Entspannt, verwirrt, beflügelt und entschleunigt auf dem Yeats-Trail – Er wird als irischer Nationaldichter und Gründer des Abbey Theatre verehrt, der sich in seinen Dramen und Gedichten für die Wiederbelebung des gälischen Kulturerbes einsetzte. Der 150. Geburtstag des Nobelpreisträgers (von 1923) William Butler Yeats (1865-1939) am 13. Juni wird in Irland, England, Japan und den USA mit Lesungen, Seminaren, Ausstellungen und Diskussionen gefeiert – Impressionen aus dem Yeats Country von Peter Münder. Nein, wir sind hier nicht in Bullerbü, auch wenn das romantische, im irischen Nordwesten liegende Küsten-Städtchen Sligo mit
Read More Drastische Zeiten verlangen drastische Metaphern – Die weltweiten Flüchtlingskatastrophen erinnern Christopher Werth an eine Splatter-Parabel aus dem Jahr 2005. Am 13.6.2015 hat das türkische Militär in der Grenzstadt Tal Abyad gemeinsam mit Kämpfern des Islamischen Staats vergeblich versucht, anrückende Flüchtlinge aus Syrien abzuwehren. Bilder von verzweifelten Menschmassen, die Stacheldrahtzäune eindrücken, gingen um die Welt. Zur kollektiven Wahrnehmung solcher Bilder bietet der Regisseur George A. Romero in seinem Film “Land of the Dead” eine Parabel. Er ist der Godfather of Zombies. Er hat das Genre im Alleingang erfunden, freigelassen und auf
Read More Kunst, ohne Museum Von Alf Mayer In einer gerechten Welt würde es Preise regnen auf dieses Buch, würde es weithin besprochen, zusätzlich in Galerien und Museen zum Verkauf angeboten, hätten alleine die Stadt Kassel und die ihr zugehörende Gesellschaft einige tausend Exemplare abgenommen, könnten die beiden Autoren mit dem Lohn ihrer gewaltigen Arbeit ein paar Monate ihre Miete finanzieren. In einer gerechten Welt wäre dieses Buch ein Ereignis. Aber es geht in ihm um Kunst. Da sind die Maßstäbe noch extremer außer Kraft, da läuft die Ökonomie des Geldes erst
Read More Ein Klassiker, ein Überraschungserfolg und eine Empfehlung – „Butcher’s Crossing“ – ein neu zu entdeckender Roman des Amerikaners John Williams, der mit „Stoner“ den Überraschungserfolg der letzten Jahre gelandet hat. Ein Bestseller aus Norddeutschland, Dörte Hansens „Altes Land“. Und eine Empfehlung, Nino Vetris „Mamas wunderbares Herz“. Von Ulrich Noller. Butcher‘s Crossing Einer der erstaunlichsten Besteller der letzten Jahren stammt von John Williams, dessen Campus-Roman „Stoner“ posthum zum Weltbesteller wurde. Jetzt gibt es einen zweiten Roman dieses Autors, der von 1922 bis 1994 lebte, und der erstmals auf Deutsch zu lesen
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne: Michael Zellers SEH-REISE! Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus und hängt sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen bleibt. Was darauf zu sehen ist, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelt, darüber berichtet Michael Zeller wöchentlich in CULTurMAG. Heute: „Der englische Gruß” von Veit Stoß. Dreihundert Jahre im Sack Um 1500 erfasst den europäischen Menschen eine Erschütterung, deren Ausmaß
Read More Annes CULTurTWEET-Sammlung – Anne Schüßler sammelt für uns die schönsten Tweets der Woche. Jeden Tag einen, rund um das Thema Kultur. Hier ist die nächste Fuhre. Diesmal dabei: "Das Internet geht nicht!" "Dann müssen wir uns wohl unterhalten."
Gelächter. Der Fernseher geht an. — 3x3ist6 (@3x3ist6) June 10, 2015 Wenn man sich „passieren“ mal genau anschaut, kann man sehen, dass es vorüber geht. — Elisabeth Rank (@kumullus) June 11, 2015 Huch, die eine Serie* ist ja fast genau so blutig wie die andere Serie**!
