Geschrieben am 31. Dezember 2024 von für Allgemein, Highlights, Highlights 2024

Highlights 2024 – Eva Ladipo, Else Laudan, Dietrich Leder, Ulrich Mannes

Eva Ladipo: Das T-Shirt

So wie das Jahr an sich war auch mein Highlight nicht erbaulich. Ich habe es im Juli bestellt, kurz nachdem Joe Biden seinen Verzicht erklärt hatte. Dass man dem wohlmeinenden Alten so lange seinen Willen gelassen hat, gehört zu den zahlreichen Katastrophen des Jahres, die dem Mangel an Mut geschuldet sind. Nicht Biden ist Schuld an seinem viel zu späten Abgang, sondern die Feiglinge und Karrieristen um ihn herum. Niemand besaß die Chuzpe, das absolut offensichtlich Notwendige zu tun.

Anyway. Ende Juli war es dann geschafft. Die Partei entschied sich abermals gegen das Mutige – ein Aufsehen erregendes Auswahlverfahren – und für das vermeintlich Vernünftige, das Naheliegende, das Konventionelle, die einfache Lösung. Als ob man sich das in diesem Jahr noch erlauben könnte. Man ernannte die unbeliebte Vizepräsidentin Kamala Harris zur Präsidentschaftskandidatin und hoffte (die erbärmlichste Form der Selbstverteidigung), dass es noch einmal gut gehen würde. Ich versuchte, mich von der geradezu hysterisch grassierenden Zuversicht anstecken zu lassen und bestellte das T-Shirt.

Es brauchte fast so lang wie Biden und kam erst am 31. Oktober an. Aufgeregt packte ich es aus, las den Slogan und schüttelte enttäuscht den Kopf. War das der beste Spruch, der ihnen eingefallen war? Ein schlechtes Wortspiel, ein peinlicher Abklatsch, eine Kopie, die weder originell noch lustig war, sondern höchstens daran erinnerte, wie gut Politik sich einmal angefühlt hat, als die Mutigen noch auf unserer Seite standen. Damals, als ein unbekannter, junger, schwarzer Nobody die Dreistigkeit besaß, auf alle Konventionen zu pfeifen und sich gegen die geballte Vernunft und die Clintons zur Wahl zu stellen. Es heißt, dass Barack Obama den Kampfschrei YES WE CAN schon damals nicht mochte. Warum war Kamals Harris‘ Team dann nichts Besseres eingefallen als sechzehn Jahre später nur das Personalpronomen zu ändern?

Der Rest ist Geschichte. Ich trage das T-Shirt immer noch. Es ist aus superweicher amerikanischer Baumwolle und laut Etikett „union made“. Manchmal habe ich Sorge, dass die Leute die antiquierte Unterzeile „Harris Walz“ überlesen und mich für bescheuert und selbstverliebt halten. Ich hätte es nicht besser verdient. Ich bin gehöre schließlich zu der Generation, zu den Vernünftigen, den Nutznießern, die in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ließen, was geschehen ist. Wir haben es nicht besser verdient.

Eva Ladipo lebt als Journalistin in London und schreibt von dort aus über Deutschland. Sie hat die Romane „Wende“ (Picus) und „Räuber“ (Blessing) veröffentlicht. Ihr hoch interessanter, ifferenzierter Essay My family’s past, and Germany’s, weighs heavily upon me. And it’s why I feel so strongly about Gaza freilich erschien in keiner deutschen Zeitung, sondern (nur) im Guardian.

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Else Laudan: Elses 2024

Nee, Leute, ein GUTES Jahr geht anders, dafür war es zu schnell, zu hart, zu prekär, zu gewaltvoll, zu deprimierend backlashig, zu rechts und patriarchal, zu konsum- und kriegsgeil, zu tödlich und zu tyrannisch. Was nicht heißt, dass es nicht noch schlimmer wird.

Aber Frust und Unk mal kurz beiseite – gute Bücher gab es ja schon. Liest eigentlich irgendwer außer den üblichen drei bis sieben Verdächtigen noch Krimis? Und/oder Krimi-Hybride?

