Sachbücher, besprochen von Alf Mayer:
Polizei und Holocaust. Eine Generation nach Christopher Brownings Ordinary Men
Stefan Aust, Alexander Kluge: Befreit die Tatsachen von der menschlichen Gleichgültigkeit. Gespräche und Projekte
Sven Lindqvist: Rottet die Bestien aus! Eine Reise auf den Spuren des europäischen Völkermords
Juha-Pekka Raeste, Hannu Sokala: Die 50 gefährlichsten Unternehmen der Welt
Tobias Roth: Welt der Renaissance: Neapel

Reise in unser finsteres Herz
(AM) Jede historische Erzählung ist ein politischer Akt, der eng mit der Macht und ihrer Aufrechterhaltung und somit auch mit der Rechtfertigung staatlicher Gewalt verbunden ist, schreibt der Filmemacher Raoul Peck in der Einleitung zu Rottet die Bestien aus! Eine Reise auf den Spuren des europäischen Völkermords von Sven Lindqvist. Das Buch ist ein Klassiker, eines der wichtigsten zur schwärenden Wunde des Kolonialismus. Die schwedische Originalausgabe erschien 1992. Eine deutsche, aus dem Englischen übersetzte Ausgabe kam 1999 im Campus Verlag unter dem Titel „Durch das Herz der Finsternis“ und mit einem Vorwort von Urs Widmer heraus. Jetzt liegt, dem Alexander Verlag sei Dank, erstmals eine autorisierte Übersetzung aus dem Schwedischen vor. Raoul Peck diente das Buch als wichtige Grundlage für seinen gleichnamigen vierteiligen Filmessay, in den USA von HBO produziert, der 2022 auf ARTE ausgestrahlt wurde.
Der aus Haiti stammende Regisseur empfand mit Lindqvist eine Gemeinsamkeit des Blicks, des Suchens und des politischen Urteils. Lindqvist konfrontiert seine Leser mit der wahren Geschichte des mörderischen Eurozentrismus und der völkermörderischen Herrschaft des europäischen Kontinents über den Rest der Welt wie auch mit den Konsequenzen, die das auf die Kulturen der Mehrheit der Menschen auf unserem Planeten gehabt hat – und hat. Seine Prosa, Poesie und Erzählweise erschüttern, diese Lektüre lässt nicht unberührt. – Lesen Sie auch in dieser Ausgabe unseren Textauszug aus diesem wichtigen Buch.
Lindqvist stellt darin dem Selbstbild Europas als „Wiege des Fortschritts“ die brutale europäische Expansionspolitik entgegen, die im Namen einer vermeintlichen biologischen und intellektuellen Überlegenheit und eines ebenso fragwürdigen zivilisatorischen Auftrags immer neue Verbrechen verübt hat. Eigene Reiseerfahrungen und Begegnungen verwebt er in 169 Kapiteln mit Äußerungen von Kolonisatoren, Kriegsherren, Eroberern, Publizisten, Philosophen, Historikern, Sozial- und Naturwissenschaftlern, mit literarischen Werken von Joseph Conrad, H. G. Wells und anderen – und rekonstruiert so die Geschichte des kolonialen Imperialismus und seiner rassistischen Rechtfertigungen. Der Buchtitel, dieser eine Satz, der das alles auf den Punkt bringt, stammt aus Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und lautet im englischen Original „Exterminate all the brutes!“ Vielleicht findet sich nun ja auch ein Verlag für Lindqvists noch härteres Buch über die „Besiedlung“ Australiens, immer noch als „Australia Day“ am Datum des ersten Ankerwerfen eines britischen Schiffs gefeiert. Das Werk heißt: „Terra Nullius. A Journey Through No One’s Land“ …
Sven Lindqvist: Rottet die Bestien aus! Eine Reise auf den Spuren des europäischen Völkermords (Utrota varenda jävel, 1992). Aus dem Schwedischen von Sandra Nalepka. Mit einem Vorwort von Paoul Peck. Alexander Verlag, Berlin 2023. 264, Hardcover, 10 Abb., 28 Euro.

