EINLEITUNG DER REDAKTION: Es gibt Reden, die klug sind, passend zum Anlass, eloquent und witzig, und eine halbe Stunde später hat man sie vergessen. Und dann gibt es Reden, die fallen einem ein halbes Jahr später noch ein. Eine solche Rede hielt der Autor, TV-Regisseur und Comic-Journalist Thomas von Steinaecker im Mai dieses Jahres anlässlich der Verleihung des ersten Comicbuchpreises der Berthold Leibinger Stiftung an die Künstlerin Birgit Weyhe. Sie erzählt von Kunst und Zeit, von Comic-Künstlern und Fördertöpfen und von einem Medium, das gemessen an seinem monetären Ertrag eigentlich
Read More Kurzrezensionen – diesmal mit Besprechungen von Adelle Waldman („Das Liebesleben des Nathaniel P.“), Daniel Schreiber („Nüchtern. Über das Trinken und das Glück“), James Tiptree Jr. („Sämtliche Erzählungen in 7 Bänden“), Helga Maria Wolf („Verschwundene Bräuche“), Adam Thirlwell („Grell & süß“), P H Gruner („Zikaden mit Zahnrad. Glossen“), Dave Eggers („Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?“), Fulvio Pelli, Béatrice Acklin, Yann Grandjean (Hg.) („Was heisst denn heute liberal? Liberale Antworten auf Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“) und Ianina Ilitcheva („183 Tage“) – geschrieben von Karsten Herrmann (KH), Zoë Beck (ZB),
Read More Posted On Oktober 3, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Im ewigen Kreislauf des Kapitals Ulrich Peltzer gehört zu jenen avancierten deutschen Autoren, welche unserer komplexen Hochgeschwindigkeitsgegenwart mit ihren mannigfachen Verwerfungen an Orten wie in Berlin („Teil der Lösung“) oder New York („Bryant Park“) nachspüren und literarisch zu durchdringen versuchen. In „Das bessere Leben“ widmet er sich dem Raubtierkapitalismus, der an keine Orte mehr gebunden ist, sondern sich in globalen Netzwerken austobt. Eine der Hauptrollen in einem größeren und nur locker verbundenen Figurenensemble besetzt in diesem Roman der bisher sehr erfolgreiche, nun jedoch kurz vor dem Absturz stehende Sales-Manager Jochen
Read More Faszinierendes, dramatisiertes Zeitdokument Der vielseitige Roman „Frauenkaserne“ der französischen Autorin Tereska Torrès (1920-2012) gilt manchen als erster lesbischer Pulp-Roman, ist aber ebenso eine ernste, autobiographisch gefärbte Schilderung der Erlebnisse der Autorin während des zweiten Weltkriegs. Inka Marter, die die gerade im Louisoder Verlag erschienene Neuübersetzung besorgt hat, schreibt in LitMag über die interessante Entstehungs- und Editionsgeschichte des über vier Millionen Mal verkauften und in 14 Sprachen übersetzten Buches. In „Frauenkaserne“ wird erzählt, wie die junge Tereska während der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg nach England flieht und sich in London
Read More Unausgegoren Anna Veronica Wutschel über Megan Griffiths‘ Film „Lucky Them“. Was lange währt, wird endlich gut, sagt man und setzt damit optimistisch auf das Prinzip Hoffnung. Das kann ein guter Rat sein, muss es aber nicht. An „Lucky Them – Auf der Suche nach Matthew Smith“ wurde bis zur Veröffentlichung 10 Jahre rumgewerkelt, und auch wenn wir die Erstfassung nicht kennen, scheint hier vielmehr die Redensart „Viele Köche verderben den Brei“ zu greifen. Nun, von dem Script zumindest war Paul Newman begeistert, er sah viel Potential darin und überlegte, den