Meine Art, mir die Welt zu erlesen, sind Spannungsromane. Die ich deshalb systematisch suche, verlege, übersetze. Macht mich das zur Nerdin? Ich hab oft das Gefühl, mit Insiderwissen anknüpfen zu können, nur weil ich Genreromane aus und/oder über ferne Städte, Systeme, Kulturen und Apparate gelesen habe, von Menschen, die irgendeine mir fremde Realität in Spannungsromane gießen, bis ich die jeweiligen „Subjects“ selbst zu kennen meine. Große Highlights des Jahres 2024 waren in dieser Kategorie Patrícia Melo (São Paulo), Jordan Harper (Hollywood), Lavie Tidhar (Israel), Friedrich Ani (dessen München mir fremder ist als etwa Chicago), Una Mannion (innerfamiliäre Herrschaftskämpfe), Tana French (beschauliches Irland) und Liz Nugent (harter kluger Brainfuck im selben beschaulichen Irland).

Und auch wenn ihre Präsenz im Feuilleton derzeit immer dünner wird, bin ich mega-stolz auf die Grandes Dames, deren Krimis ich bei Ariadne herausbringen darf, eine kolossale Ehre. Allen voran natürlich Sara Paretsky, Großmeisterin des hartgesottenen Detektivinnenromans, dieses Jahr kam in meiner Übersetzung „Entsorgt“ heraus (Originaltitel Overboard), und ehrlich: Keine im Genre rechnet so wie Paretsky mit Sozialabbau, Care-Krise und den Folgen von Trumps erster Amtszeit ab, keine schafft es, so scharf hinzusehen und zugleich so sehr Zivilcourage und Hoffnung zu feiern.

Sowie ihre alte Freundin aus Britannien, die wunderbare Liza Cody, sie hat uns eine durchs postpandemische Post-Brexit-London geisternde neue Detektivin geschenkt, die meinem Gefühl von Zersplitterung eine illusionslos humorvolle kriminalliterarische Verkörperung gibt: „Die Schnellimbissdetektivin“, soeben mit Platz 4 der Jahres-Krimibestenliste und Platz 3 des Deutschen Krimipreises gekürt.

Christine Lehmann – inzwischen auch schon Altmeisterin – hat mich mit einem Krimi über Medien, konkret: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beglückt. „Alles nicht echt“ erzählt Radiogeschichte – und wurde im Rundfunk praktisch nicht besprochen. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Wobei weder die Autorin noch ich auf den ÖRR jemals verzichten wollten, nur mehr Courage würde uns halt freuen …

Apropos Courage. Eine der allergrößten Entdeckungen der letzten Jahre ist Pulpmasterin Megan Abbott – ja, Sonja Hartl hat es immer schon gesagt, aber auch ich bin halt ein Raubtier mit Beuteschema, und wenn wer Psychothriller sagt, höre ich sofort weg. Ohne Nowatzkys Chuzpe wäre mir auch diese Autorin durchs Raster geschlüpft, dabei ist sie phänomenal gut – und völlig eigen. Ihre seelensubversiven, nägelkauspannenden Romane Psychothriller zu nennen, wird ihnen absolut nicht gerecht. Abbott erzählt mordslebendig, bitterböse, episch über die Zurichtung von Körper und Geist (bei weiblichen Menschen), mit Ambleresker Schamlosigkeit, aber packender, mitreißender und eleganter.

2024 brachte Pulp Master Megan Abbotts Cheerleaderinnen-Roman „Wage es nur“ heraus, ich gebe erneut 100 Punkte wie schon beim Vorgänger „Aus der Balance“. Wer Sogwirkung mag und hammerpräzise Beobachtungen, erzählt in einer flinken, völlig unaffektierten Sprache, die nicht darauf vorbereitet, wie viele Abgründe im Laufe des Romans enthüllt und so flugs wie gleißend ausgeleuchtet werden, sollte unbedingt Megan Abbott lesen. Ein Genuss und ein grandioser Beitrag zum Narrativ der „zweiten Welt“, der allzu lange fehlenden Hälfte der großen Erzählung.

