Sybille Ruge: More knit, less shit 2025. Job verloren. Mit Stricken angefangen. Wie ein Junkie im Wollladen rumgetrieben. Cashmere- und Yakwolle noch wertvoller eingeschätzt, wenn ich gekauft hatte. Tendenz entwickelt, das eigene Können zu überschätzen bei simultan auftretendem Minderwertigkeitsgefühl. Anfängersyndrom. Unmengen an Werkzeug gekauft und nachträglich als Weg der Vervollkommnung rechtfertigt. Festgestellt, dass deutsche Hunde gestrickte Klamotten tragen. Im Traum einem Husky ein Mäntelchen angezogen. Zerfleischt worden. KI konsultiert. Bekannnter Hund steht für positive Erinnerung. Scheiße, ich kenn den Hund nicht. Weitergestrickt. Denken in zwei Kategorien entwickelt: Fertig oder nicht
Read More Hazel Rosenstrauch: Meine Antidepressiva 2024 Fangen alle Rückblicke auf dieses Jahr mit Stöhnen an? Über die Kriege (im Plural), Katastrophen, die man korrekterweise nicht als Naturkatastrophen bezeichnen kann, Wahlergebnisse, nicht nur hier und in den USA, auch in Österreich, dessen Staatsbürgerin ich bin? Zeitungslektüre und TV-Nachrichten waren vorwiegend grauslich, Freundschaften sind nach mehr und weniger erregten Gesprächen über Klimawandel, Putin, Palästina oder Rassismus zerbrochen, dazu Todesfälle und Krankheiten im nahen Umkreis. Und das hübsche kleine Grosz-Museum in Berlin musste schließen. Als gelernte Trotzdemistin erinnere ich, dass sich Assange endlich frei
Read More Zum neuen Roman mit Delpha Wade Zweimal sagt Delpha Wade die Wahrheit. Mit der Ergebnis, dass sie weiter im Gefängnis bleiben muss. Auf Bewährung entlassen wird sie erst, als sie sich entschließt, falsche Reue für ein Verbrechen zu zeigen, das sie nicht begangen hat. Denn der junge Mann, den sie mit seinem eigenen Messer erstochen hat, wollte sie vergewaltigen. Dafür war sie 14 Jahre eingesperrt. Nun lebt sie in einer billigen Pension unter lauter alten Menschen und arbeitet als Sekretärin für den Privatdetektiv Tom Phelan. Den Job hat sie ihrem
Read More Hanspeter Eggenberger (hpe), Joachim Feldmann (JF), Alf Mayer (AM) und Tobias Gohlis (TG) über: John Brownlow: EighteenChristoffer Carlson: Wenn die Nacht endetGerald Kersh: Hirn und zehn FingerChang Kuo-Li: Die Kugeln des BösenMike Nicol: HitmanGary Phillips: One-Shot HarryFred Vargas: Jenseits des GrabesNona Fernández: Twighlight Zone (Textauszug hier nebenan in dieser Ausgabe) Aller Finsternis zum Trotz (JF) Als der englische Schriftsteller Gerald Kersh Ostern 1943 das Vorwort zu „Hirn und zehn Finger“ schreibt, steht Slowenien teils unter deutscher und teils unter italienischer Besatzung. Seit die königlich-jugoslawische Armee am 17. April 1941 kapitulierte,
Read More Lisa Sandlin: A Feast Day at San Juan Pueblo Ohkay Owingeh, The Place of the Strong People June 24, 2023 is blazingly bright and 90 degrees (32C). Though the earth plaza here at San Juan pueblo has been watered to keep down the dust, dust rises anyway. One family has built a ramada of cottonwood branches leaves to form a cool green room to watch the dances from. Others have brought collapsible chairs they set in crescents of shade. There is much greeting of friends and family. Few outsiders are