Read More Nichts wie rein und wieder raus aus dem Grünen Immer kann sich ja ein Autor in seinen Geschichten nicht an den Rändern bewegen und von Verlieren schreiben. So macht der österreichische Schriftsteller Bernhard Strobel in seinem seit 2007 – da war er gerade Mitte zwanzig – nunmehr dritten Erzählungsband einen Schwenk ins bürgerliche Milieu mit Haus im Grünen. Ob es da besser zugeht? Von Senta Wagner Tatsächlich strebt die Mehrheit der Österreicher nach einem Eigenheim mit Garten fern der Stadt, aber nicht zu fern – Albtraum jeder seriösen Landschaftsarchitektur. Die
Read More Die Geschichten der Geflüchteten In ihrem Roman „Gehen, ging, gegangen“ lässt Jenny Erpenbeck einen emeritierten Professor in Berlin auf Flüchtlinge aus Afrika treffen – und nutzt diese Gelegenheit, um deren Geschichten zu erzählen. Von Ulrich Noller Richard war Altphilologe, ein anerkannter Experte für die Sprachen des antiken Rom und Athen also – zunächst in der DDR, später als Beamter der BRD. Er wurde vor nicht allzu langer Zeit in den Ruhestand verabschiedet, seine Frau ist schon gestorben, die junge Geliebte längst aus seinem Leben verschwunden. Kinder hat er nicht, dafür
Read More Posted On Oktober 3, 2015By Andreas PittlerIn Bücher, Litmag
Zwiespältig Dana Grigorcea: „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ überzeugt den gesamten Literaturbetrieb. Doch warum eigentlich? Von Andreas Pittler Zugegeben, der Plot des Romans hat etwas. Victoria, Rumänin von Geburt, aber seit langem schon im Westen lebend, arbeitet in einer Bank. Just die wird überfallen. Um dieses traumatische Erlebnis verarbeiten zu können, wird Victoria beurlaubt und nutzt die Gelegenheit, sich im (einstmals) heimatlichen Bukarest auf Spurensuche zu begeben. Dabei erkundet sie nicht nur die Szenerie ihrer Kindheit, sondern observiert auch die Stadt, wie sie sich heute präsentiert, wobei sie einzelnen Protagonisten
Read More Posted On Oktober 3, 2015By Frank SchorneckIn Bücher, Litmag
Vom unbedingten Wollen Das Motiv des Verschwindens ist kein neues in der Literatur und gerade in den letzten Jahren scheint es gerade jüngere Autorinnen und Autoren wieder verstärkt zu reizen. So beschreibt etwa Hannes Köhler in seinem Roman „In Spuren“, wie ein junger Mann langsam die Identität seines verschwundenen Freundes annimmt; Thomas Weiss lässt in „Flüchtige Bekannte“ einen Journalisten auf der Fährte einer verschwundenen Frau selbst verloren gehen. Katharina Hartwells neuer Roman hingegen beginnt damit, dass ein über lange Jahre vermisster Mann plötzlich wieder auftaucht. Von Frank Schorneck. In Prag,
Read More Ein Nachkriegsleben Was wir schon immer – oder noch nie – über unsere Mitmenschen wissen wollten, das erfahren hauptberufliche Entrümpler wie Billy Hutter tagtäglich. Einer dieser Menschen, deren Leben er fortrümpeln sollte, ließ ihn über Jahrzehnte nicht mehr los. Also schrieb er ein Buch über ihn. Zoë Beck hat es gelesen. Karlheinz ist eher der unauffällige Typ. Als Kind hat er schon keine Freunde, als Student führt er diese Tradition fort, und auch als Laborarbeiter pflegt er keinerlei privaten Kontakt zu den Kollegen. Die wichtigsten Bezugspersonen sind seine Eltern, bei
Read More Paradoxe und poetische Geschichten über Liebe und Verlassenheit Auch in ihren neuen Erzählungen ist A. L. Kennedy ebenso sehr Skeptikerin wie Verfechterin der Liebe. Mehrfach schlüpft sie dabei in die männliche Perspektive. Von Carola Ebeling. Es gibt bei A. L. Kennedy zahlreiche Gründe, skeptisch auf die Liebe zu blicken: weil die Dauer einer Beziehung die ursprünglichen Gefühle füreinander zu gängelnden Gewohnheiten verkommen lässt; weil zu lieben für viele heißt zu besitzen; weil sich in die Sexualität oft Macht und auch Gewalt drängen. Auch in den zwölf neuen Erzählungen der 49jährigen