*die ich nicht spoilern will
**die ich nicht
Read More Mein Haus Staunen nach all der Zeit über eine Liebe. Hatte ich sie nicht verstreut in die Welt? Übersetzung: Hanno Helbling Casa mia Sorpresa dopo tanto d’un amore Credevo di averlo sparpagliato per il mondo. Um Giuseppe Ungaretti (1888 – 1970) vorzustellen, müsste man andere Gedichte auswählen als das aus der Frühzeit seines Werkes stammende „Casa mia“. Schließlich gehört Ungaretti zu den ganz großen ‚epochalen‘ Poeten Italiens im XX. Jahrhundert. Und auch für die europäische Poesie waren seine Gedichte jahrzehntelang mit ihren meisterhaften Verknüpfungen von Biographie und Philosophie, von
Read More As we know from the mountain range of sociological studies on the topic, men have a hard time making friends with their fellow men. This is especially true for white, heterosexual men; doubly true for shamrocks like myself, warned since our days in short pants to beware of the Dread Emotional Talk. Counsel thus given to a nascent borstal boy: No girly talk for thee, Tommy-boyo. None of that missy-missy, passion-soaked palaver. No siree! You must keep the chatter he-man, laddy-buck. Football and motorcars and power tools—that’s the stuff. Unless
Read More Das ungemachte Bett des Lebens –Tex Rubinowitz ist ein rühriger Zeichner, Maler, Schauspieler, Herausgeber, Kurator, Reisejournalist und schließlich auch Romanautor, der 2014 mit dem „Bachmann“-Preis ausgezeichnet wurde. In „Irma“ lässt das 1961 als Dirk Wesenberg geborene Multitalent auf höchst originelle Weise ein Leben Revue passieren. Ohne Zweifel steckt in diesem Buch eine ganz gehörige Portion Autobiografisches, aber die eigentliche Frage ist, ob es dabei eher darum geht, „richtiges Leben falsch zu erzählen … oder ein falsches Leben richtig“. Von Karsten Herrmann Der Ich-Erzähler alias Dirk Wesenberg alias Tex Rubinowitz steigt
Read More Zur Stelle gewesen Von Wolfram Schütte Das letzte Mal sah ich Gerhard Zwerenz (& sein Frau Ingrid) vor ein paar Jahren am Ausgang des Schwimmbads von Königstein i. T. Königstein liegt am Hang unterhalb des Großen Feldbergs, der höchsten Erhebung des Taunus. Hinter dem Feldberg in Oberreifenberg, auf ca. 800 Metern Höhe & im Winter häufig im Schnee, wohnen die beiden seit Jahrzehnten in ihrem eigenen Haus, das sich der Autor mit seinen Büchern redlich verdient hat. Der in Sachsen geborene Autor ist zwar nie in die „Bundesliga“ der deutschsprachigen
Read More Endlich: der einfachste Weg zur Traumfigur (Finden Sie am Ende des Artikels) Nach Christina Mohr (hier) nun Christopher Werth mit seiner Sicht auf das Buch. Unter uns, mal ganz ehrlich: Haben Sie schon Ihre Bikinifigur? Oder sind Sie noch auf der Suche nach dem perfekten Yogakurs und der optimalen Diät? Und wenn wir schon mal dabei sind: Wie gut machen Sie sich eigentlich bei Tinder oder Grindr? Oder: wenn Sie da (noch) nicht angemeldet sind, sind Sie dafür überhaupt heiß und begehrenswert genug? Haben Sie manchmal auch einfach Panik, weil
Read More Literarisches Denkmal – Einer muss sterben, ein anderer darf dafür überleben. Die unabwendbare Dramatik der Organspende. Eine im Grunde einfache Geschichte – die doch von höchster Komplexität ist. Davon erzählt Maylis de Kerangal in ihrem Roman „Die Lebenden reparieren“ auf grandiose Weise. Von Ulrich Noller Man wähnt sich erstmal in einem Surferroman – beinahe: Drei Jungs machen sich frühmorgens auf den Weg, sie wollen in der Morgendämmerung an der Mündung der Seine in der Nähe von Le Havre ein paar perfekte Wellen abpassen. Das klappt auch; es hat sich gelohnt,
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne: Michael Zellers SEH-REISE! Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus und hängt sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen bleibt. Was darauf zu sehen ist, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelt, darüber berichtet Michael Zeller wöchentlich in CULTurMAG. Heute: „Äpfel und Orangen” von Paul Cézanne. An Apple a Day Keeps the Doctor Away Mit diesem Berg von Äpfeln und
