Sachbücher, gar nicht so kurz kurz besprochen von Alf Mayer (AM) und Thomas Wörtche (TW): Am Erker 90: Wege und UmwegeSunil Amrith: Brennende Erde. Eine Geschichte der letzten 500 JahreNicole Bögelein, Gina Rosa Wollinger: True Criminology: Mythen, Fakten, HintergründeWolfgang Brylla, Adrian Madej (Hg.): Ästhetiken des Grauens. Kriminalität in Literatur, Fernsehen und WirklichkeitHonor Cargill-Martin: Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im antiken Roman. Die wahre Geschichte der SkandalkaiserinJana Hensel: Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedetMartina Heßler: Sysphos im Maschinenraum. Eine Geschichte der Fehlbarkeit von Mensch
Read More Eine Glosse John le Carré, dessen epochaler Roman von 1974, „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“, gerade in einer Neuübersetzung von Peter Torberg bei Ullstein erschienen ist, bezeichnete in seiner Korrespondenz (auch gerade erschienen: „Ein diskreter Spion. John le Carrés Briefe. Herausgegeben von Tim Cornwell. Ü. Peter Torberg, Ullstein) seinen Roman als „nur einen Krimi“, respektive „nur einen Thriller zwischendurch“. So was nenne ich Understatement, handelt sich doch um einen ungeheuer komplexen, vielschichtigen und literarisch brillanten Roman, der einer extrem aufmerksamen Lektüre bedarf, damit man als Leser nicht aus der Kurve fliegt
Read More Sonja Hart: Wie erzählt man wahre Geschichten? NBA-Playoffs. Es fällt ein Begriff: „level of annoyance“. Damit beschreibt der Reporter den Zustand der Spieler, die schon seit drei Vierteln ständig gefoult werden. Den Begriff merke ich mir. Er beschreibt nämlich recht gut meinen unterschiedlichen Grad an Gefasstheit. ** Das Jahr 2024 beginnt vorzeitig mit einer Idee beim Frühstück am 30. Dezember 2023: die Caspar-David-Friedrich-Tour. Wir gucken alle drei großen Ausstellungen in Hamburg, Berlin und Dresden. Spoiler: Dresden schaffen wir nicht. Das Leben kommt dazwischen. Ansonsten läuft es mit der Kunst und
Read More Jetzt ist es tatsächlich doch beinahe eine Festschrift geworden. Das hat er davon. Wir sind 100 Gratulatinnen und Gratulanten zu seinem runden Geburtstag am 2. August 2024. Seinen nun Siebzig lässt das noch Luft nach oben. Unser »Special Thomas Wörtche 70« leuchtet vergnüglich und aus vielen Perspektiven in jenen Großen Verhau, den solch ein produktives Leben wie das von TW nun einmal errichtet. Um sich ein erstes Bild zu machen, genügt ein Blick auf die Bibliografie der bisher von ihm bei Suhrkamp herausgegeben Kriminalromane und auf die von ihm begründete und herausgegeben
Read More Sich vom Dünkel der anderen nie beirren lassen Eine Annäherung an die Arbeit von Thomas Wörtche – von Alf Mayer Ohne TW könnten Sie das hier gar nicht lesen, gäbe es CrimeMag/ CulturMag nicht oder wie immer Sie uns nennen wollen (alles erlaubt). Zehntausend Beiträge umfasst unser Archiv inzwischen, der älteste Eintrag von Thomas Wörtche ist mit »Bodo Strauss und der ganz normale Wahnsinn« überschrieben und vom 14.01. 2001 datiert. Damals hieß das Online-Magazin du jour für Literaturbesprechungen noch »titel«. 2007-2008 machte man einen Relaunch und das Magazin wurde für
Read More Auf ihrem Blog Krimiscout begann die Übersetzerin Andrea O’Brien im Mai 2016 eine Reihe, die sie „Fahnderprofile“ betitelte und unter dieser Überschrift je eine Persönlichkeit der Krimiszene vorstellte. Hier der erste Eintrag: Den Auftakt unserer Reihe »Fahnderprofile« macht Thomas Wörtche, der zu den bekanntesten Krimiexperten der deutschen Verlags- und Medienlandschaft zählt. Er meint: »Wer Kriminalliteratur per se für trivial hält, belegt damit seine eigene Borniertheit oder seine mangelnde Kenntnis von Literatur und Kunst«. Wie wahr! Steckbrief Thomas Wörtche Thomas Wörtche, der für seine umfangreiche Kenntnisse und Aktivitäten im Bereich Kriminalliteratur bekannt ist und
Read More Messerscharfer Blick, verwickelter Plot und eine gnadenlose Komik – für viele ist Ross Thomas der beste Thriller-Autor der Welt. Aber ist er wirklich? Mit Thomas Wörtche redet Sonja Hartl über „Umweg zur Hölle“ und „Gottes vergessene Stadt“. Sie ergründen, was Ross Thomas auszeichnet, warum Superlative gefährlich sind – und vor allem: warum jede*r Ross Thomas lesen sollte. Hören lässt sich die Folge unter diesem Link, bei Spotify und allen gängigen Podcatchern. Eine kleine Auswahl zu Ross Thomas im CrimeMag Alf Mayer zu „Das Procane-Projekt“ & die „Backup-Männer“Thomas Wörtches „Klassiker-Check“
Read More Sie ist die Meisterin der psychologischen Spannungsromane, die Autorin, die hierzulande immer ein wenig im Schatten von Patricia Highsmith stand – und die es unbedingt wiederzuentdecken gilt. Mit Thomas Wörtche spricht Sonja Hartl in der aktuellen Folge ihres Podcasts „Abweichendes Verhalten – Gespräche über Crime Fiction“ über Margaret Millar. Anhören lässt sich die Folge unter diesem Link, in allen gängigen Podcatchers und bei Spotify.
