Geschrieben am 31. Dezember 2025 von für Allgemein, Highlights, Highlights 2025

Highlights 2025: Groschupf, Grosser, John Harvey, Bodo V. Hechelhammer

Johannes Groschupf: Lutsch ihn einfach rein.

Ein Jahr am Billardtisch

In diesem Jahr habe ich eine fremde Welt betreten, eine Welt seltsamer Rituale und Gebräuche, eine Welt, in der die Zeit stillzustehen scheint, solange nur die Bälle auf dem Tuch laufen.

Ich bin einem Billardklub beigetreten. Vorbei sind die sporadischen Abende im verrauchten Hinterzimmer einer Kneipe, in der noch ein müder Pooltisch steht, um den sich alle Trinker versammeln. Vorbei die Abende in öffentlichen Billardhallen mit sechs oder acht Tischen, die von Jugendlichen belagert werden. Vorbei die ruhigen Abende mit Frau und Kindern, Treffen mit Freunden, Kinobesuche, Jazzkonzerte, Theater. Vorbei die Nachmittage auf der Couch. Doch all das wusste ich an jenem Donnerstag im Frühling noch nicht.

„Was willst du hier? Billard spielen?“, fragte die Schatzmeisterin, als ich zum ersten Mal vorsprach. Das Vereinsheim befindet sich im ersten Stock eines brutalistischen Betonbaus der siebziger Jahren, darunter liegen ein Supermarkt, in dem die Neuköllner Nachbarschaft einkauft, und ein koreanischer Imbiss. Amerikanische und französische Hipster kommen vorbei, alteingesessene Berliner, übernächtigte Musiker. Eine junge Roma-Frau fragt die Passanten nach Kleingeld, an der Fußgängerbrücke über den Landwehrkanal steht tagein, tagaus ein Punk aus Thüringen, der je nach Laune oder Alkbefüllung mit den vorbeilaufenden Leuten scherzt oder streitet. Um zum Klub zu kommen, klingt man unten und wartet auf das Summen, steigt in den ersten Stock, öffnet die schwere Eisentür und betritt einen riesigen, lang gestreckten Tempel des Billardspiels: vorn zwei Snookertische, dahinter acht Pooltische im Turnierformat, ein Tresen, auf dem Barhocker die Schatzmeisterin: „Was willst du? Billard spielen? Wir nehmen niemanden mehr auf.“

Ich wusste, man darf sich von dieser Neuköllner Art der Begrüßung nicht abschrecken lassen. Ich blieb. Ich musste bleiben. Die Bälle liefen über das blaue Tuch, trafen sich mit einem sanften Klacken, verschwanden in den Taschen an den Ecken. Ich fühlte, hier war ich richtig. Endlich angekommen.

„Wir wollen hier keine Gäste, die nur mal kurz reinschnuppern für ein schnelles Spiel“, sagte die Schatzmeisterin. „Wir sind ein Verein. Wir suchen Leute, die es ernst meinen. Und mit ernst meine ich: ernst.“ Ich nickte. Es wäre die letzte Chance gewesen, mich freundlich zu verabschieden, die Treppe herunterzulaufen und mit meinem bisherigen Leben weiterzumachen. Draußen zwitscherten die Vögel, der Himmel war blau. Hier waren die Fenster mit schweren Vorhängen verschlossen, im Radio spielten sie „Beautiful People“. Hier klackten die Kugeln. Ich nickte und ich blieb.

„Dann nimm dir ein Queue“, sagte sie gnädig. Neuköllner haben ein Herz aus Gold.

Eine Woche darauf trat ich dem Verein bei. Zunächst ging ich nachmittags für vielleicht zwei Stunden hin, und kam nach acht Stunden wieder raus. Der Landwehrkanal lag schwarz und schweigend in der Nacht, der Supermarkt hatte längst geschlossen, die Vögel schliefen. Ich lief nach Hause, in meinem Kopf rollten die Billardbälle weiter. Am nächsten Tag war ich wieder da, wartete vor der Tür, wenn niemand auf mein Klingeln öffnete, bis ein Spieler kam und aufschloss. Und sie kamen: alte Männer und Jungspunde, lange Kerls und schmächtige Feingeister, Klempner, Vertriebler, Arbeitslose, Tischler, Polizisten, Studenten, drahtige Sportler und schwergewichtige Kneipenwirte. Anfangs schien es, dass sie alle Christian hießen, dann merkte ich, dass einige auch Thomas, Harald, Andreas, Heiko, Paul und Michael hießen, doch im Grunde war das egal: Sie alle liebten Pool. Einer trug ein Sweatshirt mit der Aufschrift: „Heul nicht, bau auf.“ Wir redeten nicht unnützes Zeug, wir bauten die Bälle für das nächste Spiel auf. 8-Ball, 9-Ball, 10-Ball. Die Cracks am Nebentisch waren in endlose 14/1-Spiele verstrickt, sie versenkten Ball um Ball, Magier in ihrem Element.