Read More Sa-samba 1 bild / 100 worte Sa-samba steht der Mond am Himmel, so holl-voll, stroll-moll, und gestern Nacht hat Markus kein Auge zugetan. Hat er gesagt. Sagte er so so, aber heute strebt er der Strebsame strebsam weiter auf der Straße der Erwerbsmoral, moralisch zu erwerben Moneten für Bier, heyo (spann den Wagen an). Hu. Ha, das Wassermannzeitalter! besungen im Musical Haar, a.k.a. Haare. Der Muhuhuhun ist im siebten Haus, flöteten wir Schulkinder einst, ohne den blassesten, welchen Unsinn wir da von uns gaben, denn: „Der Mond ist jeden Tag
Read More Rede vom Gedicht Das Gedicht ist nicht der Ort, wo die Schönheit gepflegt wird. Hier ist die Rede vom Salz, das brennt in den Wunden. Hier ist die Rede vom Tod, von vergifteten Sprachen. Von Vaterländern, die eisernen Schuhen gleichen. Das Gedicht ist nicht der Ort, wo die Wahrheit verziert wird. Hier ist die Rede vom Blut, das fließt aus den Wunden. Vom Elend, vom Elend, vom Elend des Traums. Von Verwüstung und Auswurf, von klapprigen Utopien. Das Gedicht ist nicht der Ort, wo der Schmerz verheilt wird. Hier ist
Read More (Tintin-kariert) 1 bild / 100 worte <Wer weiß? Vielleicht sind Supernova ja die Reinigungskräfte des Universums.> – <Der Schattentanz über der Karibik warf 1919 ein erhellendes Licht auf die Gesetze der Physik!> – <Neues von der schrecklich-seltsamen Familie riesiger Exo-Planeten.> …und draußen vor dem Fenster, schießt sie zum Mond, sind städtische Landschaftsarbeiter mit insistenten Maschinen an der Natur zugange, oder vielleicht ist es auch der Nachbar, der den Bürgersteig mit seiner neuen gelben Kreissäge aufspitzen will, oder der schüchterne Junge von Gegenüber, dessen rot-weiße (Tintin-karierte) Rakete, als Schulprojekt über den
Read More Hinter der Linie, vor dem 34. Spieltag – Eine Fußballkolumne von Mara Braun. Kaum zu glauben, aber mit diesem Wochenende geht auch die aktuelle Bundesligaserie zu Ende. Lediglich die Vereine, bei denen erst die beiden Relegationsspiele darüber entscheiden, in welcher Liga sie kommende Saison spielen werden, müssen dann noch nachsitzen. Wer das sein wird, ist aktuell völlig offen: Selten mussten im Saisonfinish so viele Mannschaften bis zur sprichwörtlich letzten Sekunde darum bangen, ob sie die Klasse halten oder absteigen, in der Relegation um den Aufstieg kämpfen oder ihren Traum denkbar
Read More As I write, a deputation of White House operatives is secretly en route to the Moscow apartment where Edward Snowden has lived in forced exile since June of 2013, when he exposed gross illegality by the National Security Agency of the United States and was immediately set upon by Pentagon persecutors—the sort of folks who built American torture chambers in Afghanistan and Iraq, where homicides were not unknown. Apparatchiks for the Obama administration will make Mr. Snowden an offer they believe he cannot refuse: Sit tight here in Russia for
Read More Ein Besuch am Set von Büttenwarder. Prolog: Als ich 2007 nach Flensburg kam, kannte ich „Neues aus Büttenwarder“ nicht. 2015 wurde ich im April zu den neuen Dreharbeiten eingeladen, saß im Sonnenschein vor dem Dorfkrug, aß zusammen mit dem Filmteam und sprach mit verschiedenen Schauspielern. Wie selbstverständlich, wie unkompliziert, und mit großer Gastlichkeit empfangen! Und sofort verwickelte mich ‚Killerkralle‘-Kuno (im echten Leben spielt er Sven Walser) in eine Diskussion über die postmodernen, popkulturellen Perspektiven bzw. Implikationen und dystopisch-dekonstruktivistischen Dimensionen von Science Fiction im Kontext des Büttenwarder-Kosmos. Peter Heinrich Brix, gespielt
Read More „Hirni“ mit Durchblick – Donal Ryan gilt als großes irisches Erzähltalent und wurde mit begeisterten Lobeshymnen bedacht – sein Roman „Die Sache mit dem Dezember“ liefert ein sensibles aber auch ätzendes Psychogramm eines Außenseiters und die Diagnose ungebremster kollektiver Gier während der exzessiven Immobilien-Blase. Von Peter Münder Johnsey Cunliffe hat Probleme damit, seine herumflirrenden Wahrnehmungen, Überlegungen und Phantasien irgendwie als verständliche Wörter oder Sätze auf die Reihe zu kriegen und wird deswegen von vielen im kleinen ländlichen Nest gemobbt und als „Hirni“ verhöhnt. Er hat einen Job bei der Co-Op