Read More Joachim Feldmann und Alf Mayer über den Frankfurt-Roman von Sybille Ruge Sybille Ruge: Davenport 160 x 90. Herausgegeben von Thomas Wörtche. Suhrkamp Verlag, Berlin 2022. Klappenbroschur, 264 Seiten, 15 Euro. Subtile Meisterschaft Die Inkassounternehmerin Sonja Slanski hat eine bunte Biographie und nützliche Kontakte, manche familiär begründet. Das muss man einfach glauben. Ebenso wie den folgenden Satz: „Geraume Zeit später hatte er seine abgeschriebenen 2,5 Millionen wieder und überwies mein Honorar. Er rief mich an und lud mich zum Essen ein.“ Aber was hier so einfach klingt, hat komplizierte Folgen, auf
Read More True-Crime-Podcasts gibt es (zu) viele – seit Anfang des Jahres gibt es aber auch einen Podcast über crime fiction. Jeden Monat präsentieren wir eine Folge von „Abweichendes Verhalten – Gespräche über Crime Fiction“. In der aktuellen Folge spricht Sonja Hartl mit Thomas Wörtche über Chester Himes, Harlem, das Schreiben über Rassismus, die Folgen eines idenfitikatorischen Lesens und natürlich die Frage, warum es Schwarze Krimi-Autor*innen weiterhin so schwer haben in der deutschsprachigen Krimi-Rezeption. Anhören lässt sich der Podcast auf allen gängigen Podcast-Plattformen und unter diesem Link.
Read More True-Crime-Podcasts gibt es (zu) viele – nun gibt es aber auch einen Podcast über crime fiction. Ab dieser Ausgabe präsentieren wir jeden Monat eine Folge von „Abweichendes Verhalten – Gespräche über Crime Fiction“, den neuen Podcast von Sonja Hartl. Den Auftakt macht ein Gespräch mit Thomas Wörtche über Derek Raymond. Hören können Sie ihn unter diesem Link, bei Apple Podcast, Spotify und allen gängigen Podcatchern.
Read More Motto: Funny how time slips away TWs Jahreshighlights Zeitschleife. Was war letztes Jahr, was dieses? Bei vermutlich nicht mehr allzu langer Lebenszeit ist so verknautschte Zeit ziemlich nervig. Man lebt auf etwas hin, was man eh nicht mehr erreichen wird. Positiv gewendet: Man kommt in der leeren Zeit dazu, das zu tun, was man noch zu tun hat und tun kann. Wobei wie eh und je gilt: Man kommt ja zu nix. Aber immerhin zu der Erkenntnis, dass man das Rumräsonieren über den Status Quo der Welt ruhig den sich
Read More Alf Mayer (AM) und Thomas Wörtche (TW) über: Axel Block: Die Kameraaugen des Fritz Lang. Der Einfluss der Kameramänner auf den Film der Weimarer RepublikReiner Boller: Kiemenmensch, Außerirdische, Riesenspinnen und andere KreaturenReinhard Marheinke & Peter L. Stadlbaur: Schiesserei am O.K. CorralDanny Morgenstern: Das ultimative James Bond QuizbuchHarald Mühlbeyer: Grindhouse-Kino. Schund – Trash – Exploitation Deluxe. Das Buch zur Filmreihe im Cinema QuadratBenjamin T. Smith: The Dope. The Real History of the Mexican Drug TradeUwe Wittstock: Februar 33. Der Winter der Literatur Bedrückend (TW) Am 30. Januar 1933 wird Hitler als Reichskanzler vereidigt. Am 15. März
Read More „Ich habe mir die Freiheit genommen, in diese spezifische historische Situation hineinzufiktionalisieren.“ Gerade erst erschienen, gilt „Die Experten“ von Merle Kröger bereits als eines der substantiellsten Bücher dieses Jahres. Ulrich Noller hat sich für uns mit Merle Kröher unterhalten – sein WDR-Blog und seine ausführliche Buchbesprechung hier. Ulrich Noller: Thriller oder nicht Thriller, ist das für Dich eigentlich die Frage? Merle Kröger: Absolut, und ich möchte diese Frage mit „Thriller!“ beantworten. Allerdings nicht, um irgendein Verkaufsargument oder ähnliches für das Buch zu finden. Sondern weil ich mich von Beginn meiner