Ich schraubte mein Queue zusammen und stieß an. Wenn man mit einem Spiel durch war und der Gegner sich verabschiedete, kam der nächste an den Tisch: „Lust auf ein Spielchen?“ Mich musste man nicht fragen. Ich hatte immer Lust auf ein Spielchen. Draußen lief die Welt weiter, hier drinnen spielte ich. Meine Frau rief mehrmals an, ich hörte es nicht an, mein Handy war stummgeschaltet. Sie schrieb mir Nachrichten: „Du hast eine Wohnung. Du hast eine Frau. Komm nach Hause.“ Ich las die Nachricht erst nachts auf dem Heimweg. Sie schlief bereits, als ich ankam.

„Ich habe einen Schriftsteller geheiratet“, sagte sie beim Frühstück, „keinen Billardspieler.“ Ich trank hastig meinen Kaffee aus, war schon verabredet für eine Partie Multiball mit Tischler-Christian. „Ich muss zum Klub“, sagte ich. „Recherche für mein nächstes Buch.“ Meine Frau lachte nur.

Die ersten drei Monate haben neue Vereinsmitglieder noch keinen eigenen Schlüssel. Wenn noch niemand da war, lungerte ich vor der Tür herum, freundete mich mit dem Brückensteher an, der auch Christian hieß, sah den Schwänen auf dem Landwehrkanal zu. Innerlich probierte ich Zugbälle, Nachläufer, ärgerte mich immer noch über den verschossenen Ball auf die letzte Neun. Ich musste wieder an den Tisch, musste solider werden. Musste jumpen lernen. Vorbande spielen. Sicherheiten legen. „Einfach nur reinlutschen“, sagte mein Gegner mit väterlichem Großmut, als nur noch die Schwarze auf dem Tisch lag. Ich lutschte sie rein, gewann das Spiel, wir bauten neu auf.

„Mit ernst meinte ich: ernst“, sagte die Schwatzmeisterin nach zwei Monaten. „Wir sind ein Verein, wir spielen Liga. Du kommst in die neue Mannschaft, die wir für die Kreisklasse melden.“

Jetzt wurde es wirklich ernst. Die Wochen des unbefangenen Ballschubsens waren vorüber, jetzt wurde für den Saisonbeginn trainiert. Ich bekam ein Vereinstrikot: schwarz mit gelben Streifen. Die Kleiderordnung bei Ligaspielen ist streng: schwarze Hose, schwarze Schuhe. Ich verlor meine ersten beiden Ligaspiele gegen zwei vierzehnjährige Schöneberger Schüler, das dritte gegen einen vietnamesischen Studenten aus Marzahn. Beim Auswärtsspiel in Babelsberg endlich der erste Sieg, und ich fühlte mich jung und stark wie AJ Manas. Wenn ich zu Hause war, schaute ich mir Billardmatches oder Tutorials auf YouTube an. Meine Frau kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Sollte sie nur, ich wusste es besser. Sie kannte das Glücksgefühl nicht, wenn der Stoß die lange Bande entlang gelang, der Banker in die Mitteltasche, die Kombi auf die Neun.

Schon Platon wusste: „Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.“ Ich lernte in diesem Jahr fünfzig, sechzig Spielerinnen und Spieler kennen, spürte ihre Nervosität bei den ersten Stößen, durchschaute das dominante Herummarschieren um den Tisch, das ostentative Wegsehen, wenn ich an den Tisch trat. Der eine braucht zwei Sekunden für seinen Stoß, der andere berechnet fünf Minuten lang Treffpunkt, Winkel und Lauf des Spielballs, setzt zum Stoß an, geht wieder hoch, setzt neu an. Das Eisbad der Niederlage, der warme Glücksstrom eines Sieges, sie liegen auf der Achterbahn des Billardspiels hart nebeneinander.