Read More 1 Kunstpostkarte, 1 Woche, 1 Kolumne: Michael Zellers SEH-REISE! Michael Zeller besitzt einen großen Stapel von Kunstkarten, die er bei seinen Galerie- und Museumsbesuchen angesammelt hat. Jede Woche fischt er eine Karte heraus und hängt sie sich in die Wohnung, wo der Blick immer wieder an ihr hängen bleibt. Was darauf zu sehen ist, welche Beziehung sich zwischen Werk und Autor entwickelt, darüber berichtet Michael Zeller wöchentlich in CULTurMAG. Heute: „Mann und Maus” von Katharina Fritsch. Von Mäusen und Menschen Walter Benjamin war wohl der erste, in Deutschland jedenfalls, der
Read More Ein Entscheidungsverweigerer im Beinahe-Vergangenen – Manche Schriftsteller glauben, dass es beim Romanschreiben darauf ankomme, den in ihnen selbst angelegten Stil weitmöglichst zu entwickeln. Das glatte Gegenteil praktiziert Stefan Gärtner (Jahrgang 1973). In zehn Jahren als Redakteur beim Satiremagazin Titanic hat er in Parodien zahlreiche Schreibstile und -formen imitiert, wodurch notwendigerweise der Witz einer Parodie erst zünden kann. Dementsprechend wählte er in seinem literarischen Erstling, der schelmischen Kanzlerin-Parabel „Angéla – Lehrjahre einer Liebeshungrigen“ (Knaus, 2013), eine an die barocke Handlungszeit angelegte Diktion mit Ausschmückungen und opulentem Vokabular. In „Putins Weiber“ nun
Read More Neulich hatte ich einen Traum. Mit Bewunderung und zunehmend positiver Fassungslosigkeit folgte ich in diesem Traum den Presseberichten über einen Parteitag. Ich sah dort etwas, was ich schon längst für unmöglich in der deutschen Politik gehalten hatte. Nämlich einen ganz besonderen Begriff. Ich las, träumend, diesen Begriff auf Postern, auf Plakaten, Flyern und sah ihn hinterm Podium groß aufgespannt. Jede Nachrichtensendung brachte diesen Begriff in ihrer Moderation und zeigte ihn mir in ihren Einspielern. Und selbstverständlich verzichtete auch keine der Tageszeitungen darauf, ihn in Wort und/oder Bild zu thematisieren. Jener
Read More Nachtgewächs 1 bild / 100 worte Charles Bowden erzählt von dieser Blume in einem Essay über den Tod von Freunden und das Genießen der Sinne, und wir möchten gleich in die Wüste fahren um sie zu erleben… sie öffne sich nur in den heißesten Nächten. „Sie ist schamlos, absolut schamlos…“ Natürlich wollen die Toten nicht allein sein, also ziehen sie uns mit sich, und wer weiter leben will, gräbt sich mühsam einen Weg zurück. Es hilft Kochen, Essen, Sein. So Bowden – oder so ähnlich. Nun ist er selbst von
Read More Welche Freude, zu leben Welche Freude, zu leben, zu fühlen, gelebt zu werden. Dunkel der großen Gewissheit sich hinzugeben, daß außerhalb meiner, sehr fern, ein anderes Sein mich lebt. Und wenn die Spione, die Spiegel – quecksilbrig, kurzsichtig – behaupten, daß ich hier sei, ich, regungslos, mit geschlossenen Augen und Lippen, der Liebe zum Licht mich verweigernd, zur Blume und zu den Namen, so ist doch ganz offensichtlich, daß ich umhergehe nicht mit meinen, mit anderen Schritten, in weiter Ferne, und dort Blumen küsse, Lichter seh, spreche. Daß es ein
Read More Die Schwarmdummheit siegt – Es ist der Tag der Arbeit, an dem ich diesen Text schreibe. Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, was in unserem modernen Management alles so schief läuft. Auch der hippe Professor Gunter Dueck, in der Presse fast nie ohne das unvermeidliche Epitheton „Querdenker“ erwähnt und einer der profiliertesten Philosophen des Landes, hat sich diese Gedanken gemacht. Nachzulesen sind seine Einlassungen zum Thema in seinem neuen Buch „Schwarmdumm“ aus dem Campus Verlag. Der Titel nennt das Problem ja schon beim Namen: Wie kommt es, dass selbst intelligente
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