman „Der Stümper“. Unerwartetes Wiedersehen Ein Mann steht an einer Kinokasse in der Schlange und schaut sich um, ob er einen Bekannten sieht. Dann kauft er ein Ticket, ist ausgesucht höflich zu der Kassiererin und geht in den Saal. Schon hier dachte ich, dass mir das alles so bekannt vorkommt. Ich sah es regelrecht vor mir – und zwar nicht nur, weil Patricia Highsmith, wie es immer so schön heißt, „filmisch“ schreibt. EsRead More

Posted On Juli 1, 2020By Sonja HartlIn Crimemag, CrimeMag Juli 2020

Hartl on Highsmith

Zwei Fremde im Kaufhaus Eine Annäherung von Sonja Hartl Patricia Highsmith bezeichne ich gerne als die Autorin, die Kollegen immer anführen, wenn sie sagen, sie würden sehr wohl auch Genre und Frauen lesen. Vielleicht ist sie auch deshalb die „feuilletontauglichste“ Kriminalschriftstellerin – und dass sich daran nichts ändert, wird Anfang nächsten Jahres anlässlich ihres 100. Geburtstages zu sehen sein. Patricia Highsmith ist aber zudem die Bezugsgröße für psychologische Spannungsromane jeglicher Art. Hält ihr Werk, was ihr Nimbus verspricht? Diese Frage ist Ausgangspunkt meiner Annäherung an Patricia Highsmith in den kommendenRead More
Kleine Lügen „Mein Mann bat mich zu lügen.“ Schon der erste Satz von Angie Kims „Miracle Creek“ lässt erahnen, dass es um alles andere als schlichte Wahrheiten gehen wird. Es ist keine große Lüge, die ihr Mann Pak von Young Yoo verlangt. Sie soll sagen, dass er die ganze Zeit über bei ihr war, als die Sauerstoffdruckkammer explodiert ist. Pak ist der zertifizierte Techniker für die Kammer und die Behandlung. Er ist eigentlich für den Schaltraum verantwortlich. Young ist nur eingesprungen. Doch an dem Abend kam es zu der Explosion,Read More
Psycho-Spiele Kriminalromane, die im Gefängnis spielen, handeln sehr häufig von einem Ausbruch: der Planung, der Durchführung, der Hetze danach. Dagegen konzentriert sich Debra Jo Immergut in „Die Gefangenen“ am Anfang auf ein Zusammentreffen im Gefängnis: der Psychologe Frank Lundquist erkennt in seiner neuen Patientin Miranda Greene das Mädchen wieder, für das er einst in der Highschool geschwärmt hat. Nun ist sie Anfang 30 und wurde zu einer sehr langen Haftstrafe in der Frauenstrafanstalt Milford Basin verurteilt. Sie scheint ihn nicht zu erkennen – und er verpasst den Moment, diese BekanntschaftRead More
„Vielleicht ist die Scham, die ich empfinde, eine Stellvertreter-Scham, von der ich meine, irgendwer müsse sie doch schließlich empfinden.“ Über Verbrechen schreiben Im Jahr 1969 wurde Jane Mixer im Alter von 23 Jahren ermordet. Offiziell galt der Fall als ungelöst, allerdings wurde vermutet, dass sie Opfer des sogenannten Michigan Murderer John Norman Chapman geworden ist. Sie ist die Tante der Autorin Maggie Nelson, die Anfang 2000 angefangen hat, zu diesem Fall zu recherchieren und den Gedichtband „Jane: A Murder“ geschrieben, der 2005 veröffentlicht wurde. Anfang November 2004 rief ein DetectiveRead More