Read More Sybille Ruge: Vertrauen in die Katastrophe „Unter dem Einfluss des allgemeinen Überschwangs verwandelt sich der unscheinbarste und harmloseste Bürger in einen Helden oder Henker.“ (Durkheim „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ S.290) Stau. Auf der Autobahn stand der Verkehr. Ein idyllisches Morgenrot über dampfendem Blech. Ich stieg aus dem Wagen und ging nach vorn. Vor mir ein Spektakel mit Bedürfnis nach illustrierter Sinnlichkeit. Die Aktivist*innen waren mir aus den sozialen Medien bekannt. Sie verwendeten eine Rhetorik, die man neureligiösen Gruppen zuschrieb. Mit vielen Worten immer das Gleiche sagen. Ich fragte
Read More Sybille Ruge: Zermatt X erzählte, dass sie eine Flüchtlingsfamilie für ein Jahr bei sich illegal hätten wohnen lassen und Y meinte, dass für eine Integration private Lösungen viel besser wären als staatliche Programme. Ich sagte, dass mich Wohngemeinschaften, egal mit wem, total abfucken würden. Wir saßen in Zermatt und hatten unser 4 Gang Menü gewählt. Ich genehmigte mir den ersten Schluck vom Monte Alpha. Was ist denn deine Lösung, fragte X, denn weniger Fluchtbewegung wird es nicht. Ein Zaun und vernünftige politische Lösungen. Die Phrase von der politischen Lösung passt
Read More *** Susanne Saygin Wieder ein Jahr weitgehend ohne Lektüre. Dafür mit Hörbüchern. Allen voran Colin Dexters Inspector Morse-Romane in der kongenialen (englischsprachigen) Adaptation von Samuel West. Hanebüchene Plots, seltsame Obsessionen, vollkommen schmerzbefreiter Old School Sexismus, aber – ähnlich wie die Verfilmungen mit John Thaw und Kevin Whately aus den 90igern – eben auch große Tragik mit britischem Understatement und sehr feiner, sehr lakonischer Ironie. Eigentlich sind alle von West eingelesenen Morse-Romane großartig, aber seine Version von The Remorseful Day (also dem letzten Band der Serie) ist noch einmal eine Klasse für sich. Eine Klasse für
Read More Katja Bohnet und Sonja Hartl haben zwei sehr unterschiedliche Einschätzungen – hier ihre Positionen. Katja Bohnet: Ein bräsiges Geschäft Das verflixte zweite Buch. Manche sprechen nur davon, anderen passiert es. Lisa Sandlin ist eine davon. Eine Autorin, die große Hoffnungen hervorrief, von der man nach „Ein Job für Delpha“ viel, vielleicht sogar alles, erwartete. Das Debüt war sprachlich intensiv, die Handlung verzweigt und überraschend, das Buch mit interessanten Figuren fast schon überlaufen. Die Beziehungsgeflechte kamen angenehm unkonventionell daher. Die siebziger Jahre in Texas schienen als Beziehungskontext immer durch. „Family Business“
Read More Three voices from Australia, USA and UK Sulari Gentill: May our stories be the embrace Covid19 has truly shaken the world as we understand it, undermined the foundations of capitalism and destabilised all we have built upon them. But more than that, it has challenged human interaction, taken from us in a time of crisis the ability to comfort each other. The handshake, the hug, the kiss are now dangerous and forbidden, and it seems we must stand alone to face what comes. For me, Covid19 is the second life-threatening crisis
Read More Hazel Rosenstrauch –Robert Rosenwald –Frank Rumpel –Lisa Sandlin –Christian Y. Schmidt –Tommy Schmidt – Hazel Rosenstrauch: Zivilgesellschaftliche Barock-Musik Sehr kurzfristig, einen Tag vor dem Event, lud Freund Daniel einige „enge Freunde“ ein, diesmal nicht in seine kleine Weddinger Wohnung, sondern in einen Neubau in der Nähe des Spittelmarkts, und ich stand eine Viertelstunde vor dem falschen Eingang, bis mich Musik um die Ecke lockte. In der sehr großzügigen 2-stöckigen Neubauwohnung probten sie: Es war das Vorspiel für eine CD-Aufnahme von Werken des ziemlich vergessenen Johann Gottlieb Janitsch, der Hofmusiker bei
