
Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …
… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.
Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren.
CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen Chatwins (Berlin), Wendeltreppe (Frankfurt) und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg) auf interessante Neuerscheinungen hin.
Empfehlungen für DVDs, BluRays und Comics und auch Podcasts geben Katrin Doerksen und Thomas Groh.
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Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun.
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Claudia Denker von der Krimiabteilung im Chatwins in Berlin-Schöneberg:
Ein kaltes Schaudern durchströmt mich beim Durchsehen der Neuerscheinungen – es weihnachtet schon wieder. Nur nicht dran denken.
Schon im September erschienen, hatte ich aber beim letzten Mal übersehen: »Groll« von Gianrico Carofiglio (Folio, deutsch von Verena von Koskull; siehe auch TW dazu im letzten CrimeMag). Mich interessiert dieser Fall und die private Ermittlerin, die einst Staatsanwältin und Stabhochspringerin war.
Zwei Hardcover erscheinen bei ars vivendi: »Der letzte Wolf« von S. A. Cosby (deutsch von Jürgen Bürger), aber besonders neugierig macht mich »Java Road Hong Kong« von Lawrence Osborne (deutsch von Gottfried Röckelein).

Vergnüglich ist das neue Buch von Sara Gran (siehe Schatzsuche September und die Besprechung von Alf Mayer in dieser Ausgabe, d. Red.), und wenn ich damit durch bin, werde ich auf jeden Fall wieder zwei Bücher aus dem Suhrkamp Verlag lesen, zwei Mal Berlin, aber sehr verschieden:
»Am Anfang ist der Tod« von Jesús Cañadas( Grusel, Horror, brrrrr, deutsch von Verena Kilchling) und
»Wie sterben geht« von Andreas Pflüger (Spionage, Kalter Krieg – siehe dazu das Interview von Alf Mayer in dieser Ausgabe, d. Red.).
Und weil die Ausbeute diesen Monat nicht so groß ist und meine Zeit auch für mehr nicht reicht, wie wäre es mal mit einem Oktopus? Nicht mit dem des Herrn Rossmann, nein, nein, es geht um ein Kinderbuch, einen Umweltkrimi ab 10 Jahre, der bereits im Juli erschienen ist. Durch mehrere Kunden bin ich drauf aufmerksam geworden: »Pepe und der Oktopus auf der Flucht vor der Müllmafia« von Stepha Quitterer (Gerstenberg, mit Bildern von Claudia Weikert). Über 500 Seiten stark, richtig spannend und ein bisschen traurig. Und keine Tintenfische mehr essen! Leider. So lecker.
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Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:
Endgültig Herbst!

Dennis Lehane: Sekunden der Gnade (Diogenes, Ü: Malte Krutzsch – siehe auch die Besprechung von Sonja Hartl in dieser Ausgabe)
Louise Penny: Unruhe im Dorf (Kampa,Ü: Nora Petrol)
Theresa Prammer: Schattenriss (Haymon)
Jakob Stein: Punkt, Linie: Mord! (B3)
Christian Klinger: Die Geister von Triest (Picus)
Eva Björg Aegisdottir: Verlogen (KiWi, Ü: Freyja Melsted)
Viele Grüße aus der Wendeltreppe und eine schöne Zeit für uns alle !!!!!!!!!!!!!!!!!
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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:
Was für ein fulminanter Monatsanfang: Erst den Deutschen Buchhandlungspreis 2023 als „besonders herausragende Buchhandlung“ abgeräumt, dann mit Zauberfußball die Tabellenspitze der 2. Liga erobert.
Im Urlaub offline, im Rucksack aus Gewichtsgründen nur Paperbacks. Logisch, dass nach der Rückkehr ein kleiner Stapel gebundener Genreliteratur sich am Bett aufgestapelt hat. Als da wären:
Zoë Beck, Memoria, Suhrkamp Verlag 2023, 281 S.,16,95 Euro: lange angekündigt, jetzt endlich ausgeliefert. Nach Paradise City ein neuer dystopischer Roman der Berliner Autorin, Übersetzerin und Verlegerin.
A. F. Carter, Die Höfe (Ü: Karen Witthuhn), Polar 2023, 279 S., 26 Euro: Zwei starke Frauenfiguren – die eine Krankenschwester, die andere Polizistin – treffen im rust belt der USA aufeinander. Marcus Müntefering liefert dazu ein spannendes Nachwort zu Sinn und Unsinn von Pseudonymen.

