„Ohne Krimi geht die Mimi nie ans Brett…“ Solch Retro-Melodie tönt unvermeidlich, wenn man sich mit der Küche als Tatort oder Titel- und Ideengeber für Kriminalromane beschäftigt. Vor allem bei deutschen Verlagen und Autor:innen sind Küchentitel in regem Gebrauch und bilden damit international ebenso eine Besonderheit wie unsere 1.520 unterschiedlichen Wurst- und 3.183 verschiedenen Brotsorten. 400 – in Worten: vierhundert – Cover sind es, 300 deutsche und 100 englischsprachige, die ich bei einer schnellen Recherche zum Thema „Kulinaristik & Kriminalroman“ gefunden habe. – Und lesen Sie auch unseren Textauszug aus „Schecks
Read More 83 CulturMag-Autorinnen und -Autoren über das Jahr 2022 Pünktlich zu Silvester präsentieren wir Ihnen wieder unseren großen Jahresrückblick, den Alf Mayer zusammen mit Sonja Hartl, Anne Kuhlmeyer und Thomas Wörtche kuratiert hat: 83 Autorinnen und Autoren aus aller Welt. 25 Texte davon in Englisch, aus den USA, Australien, Südafrika, Großbritannien und Thailand – und dazu einige große Einzelbeiträge sowie unsere CrimeMag Top Ten 2022. Welcome, dear CrimeMag/ CulturMag readers, take a bite of resilience from our Mammoth CulturMag’s Year’s End Issue 2022 with 83 contributors from round the world: Germany, Great Britain, Thailand, South Africa, Australia, the U.S.A., 21 of these pieces written in
Read More Mein Tobevorwut-Wort des Jahres: „Klima-RAF“, damit das gleich mal gesagt ist. Und natürlich gab es noch viel mehr Tragödien, Schändlichkeiten, Ärgernisse und Frustbeulen, aber weil ich im Grunde ein mildes, heiteres Gemüt bin, soll´s jetzt eher um erfreuliche Dinge gehen, durchaus im fröhlichen Kraut & Rüben-Mix: Ein Kriegs-Comic in kriegerischen Zeiten? Ja, aber sicher: „Ernie Pike“ von Héctor Oesterheld & Hugo Pratt. Angelehnt an die Figur des realexistierenden Kriegsreporters Ernie Pyle inszenierten Szenarist Héctor Oesterheld (einer der ganz großen Kreativen des 20. Jahrhunderts) und Hugo Pratt (ja, der auch) seit 1957 nicht
Read More Leider verpasst, der Corona-Einschränkungen wegen, habe ich meinen geplanten Ausflug ins Schlossmuseum Linz. Anlässlich des 450. Geburtstages von Johannes Kepler hatte Gottfried Hattinger dort eine gewaltige Sammlung zur Kultur- und Kunstgeschichte der Apparate zusammengetragen. „Weltmaschine“ hieß die Ausstellung (bis 13.03.22), die ich mir dann im Sessel in dem 630-seitigen Maschinenbuch (Scheidegger & Spiess) angeschaut habe. Tatsächlich Eine Sammlung zur Kultur- und Kunstgeschichte der Apparate, reich illustriert, faszinierend, ein Standardwerk. Dasselbe ist mir dann mit Train Zug Treno Tren. Voyages imaginaires noch einmal passiert. Mit der Ausstellung in gleich drei benachbarten Museen gleichzeitig eröffnete das neue
Read More Nachdenken über Sozialberufe Ausgangspunkt „Wenn du Sozialarbeiter:in, Pfleger:in, Erzieher:in, Sanitäter:in, Lehrer:in, im Rettungsdienst bist oder einen anderen sozialen Beruf ausübst, dann ist dieser Text an dich gerichtet. Hier soll es um dein Erleben, um deine Perspektive und um deine Geschichten aus der Welt des Sozialen gehen.“ So beginnt unsere Einladung in dieses SPECIAL zur schöpferischen Verarbeitung von Sozialberufen. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass diese Berufe (heraus-)fordernd sind, positiv wie negativ, und uns immer wieder an Grenzen bringen (Corona hat dazu einen eigenen Beitrag geleistet). Dieses SPECIAL schafft einen Raum,
