»Eine Welt, die nicht mehr weiß ist « – Der Aufenthalt in einem kleinen Schweizer Dorf prägt 1951/ 52 den politischen James Baldwin Ein Ausstellungskatalog mit Strahlkraft, besprochen von Alf Mayer Viel Tinte ist zum Thema Rassismus schon geflossen, ob wir als Menschheit diese klaffende Wunde je überwinden? Ich glaube nicht, dass es dafür hilft, Wörter abzuschleifen oder zu verbieten und Übersetzungen zu verhunzen. Mehr glaube ich an die Macht von Sinneserlebnis, an Eindruck, den etwas macht. Und hinterlässt. Der für mich wohl beste Beitrag zum 100. Geburtstag von JamesRead More
Die Kriminalliteratur zieht kaum jüngere Autorinnen und Autoren an – warum ist das so? Die Sommerferien sind vorbei. Das bedeutet auch, dass ich (und vermutlich viele andere Kollegen und Kolleginnen im Verlagsbusiness) mit unaufgefordert eingesandten Manuskripten geflutet werde. Naja, geflutet wird man eigentlich immer, aber in den Ferien hatten vermutlich auch Lehrerinnen und Lehrer Zeit, Kriminalromane zu verfassen, so nach dem Motto „Ich hab was von Chandler gelesen, da dachte ich, das kann ich auch“ (und das ist eine Bemerkung, die so oder ähnlich oft vorkommt). Brauchbares ist da seltenRead More
Textauszug mit freundlicher Erlaubnis des Autors aus: Jochen Vogt: Das muss der Reimreinbringer sein – und weitere Rückblenden. Wehrhahn Verlag, Hannover 2024. 160 Seiten, Hardcover, 16 Euro. Eine Ferienerinnerung Unter Literaturhistorikern gilt Jörg Fauser neben Rolf-Dieter Brinkmann seit längerem und unbestritten als Wegbereiter der deutschsprachigen Popliteratur: Das Arsenal ihrer »ästhetisch-poetologischen Gemeinsamkeiten«, schreibt der Essener Literaturwissenschaftler Werner Jung, umfasse den »Bezug auf die Alltäglichkeit, die Oberflächen im Hier und Jetzt, den radikalen Bezug auf die Subjektivität des Schreibenden« und »am Ende den Bezug auf US-amerikanische Beat- und Undergroundpoeten mit ihrem crossoverRead More
Weit entfernt vom Genreüblichen Schon auf der ersten Seite ist er unverkennbar präsent – der Wittekindt-Sound. Behutsam nähert sich die Erzählstimme dem Protagonisten, der selbst in kursiv markierten Passagen zu Wort kommt. Doch das ist eigentlich als Beschreibung nicht präzise genug. Denn hier wird nicht gesprochen, sondern gedacht. Und zwar so unstrukturiert, wie wir es aus unserem eigenen Erleben kennen. Ein alter Hut, mag mancher da einwenden. Schließlich sind Bewusstseinsstrom und innerer Monolog seit Beginn der literarischen Moderne etablierte Erzählverfahren. Auch in der populären Literatur. Aber darauf kommt es nichtRead More
Beckmann trägt – Zum zweiten Roman von Jochen Brunow „Einmal in ihrem Flussbett eingeschlossen, läuft die Geschichte Gefahr, darin zu versickern, wenn man nicht zulässt, dass sich ihre Zeit nach außen hin verlängert, dorthin, wo wir, die Protagonisten aller Geschichten, leben. Wo nichts abgeschlossen ist.“ (Michelangelo Antonioni; als Motto von „Die Chinesin“) Mir immer noch unvergessen ist mir einer der schönsten Liebesfilme, den ich kenne: „Berlin Chamissoplatz“ von Rudolf Thome, Drehbuch: Jochen Brunow, Kamera: Martin Schäfer. Bei der Uraufführung am 1. November 1980 auf den Hofer Filmtagen war ich dabei. Zwanzig TageRead More