Man redet nicht viel während der Spiele.
„Die 14 lang.“
„Schade.“
„Sauber.“
„War knapp.“
„3 Mitte.“
Danach aber, bei einer Zigarette unten vor der Tür, werden alle Spielzüge und Fehler eingehend diskutiert, ähnlich wie bei Skatspielern (ein anderes Kapitel in diesem Jahr, ich lege lieber den Mantel des Schweigens darüber). Meine Frau fuhr vor Weihnachten zu ihrer Mutter, ich blieb. Muss bleiben. Ich kann hier nicht weg. Weihnachtsfeier im Klub, und am zweiten Weihnachtstag steht ein Hausturnier bei Viktoria an, 9-Ball. Ich gehe mit Andreas hin. Er ist vor drei Monaten dem Klub beigetreten, er meint es ernst mit dem Billardspiel. Und mit ernst meine ich: ernst.

Der Roman »Skin City« von Johannes Groschupf in der Edition TW bei Suhrkamp erschien im Februar 2025, er findet sich auch bei unseren CrimeMag Top Ten. Besprechung von Alf Mayer bei uns: Berlin ganz ohne Schminke.
Seine eigenen Texte bei uns hier.

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Günther Grosser: Die Macht der großen Kunst

Viele von uns Bewohnern der Nordländer entschieden sich bei ihren Reisen in den Süden irgendwann, nachdem sie vielleicht zwei oder drei besucht hatten, für ein Land, eine Kultur, die ihnen am besten entgegenkam, wo sie sich am wohlsten fühlten, Spanien, Italien, die Türkei; bei mir war es Griechenland, schon seit den späten 1960er Jahren und dann immer wieder, auch über längere Zeiten. In diesem Jahr kam eine kretische Hochzeit dazu, duftend, reichhaltig, musikalisch, Ende August, als es nicht mehr so heiß und das Meer in den Tagen danach einladend und wundervoll war, genau wie die Berge im Südosten.

An Kulturprodukten zählen in diesem Jahr nur die Ausnahmen, obwohl ich viel gesehen und vor allem gelesen habe, aber übrig blieben (im Kino) nur die Überraschung und Erleichterung, dass das Dylan-Movie „Like a Complete Unknown“ nicht, wie ich befürchtet hatte, eine große Enttäuschung war, (in der Kunst)  der äthiopische Maler Dawit Abebe, der bei Kristin Hjellegjerde großformatige grelle Porträts seiner Mitbürger ausstellte, (in der Oper) eine scharf beißende Inszenierung von Richard Strauss´ „Salome“ von Evgeni Titov und (in der Literatur) der Ire Sebastian Barry mit „Jenseits aller Zeit“.

Dazu Hitchcocks „Shadow of a Doubt“, das als DVD rumlag und alle Erwartungen weit übertraf. Das viele mittelmäßige Zeugs kommt dagegen nur schwer im Gedächtnis wieder hoch und der Mist gleich gar nicht. Am Ende aber fordert dann doch Edgar Reitz´ „Leibniz“, ein brillantes Philosophen-Biopic – und wie viele gibt es denn davon überhaupt? – mit der ihm eigenen Macht der großen Kunst sein Recht ein.

Günther Grosser: Autor zu Genre-Themen, u. a. viele Jahre mit einer monatlichen Krimikolumne in der Berliner Zeitung. Theatermacher, Regisseur, Leiter des English Theatre Berlin. Seine Texte bei uns hier.

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Bodo V. Hechelhammer: Das Jahr im Kaleidoskop

Ein vergangenes Jahr lässt sich wie durch ein Kaleidoskop beobachten: Ereignisse erscheinen als flüchtige Momentaufnahmen vergänglicher Farben und Muster, die sich mit jeder Drehung neu deuten. Nicht jedes Bild hinterlässt eine bleibende Erinnerung in gleicher Tiefe; manches zeigt sich schlichtweg flüchtig. Doch zwischen all den Scherben und Spiegelstückchen lauert eine Tatsache, die unverrückbar bleibt: Ein dauerhafter Jahrestiefpunkt dominiert bedauerlich die Perspektive, weil seine Reichweite die Dimension bestimmt, in der sich alles andere ordnet.

