Über Chandler wird viel geredet. Aber ich vermute, er wird weniger gelesen. Sonst würde anders über ihn geredet werden. Viele Autor*innen nennen ihn als Vorbild: Er hat hart gearbeitet, um vom Schreiben leben zu können, und mit seinen Büchern einen eigenen Sound kreiert. Einen Sound, der mittlerweile so verbreitet ist, dass ich beim Lesen von „Lebwohl, mein Liebling“ einige Male dachte, das klingt so nach Chandler – und mich regelrecht daran erinnern musste, dass ich ihn ja auch gerade lese. Bei Passagen wie: „Ich brauchte einen Drink. Ich brauchte eineRead More
Verzweiflung „Erschütterungen“ ist der sechste Kriminalroman um den haitianischen Inspektor Dieuswalwe Azémar – und der erste, den Gary Victor auf Kreolisch geschrieben hat. Azémar, der einzige nicht korrupte Polizist von Haiti, muss zu seiner Erschütterung den Tod der Tochter seiner Lebensgefährtin aufklären. Das Mädchen, deren Leiche wie Müll entsorgt wurde, ist deutlich einem ekelhaften Ritualmord zum Opfer gefallen. Azémars Ermittlungen führen zu noch mehr Morden nach dem gleichen modus operandi. Die Spur führt zu einer Art Loge mächtiger Männer, die seit dem 18. Jahrhundert existiert und deren Mitglieder ihren perversenRead More
Silvestermenü mit Todesfolge Wolfgang Brylla (WB) und Joachim Feldmann (JF) über „Noch fünf Tage“ von Helena Falke Zwei Blicke auf einen Thriller, in dem die Hauptfigur unter Zeitdruck steht. Joachim Feldmann mit einem schnellen Überblick, Wolfgang Brylla mit Hinweisen auf Hintergrund. Wir sind auf literarischem Pflaster … (JF) Lis Castrop weiß, dass sie nur noch fünf Tage zu leben hat. Bei einem Giftanschlag auf ihre Arbeitgeber hat auch sie eine Dosis abbekommen. Nun liegt sie in einer Schweizer Nobelklinik und versucht herauszufinden, wer hinter dem Verbrechen steckt. Denn davon hängtRead More
Kino kann Wahrheit sein Alf Mayer zur Essaysammlung »Als Filme noch etwas bedeuteten« von Oliver Jörns »Ich bin kein Filmkritiker im journalistischen Sinn. Ich schreibe aus Nähe.Aus Liebe. Aus Zweifel.« – Oliver Jörns Diese Stimme ist sofort da. Klar und deutlich. Bemerkenswert. Da schreibt und redet einer über Filme, dass einem das Herz aufgeht.  Die Augen mit. Sein Buch heißt »Als Filme noch etwas bedeuteten«.Oliver Jörns hat es im Selbstverlag herausgebracht, einfach auf eigene Faust. Inzwischen auch als Hardcover. Jörns ist Autor, Radiomoderator und Kulturjournalist aus Köln. Seit 2017 betreibtRead More
Zwei Textauszüge aus »Als Filme noch etwas bedeuteten« von Oliver Jörns, hier nebenan besprochen von Alf Mayer. ** ** 21.09.2012 Billy Wilder Eins, zwei, drei (One, Two, Three; 1961) Billy Wilder war ein gefürchteter Witzbold. Keine steile These, sondern eine schlichte Feststellung, wenn man sein Werk kennt. Aber natürlich fürchten Menschen Berufs-Zyniker auch im echten Leben. Man kann sich gut vorstellen, wie Horst Buchholz, Lilo Pulver, Karl Lieffen und Hanns Lothar kurz geschluckt haben müssen, als sie erstmals das Drehbuch von One, Two, Three in den Händen hielten – inklusiveRead More