Novellen über Mönche und andere Verbrecher
(AM) Er hat es wieder getan. Und der Untertitel „Italienische Kulturstädte, Band 1“ lässt hoffen, dass hier noch weitere Exkursionen folgen. Tobias Roth – Lyriker, Herausgeber, Übersetzer und Mitbegründer beim Verlag Kulturelles Gedächtnis – hat 2020 den 640 Seiten starken, prächtig ausgestatteten Folianten „Welt der Renaissance“ vorgelegt (eine von ihm selbst besorgte Textauswahl und ein Interview bei uns hier). Seitdem würde ich ihm überall hin folgen. Von ihm ausgewählt, übersetzt und erläutert, zeichnet er uns anhand eines guten Dutzends Schriftstellerporträts, darunter eine Frau: Laura Terracina, bei uns unbekannt, aber daheim Autorin der auflagenstärksten Bücher ihrer Zeit, nun die Welt der Renaissance: Neapel.
Diese Stadt mag einem nicht sofort als Renaissance-Zentrum in den Sinn kommen, die Lektüre der von Tobias Roth kundig kommentierten Anthologie belehrt eines Besseren. Die Renaissance in Neapel spielt sich hauptsächlich in der Literatur ab, schreibt er, Bildhauer und Maler sind hier dünner gesät als in Mittelitalien, wo sie das Bild der Epoche prägen. Die Renaissance aber, so Roth, ist eh „des Buches. Aus alten Büchern kommt sie, in Büchern mündet sie und entfaltet sie ihre Wirkung.“ Und er kann es begründen: hoch informiert, klug, lesbar, spannend und mit Witz. Zum Beispiel: „Der berühmteste Neapolitaner, der uns einen unvergleichlichen Einblick in die Antike verschafft hat, schweigt die ganze Renaissance hindurch: der Vesuv.“
In der von französischen und spanischen Königen – den sich unversöhnlich gegenüber stehenden Häusern Aragón und Anjou – regierten Weltstadt sammelten sich Talente wie Boccaccio, Pontano, Masuccio, Sannazaro und Dichterinnen wie Laura Terracina. Giovanni Antonio Petrucci schrieb hier seine letzten, herzzerreißenden Gedichte im Kerker, kurz bevor er, sein Bruder und sein Vater hingerichtet wurden. Roth ordnet uns all die Autoren in ihren kulturellen und politischen Zusammenhang. Seine Einführungskapitel, je mit einer Porträtmünze eröffnet und die Rundung zum Ende im Satzspiegel variiert, sind Kabinettstücke literarischer Porträts und fügen sich zum augenöffnenden Porträt einer Kulturstadt. So versteht er es zum Beispiel, uns die neapolitanischen Anteile der Florentiners Boccaccio anschaulich zu machen. Dessen „Brief in neapolitanischer Sprache“ ist der älteste erhaltene Beleg einer Prosa in diesem Dialekt. Durch den Band ziehen sich zahlreiche Abbildungen aus der grandiosen Buchkunst der Zeit und Roth lässt die Dichter mit ihren Gedichten. Novellen, Satiren selber sprechen. Laura Terracina etwa mit dem höchst aktuellen Gedicht „An die Feinde Frauen“ (von 1554) oder Massuccio Salernitano mit seinen „Novellen über Mönche und andere Verbrecher“.
Tobias Roth: Welt der Renaissance: Neapel. Italienische Kulturstädte, Band 1. Galiani Verlag, Berlin 2023. Klappenbroschur, 208 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, 22 Euro.