Und, äh, Kultur und Gesellschaft? Macht ihr Witze? Das Dilemma nimmt jetzt richtig Fahrt auf – straight Richtung Abgrund. Wobei, gemessen an der Weltpolitik geht es in meinen Netzwerken und Bündnissen (natürlich alles ehrenamtlich, man gönnt sich ja sonst nix) so lebendig wie konstruktiv zu: LuV Hamburg kriegt viel auf die Reihe, Verlage gegen Rechts sprüht kreatives solidarisches Leuchten, alle Guten legen sich voll ins Zeug.

Ich gehör ja mittlerweile auch 2 Vereinen an: HERland, dem kleinen Krimifeministinnenbündnis, das gerade zum zweiten Mal ein echt heißes „Traut euch!“-Genrestipendium auslobt, sowie dem PENBerlin, dem viele Medien gerade mal wieder eine „Krise“ zuschreiben, wobei ich widerspreche: Was wir haben, ist eine digital befeuerte Krise der Auseinandersetzungskultur mit Demokratiekillerpotenzial, eine Krise der Diskurse und der Gesellschaft, genährt vom fieberhaften Beharren auf Dichotomien: als gäbe es in komplexen Konflikten immer die Richtig-und-falsch-Alternative, wenn man nur scharf genug schießt, wenn man die vermeintliche Gegenseite nur laut genug ins Unrecht setzt. Als könnte eine strikte Entweder-oder-Positionierung irgendwie dabei helfen, mit den realen Widersprüchen konstruktiv umzugehen. Kann sie nicht.

Und wer noch ernstlich diskutiert – das tun wir im PENBerlin, nicht um ideologische Hegemonie im Verein, sondern zu den schwierigsten, aufgeladensten und polarisierendsten Themenkomplexen unserer Zeit – spürt, wie anstrengend Kommunikationsarbeit ist, und ja, es ist Arbeit. Arbeit, die unerhört viel Geduld, Solidarität und Courage erfordert. Der PENBerlin macht Menschenrechtsarbeit und Plattformarbeit (Diskussionspanels, Veranstaltungen), und dazu ringen wir um ein Miteinander des Respekts, auch im Dissens, und des einander Vertrauens. Letzteres zeitgemäß erschwert durch allzu laute Ego-Tänze und die nach Konflikt gierende Medienberichterstattung – aber wir arbeiten trotzdem weiter daran. Mir ist all diese Arbeit kostbar. Die Welt braucht Menschen des Wortes, die Respekt und Dissens zusammen aushalten und konstruktiv streiten lernen.

Der Ariadne-Solgan »Lesen statt Putzen« in den Tagesthemen

So wie sie gute Krimis braucht. Also Motto des Jahres: Die Narren sind auf unserer Seite!

Fazit: Allen Krisen zum Trotz fand ich 2024 noch manches richtig erfüllend – Schulterschlüsse und Aktivismus, Engagement, das absolut nichts zu Miete und Krankenversicherung beiträgt, sowie Krimis und Krimi-Hybride, die Stückchen von Welt in meinen Kopf, in mein Vorstellungsvermögen tragen. Und Freundinnen und Freunde und all die tollen Autorinnen. Danke.

Else Laudan ist Verlegerin des Argument/Ariadne-Verlags in Hamburg. Seit mehr als 30 Jahren setzt sie sich für politische Kriminalliteratur von Frauen ein. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes Herland. Ihre Texte bei CrimeMag hier.

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Dietrich Leder: So ernst nehmen dass es lustig wird

Liegt es an diesem wahnsinnigen Jahr mit seinen fortschreitenden Kriegen, dem Erstarken der Rechtsradikalen, dem Scheitern einer Koalition, deren Ende begann, als man sie in einer Kleinkindersprache „Ampel“ nannte, dem Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der sich allerdings immer mehr zu einem Service-Betrieb verzwergt und alles radikal Künstlerisches wie Intellektuelles abstreift, dem Sieg des misogynen Orange-Deppen in den USA, dass mir die Literatur des Jahres eher mickrig und randständig erschien?

