Alexander Kluge Tag

* 14. Februar 1932, Halberstadt – † 25. März 2026, München Nachrufe schwirren um meinen Kopf. Wie Echos klingen sie aus einem unbekannten Ort an mein inneres Ohr, verheißen Gutes, Warmes, Sanftes – unbekannte Stille, Weite, Licht. Meine Generation stirbt aus. Wir, die wir noch den 2. Weltkrieg erlebt haben, Bomben, Feuerstürme, Flucht – Mangel an allem. In grauschwarzen Ruinen  haben wir gespielt, heiße Sommer und kalte Winter erlebt. Wie unser Land geteilt, in Himmelsrichtungen gedacht wurde. Ost, West – Kalter Krieg. Sozialismus, Kapitalismus – freie Marktwirtschaft. Bis zu meinemRead More

Posted On April 16, 2026By Wolfgang J. RufIn Crimemag, CrimeMag April 2026

Mario Adorf – Nachruf von Wolfgang J. Ruf

Der Maikäfer, Direktor Haffenloher, Nscho-tschi und Karl Marx Eine Causerie zum Abschied von Mario Adorf – von Wolfgang J. Ruf Der erste Schauspieler, dem ich ganz persönlich begegnete, war Waldemar Leitgeb. Er war anlässlich des 50. Geburtstags von Adolf Hitler zum Staatsschauspieler ernannt worden – und behielt den Titel auch nach dem Kriegsende. Manchmal begegnet man ihm auch noch heute: etwa als Fürst Grigorij Orlow in dem berühmt-berüchtigen Fantasy-Film Münchhausen von Josef von Baky, der fünf Wochen nach der Kapitulation von Stalingrad in die Kinos kam. Für mich war dieserRead More

Posted On Oktober 1, 2023By Alf MayerIn Crimemag, CrimeMag Oktober 2023

nonfiction, kurz – Oktober 2023

Sachbücher, besprochen von Alf Mayer:Polizei und Holocaust. Eine Generation nach Christopher Brownings Ordinary MenStefan Aust, Alexander Kluge: Befreit die Tatsachen von der menschlichen Gleichgültigkeit. Gespräche und ProjekteSven Lindqvist: Rottet die Bestien aus! Eine Reise auf den Spuren des europäischen Völkermords Juha-Pekka Raeste, Hannu Sokala: Die 50 gefährlichsten Unternehmen der WeltTobias Roth: Welt der Renaissance: Neapel Reise in unser finsteres Herz (AM) Jede historische Erzählung ist ein politischer Akt, der eng mit der Macht und ihrer Aufrechterhaltung und somit auch mit der Rechtfertigung staatlicher Gewalt verbunden ist, schreibt der Filmemacher RaoulRead More

Posted On März 1, 2022By Alf MayerIn Crimemag, CrimeMag März 2022

Alf Mayer: Alexander Kluge ist 90

Der Leser als Produzent seiner Erfahrung! Kleine Begegnungen mit Alexander Kluge und seinem Werk Hamburg, Ende September 1979. Einem Sonderzug aus München entsteigen am Bahnhof Dammtor unter anderem Margarethe von Trotta, Alexander Kluge, Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder, kurz alles, was im Jungen Deutschen Film Rang und Namen hat. Im CSU-Bayern waren sie mit Forderungen nach Filmförderung auf Granit gestoßen, Hamburg wird das erste Bundesland, das ihnen die Tore öffnet. Dort veranstaltet der deutsche Autorenfilm jetzt sein erstes Filmfest. Im Abaton. Aus diesem Anlass tagt dort auch die AG derRead More
Gewalt des Zusammenhangs Zum monumentalen Band „Das Jahr 1990 freilegen“ von Jan Wenzel Es trägt den Titel „Schönstes Buch 2020“, kommt aus Leipzig, wurde erst kürzlich mit diesem Preis der Stiftung Buchkunst 2020 ausgezeichnet und entspricht so gar nicht dem, was wir gewöhnlich an Büchern schön finden. Es kommt überwiegend in Schwarzweiß daher, 592 Seiten fadengeheftete Broschur, großformatig, der Buchrücken fast fünf Zentimeter dick. Ein Wälzer. Das Buch tritt werktäglich auf, trägt kein Sonntagskleid sondern Arbeitsmontur, hat den Schmutz noch unter den Fingernägeln und viele gebrochene Herzen im Falz. Ein BuchRead More
  Nicht zurückholen, aber erfahrbar machen Alf Mayer über das „Verzeichnis einiger Verluste“ von Judith Schalansky Handschmeichlerisch fühlt dieses Buch sich an, die Anmutung wie ein Stück fein bemooster Marmor oder Schiefer, doch deutlich leichter, längst nicht so schwer, die Farbe ein nach oben von Grau ins Schwarz verlaufendes Moiré, die Schrift Silber. Ein wenig wie eine Grabplatte, aber ohne deren Trauer. Tatsächlich ist es ein seltsam heiteres, ein seltsam elegisches Buch – schön oft bis an die Schmerzgrenze. Eine Gegenrezeptur fürs Zeitalter des schnellen Vergessens. Was interessiert noch etwas von Vorgestern? AberRead More

Posted On August 16, 2014By Alf MayerIn Bücher, Crimemag

Alexander Kluge: 30. April 1945

Erinnerungstechnisch Niemandsland: Die 1000 Augen des Doktor Kluge Alexander Kluges Buch „30. April 1945“ und seine Relevanz für Crime Fiction. Eine Rezension von Alf Mayer. Die Verkörperung von Robert Musils Satz: „Wenn es einen Realitätssinn gibt, dann muss es auch einen Möglichkeitssinn geben“, das ist Alexander Kluge. Noch den größten Katastrophen vermag er Utopien und Überlebensstrategien abgewinnen, die Totendramen der großen Opern sind ihm Kraftwerk der Gefühle. Bei allem Faszinosum für die Abgründe menschlichen und technokratischen Wirkens ist er ein Vertreter des Lebens, das pure Gegenteil eines Nihilisten. Kluge istRead More
Fritz Bauer zum Eingedenken – Alexander Kluges literarische Berührungen mit dem Holocaust. Von Wolfram Schütte Der achtzigjährige Alexander Kluge ist immer noch ein Tausendsassa. Seit er vor mehr als zwanzig Jahren aufgehört hat, Filme fürs Kino zu drehen & nur noch mit Eigenprogrammen im Fernsehen auftritt, hat er sich wieder hauptsächlich der Literatur verschrieben. Dabei hatte der Kopf des Neuen deutschen Films, der mit preisgekrönten Filmen wie “Abschied von gestern” oder “Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos” international reüssierte, 1962 & 1964 mit seinen “Lebensläufen” & dem Roman “Schlachtbeschreibung” alsRead More