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor drei Jahren hat sich über Europa der bedrohliche Schatten hybrider Kriegsführung und die Gefahr der Ausbreitung des Krieges gesenkt, wodurch 2025 wie ein Jahr aus einem spannungsgeladenen Spionage-Thriller wirkt. Politiker und Geheimdienste warnen inzwischen eindringlich öffentlich vor der stetig wachsenden Bedrohung durch Desinformation, Spionage und Sabotage – eine Realität, die an den Thrill der besten Agentengeschichten erinnert und doch immer greifbarer wird.

Wer wahren Nervenkitzel sucht, dem sei der jährliche Verfassungsschutzbericht ans Herz gelegt, der daran erinnert, wie stark die Gefahren durch russische Aktionen inzwischen zugenommen haben, und an die öffentlichen Warnungen des BND-Präsidenten. Europäische Demokratien sollen destabilisiert und die NATO unterminiert werden – doch neu ist daran nichts: Im digitalen Zeitalter hat sich das Spiel nur zu einer noch komplexeren Landschaft entwickelt. Ein Blick in die Ära des vergangenen Kalten Krieges eröffnet erhellende Perspektiven für die Zukunft. Besonders spannend und unterhaltsam entfaltete sich diese Sicht für mich in diesem Jahr an drei Schauplätzen: einem Fachbuch über den russischen Militärgeheimdienst GRU, der älteren Spionageserie The Americans und dem aktuellen Spionagethriller Kälter, in dem sich Theorie und Spannung auf überraschende Weise gegenseitig zu übertreffen scheinen.

Der Historiker und Russland-Experte Mathias Uhl hat mit GRU. Die unbekannte Geschichte des sowjetisch-russischen Militärgeheimdienstes von 1918 bis heute einen Standard gesetzt. In dieser umfangreichen Studie zur Geschichte des russischen und sowjetischen Militärgeheimdienstes widmet er sich auch Agenten und prominenten Spionagefällen. Er schreibt über Überläufer der sowjetischen und russischen Spionage und macht verblüffende Enthüllungen. Er beleuchtet Zeitgenossen des Kalten Krieges wie den berühmten Überläufer Oleg Penkowski, dem zugeschrieben wird, maßgeblich dazu beigetragen zu haben, einen Atomkrieg in der Kubakrise zu verhindern. Putin setzt insofern heute lediglich eine sowjetische Tradition fort, indem er wechselwillige Spione als Verräter einstuft und sie Gewalt ausliefert. Doppelagenten werden jedoch nicht mehr still und heimlich ausgeschaltet, sondern zur Abschreckung demonstrativ und öffentlichkeitswirksam, wie etwa der Fall Sergej Skripal augenfällig vor Augen führt. Wie die sowjetische Spionage im Kalten Krieg aussah, ist in einer der besten Spionageserien hervorragend inszeniert. Diese Produktion musste ich mir in diesem Jahr daher unbedingt wieder ansehen.

Die Kultserie The Americans, die von 2013 bis 2018 in sechs Staffeln begeisterte, erlebte in diesem Jahr bei mir ein besonderes Revival. Die Serie beginnt 1981, während Ronald Reagan im Weißen Haus regierte, und erzählt die Geschichte zweier sowjetischer KGB-Offiziere, die als vermeintlich normales Ehepaar in einem Vorort von Washington als Illegale die USA infiltrieren. Ihr Ziel: die amerikanische Regierung und deren Institutionen von innen heraus zu schwächen. Die heutigen politischen Landschaften in Washington und Moskau laden zu einer fast nostalgischen Rückschau auf die Endphase des Kalten Krieges ein. Die clevere Platzierung eines FBI-Agenten der Spionageabwehr als Nachbar des Paares, der stets darauf bedacht ist, sowjetische Schläfer zu entlarven, untermalt die Ironie des Schicksals – die Nähe des besten Freundes zum erbittertsten Feind spiegelt die vertrackten Beziehungen der internationalen Politik wider.

Joe Weisberg, der kreative Kopf hinter der Serie, schöpft aus seiner langjährigen Erfahrung als CIA-Offizier und bereichert die Serie mit einer selten gesehenen Authentizität, Tiefgründigkeit und Menschlichkeit. Sogar für KGB-Killer entwickelt man Empathie. Angeblich wurden die beiden fiktiven sowjetischen Illegalen Elizabeth und Philip Jennings von dem realen Ehepaar Elena Vavilova und Andrey Bezrukov inspiriert. Dieses wurde nach den Enthüllungen von Wassili Mitrochin enttarnt, der durch seine Papiere einmalige Einblicke in die Identität hunderter russischer Illegaler sowie in Informationen über KGB-Operationen lieferte. Die Serie ist ein nachrichtendienstliches, politisches und psychologisches Lehrstück über Familie und Identität, Loyalität und Ideologie – sowie über die moralischen Grauzonen, in denen Helden und Schurken nur schwer zu unterscheiden sind und die Wahrheit selten eindeutig zu finden scheint.

