
Eine Vielzahl von Krimi-Neuheiten …
… erscheinen jeden Monat, dazu Graphic Novels (vulgo: Comics) und DVDs und BluRays.
Unmöglich, das alles zu überblicken und zu rezensieren.
CrimeMag siebt und schürft deshalb für Sie und weist hier regelmäßig mit Hilfe der befreundeten Buchhandlungen
Chatwins (Berlin),
Wendeltreppe (Frankfurt)
und Buchladen in der Osterstraße (Hamburg)
auf interessante Neuerscheinungen hin.
Bitte denken Sie daran, dass gerade in diesen Zeiten Ihre lokalen Buchhandlungen besonderer Unterstützung und Solidarität bedürfen. Lieber dort bestellen als bei amazon. Man kann das nicht oft genug sagen – und tun.
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Im Mai erscheinen vier sehr unterschiedliche Bücher, die ich lesen möchte, wie so vieles, was sich noch auf meinen Stapeln und Listen herumtreibt. Die Zeit, die Zeit …
Claudia Denker, Chatwins, Berlin:

Es gibt etwas Neues von Oliver Bottini: »Die Summe aller Dinge« (DuMont), es wird ein komplexer politischer Roman sein. Ich bin sehr gespannt.
Frauen spielen hier mal wieder die Hauptrolle: Ich freu mich auf »El Dorado Drive«(Pulpmaster, deutsch von Peter Hammans) von Megan Abbott.
Ich habe gehört, es ist raus: Kim Koplin ist Edgar Rai. Er steckt hinter den Kriminalromanen aus der Berliner Unterwelt mit der Kommissarin Nihal Khigarian und Saad mit seiner Tochter Leila, von denen es ab Mai also zwei gibt. »Die Toten von morgen« (Suhrkamp) wird natürlich gelesen!
Noch einmal Berlin. Beim Lesen der Vorankündigung musste ich schon lachen. Horst Evers begegnet mir manchmal hier in Kreuzberg, der muss in meiner Ecke wohnen. Sein neues Buch dürfte ein recht absurdes Vergnügen werden. »Hope Joanna« heißt die Polizistin im Roman (Rowohlt).

Bereits im April erschienen, liest sich gut an: »Der Vorhang« von Ondřej Hübl (Voland & Quist, deutsch von Daniela Pusch). Eigentlich sollte der »Ausflug in den Kommunismus« nur eine Erziehungsmaßnahme für Joseph Kaarls linksextreme Tochter Luisa werden, es scheint allerdings nicht nach Plan zu laufen. Eine tschechische Groteske, die mich neugierig gemacht hat.
Diese Graphic Novel hat seine Vor- und Nachteile: »Die Geschichte des Krimis« (Splitter Verlag, deutsch von Harald Sachse) von Claire Caland und Sandrine Kerion (Zeichnungen) macht so viel Spaß, zeigt mir aber auch, was ich noch nicht gelesen habe – Leseliste also wieder länger! – Von Thomas Wörtche bei uns besprochen, d. Red.
Einer meiner Lieblingsautoren John Niven hat wieder mal keinen Krimi geschrieben, da brauche ich trotzdem nicht zu überlegen. »Zwei Väter« (btb, deutsch von Stephan Glietsch) – ganz oben auf meinem Stapel!
Noch etwas ganz anderes – Christiane Rösingers Buch »The Joy of Aging« (Rowohlt). Ich habe noch nie ein Buch über das Älterwerden oder alternde Frauen gelesen. Aber das hier ist bestimmt das lustigste und schönste!
Zum Schluss noch etwas Herzerfrischendes aus dem Hause Suhrkamp: »Ach die dumme Literatur!«. Nicolaus Mahler, hier nur Mahler, hat ein Büchlein zusammengestellt mit Zitaten bekannter Schriftsteller*innen nur über das Schreiben, verzweifelt, neidisch und sehr lustig.
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Jutta Wilkesmann und Hildegard Gansmüller, Wendeltreppe, Frankfurt:
Ken Jaworowski: What About the Bodies (Pendragon) – hier bei uns besprochen, d. Red.
Colin Walsh: Kala (Gutkind) – hier bei uns besprochen, d. Red.
Achim Kinter: Ist das dein Ernst, Charlotte? (Mirabilis)
Jess Kidd: Mord in der Pension Möwennest (DuMont)
Nadine Monfils: Magritte & Georgette machen Ferien (Eisele)
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Torsten Meinicke, Buchladen in der Osterstraße, Hamburg:
Hier kommt meine Schatzsucher-Ausbeute:
Susanne Kaiser, Witch Hunt. Obalskis zweiter Fall, Rowohlt Wunderlich 2026, 400 S., 24 Euro: Riot Girl war ihr Krimidebüt. Ein erstaunlich tolles obendrein. Nun legt Susanne Kaiser nach und schickt Obalski wieder in den Kampf gegen Frauenfeinde im Netz und im realen Leben. – Bei uns hier besprochen, d. Red.
Thomas Knüwer, Giftiger Grund, Droemer 2026, 332 S., 18 Euro: Der Hamburger Autor und Träger des Deutschen Krimipreises hat nachgelegt. Ort der Krimihandlung ist eine verlassene Tankstelle, wo sich drei Menschen begegnen. Das kennen wir schon aus anderen Kriminalromanen (siehe Wittekindt). Es funktioniert hier aber wieder prächtig.