Read More Homers Kinder. Oder: Licht aus – der kluge Raum gehorcht Jemand hätte es Kai Spanke sagen sollen: This is not your normal Kriminalroman. Aber da hatte er schon losgelegt. Im Gestus des empörten Spießers – den es, tatsächlich, im Jahr Zweitausendeinundzwanzig im Feuilleton der FAZ noch immer im vollen Safte und mit jeder Menge Schaum vorm Munde gibt – lässt er die Sau raus. Ein Krimiverriss wie anno dunnemal, Muff und Smegma unter allen Talaren, ich wusste gar nicht, dass man als Jungredakteur im ersten Berufsjahr schon so alt sein
Read More Australische Dreieinigkeit: Tradie, Truck & Hund Oder: Charakter (+Zeit) = Schicksal.Ein Interview von Alf Mayer mit Stephen Greenall zu dessen Roman „Winter Traffic“ Wie oft passiert es als Kritiker, dass ein Buch einen trifft wie ein Stromschlag? Ich weiß noch den Moment auf der Frankfurter Buchmesse 2016, als der australische Verleger Michael Hayward von Text Publishing – dem Verlag von Garry Disher und Peter Temple und einer Backlist australischer Klassiker, die es mit der Autorenpflege von Suhrkamp aufnehmen kann – mir ein Vorausexemplar von Stephen Greenalls „Winter Traffic“ in die
Read More Thomas Wörtche Hätte ich einen Wappenspruch, wäre er klar: „Man kommt ja zu nichts“. Das gilt erst recht für dieses seltsame Jahr. Von wegen, die ruhige Zeit nutzen und „mal ein gutes Buch lesen“ (gehört sowieso in die Abteilung „Abscheuliche Sprachspiele“). Wobei man schon zwischen Rezeptions- und Produktionsverhalten unterscheiden müsste. Gelesen und zur Kenntnis genommen habe ich eine ganze Menge, nur dazu etwas Substantielles zu schreiben, dafür hat die Zeit dann doch (noch) nicht gereicht – und bloß irgendwas Hinschlunzen ist eher respektlos den Gegenständen gegenüber, deswegen och nöööö, I
Read More Robert Wilson –Thomas Wörtche –Helmut Ziegler – Robert Wilson My book of the year is Second Hand Time by Nobel Prize winner Svetlana Alexievich, which, if you need a category is ‘True Crime’. It is a doorstop tome in which are arranged the stories of people, rarely heard, telling their experiences of the break up of the Soviet Union…and more. The tales come from every sphere of life and from mouths of all ages from a 59-year-old architect to a 22- year-old student. The ages are important because those who’d
Read More Sachbücher, kurz und bündig Je weniger Utopien wir haben, desto mehr taucht der Blick in die Vergangenheit. Kaum ein Genre hat eine solche Explosion von Formen und Vielfalt erlebt wie die ehrwürdigen Geschichts- und Kulturwissenschaften. Sekundärliteratur ist für alle am Krimigenre Interessierten unerlässlich, wenn man nicht nur konsumieren will. Alf Mayer (AM) und Thomas Wörtche (TW) sind auf einem kleinen Streifzug im SekLit-Revier unterwegs – mit Kurzbesprechungen von: Peter Demetz: Diktatoren im Kino. Lenin, Mussolini, Hitler, Goebbels, StalinMiriam Gebhardt: Wir Kinder der Gewalt. Wie Frauen und Familien bis heute unter
Read More WEB David Whish-Wilson Benjamin Whitmer Robert Wilson Thomas Wörtche WEB Step Acrosss the Border: Auch das ist deutsches Kino! Ich kannte das Duo Nicolas Humbert und Werner Penzel und den genialischen Anarcho-Musiker Fred Frith schon zuvor und zählte 1990 daher zu den ersten, die sich den Film reinzogen – und fortan schwelgten. Wenn auch nicht einmal annähernd genug, wie sich jetzt herausstellen sollte. Vor einem Jahr, am Tag vor Heiligabend, sahen wir uns die DVD an – und japsten schier vor Glück. Und eine Woche darauf, an Silvester, als wir unser Divertimento
