
Fitzgerald reloaded
Sash Bischoff erzählt in ihrem Spannungsroman „Sweet Fury“ von den Dreharbeiten zu einer feministischen Neuinterpretation von F. Scott Fitzgeralds „Zärtlich ist die Nacht“. Packende Unterhaltung mit modernem Twist.
Die Ausgangssituation von Sash Bischoffs psychologischem Spannungsroman „Sweet Fury“ ist recht einfach: Die erfolgreiche junge Schauspielerin Lila Crane will mit ihrem Verlobten – einem angesagten, einflussreichen, älteren Filmregisseur – eine moderne Version von F. Scott Fitzgeralds „Zärtlich ist die Nacht“ drehen. Um sich auf die Rolle vorzubereiten und ein Kindheitstrauma aufzuarbeiten, sucht sie die Hilfe eines Therapeuten. Aber in diesem Roman verfolgt jede Figur ganz eigene Ziele.
Schon der Untertitel „Zärtlich ist die Rache“ verweist auf den zentralen Stellenwert von F. Scott Fitzgerald. Bischoff spielt gekonnt mit teils offensichtlichen, teils etwas versteckten Verweisen auf Fitzgeralds Roman, sein weiteres Werk und den Mythos um ihn. „Der große Gatsby“ wird referenziert, Princeton und Montauk sind neben New York City wichtige Handlungsorte und Bischoff verdoppelt und spiegelt beständig die Dreieckskonstellationen aus „Zärtlich ist die Nacht“.
Aber nicht nur Fitzgerald ist eine wichtige Referenz in diesem Roman voller Wendungen und Manipulationen. Vielmehr spielt Bischoff mit den kulturellen Prägungen ihrer Leserschaft. Vieles ist auf den ersten Blick nur glaubwürdig und plausibel, weil man es aus unzähligen Erzählungen kennt: Von jungen, wunderschönen Frauen, die gerettet werden müssen über unzuverlässige Erzählstimmen bis hin zu nachhallenden Traumata.
Vor allem dank der Figur Lila Crane liest sich dieser Roman sehr leichtgängig: Sie ist für all die Menschen um sie herum eine Projektionsfläche – und auch für die Lesenden. Man kann in ihr sehen, was man möchte. Opfer, Täterin, Manipulatorin.
„Sweet Fury“ ist clever konstruiert. Schon die Ausgangssituation ist zugleich und ein bissiger Kommentar auf Hollywood: Ein männlicher Regisseur und ein männlicher Drehbuchautor wollen eine feministische Version eines misogynen Romans drehen. Das ist eine treffende Beobachtung zu der gegenwärtigen Kulturindustrie, die statt neue Stoffe zu fördern, lieber versucht, alte Texte zum Zeitgeist anzupassen.
Wie das gehen könnte, zeigt „Sweet Fury“ zudem auf unterhaltsame Weise. Es ist ein spannender, ein sehr zeitgemäßer Roman, voller Glamour, Romance und dunklen Geheimnissen. Doch unter der glitzernden Fassade zeigt er, wie tief Frauenfeindlichkeit in der Gesellschaft verankert ist. Auch dank misogynen Romanen und Filmen, die längst zu Klassikern geworden sind.
Sash Bischoff: Sweet Fury – Zärtlich ist die Rache (Sweet Fury, 2025). Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. S. Fischer Verlag 2025. 400 Seiten, 24 Euro.