Rückgrat der Vernichtungspolitik

(AM) Immer noch, heute, gibt es unter uns Deutschen den Mythos von den „guten Soldaten“ und den ganz „normalen Männern“ im Nationalsozialismus. Hannes Heer mit der Wehrmachtsausstellung (Besprechung hier und hier), Christopher R. Brownings „Ordinary Men“ sowie 1996 Daniel Goldhagen mit „Hitler´s Willing Executioners“ („Hitlers willige Vollstrecker“) erschütterten und konterkarierten dieses Bild. Vor allem Browings Buch rückte schlaglichtartig eine Gruppe von Männern in den Fokus der Holocaust-Forschung und der Öffentlichkeit: die uniformierte Polizei. Die „normalen Männer“ entpuppten sich als „Mörder in grüner Uniform“, aus „Freunden und Helfern“ wurde eine Schlüsselorganisation in der Umsetzung des Holocaust. Es gilt festzuhalten: Ab 1936 wurden alle uniformierten Polizisten, also die Schutzpolizei, Gemeindepolizei, Gendarmerie, Wasserschutzpolizei sowie ab 1938 die Feuerschutzpolizei, dem Hauptamt Ordnungspolizei unterstellt. Die Kriminalpolizei, die Geheime Staatspolizei und später der Sicherheitsdienst der SS wurden im Hauptamt Sicherheitspolizei und ab Ende September 1939 im Reichssicherheitshauptamt gebündelt.

Zusammen mit den Formationen der SS wurde die deutsche Polizei, man muss das so hart sagen, zum Rückgrat der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ihrer Vernichtungspolitik. Polizisten waren bis auf wenige Ausnahmen an allen Formen und Stufen der Verfolgung und später der Vernichtung von politisch und weltanschaulich definierten Gegnerinnen und Gegnern beteiligt. Bei der Umsetzung des Völkermords an den europäischen Jüdinnen und Juden, für den sich in Wissenschaft und Gesellschaft global die Begriffe Holocaust bzw. Shoah etabliert haben, spielte die uniformierte Polizei sowohl mit ihren mobilen Polizeibataillonen als auch mit stationär eingesetzten Polizeiformationen besonders in den besetzten Gebieten Mittel- und Osteuropas eine Schlüsselrolle.
Mindestens 62 Prozent der jüdischen Opfer – 3,6 von etwa 6 Millionen – starben unter Mitwirkung der deutschen Ordnungspolizei. Polizisten deportierten, bewachten und drangsalierten Jüdinnen und Juden in Ghettos, machten Jagd auf sie bei Razzien, ermordeten Hunderttausende unmittelbar bei Einzel- oder Massenerschießungen, verschleppten Millionen zur direkten Vergasung in die Vernichtungslager, wo teilweise auch Polizisten ihre Arbeit verrichteten wie etwa in Chelmno (Kulmhof), heißt es in der Einleitung zu Polizei und Holocaust. Eine Generation nach Christopher Brownings Ordinary Men.
Der Band entstand aus einer internationalen Konferenz anlässlich 25 Jahren „Ordinary Men“ und 20 Jahren Geschichtsort Villa ten Hompel. Diese 1999 gegründete Gedenkstätte in Münster war 2001 die erste, die sich in ihrer Dauerausstellung mit der Ordnungspolizei als verbrecherischer Organisation befasste und parallel zu intensiver Forschung auch die Vermittlung für unterschiedliche Besuchergruppen didaktisch weiterentwickelt hat. Der Band zeigt den aktuellen, internationalen Stand der Forschung und sucht Antworten auf die nach wie vor drängende Frage: Wie war der Holocaust möglich und was ließ ganz normale Männer zu Massenmördern oder Mordgehilfen werden?
Thomas Köhler, Jürgen Matthäus, Thomas Pegelow Kaplan, Peter Römer (Hg.): Polizei und Holocaust. Eine Generation nach Christopher Brownings Ordinary Men. Verlag Brill/ Schönigh, Paderborn 2023. 300 Seiten, 24,90 Euro.