Read More Die Seismographen – Agenten und Spione heute von Stefan May Habent fata sua und so … Dieser Text basiert auf einem Radioskript, das nur in sehr reduzierter Form vom ORF realisiert wurde. Wir präsentieren Ihnen hier eine Prosafassung des Projektes, gespickt mit vielen O-Zitaten von Martin Maurer, Andreas Pflüger, Yassin Musharbash, Thomas Wörtche und andere mehr. „Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht“, hatte Angela Merkel vor einiger Zeit gesagt. Geht nicht, gibt´s nicht. Schon gar nicht in der Spionage. Auch wenn die deutsche Bundeskanzlerin angesichts amerikanischer Maulwurfsarbeit das
Read More “Winning you was easy, but darkness was the price” Schöner sterben mit Leonard. Für Thomas Wörtche – und gewiss nicht nur für ihn – ist Leonard Cohen sozusagen der Schutzpatron des Verlustes. So viel Trost und Wissen und Lehre in seinen Songs und Worten, in dieser Musik. Im Grunde seit „So long, Marianne“ (1967). “I´ve grown old/in a hundred ways/but my heart is young/& still it plays/on the theme of Love/and the theme of death” (Notebooks – 19-20) Der Verlust des eigenen Lebens ist, egal, wie man dazu steht, ein gravierendes
Read More Mit Kierkegaard im Serienland Gedanken zur zweiten Staffel von „Fargo“ – Ein Essay von Markus Pohlmeyer Prolog Vorangestellt das Motto dieser Serie: es handele sich um tatsächliche Begebenheiten; nur die Namen der Opfer seien geändert worden, aber: „Aus Respekt vor den Toten wird der Rest genauso erzählt, wie er passiert ist.“[1] Episodentitel wie The Myth of Sisyphus oder Fear and Trembling verweisen auf Camus und Kierkegaard. Letzteres baut schon von Anfang an ein dichtes Netz von Verweisungen auf. Ersteres wird sofort durch den Beginn von Episode 1 dekonstruiert. In Schwarz-Weiß: Titel Massacre At Sioux
Read More Nüchtern betrachtet Der Kriminalroman als Gesellschaftsroman – Hideo Yokoyamas breitwandbreites Panorama „64“ ist ein gewichtiges Werk. Thomas Wörtche und Frank Göhre lesen es unterschiedlich. Ein 760-Seiten Epos über Machtkämpfe in einer Behörde zu schreiben, ist zumindest ehrgeizig. Weil diese Behörde in Hideo Yokoyamas Roman „64“ die Polizei einer mittleren Großstadt namens „D.“ irgendwo in Japan ist – „580000 Haushalte, 1820000 Bürger“ – und diese Behörde neben dem Alltagsgeschäft gerade mit einem nicht gelösten, 14 Jahre alten Entführungsfall beschäftigt ist, zu dem sich ein neuer, ähnlich gelagerter Fall hinzugesellt, scheinen zunächst einmal alle
Read More WEB Christopher Werth David Whish-Wilson Benjamin Whitmer Thomas Wörtche WEB Jean-Pierre Melville: Der einsame Solitär des französischen – nein: des europäischen – Nachkriegsfilms startete seine Karriere gleich nach Kriegsende (1945) und war lediglich 55 , als er seinen letzten Film fertigstellte. Der elsässische Jude Jean-Pierre Grumbach, der sich während seiner Zeit in der Résistance über Nacht in Melville – nach dem Autor des Moby Dick – verwandelte, war alles: Genial, stur, rebellisch, hochstaplerisch, revolutionär, militant, bis zur Selbstaufgabe independent sowie ein Spieler und Hasardeur, der es geradezu darauf anlegte, auf
Read More Thomas Wörtche Miles Davis Sommer 1970. Es war heiß, sehr heiß. Irgendein Sender – vermutlich der damalige Südwestfunk – spielte eine Musik, die mich wie eine Dampframme traf. Ich wusste nicht, was das war oder wie man das nennen sollte, aber es war anders. Da liefen elegante lange Linien, die aus dem Nichts zu kommen schienen, mal langsam, dann wieder schneller werdend, fast aus dem off, da war nichts von Thema – Solo – Thema – Solo, da pulste ein Rock-Rhythmus und dann waren da die lakonischen, elektronisch modulierten
Read More