Read More Four Authors from Southern Australia, New Zealand, Colorado and New Mexico/ Texas on the Great Outdoors and their work Home by Garry Disher I still call it home, even though I haven’t lived there since I was seventeen. ‘I’m going home for Christmas,’ I tell my friends every year. Perhaps home is where the heart is. In this case it’s the mid-north of South Australia, wheat and wool country three hours north of Adelaide and three hours south of the Flinders Ranges. Beautiful undulating farmland—if starkly beautiful under drought conditions. I grew up on
Read More Lisa Sandlin Tommy Schmidt Frank Schorneck Wallace Stroby Britta Tekotte Iris Tscharf Lisa Sandlin: An air full of sparks The Negro Motorist’s Green-Book, published by Victor Green from 1936-1966, guided black travelers to American motels, restaurants, gas stations, barber and beauty shops where they could safely find a welcome. Where they would not be turned away or humiliated. At the beginning of the movie Green Book, based on a real-life friendship, a copy of this guide is set into the hands of Tony “Lip” Vallelongo. Tony’s ready then, in 1962,
Read More Eau de Klischee Romantisch geht die Welt zugrunde – Schnelle Autos und die Liebe zur Natur. Von Katja Bohnet Heute Morgen verspürte ich ein romantisches Gefühl. Ich kaufte mir ein Blumenkleid und tanzte durch den Garten. Als ich mich an den Schreibtisch setzte, fiel mir nichts mehr ein. Wer heute romantische Gefühle im Kriminalroman bemüht, hat nichts verstanden. Nichts. Realität ist nicht romantisch. War es nie. Nur Tölpel verklären sie. Sie wird missbraucht, weil Romantik Gefühle erst impliziert, danach implementiert. Werbung und Politik spielen zu leicht damit. Mit nichts lässt sich
Read More Lisa Sandlin Claudia Schwartz (I & II) Wallace Stroby Estelle Surbranche Lisa Sandlin Any American of my persuasion would say we’re not ebbing but rushing to betray the ideals we stood for: rights, freedom, opportunity, an appreciation for the common good. Not that we achieved these goals. But some of us thought we stood for them anyway. Mildred Hays, the protagonist of writer and director Martin McDonagh’s new black comedy, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, is neither waiting nor standing. Mildred (the always-amazing Frances McDormand), is campaigning against the lawmen
Read More The Way Fayann Found Exclusive for CrimeMag, Lisa Sandlin provided us with an X-mas present of sorts: an excerpt from the sequel to “Ein Job für Delpha” (The Do-Right). Here it is – with greetings to Delpha’s German readers. During the time Delpha had worked the prison’s infirmary, anybody sick enough to need a surgeon got carried out to a hospital. A new girl on kitchen duty drenched herself with a 16 oz. bottle of vanilla extract and fed her sleeve to a gas
Read More Tausche Schaukelstuhl gegen Bein Von Katja Bohnet Texas, Hitze, Staub Noir. Es ist still. Vielleicht wird leise gesprochen, vielleicht bauscht ein leichter Windzug die Gardinen auf. Es ist heiß, Schweiß verklebt Staub auf der Haut. Die Nacht bringt keine Abkühlung. Zwei Möglichkeiten: Grelles Licht, ein Knall, harte Action, Achterbahn. Oder es bleibt dunkel, leise, drückend heiß. Wenn der Morgen kommt, ist jemand tot, jemand reich, jemand muss sich trennen, jemand geht. Lisa Sandlin wählt Tor 2. Sie erzählt leise, dennoch direkt. Die LeserInnen, die den Kriminalroman gerne hart und schräg
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