Read More Posted On Oktober 3, 2015By Andreas PittlerIn Bücher, Litmag
Die Herrschaft der Null Der große alte Mann der europäischen Kultur, Umberto Eco, rechnet mit dem Werteverfall unseres (Medien-)Systems ab – wie immer mit viel Witz, Charme und Weisheit, und vor allem mit ebenso leichtfüßiger wie wohl gesetzter Prosa. Von Andreas Pittler Ein Schmalspurjournalist, der sich mit Ghost-Writing, Übersetzungen und gelegentlichen Artikelchen über Wasser halten musste, sieht plötzlich die Chance seines Lebens gekommen. Ein geheimnisvoller Milliardär (ein Schelm, der dahinter nicht einen gewissen Silvio B. erkennt) plant die Herausgabe einer Zeitung namens „Domani“ (Morgen). Mit einer Handvoll weiterer Zeilenschinder, allesamt
Read More Kanada, das ist Wintersport und Ahornsirup. Das ist vor allem aber auch Literatur, sagt unsere neue Kollegin Bärbel Reinke. Sie wohnt seit Jahrzehnten in Québec und lädt uns alle ganz herzlich zu einem Rundgang durch die Literaturstadt ein. Wer einmal das übliche und lohnenswerte Touristenprogramm durchgezogen hat, d.h. das Château Frontenac gesehen hat, durch die Altstadt, sowohl die Haute- als auch die Basse-Ville, gebummelt ist, bei den Wasserfällen, den Chutes Montmorency östlich von Québec und den Chutes de la Chaudière auf der Südseite des St-Lorenz-Stroms, gleich hinter den Brücken, kanadische Natur schnuppern
Read More Ein verrauchtes indonesisches »Buddenbrooks« Jeden Monat präsentiert das LitMag einen interessanten Primärtext. Im Oktober ist es ein Ausschnitt aus dem Roman »Das Zigarettenmädchen« der indonesischen Autorin Ratih Kumala. Indonesien ist das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2015. Jeng Yah – diesen Namen flüstert der Zigarettenbaron Pak Raja immer wieder, als er im Sterben liegt. Er möchte sie noch einmal sehen, bevor er stirbt. Seine drei Söhne wollen dem letzten Wunsch ihres Vaters entsprechen. Was aber hat es mit dieser Frau auf sich, über die ihre Mutter vor Wut und Eifersucht nicht
Read More Posted On Oktober 3, 2015By Brigitte HelblingIn Bücher, Litmag
Passt in jede Manteltasche „Lieblingsorte Hamburg“ drücke ich neuerdings all meinen Hamburg-Besuchern in die Hand; und auch gerne Menschen, die schon seit Jahren hier wohnen. Zu entdecken gibt es darin vieles: Den „Nachtmichel“ zum Beispiel (warum bin ich bisher nicht auf die Idee gekommen, nachts auf den Michel zu steigen und den Turmbläser zu hören?). Den besten Backfisch der Stadt, der, jawohl, in Veddel mitten auf einem Parkplatz zu finden ist. Ein Kinovorhang aus Bonbon-Papier. Oder schlicht die Antwort auf die Frage, was die Beatles mit dem „Bambi Kino“verbindet. Die
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets des Monats rund um das Thema Kultur. Hier ist die nächste Fuhre. Diesmal dabei: „Ist ihr Buch autobio…“ „Autoaggressiv.“ „Was inspiriert…“ „Ihre Mutter.“ „Können sie davon…“ „Ich lebe.“ „Danke für…“ „Nein.“ — Jürg Halter (@halterjuerg) September 6, 2015 50 Shades of Kartoffelsalat – mein Romanzyklus über eine Berliner Imbissbude. Zum Erfolg verdammt. — Stecke Indiana fest (@rall0r) September 9, 2015 stimmen sie noch ihre instrumente oder ist das schon schönberg? — katjaberlin (@katjaberlin) September 13, 2015 Ich bringe ein
Read More Das vierteljährliche Preisrätsel – finden Sie das Lösungswort im Krypti©oer und gewinnen Sie einen Buchpreis!
