Warum Intoleranz nicht toleriert werden darf Offener Hass, irreale Ängste und dumpfe Ressentiments schwappen einem Momentan auf Schritt und Tritt vor die Füße. Aber was sind das für Leute, die öffentlich und ohne Scheu ihre fiesen Parolen raushauen? Zoë Beck hat sich mit einigen unterhalten. Dass das „rechte Pack” „einfach nur dumm” sei, ist mal eine schöne, einfache Erklärung. Sie greift natürlich nicht nur viel zu kurz, sie impliziert noch so vieles mehr. Die (verharmlosend so genannten) „besorgten Bürger” gehören schließlich nicht zum „rechten Pack”, die (noch sehr viel verharmlosender
Read More Stranguliert von Python John Cleese, Ex-Monty-Python-Mime, „Fawlty Towers“-Hotel- Boss Basil und Drehbuchautor („Ein Fisch namens Wanda“), wagt mit „So, Anyway“ (dt. „Wo war ich nochmal?“) einen Rückblick auf Vergangenes. Interna aus der Monty Python-Periode werden ziemlich konsequent ausgeblendet, die war für ihn nur eine Etappe auf dem Weg zum „Fawlty Towers“- und „Wanda“-Ruhm. Stattdessen leuchtet die Kindheit in der englischen Provinz umso heller auf, und die USA werden für ihn zum Land, in dem große Träume in Erfüllung gehen. Als er sich dem Monty-Circus anschloss, hatte er schon Erfahrungen als
Read More Von first-class Auswanderern und unterprivilegiert Migranten Neulich habe ich eine Mail erhalten, in der mich eine Mitarbeiterin des TV-Producers Infonetwork fragte, ob ich nicht an einer Fernsehreihe über Auswanderer teilnehmen möchte. Die Dame schreibt: „Ich arbeite als Reporterin für verschiedene RTL-Formate und plane derzeit ein paar Beiträge in Mexiko. Nun bin ich auf der Suche nach deutschen Auswanderern, die Lust hätten, mit uns einen Beitrag zu produzieren: uns von ihrem Leben in Mexiko zu erzählen, Vorteile, Nachteile, wie sieht es sicherheitstechnisch aus?“ Was antwortet man auf so etwas? Da für
Read More Posted On September 5, 2015By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Scottish Psycho In den Niederungen der High- und Lowlands geht das Leben einen geruhsamen Gang – zumindest, wenn man den Versprechungen der Tourismusindustrie Glauben schenkt. Die Literatur hat die Werbung jedoch schon längst Lügen gestraft – spätestens seit Irving Welsh mit seinem Erstlingswerk „Trainspotting“ einen unappetitlichen Blick hinter die heile Welt der Schafzüchter und Whiskybrenner geworfen hat. Von Frank Schorneck. Und so weist dann auch der Cover-Hinweis „Der Autor von ‚Trainspotting‘“ auf Welshs über zwanzig Jahre zurückliegenden Debütroman, der nicht zuletzt durch Danny Boyles Verfilmung zu einem Bestseller wurde. Durch
Read More Taxi Driver in Teheran Eine 88 minütige Taxifahrt durch Teheran – zum Preis eines Kinotickets. Christopher Werth ist bei Herrn Panahi eingestiegen. Dieser Film ist eigentlich unmöglich. No budget, no Filmförderung, no Aufnahmeleiter, no Catering. Hauptbestandteil: die unfassbare Chuzpe und Trotzigkeit des Filmemachers. Trotz Arbeitsverbot, gerade abgesessenem Hausarrest und strengster Zensur durch die iranische Regierung erreicht Jafar Panahi die Weltöffentlichkeit. Der Film gewinnt nicht nur den goldenen Bären in Berlin, sondern wird auch noch weltweit begeistert besprochen. Navigationssystem: Kreativität Kreativität findet ihren Weg. Eine Kraft, die umso stärker wirkt, je mehr
Read More Zeitgenössische deutsche Autoren mit einem besonderen Blick Seit Jahren präsentieren die Verlage immer wieder bemerkenswerte Romane von AutorInnen, die aus Einwandererfamilien stammen. Ein weites Feld, auf dem in diesem Herbst eine besonders reiche Ernte einzuholen ist. Von Ulrich Noller Das spiegelt sich auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, der auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vergeben wird: Mit Ilija Trojanow, Feridung Zaimoglu und Alina Bronsky stehen gleich drei SchriftstellerInenn, in deren Biographie Migration eine Rolle spielt, auf der diesjährigen Longlist. Ilija Trojanow, geboren 1965 in Bulgarien, kam als