Eigentlich Stoff für viele Kriminalromane
(AM) 2 x 30 Jahre Berufserfahrung bringen die finnischen Wirtschaftsjournalisten Juha-Pekka Raeste und Hannu Sokala in ihr spannendes Gemeinschaftsprojekt ein. Es heißt Die 50 gefährlichsten Unternehmen der Welt und ist ein Wirtschaftsbuch, wie es das so geballt bisher noch nicht gegeben hat. Die Beiden suchten eigentlich nach einer Publikation, die darlegt, wie ein paar Dutzend Großkonzerne an den Grundfesten der Demokratie rütteln, Institutionen destabilisieren, über den Zustand der Welt bestimmen und darüber, wie wir morgen leben werden. Ein Buch also über die Schattenbereiche der globalen Wirtschaft aus dem Blickwinkel einzelner globaler Player – eines, wie sie keines fanden, und es deshalb kurzerhand selber geschrieben haben.
Ihr Augenmerk liegt dabei nicht auf Steuerhinterziehung oder krimineller Geschäftstätigkeit, vulgo Wirtschaftskriminalität, sondern darauf, welche Gefahren, Risiken und Nebenwirkungen sich alleine schon durch die legale Unternehmenstätigkeit, die Logik des freien Wettbewerbs und konventionelles Wirtschaften ergeben. Grenzen zu übertreten, Gesetze zu dehnen und zu missachten, in Grauzonen zu operieren, das scheint oft genug zum Businessplan nicht nur von Großbanken zu gehören. Im Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft, haben sich die Macht- und Größenverhältnisse in den letzten Jahrzehnten klar zu Gunsten des Kapitals und der Großkonzerne verschoben. Das Vermögen etwa, das die Investmentgesellschaft Blackstone verwaltet, entspricht dem mehr als Hundertfachen des finnischen Staatshaushalts.
Raeste und Sokala finden, so wie Zeitungen und TV-Sender ihre Auslands-Korrespondenten haben, müsste es längst Unternehmens-Korrespondenten und viel mehr Blick auf die Krisen- und Elendsherde des global business geben. Viel zu viel von Wirtschaftsberichterstattung folgt der Schleimspur des Erfolgs, nicht der Ethik. Ihre Konzentration auf 50 Unternehmen finden die beiden Autoren beispielhaft, keineswegs vollständig und abschließend. Die USA-Lastigkeit ihres Buches – es hat im Übrigen noch keinen US-Verlag – erklären sie damit, dass das Anhäufen von Marktmacht einiger weniger Unternehmen dort schneller vorangeschritten ist als in Europa, dass Behörden dort früher als in Europa mit den negativen Folgen solcher Konzentration konfrontiert waren und fachkundige Nichtregierungsorganisationen dort schon länger Informationen gesammelt haben und dass damit unterm Strich einfach mehr Daten vorhanden sind als in Europa, wo nur selten europa- oder EU-weit untersucht und ermittelt wird. Ein Nachwort, Stand Oktober 2022, bezieht die durch den Ukraine-Krieg veränderte Weltwirtschaftslage ein. Die letzten 100 Buchseiten gelten China und seinem Einfluss auf die Weltwirtschaft. Gerade in Finnland erschienen ist die Fortsetzung: Die 50 gefährlichsten Familien der Welt.
Juha-Pekka Raeste, Hannu Sokala: Die 50 gefährlichsten Unternehmen der Welt (Maailman 50 vaarallisinta Yhtiötä, 2021). Aus dem Finnischen von Marleen Hawkins. Econ Verlag, Berlin 2023. 528 Seiten, Klappenbroschur, 21,99 Euro.

Auch eine Mediengeschichte
(AM) Dieses Buch hat mich überrascht. Ich dachte, nun ja, wieder ein Gesprächsband. Aber es ist mehr, deutlich mehr. Gern wüsste ich auch, wer dieses für den Piper Verlag eher ungewöhnliche Buch als Lektor betreut hat, um die Arbeit zu würdigen. Anders als in Kluges Hausverlag Suhrkamp bleibt solch ein Credit im Bouvier-Konzern aber unsichtbar.