Matthias Wittekindt, Die Tote im Hafen. Ein Fall für die Küsten-Kommissarinnen, Kampa 2026, 286 S., 18,90 Euro: Eine Leiche, zwei Kommissarinnen, die Nordsee als Tatort. Wittekindt kehrt mit diesem Serienauftakt (?) an den Tatort zurück, an dem schon sein letzter Manz-Roman spielte. – Bei uns hier besprochen, d. Red.
Denise Mina, Die große Hitze. Ein Philip-Marlowe-Roman (Ü: Else Laudan), Argument 2026, 302 S., 24 Euro: Da muss erst eine Frau und Schottin kommen, um den perfekten Philip-Marlowe-Roman zu schreiben. Der Privatdetektiv ist moralisch auf der richtigen Seite und zwischendurch auch in einer Lesbenbar. Cooler Stil, klasse Dialoge, kongenial übersetzt. Und sauschön gestaltet noch dazu! – Bei uns hier besprochen, d. Red.
Und ein wenig abseits des Genres habe ich noch folgende Tipps:
Paul Ingendaay, Entscheidung in Spanien. Der große Kampf der Literatur 1936-1939, C.H. Beck 2026, 352 S., 28 Euro: In diesem Sommer jährt sich der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs zum 90. Mal. Ein guter Grund, die Erbarmungslosigkeit dieses Kampfes in Erinnerung zu rufen, aber auch an die internationale Solidarität zu erinnern. Chronologisch führt uns der Autor durch drei Jahre Bürgerkrieg, auf den Spuren von Gerda Taro, Martha Gellhorn, Ernest Hemingway, George Orwell und ganz vielen anderen mehr. – Bei uns in non fiction, kurz besprochen, d. Red.
Fernando Aramburu, Fabula (Ü: Willi Zurbrüggen), Rowohlt 2026, 300 S., 24 Euro: In Patria hat der Autor sich vor Jahren ernsthaft und ausführlich dem ETA-Konflikt angenommen. Mit Fabula schreibt er nun eine Komödie, in der die beiden baskischen Volldeppen Asier und Joseba unbedingt ETA-Kämpfer werden wollen, obwohl diese sich bereits aufgelöst hat.
Und ein letzter Tipp von mir zum Schluss: Hört auf, ausdauernd auf Zapfsäulen zu starren. Lasst das Auto einfach stehen und investiert das gesparte Geld in Bücher!
Torsten Meinicke
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Tipps aus der Redaktion:

(TW) FC Bayern München – eine Liebeserklärung von Markus Kavka (Ullstein). Jawoll, dann muss ich das nicht jedes Mal machen. Wenn ich ihn richtig verstehe, ist Herr Kavka jemand Wichtiges aus dem Musikbetrieb, weswegen er auch name dropping ohne Ende betreibt, aber nu … Seine Einstellung zum und seine Sicht auf den FCB sind völlig okay.
(TW) Thomas Riegler: Spionagestadt Wien. Ein historischer Reiseführer (Promedia). Auch wenn ich garantiert nicht mit einem Stadtplan herumlaufe und mir Gebäude angucke, nur weil da irgendwann mal was war – Thomas Rieglers Buch ist eine sehr wohl informierte, wirklich kompetente Geschichtssammlung über Wiens Rolle im Spionagebusiness über die Jahrhunderte. Lehrreich, well done.
(TW) Nochmal Wien. Da wohnt der Herr Graf, sicher der netteste Vampir, der mir je begegnet ist. Findet seine Nachbarin Hannah erstmal nicht, dann aber schon. Denn wie die ihre ist auch Herrn Grafs schöne Altbauwohnung durch die Gentrifizierung und widerwärtige Entmietungskommandos bedroht. Das sind die wirklich schlimmen Blutsauger. Ein Vampir von Ehre und cortesía kann das nicht durchgehen lassen. Politisch klarsichtig, eine herzerwärmend charmante und sehr kenntnisreiche Hommage an alle klassischen Vampire, die auf sich halten. Echt süß, dieser Comic von André Breinbauer: Blutsauger (Carlsen).

(AM) Vor Ort wie als Livestream kann am 20. Mai, 20 Uhr, bei der Buchpräsentation von Arno Schmidt – Tagebücher der Jahre 1957-62 im Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin , dabei sein. Jan Philipp Reemtsma und Susanne Fischer präsentieren den in langer Arbeit entstandenen Band. Arno Schmidt begleitete sein Schreiben und Leben mit kurzen Notaten in Tagesnotizbüchern. Jene der Jahre 1957 bis 1962 sind erhalten und nun komplett veröffentlicht. Das fasst den Umzug der Schmidts von Darmstadt nach Bargfeld ebenso wie die Entstehung der Romane »Die Gelehrtenrepublik« und »KAFF auch Mare Crisium« sowie der Erzählungen aus »Kühe in Halbtrauer«. Literarische Arbeit, Lektüren, Korrespondenz, Finanzsorgen, der Ehe-Alltag und die Belastungen des Umzugs – alles findet sich wieder.
(AM) »Der Maikäfer, Direktor Haffenloher, Nscho-tschi und Karl Marx« überschrieb Wolfgang J. Ruf bei uns seinen Nachruf auf Mario Adorf. Hier ist er noch einmal zu lesen. »Die Filme und Rollen, in denen Adorf über die sieben Jahrzehnte seiner künstlerischen Laufbahn auftrat, sind schier nicht zu überschauen«, heißt es darin. Hier eine filmische Erinnerung an Mario Adorf im italienischen Genrekino der Siebziger. »Acht Minuten, die zum Wahnwitzigsten gehören, mit dem der italienische Kriminalfilm damals jede Leinwand anzündete. Kino ohne Netz und doppelten Boden« (Thomas Groh). Deutscher Titel: »Der Mafia-Boss – Sie töten wie Schakale«, internationaler Titel »The Italian Connection«, auch »Manhunt«, Originaltitel »La mala ordina« (1972) von Regisseur Fernando Di Leo.