Read More Posted On September 5, 2015By Bruno Arich-GerzIn Bücher, Litmag
Von Trillaphon und Tralfamadore „Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“: David Foster Wallaces Porträt des Künstlers als junger Depressiver erscheint auf Deutsch. In der Übersetzung des kongenialen Ulrich Blumenbach fundiert das Büchlein die hiesige Rezeption des US-Schriftstellers als pathologischer Fall. Ob das angemessen ist oder nicht, sei mal dahingestellt, meint Bruno Arich-Gerz. Helden sterben jung, heißt es. Stars auch, und oft findet sich eine tragische Note hinter dem Verscheiden: siehe Michael Jackson, siehe Elvis und Kurt, Janis, Jimi und Jim. Im Showbusiness wird dann schnell die zweite Stufe
Read More SCARY! The New York Daily News, fifth largest newspaper in America, devoted its June 17 cover page to Donald Trump’s declaration of presidential candidacy. (True! This page above is not photo-shopped.) NEW YORK CITY, near America How to explain The Donald, as Himself enjoys being called? Donald as in Donald J. Trump, that is—the billionaire boor and failed casino magnate who seeks the Republican Tea Party nomination for president of the United States. This man is many things, none of them attractive: glitzy real estate developer, golfer, impresario of “reality
Read More Zen oder die Kunst einen Berg zu besteigen Jeden Monat präsentiert das LitMag einen spannenden Primärtext. Im September ist es ein Ausschnitt aus Aleks Scholz‘ Reisebericht „Lug, Ton und Kip. Die Erforschung der Wicklows“. Die Wicklow Mountains südlich von Dublin sind kein spektakuläres Gebirge, die Berge sind nicht besonders hoch, und die Landschaft ist nicht besonders attraktiv, auch einen Panoramablick sucht man vergebens. Dazu ist es meistens nass, schlammig, neblig und kalt. Wege gibt es fast keine, Attraktionen sind selten, stattdessen viele Quadratkilometer leeres Land, das man im eigenen Kopf
Read More Posted On September 5, 2015By Ulrich NollerIn Bücher, Litmag
Von Männer und Frauen – Geschichten aus Norddeutschland und der Welt Ulrich Noller wirft einen Blick in aktuelle Bestseller, diesmal in Bücher von Klaus Modick, Ralf Rothmann, Reinhold Messner und Harper Lee. Ein erstaunlicher Erfolgstrend auf dem Buchmarkt: Geschichten aus dem Norden haben im Moment besonders gute Chancen, in den Bestsellerlisten ganz nach oben zu kommen. Dörte Hansens Roman (mehr bei CM hier) hält sich seit Monaten ganz vorne, auch die Bücher von Klaus Modick oder Ralf Rothmann sind unter den Top 20 zu finden. „Konzert ohne Dichter“ heißt Klaus
Read More Ein ehemaliger „Spiegel“-Redakteur enthüllt sein wahres Ich. Wenn dem bis Ende 2014 fest angestellten Literaturkritiker des Spiegel“, Volker Hage (66), daran gelegen war, uns in seinem ersten Roman „Die freie Liebe“, ein Debüt also, einen emotional unterentwickelten Jüngling zu präsentieren, dann ist ihm das grandios gelungen. Von Frank Göhre. Es ist sein Alter Ego. Er nennt ihn Wolfgang („Wolf“) Wegener und schickt ihn von Lübeck in das München des Jahres 1971: „Ich habe zum Glück das Fischer-Taschenbuch mit Thomas Manns Novelle dabei.“ („Tonio Kröger“, die Unvereinbarkeit von Künstlertum und bürgerlichem
Read More Die Großen und die Kleinen Das Monumentalwerk aus dem Verlag Taschen über „Die besten TV-Serien“ (Besprechung in dieser CM-Ausgabe) sollte den Blick nicht darauf verstellen, dass es in überwiegender Mehrzahl die kleinen Verlage sind, die in Sachen Film- und Fernsehliteratur am Ball sind und ein immer weiter schrumpfendes – aber zweifelsfrei für den kulturellen Diskurs wichtiges – Marktsegment am Leben halten. Alf Mayer hat einiges an Literaturhinweisen zusammengestellt, eine Umfrage ausgewertet und natürlich zwischendrin TV-Serien geschaut. Im Zeitalter der flüchtigen Inhalte, sei es im Kino, wo die „Auswertungsfenster“ nur noch
Read More Posted On September 5, 2015By Die RedaktionIn Bücher, Litmag