Die lesenswerten Kriminalromane habe ich brav für die Bestenliste aufgeführt. „Sörensen macht Urlaub“ von Sven Stricker nahm ich als Hörspiel und „Kaltes Herz“ Holger Karsten Schmidt als Fernsehzweiteiler (beide im Dezember) wahr. Die routiniert in das Ende ihrer Serien gebrachten Geschichten von Volker Kutscher in „Rath“ und von Don Winslow in „City of Ruins“ nahm ich mindestens ebenso routiniert zur Kenntnis. Ulrich Peltzers Roman „Der Ernst des Lebens“ besprach ich hier; er bleibt auch rückblickend in Erinnerung, weil er den Absurditäten der Zeitläufe einiges an Witz abgewann.

Als ein Gegengift für einen Diskurs, der sich kritisch gab und doch immer wieder in alten und neuen Stereotypen hängen blieb, war der Essay von Jens Balzer „After Woke“ hilfreich, der im Sommer bei Matthes & Seitz herauskam.

Bleibt das wunderbare Lesebuch „Schriftstellen“, für das Marie Luise Knott „Gedichte und andere Texte“ der 2021 verstorbenen Autorin Barbara Köhler versammelt hat und das in diesem Jahr in der „Bibliothek Suhrkamp“ erschien. Sprache wird hier so ernst genommen, dass es immer wieder auch lustig wird, und auf jeder Seite Erkenntnisse zu bestaunen sind wie etwa im Gedicht „Aufgabe“ (S. 56), das hier zitiert sei:

Die Ordnung der Sätze
Hat Zukunft: sie wird
Gewesen sein Üben Sie
Die Möglichkeiten der
Ersten Person Einzahl
Als wäre das nur eine
Frage der Grammatik &
Würde ein Konjunktiv.

Und vielleicht ist das Ernstnehme der Sprache eine Verpflichtung, die im neuen Jahr gut zu gebrauchen sein wird.

Dietrich Leder, der viele Jahre für die „Medienkorrespondenz“ über das Fernsehen schrieb, ehe dieses zweiwöchentliche Periodikum im Dezember 2021 eingestellt wurde, nimmt sich für uns jeden Monat eine Erscheinung des laufenden Krimi-Programms vor und seziert, wie es die Darsteller der Pathologinnen und Pathologen in den Serien versprechen. – Seine Texte bei uns hier. – In letzten Jahresrückblick gab es von ihm auch den ersten Teil einer größeren Studie zum Thema „Proust übersetzen“; Teil 2 hier. Dieses Jahr gibt es als Extra einen Vortrag, den er in Duisburg gehalten hat: »Europa, der deutschsprachige Dokumentarfilm der letzten 40 Jahre und ein blinder Fleck«.

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Ulrich Mannes: Der Namensgeber war nicht sonderlich amused, erfuhren wir

Weil’s im letzten Jahr so gut hingehauen hat mit der „Carte Blanche“ (für Clemens Klopfenstein, vgl. Jahresrückblick 2023) organisierte ich dieses Jahr mit dem Münchner Werkstattkino eine Fortsetzung. Diesmal überließen wir in der zweiten Januar-Woche die Spielstätte dem Filmemacher Hartmut Bitomsky, der seinen Lebensmittelpunkt seit kurzem nach München verlegt hat und von dem man nun endlich auch hier einen guten Teil seines Œuvres im Zusammenhang sehen konnte. Im Flyer heißt es: „Egal ob er sich mit den ‚Grundaxiomen des Kinos‘ auseinandersetzt, den deutschen (Pseudo-)Mythen auf den Grund geht oder sich auf Amerika-Exkursion begibt, seine Filme sind ein analytisches und zugleich sinnliches Erlebnis.“ Als Wunschprogramm setzte er uns „murkelige, undurchsichtige kleine Filme“ vor. Ein dichtes cineastisches Bildungsprogramm zwischen Volkswagen (VW-KOMLPLEX) und Budd Boettcher (COMANCHE STATION), Hans Scharoun (IMAGINÄRE ARCHITEKTUR) und John Carpenter (ASSAULT ON PRECINCT 13) gab’s zu erleben. Höhepunkt und im doppelten Sinne Ausreißer dieser Reihe war HIGHWAY 40 WEST, eine Reise mit dem Auto durch die USA von Osten nach Westen aus dem Jahr 1981, als es in den USA ganz anders aussah – oder vielleicht doch nicht so viel anders.