Read More Druck & Monster Druck, sagt der Mann, immer Druck. Fünfmal sagt er: Druck. Sein Herzschlag zittert von der Couch zu mir herüber, die Luft im Raum vibriert davon. Sogar sonntags, sagt er, Druck. Alle sind krank, sagt der Chef am Telefon, Corona angeblich, und dass er kommen muss, sofort, am Sonntag, weil niemand da ist. Und die Zwillinge schreien, mal der eine, mal der andere, auch nachts, auch sonntags. Seine Frau macht Druck, sie kann nicht alles … und immer allein. Aber wenn er nicht … am Sonntag, dann wirft
Read More An das Kind, dem ich nicht gerecht werden kann Hallo du, vielleicht erinnerst du dich an mich: Ich bin während Corona an deine Schule gekommen, umVertretungsunterricht zu machen. Frisch aus dem Studium, bin ich motiviert und engagiert, dir eine schöne Zeit zu ermöglichen und dich zum Lernen zu motivieren. Wir lernen uns kennen. „Du bist so nett!“, sagst du begeistert, als wäre das etwas Ungewöhnliches in der Schule. Schnell merke ich, dass ich meinen eigenen Standards nicht gerecht werden kann. Immer öfter fallen Kolleg:innen aus. Immer öfter muss ich allein
Read More Gekommen, um zu bleiben Wenn auch eingeschränkt, kann die Begleitung der Ratsuchenden auch im Lockdown fortgeführt werden. Schnell werden die technischen Hürden für das mobile Arbeiten überwunden. Das ist richtig gut, nicht alle Einrichtungen haben diese Möglichkeit so schnell umgesetzt. Wir sind da ganz weit vorne mit dabei. So müssen wir die ohnehin schon belasteten Menschen nicht allein lassen. Gerade jetzt wäre dies undenkbar. Weiterhin können wir an ihrer Seite sein. Stark! Auch die Kinderbetreuung zu Hause ist somit geregelt. Erleichterung. Bei uns zuhause befinden sich neben unserer Kernfamilie nun
Read More Fernab des Systems ein Lächeln Ich unterrichte bis zu 128 Schüler*innen – jedes Schuljahr. Im Schnitt 4 Lerngruppen à 32. Wenn ich Glück habe sind es weniger, zu viele sind es immer. Zu viele für die zu kleinen Räume. Zu viele für die wenige Zeit. Und dann sind sie alle auch noch entweder kurz vor, schlimmstenfalls mitten in, oder kurz nach der Pubertät. Bis zu 4 Schulstunden die Woche stehe ich vor Ihnen. Ich entscheide im Sekundentakt und bin danach leer. Sie haben Zeit und schauen mich an. Was sie
Read More Herzlich willkommen! Die Blätter fallen, und wir haben diesen Monat gleich zwei Abschiede zu verkraften. Vom epochalen Autor Mike Davis verabschieden sich für uns seine deutschen Verleger Theo Bruns & Rainer Wendling von der „Assoziation A“: „Rest in Power, Mike!“ Unsere Trauerschleife ist ein Textauszug aus Davis’ „Die Geburt der Dritten Welt“. Auch Pulp Master Verleger Frank Nowatzki entbietet seinem Autor Jim Nisbet ein letztes Farewell: “Good to do a little business amidst all the horseshit.“ Friedrich Ani , den wir herzlich begrüßen, weiß, „Der Tod ist kein MacGuffin“; sein
