Sybille Ruge Tag

Sybille Ruge: More knit, less shit  2025. Job verloren. Mit Stricken angefangen. Wie ein Junkie im Wollladen rumgetrieben. Cashmere- und Yakwolle noch wertvoller eingeschätzt, wenn ich gekauft hatte. Tendenz entwickelt, das eigene Können zu überschätzen bei simultan auftretendem Minderwertigkeitsgefühl. Anfängersyndrom. Unmengen an Werkzeug gekauft und nachträglich als Weg der Vervollkommnung rechtfertigt. Festgestellt, dass deutsche Hunde gestrickte Klamotten tragen. Im Traum einem Husky ein Mäntelchen angezogen. Zerfleischt worden. KI konsultiert. Bekannnter Hund steht für positive Erinnerung. Scheiße, ich kenn den Hund nicht. Weitergestrickt. Denken in zwei Kategorien entwickelt: Fertig oder nichtRead More
Hazel Rosenstrauch: Meine Antidepressiva 2024 Fangen alle Rückblicke auf dieses Jahr mit Stöhnen an? Über die Kriege (im Plural), Katastrophen, die man korrekterweise nicht als Naturkatastrophen bezeichnen kann, Wahlergebnisse, nicht nur hier und in den USA, auch in Österreich, dessen Staatsbürgerin ich bin? Zeitungslektüre und TV-Nachrichten waren vorwiegend grauslich, Freundschaften sind nach mehr und weniger erregten Gesprächen über Klimawandel, Putin, Palästina oder Rassismus zerbrochen, dazu Todesfälle und Krankheiten im nahen Umkreis. Und das hübsche kleine Grosz-Museum in Berlin musste schließen. Als gelernte Trotzdemistin erinnere ich, dass sich Assange endlich freiRead More
Sybille Ruge: Mémoires W saß mir gegenüber. Eine Bank im Nebel am Hauptbahnhof. Februar? Er in Lederjacke (Pelzfutter), mir fror das Gehirn ein (modische Klamotten). Wir legten langsam unsere Masken ab (Corona). Der Kaffee in den Pappbechern wurde kalt (Costa Coffee, ungenießbar). Ich machte ein fröhliches Gesicht dazu, immerhin saß mir W gegenüber. Nachdem ich mit W gesessen hatte, schrieb er mir Bemerkungen an den Rand. „Mimimi“„Hä?“„Versteht kein Mensch.“„Puh.“„Wo kommt das denn jetzt her?“„Brauchen wir das?“„Och, nee.“„??????“ W liest zwischen den Zeilen (bevor sie fertig sind).Plötzlich saß W in meinemRead More
Ein Gespräch über Stoffe, Textildesign und Textildruck, den Modeschöpfer Issey Miyake und Haute Couture aus Mitlödi im Glarner Tal Frankfurt, Oeder Weg, Nordend-Kiez, Kleinläden-Biotop nah an der Innenstadt, Oxfam-Shop, Bio-Bäcker, Buchläden, Kleinboutiquen, koreanische und vietnamesische Lokale, Eisdiele, Musikalienhändler und sogar ein alteingesessenes Waffengeschäft. Sybille Ruge wohnt in einer Seitenstraße, im Hinterhaus. Erster Stock, Loft-Charakter. Ein Arbeitstisch mit einem Stapel badehandtuch-großer Stoffmuster in Fensternähe. Aber wir haben immer noch zwei Drittel der Tischfläche für uns. Platz genug für die drei Bücher, die ich mitgebracht habe. ** ** Midori Kitamura (Hg.): IsseyRead More
Sybille Ruge
Geld verträgt kein Gewissen Machine Gun Ruge muss man diese Autorin wohl künftig nennen. Sybille Ruge wagt sich in ihrem zweiten Roman in die Welt der Superreichen – Alf Mayer gibt einen Schnelldurchlauf. K2 stellte mich als Mitarbeiterin im Family Office vor. Die Erwähnung seiner privaten Vermögensverwaltung hatte schlagartig Stille ausgelöst. Eine mystische Erhabenheit, wie sie nur ein Privatvermögen erzeugt, das bei 300 Millionen beginnt und bei unaussprechlichen Zahlen endet. Jetzt verstand ich das Kostüm, zu dem er mich genötigt hatte.(Seite 17) – Und später, Seite 151: Kennst du dasRead More
Andreas Pflüger: Meine Kulturhighlights 2023 Prosa: Ofer Waldman, Singularkollektiv (Wallstein) Lyrik: Johanna Hansen (Bilder) und Ulrike Schrimpf (Gedichte), Pariser Skizzen / Je te flingue (Edition Melos) Sachbuch: Aurélie Bros (Hrsg.), Briefe von Frauen aus der Ukraine an die freie Welt (Elisabeth Sandmann Verlag) Serie: The Offer Film: Nur Nieten gezogen, die schlimmste war Avatar II. Album: Wilco, Cousin Wiederentdeckt: Puccini, Turandot, Mailand 1957, Maria Callas Konzert: Dvořáks Mittagshexe, Heimspiel der Berliner Philharmoniker, dirigiert von Robin Ticciati Ausstellung: Daniel Boyd, Gropius Bau Berlin Fotografie: Michael Dressel, Lost Angeles Architektur: Mario Cucinella Architects, Kirche Santa Maria Goretti in Mormanno, Kalabrien Ballett: Bin seit 66Read More
Sybille Ruge: Vertrauen in die Katastrophe „Unter dem Einfluss des allgemeinen Überschwangs verwandelt sich der unscheinbarste und harmloseste Bürger in einen Helden oder Henker.“ (Durkheim „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ S.290) Stau. Auf der Autobahn stand der Verkehr. Ein idyllisches Morgenrot über dampfendem Blech. Ich stieg aus dem Wagen und ging nach vorn. Vor mir ein Spektakel mit Bedürfnis nach illustrierter Sinnlichkeit. Die Aktivist*innen waren mir aus den sozialen Medien bekannt. Sie verwendeten eine Rhetorik, die man neureligiösen Gruppen zuschrieb. Mit vielen Worten immer das Gleiche sagen. Ich fragteRead More
Seit Monaten will ich etwas schreiben zu Sybille Ruges sensationellen Debütroman „Davenport 160×90“ – und habe es die ganze Zeit nicht geschafft. Nun wurde bereits einiges zu diesem Roman gesagt und geschrieben, vielem stimme ich zu. Die Sprache ist großartig – sie ist kühn und treibt voran, ohnehin ist das Tempo hoch in diesem Roman. Er steckt voller Anspielungen, Referenzen und Verweisen – vieles wird im CrimeMag aufgedeckt, dort findet sich auch eine Plotzusammenfassung und viele weiterführende Hinweise in Alf Mayers begeistertem Text. Tatsächlich wird Heiner Müller in den ReaktionenRead More