Mit dieser Zwickmühle im Geheimdienstmilieu über ethische Werte und Prinzipien, die das Verhalten von Menschen leiten, spielt Andreas Pflüger in seinem in diesem Jahr erschienenen Thriller Kälter. Er ist für mich der führende Spezialist für Spionage-Themen in der deutschen Literatur: Er taucht tief in die Welt des Kalten Krieges ein, dringt mit sprachgewaltiger Wucht in die verborgenen Geheimnisse von Spionage und Gegenspionage vor und enthüllt zugleich die menschlichen Schatten des Genres. Sein neuer Roman liefert eine tiefgründige Erkundung des persönlichen moralischen Kompasses und fesselte mich damit sofort.

Auch in der Krimiliteratur zeigt sich der scharfe Schnitt zwischen Chaos und Ordnung, Gerechtigkeit und Rache, mit dem Pflüger meisterhaft spielt. Kälter ist akribisch recherchiert und basiert auf historischen Fakten des Kalten Krieges, die fiktional interpretiert werden. Ein packender Thriller, der die Lesenden mit stürmischer Urgewalt in die Grauzonen der Geheimdienste hineinzieht. Von der ersten Seite an gelingt es, Spannung und Moral miteinander zu verweben. Die hässliche Fratze des Terrorismus wird offengelegt, während die Protagonistin zu einer kompromisslosen Kämpferin gegen die Bedrohung heranwächst. Dabei kommen immer wieder moralische Fragen auf: Wie weit darf man gehen, um Unschuldige zu schützen? Wo endet Selbstverteidigung und wo beginnt glühende Rache? Mit literarischer Präzision beleuchtet Pflüger die Abgründe der Geheimdienstoperationen in Ost und West und offenbart die moralischen Dilemmata, die sich hinter den Kulissen des Weltgeschehens abspielen. Er spielt gekonnt auf der Klaviatur der Geheimnisse und gewährt Einblicke in die Mechanismen jener Akteure, die im Schatten agieren.

Der kaleidoskopische Rückblick kann somit auch als Mahnmal fungieren, das daran erinnert, wie sprunghaft sich Sicherheit verschieben lässt. Die Bilder wechseln, doch die Angst vor Krieg in Europa bleibt ein konstanter Faktor. In diesem Spiegel der Zeiten treten die Fragen nach Vertrauen, gemeinsamer Verantwortung und Orientierung an demokratischen Werten deutlicher hervor denn je. Möge das kommende Jahr unsere Wachsamkeit schärfen und neue Wege der Sicherheit eröffnen.

Der promovierte Historiker Bodo V. Hechelhammer arbeitet seit vielen Jahren für den Bundesnachrichtendienst (BND), von 2010 bis 2021 als Leitender Historiker des Historischen Büros. Seit 2025 ist er zudem außerordentlicher Professor für Geschichte an der University of Southern Denmark in Odense, SDU. Als Autor beschäftigt er sich vor allem mit verschiedenen Aspekten von Geheimdiensten in Geschichte, Film und Literatur.

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John Harvey: Daniel Woodrell 1953 – 2025

It was just recently that I learned, from a friend, of the death, from pancreatic cancer, of the writer, Daniel Woodrell. Author of nine novels and one collection of short stories, Woodrell’s fiction was mostly set in the Missouri Ozarks, which is where he had lived for most of his life and where he made his home with his wife, the novelist Katie Estill.

It was with his fifth and possibly his best novel, Give Us a Kiss, that he – or, perhaps, some bright spark at his US publisher, Henry Holt & Co. – came up with the sub-title A Country Noir. It fitted perfectly. The closely intermingled lives of bone-tough rural people, digging out their dirt-scrabble lives by any means possible. And all in just about as hard-edged prose as you’d be lucky enough to find.

“A marvellous writer,” said Roddy Doyle.
“Woodrell throws down sentences that will leave you amazed,” wrote Charles Frazier.
“One of the most exciting writers I’ve discovered in a long time,” said Val McDermid, after reading Winter’s Bone.