Read More Aus Schmerz mach Brot Brigitte Helbling und Eva Christina Zeller: VORSPIEL (Helbling): Vor Jahren, als ich in einer Theaterbar versuchte, jemandem von dem Buch zu erzählen, das später „Meine Schwiegermutter, der Mondmann und ich“ werden sollte, hörte ich erstmals den Namen Annie Ernaux. „Was du vorhast, klingt wie Annie Ernaux“, sagte Sibilla. (Es war Sibilla, mit der ich sprach.) Ich merkte mir den Namen, ging ihm aber nicht weiter nach. Wenn man am Schreiben ist, ist die Lust gering, etwas zu lesen, das dem ähneln soll, von dem man noch
Read More Er ist der Autor von „Ökologie der Angst“, „City of Quarz“, „Planet der Slums“, „Eine Geschichte der Autobombe“ und anderer, die Welt aus der Perspektive der Armen und Unterdrückten beschreibender Bücher. Eine seiner letzten Arbeiten, zusammen mit Jon Wiener, über den Klassenkampf in Los Angeles finden Sie in „nonfiction, kurz“ besprochen: „Set the Night on Fire. L.A. in the Sixties“. Theo Bruns & Rainer Wendling von der Assoziation A verabschieden sich hier von Mike Davis. Weiter unten finden Sie ein Verzeichnis seiner wichtigsten Bücher. Und ebenfalls in dieser Ausgabe, diesem
Read More St. Pauli. Wenige Orte in Deutschland haben so einen Klang. Hier lockt das Versprechen auf die Große Freiheit mit dem Klimpern einer Straßenprostituierten auf der Suche nach dem nächsten Kunden. Oft genug ist der Preis, den man dafür zahlt, der Große Absturz. St. Pauli, das ist der Unterleib Deutschlands. Vielleicht auch sein triebhaftes Es. Tage außerhalb der Zeit, Raum außerhalb des Raums. Interzone. Der Ort, an dem Glücksritter nach den Sternen greifen und doch nur in der Gosse landen. Wo man ganz groß rauskommt – fragen Sie diesbezüglich in Liverpool
Read More Der Terror der Transparenz Angesichts leicht dystopischer Zustände, die zurzeit realiter herrschen, sind dystopische Romane weniger warnende Schreckensvisionen als Gedankenexperimente über eine als kontingent gedachte Zukunft. So auch “Kapitulation“ des spanischen Schriftstellers und Drehbuchautors (für u. a. Carlos Saura und Pedro Almodóvar) Ray Loriga. Erschienen 2017 in Spanien, also vor Pandemie und Krieg, sieht sein Szenario so aus: Irgendwo auf der Welt herrscht seit zehn Jahren Krieg. Wer gegen wen warum kämpft, bleibt völlig unklar. Das gilt auch für die Bevölkerung auf dem Lande, die unter den üblichen Kriegsfolgen leidet
Read More Rezension von Anne Kuhlmeyer Durch den Nebel … finden Valentina, Katja und Kay erst einmal nicht. Zwar heben sich kurz die Nebelschleier, denn Valentina muss zur Kenntnis nehmen, dass ihr Ehemann in Haft genommen wurde, weil er eine Frau, Katja, vergewaltigt hat – bis sie sich wieder senken und Valentina ihr sauber geschrupptes, von Zählzwängen zusammengetackertes Leben weiterlügen kann. Nur das Foto von dieser Katja … Die Frau ähnelt Valentina wie ein Zwilling. Das kann doch nicht sein, oder? Kay weiß einfach nicht, wie der traumatisierten Katja zu begegnen ist,
Read More »Good to do a little business amidst all the horseshit.« Jim Nisbet, ein wahrer Meister des Noir, ist tot (1947-2022) Jim Nisbet wurde 75 Jahre alt. Seine Lebensgefährtin Carol Collier schrieb mir in einer E-Mail, dass Jim am 28. September dieses Jahres in seiner neuen Heimat Sausalito verstorben ist. Dass er schon zwei Chemos hinter sich hatte, wusste ich aus unserem E-Mail-Austausch, aber die Hoffnung, dass wir uns doch noch mal wiedersehen, stirbt bekanntlich zuletzt. Nun bleiben nur noch Erinnerungen. Mit Black Lizard im Pedigree – Jim war einer der