Kurzrezensionen – diesmal mit Haiku Rezension von Friederike Moldenhauer zu Scott Hutchins, Vickor Pelewin und Matthias Politycki und Besprechungen von Julia Wolf („Alles ist jetzt“), Brooke Davis („Noch so eine Tatsache über die Welt“), Èdouard Louis („Das Ende von Eddy“) , Joachim Lottmann („Happy End“), Clemens J. Setz („Glücklich wie Blei im Getreide“) und Haruki Murakami („Wenn der Wind singt“ / „Pinball 1973“) – geschrieben von Karsten Herrmann (KH), Frank Schorneck (FS) Bernd Jooß (BJ) und Ulrich Noller (UN). (FM) Haiku Rezension Liebestheorie künstliche Intelligenz sehr schöner Roman Scott Hutchins:
Read More Auf Empfang aus aller Welt „Weltempfänger“ heißt die Litprom-Bestenliste zur Literaturübersetzung, die vier Mal im Jahr herausragende literarische Stimmen, die im deutschsprachigen Raum noch zu entdecken sind, vorstellt. Eine neunköpfige Jury aus Literaturkritikern, Schriftstellern und Kulturjournalisten nominiert sieben Titel unter allen Neuerscheinungen der ins Deutsche übersetzten Belletristik aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Arabischen Welt und stellt ihre Auswahl mit Kurztexten vor. Wir freuen uns sehr, diese außergewöhnliche Liste, die echte literarische Entdeckungen bereithält, regelmäßig im CulturMag präsentieren zu dürfen. In der Herbstausgabe schafften es drei Romane, zwei Erzähl- und
Read More Aufschreiben, was einen anweht – Wer einen Roman „Ein ganzes Leben“ nennt und dann nur 160 Seiten braucht, um dasselbe Leben zu beschreiben, ist ein Meister der Sprache und Verknappung. Er schreibe im Grunde nur die Bilder so genau wie möglich auf, die ihn anwehen, sagt Robert Seethaler. Die Form interessiere ihn nicht. Und was für Bilder! Eine schroffe Bergwelt, wortkarge und hart arbeitende Menschen, Naturkatastrophen, Kriege, Seilbahnen und Sprengdynamit. Der Leser wird viele Szenen aus dem Leben des Andreas Eggers, dem Helden des Romans, nicht vergessen. Britta Behrendt traf
Read More Purzelkraut 1 bild /100 worte Where the tumbleweed tumble where the rumblefish rumble, oh there, oh there is my home… und keiner da außer uns Nerds. Spyware beware: We are Legion! Durch die Schneckenspindel rannte ich, die Paukentreppe hoch kletterte ich und sprang kopfüber in Oliver Sacks’ Hirn… Matschparade. Ernsthaft jetzt, und gleich mal an alle: Die postkoloniale Gedenkminute, dieses unsanfte Ruhekissen, wird die Angst nicht vertreiben (aber mit wem red ich da). – Es ist soweit, meine alte Freundin lispelt wieder. Ich dagegen: Sumatra, Sumatra, alle Vögel sind schon
Read More Posted On September 5, 2015By Carl Wilhelm MackeIn Litmag, Lyrik
Über die Bezeichnung Emigranten
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne: Michael Zellers SEH-REISE! Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischte er eine Karte heraus und hing sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen blieb. Was darauf zu sehen war, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelte, darüber berichtete Michael Zeller wöchentlich in CULTurMAG. Dies ist die letzte Ausfahrt der Seh-Reise: „Alter Friedhof vor der Werft” von Franz Radziwill. Endstation Die SEH-REISE ist an ihrem
Read More Das Leben der „liberalen Scheißer“ – Zoë Beck über Annemarie Webers 1969 erschienenen und nun neu aufgelegten Roman „Roter Winter“. West-Berlin, Ende der 1960er Jahre. Frau Abelssen verwaltet Wohnungen, ihr Mann wirbt für modische Stoffe. Man wohnt in einem guten Viertel, geht zu schicken Empfängen, und doch passt man nicht so recht in diese Gesellschaft, oder will es einfach nicht. Frau Abelssen hat zwei Söhne, die ihre Väter nicht kennen, und ihr Verlangen nach immer neuen männlichen Bekanntschaften hat sich trotz der Ehe mit Herrn Abelssen, den sie innig liebt,
Read More Befreiungsfatwa – Von Wolfram Schütte. Carolin Emcke meinte kürzlich in ihrer samstäglichen SZ-Kolumne: „Es wird Zeit, Edward Snowden nicht länger anzuklagen, sondern ihn zurückzuholen in eine Gemeinschaft, ob in Amerika oder Europa, die ihn für die Diskussion über ihre Rechte und Werte immer noch braucht“. Die deutsche Publizistin ist beileibe nicht die einzige auf der Welt, die den US-Whistleblower zwar aus dem befristeten Exil in Putins Rußland befreit, aber auch nicht in den Fängen der US-Behörden sehen möchte. So grotesk ist die einst bipolar gewesene Welt im Augenblicks, dass alle,