For a number of years Daniel and I had the same publisher at Henry Holt, Marion Wood. My Resnick novels, plus a few others, came to Marion following their original publication in the UK; Daniel’s manuscripts went to her direct for editing. It’s true to say that she genuinely liked out work, despite – or because of its differences. And she would acknowledge from time to time we could both, in our ways, craft a good sentence. The problem was, persuading enough people to lay down their money and buy the damned things.

If it weren’t for Sue Grafton, Marion was wont to say, if it weren’t for Sue – who sold by the million, and rightly so – being one of ‘her’ authors, it’s doubtful I’d be allowed to indulge myself by publishing not just one of you, but two. We smiled and were grateful: Marion was one of the best and she backed you to the hilt as hard as she could.

I well remember my partner and I visiting Dan and Katie when they had made a relatively short break from the Ozarks and were living in San Franciso. We went out to the spot where James Stewart rescues Kim Novak from the waters in Vertigo and followed the example of Sam Spade in Dashiel Hammett’s The Maltese Falcon, dining on rack of lamb at John’s Grill. After that, most often I saw Daniel on event evenings at Big Sleep Books in St. Louis, run by another formidable woman, Helen Simpson.

I would read on these occasions, and happy to do so, along with other writers with new books to publicise, but somehow Daniel never did. He hated reading in public he said and, besides, he read so poorly it was an embarrassment. Never quite believing this – a certain shyness on Dan’s part aside – I persuaded Helen to apply a little pressure and it worked. And, of course, he read brilliantly. Give Us a Kiss had just been published and Daniel brought out the humour, the sense of danger, the sexiness, above all the rhythm of the prose – of course he did, it was his voice, after all.

Though Daniel and I had lost touch and I hadn’t seen him in years, I was shocked to hear of his death, shocked and sorry for Katie, but at the same time as feeling that sadness, knowing that the best of his work would survive. Try Give Us a Kiss or Winter’s Bone and you’ll see what I mean; they are both worth tracking down. And then there’s Debra Granik’s fine 2010 film of Winter’s Bone with a terrific performance by Jennifer Lawrence.

Daniel, thank you for everything.

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December: Birthday music …

Many thanks to everyone who sent, by various means, best wishes for my birthday. Sarah and Molly Ernestine and I had an excellent lunch at Lina Stores in Kings Cross – crab linguine for me – the high point (?) of which was a slightly hesitant rendition of ‘Happy Birthday’, accompanying the arrival of a chocolate fondant in a silver dish, crowned by a single lighted candle – well, there wasn’t room for the other 86.

Earlier that day, I’d made a point of listening to two of my favourite albums, neither of which I ever tire of and both of which hold so many memories …

“All his holy roads were sidetracks just the same …”

Roll on 88!

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No lists this year I’ve kept saying: no lists. But people – a few – kept asking …
FILMS
New …
Sentimental Value : Joachim Trier
I’m Still Here : Walter Salles
Nickel Boys : RaMell Ross
Reseen ...
In the Cut : Jane Campion (2003)
The House of Mirth : Terence Davies (2000)
Manchester by the Sea : Kenneth Lonergan (2016)
EXHIBITIONS
Noah Davis : Barbican Centre
Paris Noir 1950-2000 : Centre Pompidou
Jenny Saville : National Portrait Gallery
Caroline Walker – ‘Mothering’ : Hepworth, Wakefield
Kerry James Marshall – ‘The Histories’ :Royal Academy
BOOKS
Fiction ...
The Horse : Willy Vlautin
The End of the World in a Cul de Sac : Louise Kennedy
Non-Fiction…
The Diary of Virginia Woolf, Volume 5
A Day Like Any Other : Nathan Kernan (Biography of James Schuyler)
Frank O’Hara & MOMA : Matthew Holman
MUSIC
LPO musicians & New London Chamber Choir
The Chamber Sessions – ‘Rothko Chapel’ Morton Feldman
St. John’s, Waterloo
Michael Collins & the Paddington Trio
‘Quartet for the End of Time’ Messiaen
Kings Place
Alina Ibragimova & Friends
‘Quartet for the End of Time’ Messiaen
Shostakovich, Piano Trio No 3
Queen Elizabeth Hall
The Delines
Union Chapel
Everything But the Girl
Moth Club, Hackney

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