Read More Annäherung an die Realitätstüchtigkeit der Kriminalliteratur Zwei abgewichste Profis, Future-Cops, Buddy-Cops, Cannibal-Cops, Cops ohne Gewissen, Kindergarten Cops, Undercover-Cops, Robocop, Werwolf-Cop, Kaufhaus-Cop, Killer-Cop, Superbullen, Die total verrückte Highway-Polizei, Men in Black I – IV, Nackte Kanone I – 33⅓, Bad Lieutenant, Bad Boys I – II, Drecksau (Regie: Jon S. Baird, mit James McAvoy, 2013) – das sind die Titel von Polizeifilmen aus den letzten 25 Jahren. Sie können kreuzbrav oder hart sein, subversiv oder unkritisch, anklagend oder gewaltverherrlichend, dumm oder oberflächlich oder ganz großes Theater. Karneval. Ein wenig wie die Diskussion
Read More Liebes CrimeMag-Publikum, Kriminalliteratur wurde früher gerne als „Asphalt-Literatur“ abgetan. Wir finden, dass das ein Adelstitel ist. Wir mögen Asphalt, wir mögen Großstadt, wir mögen Realität. Deswegen präsentieren wir Ihnen hier eine Rubrik, die jeden Monat ein Bild des Fotografen Carsten Klindt zeigt – und bis Folge 34 manchmal Texte der Polizistin Nadja Burkhardt kombiniert hat: Street Scenes. 40 Fotos es mittlerweile geworden. Und es geht weiter. Aus Realität wird Kunst, fragmentarisch und kaleidoskopisch. Freuen Sie sich mit uns! Hier Auftritt Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3, Nr.4, Nr. 5, Nr.6, Nr.7, Nr. 8 und Nr.9, Nr. 10 und Nr. 11, Nr. 12 und Nr. 13 und Nr. 14 und Nr. 15 und Nr. 16 und Nr. 17. Außerdem: Nr. 18, Nr.
Read More More Power to Her 1 bild / 100 worte Hinter dieser Mauer sitzt ein Teenagermädchen und meditiert. Der Möglichkeitssinn, Musil in Genf, die Stille hinter den Geräuschen, Blutbrunnen in Teheran, ganz banal die Prüfung, to do or not to, die Eltern, weit weg in Oha, wo auch Lucia B. – Speicherfarms im Permafrost. Still. Ruhig werden – he. Manche sind einfach nicht begabt für – he! Wem macht das Universum nicht Angst (also nichts wie hin – sagte wer?). Leider, wieso – über den Wolken ist der Himmel nie grau.
Read More Öffentlichkeit trifft Literatur trifft Wissenschaft. Unter diesem Motto will Europas größtes internationales Festival für Kriminalliteratur „Mord am Hellweg“ anlässlich seines 10. Jubiläums im Herbst 2022 neue Akzente im Diskurs um den Kriminalroman setzen. 2002 als Biennale gegründet, hat das Festival von Beginn an neue Maßstäbe in der Interaktion mit diesem literarischen Genre gesetzt. Um dieser Vorreiterfunktion weiterhin gerecht zu werden, will das Festival vom 30. September bis 02. Oktober 2022 mit einer (öffentlich zugänglichen) Fachtagung zum Thema „Zur Ästhetik des Kriminalromans“ die Diskussion über die Qualität der Gattung, ihre Anerkennung
Read More Walking and Talking Crime in New York City Nach zwei Jahren Corona und Travel Ban: längst fällige Besuche bei Krimiautoren und Streifzüge durch kriminelle Viertel in Manhattan und Brooklyn – Von Johannes Groschupf. Hell’s Kitchen “Da drüben war das Hauptquartier der Westies”, sagt Thomas Adcock auf dem Balkon seiner Wohnung im 43. Stock in Midtown Manhattan. Das Viertel wurde früher Hell’s Kitchen genannt, heute sagen die Stadtentwickler lieber Clinton, um die anrüchige Vergangenheit der Gegend vergessen zu machen. Die Westies waren eine irische Gang des organisierten Verbrechens, ihre Blütezeit hatte