Als jemand, der mit Alexander Kluge in den Anfangsjahren seiner Fernsehjahre gearbeitet hat, fehlte mir immer eine Darstellung oder (der Anfang einer) Aufarbeitung jener Jahre ab den späten 1980ern, in denen Kluge aus dem „Kino der Autoren“ ein „Fernsehen der Autoren“ zu machen versuchte – sein Idol: die Erneuerung der Enzyklopädie – und mehrere Sendeformate etablierte, die teils bis heute Bestand haben. „Spiegel TV“ zum Beispiel. Aber nicht nur das ist die Brücke zu Stefan Aust. Sie begegneten sich 1977 zum ersten Mal im sog. Deutschen Herbst: auf dem Dornhalden-Friedhof in Stuttgart-Degerloch, beim Begräbnis der Terroristen Ensslin, Baader und Rasp aus Stammheim. Kluge und Schlöndorff drehten für den Kollektivfilm „Deutschland im Herbst“, Aust leitete das ARD-Team von „Panorama“. Dann übernahm Rudolf Augstein den „Filmverlag der Autoren“, wurde so zum Verleiher dieses Films und regte – Franz Josef Straußs Schatten als Bundeskanzler an der Wand – den Nachfolgefilm „Der Kandidat“ an, bei dem dann Stefan Aust dabei war.
Es braucht nur bis Seite 23, dann beantwortet Alexander Kluge die Frage: Was bedeutet ‚dctp’? Dieses Kürzel fand sich damals auch im Vor- und Nachspann meiner Zuarbeiten. Die „Development Company for TV Program“ war eine Gründung des japanischen Werbekonzerns Dentsu zusammen mit Kluge, dem Spiegel-Verlag und der Neuen Zürcher Zeitung. Das Logo „dctp“ krönte die Sendungen von Spiegel TV, Stern TV, BBC Exklusiv, NZZ Format, SZ Fernsehen und die Kulturmagazine 10 vor 11 (bei RTL), News & Stories (bei Sat.1) und Prime Time: Spätausgabe (bei RTL). Nach wie vor unfassbar, was Kluge und ein kleines Team – zum Kollektiv-TV kam es nie – hier auf die Beine gestellt haben.
S. 32 – 38 stellt die Paten und Gründer der dctp vor, im Folgenden gibt es einiges an Hintergrund zur letzten Gründerzeit im deutschen Fernsehen, etwa zum Sender VOX oder dem Berliner Lokalsender XXP, zur medialen Bearbeitung des RAF-Terrorismus. Auch zu Corona, Fukushima, dem arabischen Frühling, zum Ende der DDR und anderen „politischen Gewittern“. Der Buchtitel Befreit die Tatsachen von der menschlichen Gleichgültigkeit wird eingelöst.
Generell bemüht das Buch die Tugenden Sachlichkeit, Beobachtung, Einfühlung und Vorstellungsvermögen. Die beiden Autoren sehen sich als Anwälte einer unabhängigen, klassischen Öffentlichkeit, interviewen sich oft gegenseitig, tauschen sich informativ und werthaltig aus. Einmal sogar per Handy zwischen Berlin und dem Pazifik vor Tahiti. Ab Seite 205 finden sich Stichproben zur TV-Chronik der Jahre 2009 – 2022. Insgesamt alles ein großer Sack Themen, assoziativ und bildhaft, in vielerlei Miniaturen aufgefächert, eine Methode, die Kluge seit „Geschichte und Eigensinn“ (1981, rosa Dünndruckpapier, 1283 Seiten, bei Zweitausendeins) immer mehr perfektioniert hat. Kluge ist Poet, Idealist, Universalgelehrter und Stratege, Stefan Aust ein wohlhabender, aber neugieriger Journalist, der auch etwas zu verteidigen hat, das Individuum betont und am Klimawandel zweifelt. Das sorgt für Reibung. Und die ist bei Kluge stets produktiv.
Stefan Aust, Alexander Kluge: Befreit die Tatsachen von der menschlichen Gleichgültigkeit. Gespräche und Projekte. Piper Verlag, München 2023. 336 Seiten, Hardcover, mit 125 s-w-Abbildungen, 24 Euro.

