Gianrico Carofiglio, Groll (Ü: Verena von Koskull), Folio 2023, 239 S., 25 Euro: Schauplatz Mailand: Ein Universitätsprofessor stirbt. War es ein Herzinfarkt oder doch Mord? Penelope Spada ermittelt.
Monika Geier, Antoniusfeuer, Argument 432 S., 24 Euro: Endlich ein neuer Bettina-Boll-Krimi von Monika Geier! Ich habe den Vorgängerroman Alles so hell da vorn in bester Erinnerung. – Siehe den Chop von Frank Rumpel in dieser Ausgabe, d. Red.
Bereits mit Begeisterung gelesen habe ich:
– Frank Göhre, Harter Fall, Culturbooks 2023, 163 S., 17 Euro: Ende der 1970er-Jahre: Drei Jungs wollen nach Jamaika, im „Chikago“ auf dem Kiez wird gedealt und gefeiert. Göhre liefert den Soundtrack gleich mit. Vorher den Film The Harder They Come zu gucken, steigert das Vergnügen noch zusätzlich. – Siehe den Textauszug in dieser Ausgabe, d. Red.
Andreas Pflüger, Wie Sterben geht, Suhrkamp 2023, 448 S., 25 Euro: Ritchie Girl war schon ein großer Wurf, Wie Sterben geht hält da aber locker mit. Lieblingssatz: „Pullach war so tot wie ein überfahrenes Eichhörnchen.“ Übrigens: Am Mittwoch, den 1. November 2023 um 20 Uhr, liest Andreas Pflüger bei uns im Buchladen. Der Vorverkauf läuft bereits! – Siehe das Interview von Alf Mayer in dieser Ausgabe, d. Red.
Yishai Sarid, Schwachstellen (Ü: Ruth Achlama), Kein und Aber 2023, 286 S., 24 Euro: Siv wird nach seinem Militärdienst direkt für die Sicherheitsfirma von Bulka abgeworben. Sein Job: das Infiltrieren von Telefonen und Computern. Sein Problem: ein schwer gestörtes Verhältnis zu Frauen. Ein hoch aktueller Politthriller aus Israel.
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Comic/ Heimkino/ Podcasts
– von Katrin Doerksen und Thomas Groh
Genossin Kuckuck von Anke Feuchtenberger
Reprodukt Verlag, Hardcover mit Goldschnitt, zweifarbig, 448 Seiten, bestellbar
Mehr als ein Jahrzehnt hat die Comickünstlerin Anke Feuchtenberger an dieser autofiktionalen Geschichte gearbeitet, die einen Bogen von einer Kindheit auf einem DDR-Dorf der 1960er Jahre bis zur Privatisierung von Volkseigentum in den 1990ern spannt. Jetzt liegt sie in einem edlen Hardcover mit Goldschnitt und Goldfolienprägung vor, die ein bisschen aussieht wie ein mächtiges magisches Zauberbuch – ein Eindruck, der sich beim Umblättern der expressiven Kohlezeichnungen nur noch verstärkt.
I’m still alive – Im Fadenkreuz der Mafia von Asaf Hanuka & Roberto Saviano
Cross Cult, Hardcover, farbig, 144 Seiten, bestellbar
Seitdem der italienische Journalist Roberto Saviano 2006 das Buch Gomorrha über die Machenschaften des neapolitanischen Mafiaclans Camorra veröffentlichte, lebt er unter Polizeischutz. Zusammen mit dem Zeichner Asaf Hanuka schildert er in seinem ersten Comic in symbolkräftigen Bildern seinen ritualisierten, manchmal surrealen Alltag.

Shunas Reise von Hayao Miyazaki
Reprodukt Verlag, Hardcover, farbig, 160 Seiten, bestellbar
Der frühe Manga des Regiemeisters Hayao Miyazaki (Chihiros Reise ins Zauberland), hier erstmals auf Deutsch vorliegend, ist eigentlich mehr Bildergeschichte als klassischer Comic und erzählt in zarten Pastelltönen und stark an Moebius erinnernden Formen von einem Prinzen, der in ferne westliche Lande zieht, um für sein Hunger leidendes Volk fruchtbares Korn zu finden. Dabei tauchen schon die Themen und Motive auf, die man von Miyazakis Filmklassikern für das Studio Ghibli kennt: Ostasiatische Mythen, eine ausgedörrte und vom Menschen ausgebeutete Erde, junge Protagonisten als Hoffnung der Menschheit.