Read More Unsere Games-Kolumne von Christopher Werth VR bietet großartige Games, die einen komplett in die Spielwelten eintauchen lassen und die einem die Lust nehmen können, nur „flach“ am Screen zu spielen. Das Gute ist außerdem, dass immer auch der Körper in Bewegung ist und das wir noch ganz am Anfang der Entwicklungskurve stehen. Trotzdem ist jetzt Zeit, eine unbestechliche, ultimative und durch und durch subjektive Top 5 zu präsentieren. Das beste VR-Spiel überhaupt: Half-Life: Alyx Stating the obvious: Etwas zu loben ist eigentlich keine Kunst, wenn es z.B. um Mozart, Picasso
Read More Eine „noch nie da gewesene große Krise der Buchbranche“ – wegen Amazon Wie der Online-Gigant aus Seattle mit einem skandalösen Missbrauch des Remissionsrechts deutsche Verlage an den Rand des Ruins treibt. Und warum der Börsenverein des deutschen Buchhandels sich unbedingt gegen eine Mitgliedschaft von Amazon entscheiden muss. – Von Gerhard Beckmann. Hat irgendein Buchhändler, haben irgendwelche Buchhändlerinnen schon mal den Versuch unternommen, die „Bestseller“ zu zählen, die ihnen die Verlage Saison für Saison anpreisen? Die „Bestseller“ von Autorinnen und Autoren, deren Namen nicht einmal der Wind kennt? Aus irgendwelchen anderen Buchmärkten,
Read More Wie eine Blume, die nur in der Nacht blüht Jonathan Moore und sein San-Francisco-Thriller „Poison Artist“ – von Alf Mayer „Siehst du“, sagte Emmeline. „Du weißt, wie man etwas findet.“„Wie kommst du darauf?“„Du hast mich gefunden.“ Es kann sein, dass Sie am Ende dieses Buch hassen. Den Autor, den Herausgeber, den Verlag. Mich. Es kann sein, dass dieses Buch Sie wie eine Keule trifft. Oder wie ein Peitschenhieb. Dass es auf Sie wirkt wie ein geöffnetes Glas mit verdorbenem Inhalt. Oder wie süßes Gift. Eine Reaktion aber werden Sie haben.
Read More Herzlich wilkommen! Mit dieser Ausgabe entlassen wir Sie in die Sommerpause. Unsere nächste Ausgabe erscheint dann am 1. September. Zuvor aber wollen wir Sie gerne noch mit Lesestoff versorgen. Der hat es in sich. Einen Bürgerkrieg nämlich sieht unser USA-Korrespondent Thomas Adcock heraufziehen: „The Gathering Storm“. Ute Cohen nimmt Moshe Zuckermanns „Die Kunst ist frei?“ zum Anlass, über allerlei aktuelle Gebote und die Freiheit der Kunst nachzudenken. Grenzen ausloten wird sicher auch die Fachtagung „Zur Ästhetik des Kriminalromans“ Ende September/ Anfang Oktober in Unna, über die wir hier vorab informieren. Alf Mayer
Read More Verweigerung gegenüber fremdbestimmten Zwecken Eine Rezension Moshe Zuckermann „Die Kunst ist frei?“ – Von Ute Cohen Ein Pissoir ist ein Pissoir? Marcel Duchamp vergegenwärtigte uns, dass es in der Hand des Künstlers liegt, ein x-beliebiges Objekt in Kunst zu verwandeln. Aber auch dem Betrachter wohnt Macht inne: Er dekodiert und ordnet ein, verwirft das Spiel mit Begriffen oder geht darin auf. Macht aber ist vor Missbrauch nicht gefeit, wie sich an der Debatte um die aktuelle documenta unschwer darlegen lässt. Offensichtliche antisemitische Stereotype wie Juden mit Raffzähnen und SS-Runen wurden von
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