Read More Aus der Welt gefallen – Mit „Nördlich der Mondberge“ legt die unter einem Pseudonym schreibende und in Suffolk geborene Engländerin I.J. Kay ein ziemlich „verrücktes“ Debüt vor. Von Karsten Herrmann Aus dem Spektrum des Herkömmlichen herausgerückt ist hier die die Wahrnehmung der Protagonistin und ihre Sprache, zeitlich versetzt ist die Chronologie der Ereignisse und durcheinandergerückt ist schließlich auch die Form des Romans. I. J. Kays Ich-Erzählerin, die mal unter dem Namen Lulu und mal unter dem Namen Catherine firmiert, kommt nach zehn Jahren aus dem Gefängnis. In einer Bruchbude, in
Read More Planlos durchs Weltall – Der Roman „Astronauten“ von Sandra Gugic offenbart die Vakua unseres Seins – verstörend, beunruhigend und dennoch sehr poetisch. Von Andreas Pittler Wir leben im Zeitalter des „Post“ (nicht „der Post“ wohlgemerkt): Postmoderne, Postavantgarde, Postdemokratie, alles ist irgendwie vorbei. Wer im Heute aufwächst, der hat keine Grenzen, aber auch keine Orientierungspunkte mehr. Praktisch nichts ist verboten, aber auch kaum etwas hat noch Wert. Mehr denn je sind wir alle ins Nichts unserer Existenz geschleudert und müssen uns in einer Gesellschaft zurecht finden, die alle ihre Werte über
Read More Partizipation in der Literaturproduktion – Partizipation und Literatur – schließen sich diese beiden Begriffe nicht aus? Sind das Schreiben und das Lesen von Büchern nicht notwendigerweise einsame Vorgänge? Oder geht es auch anders? Hanna Hesse betrachtet ein paar Beispiele für partizipatorische Literaturproduktion. Der Autor schreibt, der Kritiker empfiehlt oder verreißt, der Leser rezipiert. Ein gut und gern zwei Jahrhunderte alter Dreischritt, der heute nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. Auch im 21. Jahrhundert besetzen viele Poeten in Spitzwegscher Manier ihre abgeschiedenen Dachstuben, um Gedanken zu Papier zu bringen, selbst wenn
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche. Jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die nächste Fuhre. Diesmal dabei: ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob es mir auffallen würde, wenn jeden tag derselbe artikel über griechenland erscheinen würde. — katjaberlin (@katjaberlin) June 17, 2015 ich kann überhaupt nicht genug bekommen von themen! themen sind einfach super awesome! — horst, hund & brodt (@horsthundbrodt) June 18, 2015 Diese Sendung über Magellan sehe ich jetzt zum drittenmal. Jedesmal stirbt er. Der
Read More In Sicherheit 1 bild / 100 worte Wir haben sie im Blick (sagt die NASA), wir werden dafür bezahlt, sie im Blick zu haben, und unser Watch-Budget wurde gerade erhöht. Keine Angst vor Asteroiden. NEOs können uns nichts anhaben! Jedenfalls vorläufig. Oder wäre es richtiger zu sagen: NEOs (near-Earth objects) wollen uns nichts anhaben? Wer immer Billard spielt dort oben mit den Sternen und Planeten, interessiert sich für andere Kugeln mehr als für uns. Die Erfinder des „Asteroid Day“ sehen das zwar anders, aber da der „Day“ weder Schul- noch
Read More MÜTTER SINGEN EIN SCHLAFLIED Nach dem Völkermord von Ruanda (1994) Mütter singen ein Schlaflied Wenn Dunkelheit über die Bäume fällt Und die Schatten verschwinden Die sinnlichen Stimmen säuseln und wispern Über Gebüsch und hohem Gras Das Berge von geköpften Toten verbirgt Und das Aufblitzen der Macheten Beim Aufschlitzen quiekender Kehlen. In diesen trostlosen Lagern Halten Mütter fest an der Melodie des Lebens Fangen den wehmütigen Wind ein Dass er Mut in die Seelen von Kindern singt Die noch nie am Morgen Eine Schale Porridge hatten Oder das Zirpen von Grillen
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