Europa hat viele Gesichter Harold James sucht nach den gemeinsamen historischen Wurzeln Europas und stößt auf eine kaum zu bändigende Flut politischer, wirtschaftlicher und kultureller Strömungen. Die fortschreitende Globalisierung und die EU-Osterweiterung fordern die Europäer immer öfter zur Selbstvergewisserung und Identitätssuche heraus. Auf politischer Ebene geschieht dies in erster Linie im Rahmen der Diskussion über eine gemeinsame europäische Verfassung. Auf historischer Ebene wird hingegen nach den gemeinsamen kulturellen, politischen und ökonomischen Wurzeln gefragt, die der britische Wirtschaftshistoriker in dem bis heute anhaltenden Modernisierungs- und Rationalisierungsprozess erkennt. Damit räumt er demRead More

Posted On Februar 14, 2005 By In Bücher, Litmag

Harald Bloom: Genius

Literarische Genies Harald Bloom stellt auf tausend Seiten Literaturgeschichte die Frage nach dem literarischen Genie. „Das beste Genie ist das, welches alles in sich aufnimmt, sich alles anzueignen weiß, ohne daß es der eigentlichen Grundbestimmung, demjenigen, was man Charakter nennt, im mindesten Eintrag tue, vielmehr solches noch erst recht erhebe und durchaus nach Möglichkeit befähige…“ Literaturgeschichte als Mosaik Goethe hatte noch eine klare Vorstellung von einem Genie und zu Zeiten der Romantik und Klassik war die Rede darüber auch noch gang und gäbe. Doch in unseren Zeiten der Stars undRead More
Die guten Deutschen, die Rechtsradikalen und wir Die nächste deutschnationalistische Provokation kommt ganz bestimmt und bis dahin kann man ja einmal etwas ganz Ungewöhnliches tun – ein Buch zum Thema lesen. Man ist es gewohnt und es wird auch so bleiben. Wenn irgendwo in Deutschland Rechtsradikale aus ihren Löchern hervorkriechen, wenn sie bei politischen Wahlen mehr als das Landesübliche an Stimmen erhalten, dann werden – wie es schon seit Jahrzehnten akzeptierter Brauch ist – die immer gleichen Erklärungen gegeben und die bewährten Formationen zu den Ritualbekenntnissen aufgestellt. Aktuell ist dasRead More
Überraschende, kontrastreich gesetzte Vielfalt CDs wie diese werden vermutlich immer mit den Groß-Konzepten der Majors inkompatibel bleiben. Der Production Designer bei einem Major Label hätte diese CD vermutlich so nicht durchgehen lassen. Denn Ingo Marmullas „Everytime it rains“ setzt programmatisch auf Vielfalt, ohne eben diese Vielfalt als Marketing-Konzept glatt und gefällig zu inszenieren. Statt dessen fegt der Recklinghauser Gitarrist, der seine Meriten mit u.a. Gunter Hampel, Theo Jörgensmann und vor allem Benny Bailey verdient hat, mit einer hochkarätigen Truppe durch die Stile: Das geht von einer angerockten Ballade wie demRead More
Erst topp, dann Flopp Virtuos und kulinarisch schwelgend lässt der spanische Autor Juan Bas seinen Roman „Skorpione im eigenen Saft“ beginnen und zieht den Leser tief in seine Geschichte – doch dann versalzt er ihm die sämige Suppe. Erzählt wird die Geschichte von Pacho, der ein verwöhnter, „glücklicher und verantwortungsloser Nichtsnutz“, ein Spieler, Dandy, Gourmet und Lebemann, kurz: ein Connaisseur bester Prägung ist. An einem schicksalhaften Tag lernt Pacho, dem gerade von seinem reichen Herrn Papa der Geldhahn zugedreht wurde, „Asti“ Anton Astigarraga kennen. Dieser „dem Genuss, dem Exzess undRead More

Posted On Januar 31, 2005 By In Bücher, Litmag

Thomas Weiss: Schmitz

Etwas kommt dazwischen In „Schmitz“ erzählt Thomas Weiss von einem Hinterbliebenen, dessen Frau bei einem Flugzeugunglück über dem Bodensee ums Leben kam und den Auswirkungen, die ein solches Ereignis auf die Psyche hat. Thomas Weiss, 1964 in Stuttgart geboren und mittlerweile im obligatorischen Berlin lebend, hat sich in seinem Debütwerk der alltäglichen Katastrophe angenommen. Alltäglich wie der Name seines Helden „Schmitz“ sind die Unglücksfälle, die Mitmenschen unvermittelt aus dem Leben reißen, die Autounfälle, Motorradunfälle, Flugzeugabstürze, Unwetterkatastrophen, Erdbeben, Bombenattentate. Jemand verlässt das Haus auf dem Weg zur Arbeit oder in denRead More

Posted On Januar 24, 2005 By In Bücher, Litmag

Martin Amis: Yellow Dog

Ein dicker Hund Das Potential war da, doch zu einem gelungenen Roman hat es dieses Mal leider nicht gereicht: Martin Amis konnte in „Yellow dog“ seine vielen Ideen nicht zu einem in sich geschlossenen Werk verknüpfen. Der Ruf eines enfant terribles muss gepflegt werden – nicht zuletzt, weil sich mit diesem Prädikat so wunderbar werben lässt. Dem Waliser Martin Amis eilt der Ruf des Tabubrechers voraus und auch sein neuer Roman, „Yellow Dog“, bietet eine Menge Reibungsfläche der ein oder anderen Art: Hier bekommt die Pornobranche ebenso ihr Fett wegRead More
Jäger des verlorenen Gedichtbandes Die Grenzen zwischen Literatur und Realität lotet Peter Carey in seinem neuen Roman „Mein Leben als Fälschung“ aus, in dem ein fiktiver Autor von seinem Erfinder eine Identität einfordert. Wieder einmal hat der zweifache Booker-Prize-Gewinner Peter Carey eine historische Begebenheit als Anregung für einen wunderbaren, doppelbödigen Roman gewählt: Ein fiktiver Autor, dessen Enttarnung den Herausgeber eines Literaturmagazins bloßstellt und sogar vor Gericht bringt. Die wahre Geschichte, die sich 1944 in Australien zugetragen hat, dürfte dem europäischen Leser unbekannt sein, doch das schmälert in keinster Weise dasRead More