In einer zweiten Veranstaltung, die ich mitverantwortete, ging es um die Schweiz, genauer um die Präsens-Film, die berühmteste Schweizer Produktionsfirma, die gerade ihr 100jähriges Jubiläum gefeiert hat. Aus diesem Anlass präsentierte im August die Theatiner Filmkunst ein Buch: „Heidi, Hellebarden & Hollywood – Die Praesens-Film-Story“ von Benedikt Eppenberger, der auch anwesend war, dazu noch die »Die Praesens-Aufklärungsrolle« mitbrachte und mittels eines Vortrags über etliche Gesundheits- und Aufklärungsfilme einen roten Faden durch die Firmengeschichte zog. Die Entdeckung einer kleinen Praesens-Kinofilmreihe war das Drama DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER, eine Co-Produktion mit der CCC-Film Berlin von 1960, ein zeitgeistiges Sittendrama mit deutschem Cast (Hansjörg Felmy, Barbara Rütting, Loni von Friedl, Luise Ullrich), inszeniert von Ladislao Vajda, einem europäischen Regie-Vagabunden, dem man unbedingt eine eigene Retro widmen müsste.

Die Ausstellung des Jahres war für mich in Dresden zu erleben. Dort eröffnete Anfang Mai in dem museumstauglich renovierten „Blockhaus“ an der Elbe das „Archiv der Avantgarden“ ADA seine Pforten, eine „Mischung aus Museum, Forschungszentrum und Kulturhaus“. Egidio Marzona, der Stifter des ADA, der sich als unermüdlicher Sammler von Avantgardekunst der 20. Jahrhunderts nicht allein auf die großen Kunstwerke konzentriert, sondern auch auf sogenannte Ephemera und überhaupt auf Begleitmaterial, hat auch den bibliophilen Nachlass des Filmkritikers Hans Schifferle übernommen. Damit ist dessen einmalige, 30.000 Bücher umfassende Filmbibliothek gerettet und hoffentlich bald zugängig. Zu Schifferle wird im nächsten Jahresrückblick Neues zu berichten sein …

Welche Todesfälle aus der Filmwelt haben 2024 keine Beachtung gefunden? Einen will ich hervorheben: Gustav Ehmck, der ein unglaublich disparates Werk hinterlassen hat, in den 70er Jahren mit zwei HOTZENPLOTZ-Verfilmungen bekannt wurde, davor aber, ganz im Trend der Zeit, einige Sex- und Sittenfilme drehte. Ein früher Film, DIE SPALTE, die ungemein rau inszenierte Geschichte eines Mädchens, das vom Erziehungsheim abhaut und in die Fänge eines Zuhälters gerät, ist vor einigen Jahren vom Werkstattkino entdeckt worden, der bundesfilmpreisgekrönte SPUR EINES MÄDCHENS (1967, Debüt von Thekla Carola Wied) und SPIELST DU MIT SCHRÄGEN VÖGELN (1968) warten auf ihre Wiederentdeckung. Das Filmportal hat von dem Todesfall immer noch keine Notiz genommen.

Ein anderer Todesfall fand dagegen durchaus Beachtung: Im Januar starb wenige Wochen vor seinem 80sten Geburtstag Sigi Rothemund, ein öffentlichkeitsscheuer, aber unermüdlicher Regiearbeiter (die IMDB verzeichnet über 100 Credits), der die letzten Jahre mit den DONNA LEON-Verfilmungen für die ARD seinen Unterhalt verdiente. Dass wir vor über 20 Jahren mit der Namensgebung unserer Publikation SigiGötz-Entertainment auf sein unrühmliches Pseudonym zugriffen, hat zu manchem amüsanten Missverständnis geführt, den unfreiwilligen Namensgeber aber keineswegs erfreut, wie wir im Laufe der Jahre indirekt erfahren konnten. Zu einem Informationsaustausch bzw. Interessenausgleich mit Rothemund ist es nie gekommen.

Ulrich Mannes ist Motor und Redakteur der von uns sehr geschätzten Filmzeitschrift SigiGötz-Entertainment. Ein Abonnement (4 Ausgaben) kostet schlanke 18 Euro (international: 26 Euro, bringt echtes Herzblut ins Haus. Mail an: info@sigigoetz.de

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