Grenzgänger – die Geschichte des Berlin-Sounds von Sophia Wetzke, 6 von 18 Folgen bereits online, RBB
Im schillernden Westberliner Underground der frühen Achtziger zwischen Punk, Industrial und linker Bohème nimmt der junge Engländer Mark Reeder eine zentrale Rolle ein: Als junger Engländer aus dem grauen Manchester in der Mauerstadt gestrandet, verliebt er sich sogleich in diesen geopolitisch einzigartigen Abenteuerspielplatz für Freaks und Außenseiter. Er wird nicht nur Zeitzeuge des Westberliner Undergrounds, sondern gestaltet diesen als graue Eminenz im Hintergrund tatkräftig mit und wird nach der Wende schließlich auch eine antreibende Kraft des entstehenden Berlin Techno-Sounds. Anekdoten kann Reeder am laufenden Band erzählen – und überall dort, wo es angemessen ist, tritt er zurück und lässt anderen die Bühne. „Grenzgänger“ ist dabei dankenswerterweise kein nostalgisches Projekt („Weißt Du noch, damals, als Blixa uns im Risiko was aufs Maul gegeben hat?“), sondern legt den Finger auch auf Wunden: Die Westberliner Underground-Zeit war aufregend – aber auch irre anstrengend, dystopisch, nervenzehrend.
Parallel zur Lektüre eignet sich übrigens sehr gut „Nicht jugendfrei“, die vor kurzem im verdienten Martin Schmitz Verlag erschienene Autobiografie des Berliner Autorenfilmers Jörg Buttgereit, der sich in derselben Szene ein Herz fasste und Filme zu drehen begann (full disclosure: Der Autor dieser Zeilen hat zu dem Buch einen kleinen Beitrag beigesteuert)
Capital B – Wem gehört Berlin? von Florian Opitz
alle fünf Folgen bereits online, Arte
Flankierend dazu passt diese großartige Dokuserie des linken Filmemachers Florian Opitz, der die Zeit nach der Wende in den Blick nimmt: Hausbesetzerszene, Technoszene, aber auch: der große Ausverkauf. Krimileser wissen ja: Die schlimmsten Verbrechen finden rund ums Immobiliengewerbe statt – und sie werden nur noch schlimmer, wenn die Politik tatkräftig mitmischt. „Capital B“ wirft einen Blick darauf, wie aus dem unendlichen Freiheitsversprechen nach der Wende ein Immobilienmarkt-Albtraum wurde, wie Menschen auf der Suche nach Freiheit den Freiraum Ostberlin buchstäblich besetzten, damit aufwerteten und damit ein einzigartiges Kapitalinteresse weckten, das unter den Bedingungen der De-Facto-Staatspleite Berlins dank Rotzlöffeln wie Landowsky, Diepgen und Co. den Kuchen nach eigenem Gutdünken aufteilen konnte. Wer eine robuste Skepsis gegenüber Politikern hat und gegenüber der Immobilienbranche sowieso, bekommt mit „Capital B“ 1A-Wutanfall-Material geliefert.

Die Triffids, von John Wyndham
alle sechs Folgen online, WDR 1967
Der Herbst steht vor der Tür, was passt da besser als ein nostalgischer Science-Fiction-Mehrteiler aus dem Radiofundus? Der WDR hat seine 1967 entstandene Adaption von John Wyndhams Horror-Science-Fiction-Klassiker „Die Triffids“ für ein Jahr online gestellt. Dass die Romanvorlage von 1951 stammt, merkt man dem Stoff hier und dort zwar an. Dennoch hat die Geschichte um mutierte Pflanzen, die einer massenerblindeten Menschheit den Krieg erklären, nichts von ihrem Albdruck verloren. Die Produktion des WDR folgt den hohen Standards des Radiohörspiels: Atmosphärische Stimmung, weirde Sounds und charismatische Stimmen.