Read More rafael alberti und sein blaues vaterland plötzlich taucht er auf den ramblas auf mit weißen mähne und seinem festen schritt mit dem eiligen wind in seinem gefolge in den händen zwei gedichte jemand spricht von seiner partei alberti hält sich fest an seinen gedichten und gebietet ihm zu folgen vorbei an vogelhändlern und ihren unzeitgemäßen hähnen bis er am meer steht hier hört er den bewegten wellen zu die sich vor ihm neigen dann nickt er und lächelt er habe kein verhältnis zur der zeit er sei nur für eine
Read More Die gemeine Spargel 1 bild / 100 worte Die gemeine Spargel reproduziert sich ungefähr so, wie in der Bildfolge dargestellt. Aufrecht steht ihr Stängel im Wind, reckt sich den Sternen entgegen, umweht von Staubfäden.; was die bei der Vermehrung ausrichten, weiß der Henker. – Wissen Biologen, pfffft – GOOGLE IT! Hundsgemein ist sie, die gemeine Spargel. Hat ihre Eltern kaltblütig ins Heim gesteckt, den Nachbarn beim Finanzamt verpfiffen und sprach stets abfällig über Tomatenblütler. Natürlich träumt sie davon, mit den Leoniden auszuschwärmen, das hat sie im Geblüt, oder vielmehr in
Read More Carlo Schäfer ist tot. Das ist unfassbar traurig, schrecklich, eine Katastrophe für seine Familie, seine Freunde und alle, die mit ihm zu tun hatten. Es ist auch eine Katastrophe für die Literatur. Carlo Schäfer wurde mit seinen im besten Sinne schrägen Kriminalromanen aus dem Delta – der Gegend, wo Rhein und Neckar zusammenfließen – bekannt, die, obwohl in der Region basiert, alles andere als Regio-Krimis (was hat er diesen Begriff gehasst) waren. Wie gemein „Regio“ sein kann, hat er mit seinem grandiosen Kurz-Krimi „Kinder und Wölfe“ gezeigt. Daneben war er
Read More Mit ihrer monumentalen Doug Aitken-Schau ist der Schirn ein Sommer-Hit im besten Sinne gelungen, der voll auf das Format Art Rave setzt. Noch bis Ende September lässt sich Aitkens Feelgood in den Herbst verlängern. Von Kerstin Schoof
Read More Posted On September 5, 2015By Die RedaktionIn Litmag
Liebe Leserinnen und Leser, die Sommerpause ist endlich vorbei, es gibt neue Ausgaben der einzelnen Mags – und es hat sich Einiges getan. CrimeMag und LitMag werden in Zukunft monatlich erscheinen, das MusikMag in einem 14tägigen-Rhythmus. Doch auch zwischen den großen Ausgaben wird es immer mal wieder aktuelle Texte und Rezensionen aus allen Bereichen geben – es lohnt sich also, immer mal wieder vorbeizuschauen. Außerdem basteln wir an einer neuen Optik, ein bisschen als eine Art Work in Progress, bitte sehen Sie in den nächsten Tagen großzügig über die Baustelle
Read More Der posthum erschienene Band „Das Gegenteil von Einsamkeit“ von Marina Keegan zeigt eine junge, sehr begabte Autorin, deren weitere Entwicklung man gerne verfolgt hätte. Von Carola Ebeling
Read More Posted On September 5, 2015By Karsten HerrmannIn Bücher, Litmag
Stefano D’Arrigos 1975 erschienenes Mammutwerk „Horcynus Orca“ gilt als einer der letzten großen unentdeckten Romane der Moderne.
Read More Familienbande Ein Familienalbum, ein Wiedersehen mit vielen Bekannten, das ist Jürgen Müllers „Die besten TV-Serien“ schon auf den ersten Blick. Aber das Querformat mit den Maßen der in jeder Hinsicht schwergewichtigen Monographien aus dem Hause Taschen über Kubrick, Bergman und aktuell Chaplin leistet mehr. Es ist ein vier Kilo schwerer Beweis, wie weit TV-Serien es an kulturellem Prestige mittlerweile gebracht haben. Kaum ein Filmfestival mag inzwischen mehr auf sie verzichten, nicht überall wird darauf so klug rekurriert wie in Braunschweig (2. – 8. Nov. 2015, mehr hier) wo die erste
Read More Posted On September 5, 2015By Gisela TrahmsIn Bücher, Litmag
Andreas und Katja und das Ganze Wahre Der Ort, an dem ich den Autor Andreas Maier kennen lernte, ist die Wiener Literaturzeitung „VOLLTEXT“, die Zeit ist „Neulich“, denn so heißt Maiers Kolumne. Sie gefiel mir so gut, dass ich die Zeitung sofort abonnierte, das war 2011. In den Jahren zuvor hatte er wohl auch oft von seinem Onkel J. erzählt, weshalb der Kolumnensammelband, 2010 bei Suhrkamp erschienen, „Onkel J.“ heißt und zusätzlich noch „Heimatkunde“. Die Heimat ist die Wetterau, eine Gegend, die außerhalb der Wetterau niemand kennt. Von Gisela Trahms.
Read More