Posted On November 1, 2022By Alf MayerIn Crimemag, CrimeMag November 2022

nonfiction, kurz – November 2022

Sachbücher, kurz besprochen Von Alf Mayer (AM) – sowie eine Filmempfehlung von Sybille Ruge (SR) Martin Hübner und Jürgen Ast: Das rote Imperium Tillmann Bedikowski: Hitlerwetter. Das ganz normale Leben in der Diktatur: Die Deutschen und das Dritte Reich Iso Camartin: „Mein Herz öffnet sich deiner Stimme“: Eine Zeitreise gesungener Empfindungen in 50 ArienTim Cornwell (ed): A Private Spy, The Letters of John le CarréFake your Goethe. Die wahre Geschichte der LiteraturHarald Jähner: Höhenrausch. Das kurze Leben zwischen den KriegenRolf Lindner: In einer Welt von Fremden. Eine Anthropologie der StadtMichael Möseneder: Der Taubenhasser und das FensterRead More
Joachim Feldmann und Alf Mayer über den Frankfurt-Roman von Sybille Ruge Sybille Ruge: Davenport 160 x 90. Herausgegeben von Thomas Wörtche. Suhrkamp Verlag, Berlin 2022. Klappenbroschur, 264 Seiten, 15 Euro. Subtile Meisterschaft Die Inkassounternehmerin Sonja Slanski hat eine bunte Biographie und nützliche Kontakte, manche familiär begründet. Das muss man einfach glauben. Ebenso wie den folgenden Satz: „Geraume Zeit später hatte er seine abgeschriebenen 2,5 Millionen wieder und überwies mein Honorar. Er rief mich an und lud mich zum Essen ein.“ Aber was hier so einfach klingt, hat komplizierte Folgen, aufRead More

Posted On Dezember 31, 2021By Die RedaktionIn Highlights, Highlights 2021

Sybille Ruge, Frank Rumpel, Lisa Sandlin

Sybille Ruge: Zermatt X erzählte, dass sie eine Flüchtlingsfamilie für ein Jahr bei sich illegal hätten wohnen lassen und Y meinte, dass für eine Integration private Lösungen viel besser wären als staatliche Programme. Ich sagte, dass mich Wohngemeinschaften, egal mit wem, total abfucken würden. Wir saßen in Zermatt und hatten unser 4 Gang Menü gewählt. Ich genehmigte mir den ersten Schluck vom Monte Alpha. Was ist denn deine Lösung, fragte X, denn weniger Fluchtbewegung wird es nicht. Ein Zaun und vernünftige politische Lösungen. Die Phrase von der politischen Lösung passtRead More